Freitag, 24. Dezember 2010
schneelandung, lovely
das war der spannendste flug meines lebens. und zuvor: die langweiligsten stunden am flughafen ever. die landung dafür unerwartet wie auf butter. klar, liegt ja genug schnee hier. der süden ist jedenfalls mindestens so weiß wie der norden.

und mir ist feierlich, auch ohne objekt.

deshalb seid umschlungen, millionen, ich wünsche euch ein frohes fest, lauscht dem weißen rauschen zwischen himmel und erde, atmet den kerzenwachsduft, seht in die gesichter, die in diesen tagen vielleicht kleine lichter von vorfreude tragen auf ein ungewiss, auf einen neustart oder einfach nur auf das weitermachen im guten.

ich bin milde, ich bin satt. für eine woche ziehe ich mich von allen zurück und lade meine serotonin- und dopaminspiegel wieder auf. die exzesse klein halten, die fühler unter dem kampfhelm hervorholen, liebkosen statt abchecken.
es wird nicht viel passieren. es ist hier ja keiner. schon gar keiner von begehr. noch nicht mal groß party.
aber gut. wir lassen die leisen töne hervor. die, die mir das objekt mit auf den weg gab. die, die ich hier, obwohl wunderwunderschön, nicht posten kann. zu intim, unteilbar wie die kleine gänsehaut, die die erinnerung an mein hamburger weihnachten noch immer in mir auslöst.

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Donnerstag, 23. Dezember 2010
mein leben, ein film
das eine ist kino.
meines ist echt. der stoff, aus dem (verbotene) träume sind. zum einatmen, zum anfassen, zu schmecken, fühlen und sich-verbrennen.

den film würde ich trotzdem gerne sehen. allein, um den realitätsgehalt zu prüfen.

begleitung?
immer gern.
aber ihr seid doch eh alle schisser, stimmts?

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ausnahmsweihnachten
mein weihnachten ist schon vorbei, es war von gestern abend bis heute vormittag.

das objekt sorgte für zweiraum und arragierte uns ein sohnemann-frei für einen abend. als ich von der arbeit kam, gab es tischlein-deck-dich-artig ein selbstgekochtes, mehrgängiges traditionelles weihnachtsmahl mit upper-class-rotwein und omas silberbesteck. zum nachtisch dann hardstuff, böse kräuter sowie brot und spiele.

der dazugehörige einkaufsexzess wurde komplett vom neuerdings quasi gemeinsamen konto finanziert. das objekt ist nun mehr der erste mensch und der erste mann, dem ich meine kreditkarte anvertraue. leichtsinnigerweise.
doch mein vertrauen wurde nicht missbraucht. im gegenteil. die abrechung stimmte bis auf den letzten cent, obwohl ich darauf im anbetracht der exakt gleichen ärmlichen verhältnisse keinerlei wert lege.
und last but not least: sogar die wohnung war geputzt, obwohl das objekt putzen hasst wie die pest.
das nenne ich wertschätzung. vertrauen angemessen beantworten. dies schafft ein mensch, mit dem ich offiziell nicht einmal zusammen bin. das ist mehr, als ich jemals erwartet hätte, nach allem, was ich mit anderen erlebt hatte.
es ist achtung. "weil du jemand bist, der so clever ist, dass sie die welt so checkt, wie sie nun mal funktioniert." meint auch und vor allem: dass ich es handeln kann, dass ich nicht die einzige frau mit bedeutung im objekt-leben bin.

der spalt an offenheit weitet sich immer mehr. vielleicht wird es helfen, die zeiten zu überdauern. stärker zu sein. zu wachsen und herr zu werden über kleinlichkeiten, eifersucht und die zeitweise alles verschlingende sehnsucht. ich bete, dass ich die kraft dafür besitze, dass man(n) mir die kraft immer wieder aufs neue verleiht.

zum dank habe ich die arbeit aufgeschoben und bürotechnisch ein bisschen hellblau gemacht. das gemeinsame morgendliche kuscheln war einfach zu nett.

ich bin glücklich, für einen moment. ich bin satt. vielleicht ist das endlich ein hauch vom land of the fat nach sieben dürren jahren.

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Montag, 20. Dezember 2010
energy
für und wider dem unruhegeist:

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Samstag, 18. Dezember 2010
asylantenheim, klappe III
gestern abend, als ich mich nach einem painkiller-shot und einer unfreiwilligen alkoholisierungsaktion auf arbeit (weihnachten macht mich zur ethanolikerin) ins bett begeben wollte, ereilte mich eine sms. sie war vom objekt und dem dritten im bunde. zunächst glaubte ich, man(n)/männer wolle mich zu später stunde noch beglücken. no way, dachte ich. dann rief ich aber doch an und fragte nach. es stellte sich heraus, dass objekt und dritter mann am streiten waren, ob sie noch weggehen sollten oder nicht.
"kannst du nicht mit dem dritten ein bisschen ausgehen?" fragte mich das objekt.
"hmmm..." seufzte ich müde. "ich bin schon in schlafklamotten!"
"okay, wann kannst du hier sein?"
ich habe schon einmal erwähnt, dass meine neins selten gehört werden, oder?

