Sonntag, 2. Januar 2011
endorphin
weils so hübsch passt, auch wenn es mich eher melancholisch stimmt....

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handwerker-frage
der teufel sitzt ja oftmals im detail. in meinem falle besteht er aus zwei durchgenudelten schrauben, die betonfest sitzen und das auseinanderbauen meines metall-bettes verhindern. mit inbusschlüssel und zange bin ich schon gescheitert. sprengstoff habe ich noch nicht in erwägung gezogen.

unauseinandergebaut kriegen wir das bett höchstwahrscheinlich nicht durch die wohnungstür. guter rat ist also teuer.

sagen sie doch mal.

verzweifelt,
frau morphine

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Samstag, 1. Januar 2011
in the year 2525 2011
liebe bloggers, ich hoffe, sie sind gut ins neue jahr gerutscht. ich lebe noch, das heißt, so schlimm war es dann wohl hier auch nicht.

gerade war es noch 2001, hab ich eben beim schreiben bemerkt. zehn jahre, nur einen tipper weit entfernt.

silvester 2000/2001 war ein unheimlich stressiges und zugleich eines meiner guten silvester. zuerst musste ich die gäste bei meinen eltern mit empfangen, höflichkeitsfloskeln austauschen und hochkalorische häppchen futtern. dann sprang ich in ausgehkleidung und fuhr zu meiner allerbesten freundin, die mit ihrer tochter, ihrer schwester und deren mann sowie einigen freunden silvester feierte. ein kreis, den ich heiß und innig liebte und dessen kroatisches blut mir so viel wärmer und herzlicher erschien als die blasse deutsche oberfächlichkeit.
um mitternacht war ich mit meinem damaligen freund und dessen kumpels am hauptmarkt verabredet. hauptmarkt bedeutete, u-bahn fahren zu müssen. an silvester eine tortur, weil spackige jugendliche in n. nichts lieber tun, als böller in u-bahn-stationen zu zünden. davor hatte ich tierische angst, zum einen wegen des unweigerlich entstehenden hörschadens, zum anderen, weil ich kindheitstraumatisiert immer glaubte, jemand könnte mit böllern auf mich werfen und mich um einige kleine, aber bedeutende körperteile wie beispielsweise eine nase oder ein auge ärmer machen. dennoch überwand ich meine angst und machte mich an die schier unmögliche aufgabe, meinen freund und seine kumpels zwischen den tausenden von menschen am hauptmarkt zu finden. es war wie bei einer globalisierungs-demo, nur dass statt bierflaschen und steinen eben böller und raketen flogen. aber weil das schicksal mir hold war, fanden wir uns eine minute nach mitternacht. drei stunden später nahm er mich dann mit zu sich nach hause, in die schlimmste kifferbude i´ve ever seen, wo wir dann sex hatten, oder vielmehr ich hatte sex mit einem großen, schönen schwanz, an dem ein recht lebloses stück restkörper hing, das diverse seufz- und grunzlaute von sich gab. der schock kam dann am morgen, als ich bemerkte, dass im selben zimmer noch zwei kumpels schliefen, die mich dann später beim frühstück vielsagend und lüstern angrinsten. vielleicht hätte ich schon damals mein erstes gruppensex-erlebnis haben können. nichtsdestoweniger ein schönes silvester, an dem ich mich sehr geborgen, gemocht und geliebt fühlte, vor allem, als mein freund irgendwann flüsterte: "so viel wie für dich habe ich schon ewig nicht mehr für eine frau empfunden." nun, es mag relativierend hinzuaddiert werden, dass der mann damals 22 war und vor mir erst eine feste freundin gehabt hatte, und dass dem gefühlvollen satz ein anderer folgte, nämlich "und du hast voll geile titten" - aber ich schwebte definitiv im siebten himmel. drei wochen später verliebte ich mich allerdings bereits in einen anderen und machte schluss.

jut, das war einmal. zurück in die gegenwart.

gestern war es jedenfalls doch weniger schrecklich, als ich befürchtet hatte. ich machte mich auf die suche nach frau arboretums filmtipp "drugstore cowboys", wurde fündig und hatte damit neben dem trübsalblasen schon mal eine gute ablenkung mit einem damals wirklich gut aussehenden matt dillon, der mich in seinem 80er/early 90er-look irritierenderweise an meine erste große liebe erinnerte. (herzlichen dank noch einmal an dieser stelle an die frau mit dem guten filmgeschmack!)

gegen 21 uhr wurde es dann turbulent, als mich eine nachricht der freundin des dritten im bunde ereilte. sie und der dritte waren auf dem weg zum objekt, das wohl eine kleine silvesterfeier gab. und ich solle auch kommen. da ich wusste, dass die ahnungslose blonde objekt-freundin, der das objekt monogamie und eine eidideiditrallala-beziehung vorgaukelte, anwesend war, verwunderte mich die einladung stark. ich schrieb der dritten-freundin zurück, dass ich das sehr lieb fände, aber im anbetracht der umstände (die dritte-freundin ist über das liebesleben des objekts bestens im bilde) könne ich mir nicht vorstellen, dass das objekt das wirklich ernst gemeint hatte. die dritte-freundin schrieb zurück, doch doch, es sei sogar die idee der objekt-freundin gewesen. das fand ich noch einmal viel seltsamer, denn auch wenn die blonde mir sehr sympathisch war, fiel unser verhältnis doch eher in die rubrik "sehr flüchtige begegnung". wir hatten uns noch nie wirklich unterhalten und es wunderte mich, dass sie sich überhaupt an meinen namen erinnerte.

also schickte ich dem objekt eine sms, berichtete von der merkwürdigen einladung und fragte, ob das ganze auf seinem mist gewachsen sei. die antwort kam fast postwendend. das objekt fand den gedanken, dass ich mitfeiern könnte, sehr schön, gab aber dann zu, dass das nicht seine idee gewesen sei, sondern vielmehr frauendynamik. er wisse auch nicht, was er tun solle, schrieb es weiterhin, ich solle mal meine meinung sagen. ich bat das objekt, es möge sich mal rausschleichen, damit wir das besprechen könnten.
eine viertelstunde später hatte ich einen sehr aufgeregten mann am apparat.
"ich weiß überhaupt nicht, was ich tun soll", flüsterte das objekt in den hörer. "die dritte-freundin und die meine, die nehmen mich hier richtig unter druck, dass ich dich anrufen und bitten soll, doch auch zu kommen."
"wie kommt überhaupt deine so genannte freundin auf die idee, mich einzuladen?! sie kennt mich überhaupt nicht und sie sollte auch nicht wissen, dass wir uns näher kennen."
"du, und genau das kommt mir auch ganz komisch vor: dass die so unbedingt wollen, dass du dabei bist."
das objekt hatte ganz offensichtlich die hosen voll.
ich musste lachen:
"du glaubst, das ist ein frauenkomplott und die beiden wollen uns heute abend überführen?"
"so ähnlich." die stimme des objekts zitterte ganz ungewohnt.
"jetzt sag doch bitte, was ich machen soll! ich brauche jetzt echt mal deine hilfe."
"du, das ist jetzt eigentlich echt nicht mein shit. ich hab dir immer gesagt, es ist das beste, wenn alle bescheid wissen und sich mit der situation arrangieren, wie auch immer."
das objekt schwieg, dann flüsterte es, offenbar in panik:
"du, ich muss schluss machen, da kommt wer."
einige minuten später, als der störenfried außer hörweite war, rief das objekt wieder an. ich hatte zwischenzeitlich widerwillig über eine objektfreundliche lösung nachgedacht.
"also, meines erachtens gibt es zwei möglichkeiten. die erste wäre, ich komme nicht, wobei ich da eine sehr gute, kurzfristige ausrede brauche, weil ich der dritten-freundin schon halb zugesagt habe. die zweite möglichkeit ist, wir spielen das mit und ziehen es durch bis zum gegebenenfalls bitteren ende. vielleicht entspannt sich die situation ja auch, wenn ich anwesend bin. ich bin ja nicht doof, ich weiß schon, was ich sagen darf und was nicht."
das objekt jammerte.
"ich hab das gefühl, die frauen hier ahnen irgendwas... ich wollte doch heute einfach nur in ruhe ein bisschen feiern, und jetzt ist alles so angespannt."
ich merkte, dass das objekt keine nerven für das große theaterspiel hatte.
"pass auf, dann bleibe ich weg. denn wenn du dich dann so verspannt mir gegenüber verhälst, wird sich der verdacht - sollte einer bestehen - nur erhärten. ich meine, ich könnte es trennen, aber ich habe gerade den eindruck, dir schwimmen im moment alle felle davon."
das objekt schien erleichtert, dass eine entscheidung getroffen wurde, verabschiedete sich knapp und legte dann auf.