also stellte ich mich unter die dusche, warf schnell ausgehkleidung über mich und schwor mir, um vier uhr morgens wieder zuhause zu sein. mit dem rad fuhr ich durch den tiefschnee bis zum objekt. dort öffnete mir der dritte. es roch nach indizierten kräutern.
"hier stinkts" sagte ich zur begrüßung.
"das war das objekt", sagte der dritte.
"wo isses denn hin?"
"das schläft jetzt schon."
"toll. mich einladen und sich dann schlafen legen."
"der kam vorhin von der arbeit, hat eine halbe flasche wodka auf ex getrunken und geraucht. der ist völlig hinüber."
das kam mir leider bekannt vor und ich fragte den dritten, der ja mehr zeit als ich mit dem objekt verbringt:
"hast du ihn mal drauf angesprochen?"
"ja, zweimal. ich denk schon, dass er weiß, dass er im grunde alkoholiker ist."
"leider nicht nur das. oh mann, wir sind schon ein verein. wie läuft dein abi?"
"super. nur einsen bisher."
"streber", grinste ich. "du bist der traum aller lehrerinnen."

wir saßen noch ein wenig da und diskutierten über das heruntergekommene objekt, die schule, expressionistische lyrik und tagespolitik (darin ist der dritte nämlich sehr gut), dann gab es einen kleinen wachmacher und wir zogen los.

auf der party war dann allerdings nicht viel geboten. kurz vor vier uhr sagte ich, mich tugedhaft am schlafittchen packend:
"ich fahr jetzt nach hause."
der dritte nickte.
"ist ja eh scheiße."
dann sah er mich nachdenklich an.
"kann ich vielleicht bei dir schlafen?"
"bei mir? ich dachte, du schläft beim objekt?"
"nee, sein lütter kommt morgen früh um acht. und der ist immer so anstrengend."
"axo. ja, na klar... dann kommst du eben mit."
"ist das weit?"
ich überlegte.
"wir nehmen jetzt einfach ein taxi. ist ja schließlich weihnachten."

bei mir bezog ich dem dritten die gästematratze, die in letzter zeit erstaunlich viele besucher erlebte, und holte ein frisches handtuch.
"danke", sagte der dritte.
"danke, mutti, heißt das", erwiderte ich.
dann zog mich der dritte an sich.
"was ist denn nun mit deiner freundin?"
der dritte hatte eine teilzeitfreundin, der er in den intervallen der festen beziehung auch treu war.
"wir sind schon noch zusammen."
"dann überleg mal, ob du das jetzt wirklich willst."
der dritte guckte verzweifelt:
"du bist eben eine ausnahme. du bist auch die einzige. bei dir kann ich nicht anders. sonst bin ich treu. also sag ihr bitte nichts, ja?"
"meine lippen sind versiegelt."

da der dritte im breitentechnischen vergleich mit dem objekt eine halbe portion ist, passte erstmals ein mann in mein überzeugtes-single-bett.
"ich muss um zehn aufstehen, ich hab fußballtraining", sagte der dritte gegen acht uhr morgens.
"na toll. das heißt, ich darf jetzt den wecker stellen?"
"äh, sorry..."
"solange ich dir keine brote schmieren muss."
"nein, nein, ich zieh mich schnell an und verschwinde dann einfach."
"gut."
ich pustete die kerze aus und ließ mich noch ein wenig in den schlaf streicheln.

um zehn klingelte mich der wecker aus einer totenstarre. der dritte hüpfte schon durchs zimmer und suchte seine sportklamotten zusammen, die er gestern in weiser voraussicht schon bei sich trug.
"du hast das alles geplant, oder?" fragte ich gerade heraus.
der dritte guckte unschuldig. ich schleuderte ihm seinen slip entgegen.
"da. nicht vergessen, sonst machst du den torwart heiß."
der dritte lachte, drückte mich -
und verschwand. ich blieb zurück in einem verwüsteten zimmer voller asche, leerer flaschen (nur wasser!) und zerwühlter bettwäsche. tja, mit aufräumen haben es schuljungs eben nicht so...

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Donnerstag, 16. Dezember 2010
erwachsenenkram
am frühstückstisch. objekt-junior sitzt vor seinem leeren napf. daneben eine packung cornflakes.
"ich will aber ein brötchen!"
der papa seufzt. ich weiß, wie schwer ihm das frühe aufstehen nach der ultraspätschicht fällt.
"komm, iss jetzt bitte, was da ist."

ich gehe zum kühlschrank. der ist entgegen sonstiger gewohnheit fast leer. es gibt schinken, hering, aber kein brot und keine butter. der letzte rest milch köchelt gerade im pott vor sich hin, daraus soll nachher eine honigmilch werden. eine halbe flasche cola ist vom whiskey-besäufnis am vorabend übrig, sie lacht mich an.
"ich hab keinen kaffee für dich, sorry", sagt das objekt.
"ich nehm einfach das da", erwidere ich und setze die flasche an den mund. dann reiche ich sie an den übermüdeten papa weiter.

der lütte macht tellergroße augen und streckt die hand aus. der papa schüttelt den kopf, dass ihm die langen haare ins gesicht fallen. der lütte gibt sich nicht so schnell geschlagen und kämpft. zwischen den kupfersträhnen funkelt mich das objekt mit grünen raubtieraugen an, ein kleines lachen, ein bisschen geilheit und jede menge verzweiflung darin.
"ich will auch eine cola!" unterstreicht der lütte lauthals seinen wunsch.
"nein", sagt der papa und fummelt ein haargummi aus der tasche, um die mähne zu bändigen. "das ist nur für erwachsene."
objekt-junior macht kulleraugen und ist kurz vorm heulen.
"ich krieg ja nicht mal ein brötchen!" schnieft er und es klingt, als grenze das an schwere misshandlung.

ich betrachte das objekt, wie es sich eine zigarette dreht. es ist noch zu müde, um richtig angekotzt zu sein, aber nicht mehr müde genug für sämtliche andere gefühlsregungen. es liegt etwas in der luft, das ich nicht einschätzen kann. daher beschließe ich, die situation zu entspannen.
"was kostet dein brötchen?"
"weiß nich", sagt der kleine.
ich gebe ihm 50 cent.
"das reicht mindestens für eins. damit gehst du jetzt runter zum bäcker."
"welcher bäcker?"
"da links an der ecke. einfach rausgehen aus dem haus und dann nach links, hinter dem kleinen café."
"kommst du miiiiiiiihiiiiit", bettelt der lütte, aber ich sage:
"nee, warum, du bist doch schon groß. erwachsene gehen auch allein zum bäcker."
das objekt betrachtet uns interessiert und nachdenklich. als der kleine in der jacke steckt und zur tür wieselt, sagt es leise zu mir:
"der war noch nie allein da."
"dann lernt er das jetzt", sage ich tough. "er soll ja kein einfamilienhaus kaufen."
das objekt hadert mit meinem erziehungsexperiment. doch keine fünf minuten später steht der objekt-sohnemann mit brötchentüte in der hand vor der tür.
"na siehst du", sage ich zum objekt. "voll erwachsen!" und der kleine strahlt.

endlich herrscht frieden. der lütte schüttelt seine semmel auf den teller, während ich am letzten tropfen cola nuckle, den mir das objekt übrig gelassen hat. das objekt selbst qualmt entspannt seine morgenzigarette. unter dem tisch angelt es nach meinen kalten füßen, zieht sie in seinen schoß und streichelt sie.
der lütte beobachtet uns mit offenem mund. dann fragt er plötzlich und unerwartet:
"macht ihr jetzt gleich sex?"
was folgt, ist ein echter klassiker. das objekt verschluckt sich am rauch und bekommt einen hustenanfall. während es um luft ringt, breche ich in lachen aus.
"na, vaddi", sage ich kichernd, "dann erzähl mal."
das objekt schaut über den tisch in das zweite paar grüne augen, das ihn erwartungsvoll anschaut. dann grinst es und sagt mit blick zu mir:
"also eigentlich können das frauen viiiiiieeel besser erklären!"
da meine füße strategisch günstig liegen, genügt es, die knie ein wenig anzuwinkeln, um maximale bedrohung heraufzubeschwören. das objekt ist allerdings nicht nur sehr stark, sondern hin und wieder auch erstaunlich reaktionsschnell. mit eisernem griff packt es meine knöchel und hält sie fest. als ich zu strampeln beginne, rutsche ich vom stuhl und unter den tisch.
der kleine zieht eine schnute und sagt enttäuscht:
"sex geht aber doch ganz anders!"
der papa hat sich inzwischen gefangen und fragt:
"wie geht denn sex, deiner meinung nach?"
"mit kuscheln!" behauptet der kleine im brustton der überzeugung.
das objekt zieht mich unter dem tisch hervor und breitet seine arme um mich.
"so?"
der sohnemann ist immer noch skeptisch, nickt aber.
"schon besser."
der papa seufzt, schubst mich vom schoß und wechselt dann in den befehlston.
"es ist spät. hol jetzt bitte deine tasche und dann abmarsch. heute nachmittag erkläre ich dir das dann alles ganz genau", verspricht es dem sohnemann.
als wir in unsere jacken schlüpfen, greift sich das objekt meinen schal, schlingt ihn um meinen hals, zieht mich an sich und grinst halb stolz, halb beunruhigt:
"gott, ich habe heute schon schiss vor der pubertät!"

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