so blieb ich alleine. gegen 23 uhr überfraute mich dann die große müdigkeit. ich legte mich ein wenig ab, bis mich zehn minuten vor mitternacht das lauter werdende geböller weckte. ich überlegte, ob ich auf die straße gehen und eine rauchen sollte. so eine art zigarette danach, das kann man doch auch dann machen, wenn die nummer, pardon, das jahr, nicht wirklich so durchgehend gut war. gesagt, getan, rasch ein wenig make-up aufgelegt, falls mir in der ersten minute des neuen jahres der mann meiner träume auf dem weißen pferd begegnen sollte, dann in einen halbwegs feierlichen rock und strümpfe gehopst und raus auf die straße.

draußen war niemand. die komplette häuserreihe lag in dunkelheit. offenbar hatte hier jeder eine familie oder einen funktionierenden freundeskreis, mit dem er feierte, oder wenigstens genug kohle, um silvester auf den bahamas zu verbringen. am ende der straße böllerte eine familie und ich überlegte, ob ich mich einfach in die nähe stellen sollte. dann rief jemand von oben: "frohes neues!" ich drehte mich um und blickte hoch. auf dem balkon im ersten stock stand meine nachbarin mit einigen freunden. wir kannten uns eigentlich nur vom sehen im treppenhaus. ihr hund mochte mich, das wusste ich, mehr nicht.
"sag mal, bist du ganz alleine?!" rief mir meine nachbarin dann zu.
"ähm, ja", sagte ich kleinlaut. meine offensichtliche einsamkeit war mir kurzzeitig peinlich, wollte ich doch weder wie ein schräger vogel dastehen, den keiner leiden kann, noch wünschte ich gesellschaft aus mitleid.
"los, komm hoch, dann kriegste ein glas sekt", brüllte meine nachbarin.
das klang so burschikos-herzlich, dass ich nicht nein sagen konnte.
zwei minuten später saß ich mit lauter fremden frauen in einem fremden wohnzimmer. abgesehen davon, dass es ein furchtbar fröhlicher, netter haufen war, hatten sie eines gemeinsam: sie waren alle lesben. die meisten von ihnen sahen aus, wie man sie sich aufgrund bekannter klischees vorstellt. nur die augenblickliche lebensgefährtin meiner nachbarin fiel da etwas heraus, sie erinnerte mich stark an meine zu pubertätszeiten beste weggeh-freundin a., die ich immer verdammt hübsch fand. jedenfalls kann ich schon mal sagen, dass meine nachbarin einen guten frauengeschmack hat.

nach einer lustigen, sektreichen stunde verabschiedete ich mich dann, da ich noch mit dem dritten und der dritten-freundin zum clubbing verabredet war. es war kurz nach eins, als ich mich aufs fahrrad schwingen wollte. prompt fing es an zu regnen. ich überlegte kurz: regen plus schneeschmelze = maximale schlittergefahr. neenee, wir sind vernünftig und nehmen den bus, zumal bei regen das fahrradlicht nicht funktioniert und anlässlich silvester garantiert jede menge bullen unterwegs sein werden.
doch dann begann ich zu rechnen: die strecke bis zur haltestelle, ungewisse minuten des wartens in der feuchten kälte, die fahrt und anschließend der nicht unbeträchtliche restweg... nein, wir werden lieber gleich laufen, sagte ich mir, so eine knappe stunde ist doch ein schöner neujahrspaziergang und auf zehn minuten kommt es dann auch nicht an. fröhlich marschierte ich los. allerdings sollte ich rasch bemerken: regen + tauwetter + highheels = verdammte scheiße. ich rutschte und schlitterte und kam nur im schneckentempo voran. das nächste taxi ist meines, das setz ich von der steuer ab, denn den dreckspissern vom finanzamt drück ich eh genug ab, dachte ich ergrimmt, doch hatte ich die silvesterbedingte nachfrage nicht einkalkuliert. ich bekam kein taxi und als ich nach einer stunde die augustenburger straße erreichte, wusste ich, es lohnte sich nicht mehr. irgendwann machte ich es dann wie die anderen fußgänger und benutzte einfach die straße, die gesalzen und deshalb frei war. die autos gurkten um uns herum und hupten, aber die bürgersteige eigneten sich nunmal definitiv nur noch zum selbstmord.

viel zu spät trudelte ich im club ein und stellte fest: bis auf millionen besoffener spacken war keiner da, den ich sehen wollte. ich stand und starrte mir die augen aus nach den beiden vertrauten gestalten en noir, während mir drei, vier typen auf die füße traten und in mein dekolltee sabberten. ich wartete zehn minuten, dann beschloss ich zu gehen. schade um den eintritt, grollte ich, erst recht nach der hochhackigen tor-tour über die schmelzenden gletscher hamburgs. doch als ich mich auf dem weg zur garderobe befand, stürmte jemand auf mich zu und umärmelte mich. es war die dritte-freundin, im schlepptau der dritte selbst.

zwei stunden lang ließen wir die spacken spacken sein und amüsierten uns auf den tanzfläche. dann war der dritte plötzlich verschwunden. die dritte-freundin, die etwas trinken wollte, suchte ihn, da ihr liebster den gemeinschaftsgeldbeutel bei sich trug.
"hoffentlich ist er nicht auf dem klo und kotzt", sorgte sich die dritte-freundin.
"hat er so viel getrunken? er wirkt eigentlich ganz nüchtern."
"naja, es ging. ist ja jetzt auch schon ein bisschen her."
nach einer halben stunde tauchte der dritte endlich wieder auf. er sah etwas derangiert aus. wie sich herausstellte, war er in eine prügelei geraten, hatte sich aber so erfolgreich gewehrt, dass er aus dem club geflogen war. da er die türsteher kannte, war er jedoch problemlos wieder hinein gekommen. die dritte-freundin tröstete den helden, doch der wollte dann lieber doch nach hause. so verabschiedeten wir uns gegen halb fünf uhr morgens herzlich, dann begab ich mich auf schlitterpartie back home. um sechs uhr lag ich endlich in meinem bett und dachte: wenn 2011 so chaotisch weitergeht, wird es ein genauso spannendes, aufregendes, frustrierendes und dennoch zeitweise einfach wunderbares jahr wie 2010.

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Freitag, 31. Dezember 2010
silvester-umfrage
da dies nun mein erstes silvester alone at home wird:
wie lenkt man sich am besten von eben dieser tatsache ab?
und: was knallt am schönsten (in der birne, nicht an der birne)?

folgende optionen fallen bislang nicht in die engere wahl:

- in den wald (vorher suchen, vermutlich irgendwo stadtrand) laufen und weinen
- auf das dach des radisson sas klettern und springen
- heroin kaufen und sich wegballern
- 112 rufen und solange in den hörer weinen, bis sie den psychiatrischen notdienst vorbeischicken
- beim mittsechziger-nachbarn im dritten stock klingeln und ihn zum sex zwingen
- sich auf die straße legen und warten, was schneller geht: erfrieren oder überfahren werden

kreative vorschläge dringend erwünscht. sie können ein leben retten (etwas, worauf sie mindestens die nächsten zehn bis 20 jahre stolz sein werden)! es gibt allerdings keinen finderlohn (für diejenigen, die mir auf das radisson-sach nachkraxeln oder mich von der vereisten straße zerren)! das projekt ist also eher etwas für selbstlose seelen...

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Dienstag, 28. Dezember 2010
painting my heart green
für den stalker mit dem grünen silberblick. ich bin gespannt auf... morgen. oder übermorgen.

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vom ankommen und weiterziehen
irgendwann möchte ich einmal länger als zwei jahre irgendwo wohnen bleiben. einfach nur, weil das ständige umziehen so lästig und aufwändig ist.

die weihnachtstage über habe ich mit angehaltenem atem verbracht und den montag herbeigesehnt, an dem telefone wieder besetzt sind und zahlungen wieder fließen. nun verbringe ich meinen resturlaub damit, mit behörden und ämtern und unternehmen zu telefonieren und kriege dreimal am tag einen herzkasper, weil irgendwas fehlt, eine führerscheinnummer, ein nachweis, ein detail für eine zahlungsanforderung.
daneben sitzt mir das finanzamt im nacken und beschießt mich mit fristen, die ich nicht einhalten kann.

ich fühle mich fremd. ich fühle mich am falschen platz, zum ersten mal, an diesem ort, an dem alles langsamer tickt, an dem die menschen diese sicherheit umgibt, von der ich nicht weiß, woher sie sie nehmen. vielleicht, weil in ihrer welt alles in ordnung ist. wahrscheinlich schon allein deshalb, weil sie materielle not nicht so kennen, dieses allmonatliche mit-dem-arsch-auf-grundeis-schlittern, bis dann hoffentlich der kunde zahlt und man wieder für ein paar tage normal leben kann, die pistole auf der brust ein bisschen weniger wahrnimmt, weil die dick gefüllte aldi-einkaufstüte dazwischen ruht.

aus meinem freundeskreis im süden breche ich immer mehr heraus. die isolation, die mich in hamburg umgibt, hat sich irgendwie übertragen. ein harter kern hat sich gehalten, doch der lebt ein ganz anderes leben als ich und kann nicht im geringsten nachvollziehen, woher meine anspannung rührt. sie kennen nicht die permanente existenzangst, nicht die tiefe sorge, für immer allein zu bleiben, nicht die erdrückende verantwortung, aus der ferne für zwei älter werdende menschen verantwortlich zu sein.

meine mutter ist interessanterweise die einzige, die erkennt, welche last da auf meinen schultern ruht. sie spricht offen aus, dass sie sich sorgt, dass ich eines tages durchdrehe, weil ich mich und mein leben mit in ihren augen unmenschlicher härte selbstverwalte. ich muss, wenn ich überleben will, sage ich, und sie hat tränen in den augen, wenn sie sagt: aber es ist so schwer, das mit anzusehen, ich hätte mir ein schöneres leben für dich gewünscht.

aber was ist denn schon ein schönes leben? habe ich nicht doch irgendwie noch glück gehabt? ein bisschen wenigstens?

endlich eine arbeit gefunden zu haben, mit der ich zwar kaum etwas verdiene, vor der ich zum ersten mal aber keine angst habe? einen mann getroffen zu haben, der mir nicht gehört, den ich aber dennoch und genau deshalb so sehr liebe, und der meine ups ands downs versteht, weil er aus demselben holz geschnitzt ist? die unsentimentale und pragmastische fähigkeit, alles lieber selbst machen zu wollen, gepaart mit der erkenntnis, dass man sich besser auf nichts und niemanden verlässt?

und ist es nicht normal, dass die totale freiheit immer auch eine heidenangst macht?
man kann wohl keinen halben goldenen käfig haben. schon gar nicht, wenn man so ein zugvogel ist wie ich.

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Sonntag, 26. Dezember 2010
jägerzaunidylle und lost im raucherparadies
süße, erdrückende langeweile. nicht, dass ich das bedürfnis hätte zu arbeiten. ich fühle mich schlecht und nutzlos, so ganz ohne. aber ich nehme es streng mit der selbstverordneten ruhe und sitze eben den ganzen tag in meinem mädchenzimmer und beobachte, wie sich der schnee immer höher schichtet.

die party, auf der ich gestern abend noch war, weil sie die einzige in den nächsten tagen war, brachte auch keine abwechslung. das dj-set erreichte die talsohle der uninspiriertheit gegen drei uhr morgens mit "sunglasses at night", ein alter schinken, der gewissermaßen schon am verwesen ist. auch sonst gab es keine musikalischen impulse, die mich hätten aufhorchen lassen oder aus dem sessel bewegen können. tanzen war also fehlanzeige. was mich beinahe zum hyperkinetischen ausrasten brachte.
zudem waren nur wenige leute da und diejenigen, die da waren, waren überwiegend männer, mit denen ich mal was hatte. sie starrten mich immer noch mit dem gleichen gesichtsausdruck verletzter füllen an, weil ich in der regel diejenige war, die schluss gemacht hatte. zu tode geglubscht verkroch ich mich dann in den hinterletzten winkel, da ich keine fragen wie "wohnst du immer noch in hamburg?" oder "na was macht die liebe" beantworten wollte. zum glück war meine beste freundin da. allerdings hatte sie ihren mann dabei - und der beschäftigte sich den abend über intensiv mit meinem letzten vor-ort-ex.

irgendwann jedoch gelang es mir, den mann meiner freundin zum rauchen weg in den garten zu locken, was ihm sehr entgegenkam, da er gerade halbfreiwillig nichtraucher werden soll. wir huschten durch den flur und hinaus in die eiseskälte, beide ohne jacke, da es ja nur eine kippenlänge eisschranktemperaturen zu ertragen galt. dachten wir.
doch kurz, nachdem wir im schneesturm unsere zigaretten entfacht hatten, passierte es: der wind schlug die tür zu.
wir guckten dumm. h. rüttelte am knauf.
"scheiße, die ist zu."
ich war noch ganz cool und meinte nur:
"egal, wir gehen einfach durch den garten und vorne raus und zum eingang wieder rein."
schlotternd, aber noch entspannt rauchten wir zu ende und trippelnden dann richtung gartenausgang.
was wir allerdings nicht wussten: die betreiber des clubs hatten in den letzten wochen einen etwa zwei meter hohen holzzaun um das grundstück gebaut. was bedeutete, dass unser fluchtweg abgeschnitten war.
"ach du kacke", sagte ich, als wir vor der nicht enden wollenden bretterwand standen.
"was machen wir denn jetzt?" fragte h.
ich holte mein handy aus der tasche.
"ich ruf deine frau an."
"das ist aber optimistisch. die hört dich doch nicht da drinnen."
"egal, vielleicht haben wir ja glück."
leider hatte h. den besseren realistätssinn von uns beiden. ich versuchte es dreimal ohne erfolg, dann gab ich auf.
inzwischen war uns jackenlosen sehr, sehr kalt. wir rannten zurück zur gartentür und begannen zu rufen und zu klopfen. doch keiner hörte uns.
"wie lange hält es ein mensch eigentlich aus, ohne jacke bei minusgraden und schneesturm?!" witzelte ich.
doch auch h. war inzwischen mulmig geworden.
dann hörten wir am anderen ende des garten plötzlich stimmen. klar, da war ja der parkplatz. h. rannte los und rief:
"hallo, hallo... könnt ihr uns helfen?"
er schilderte kurz unser anliegen. doch leider waren die passanten nur besoffene vollpfosten, die glaubten, wir nähmen sie auf den arm. sie lachten und verkrümelten sich.
mittlerweile waren wir richtiggehend verzweifelt. wir gingen langsam schweigend zum verschlossenen eingang zurück. schutzsuchend kauerte ich mich an die tür und hoffte, das holz würde mich wärmen. plötzlich jedoch gab die tür in meinem rücken nach. schemenhaft erkannte ich m.s irokesenkopf hervorlugen.
"was macht ihr zwei hübschen denn da?!" fragte m. erstaunt. "h., deine frau sucht dich schon!"
"mann, bin ich froh, dass du da bist", rief h. und nahm m. in den arm. der wunderte sich, bis h. ihm unsere unfreiwillige exkursion in die arktis schilderte.

das war aber leider auch schon der höhepunkt des abends. ich wollte mich nach dem schockfrosten erstmal aufwärmen und holte mir einen white russian an der bar. und ohne pauschalisieren oder unken zu wollen: barkeeper, die beim mixen in der karte nach den zutaten schauen müssen, machen mich nervös. das ist wie ein arzt, zu dem sie wegen einer erkältung kommen und der dann in seinen büchern nachgucken geht.
mein gefühl betrog mich nicht. der weißrusse war eine schale milchplörre mit unmengen von eiswürfeln.
danach hatte ich endgültig genug. ich packte meine siebensachen und verschwand frustiert.

zuhause bei meinen eltern schwor ich mir dann, dass mein nächster heimaturlaub garantiert nicht mehr in einer totenzeit wie weihnachten stattfinden wird. ab sofort wird urlaub nur noch nach partykalender gebucht. und merke: beim betreten von diskotheken immer fluchtwege checken!

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