Samstag, 7. März 2009
gibt es...
... irgendwo in deutschland eigentlich schon frühling? so für mehr als 24 stunden am stück?

wir haben jedenfalls hier immer noch graues novemberlicht.
ich wohne wahrscheinlich am falschen fleck auf dieser erde. diese stadt kotzt mich wettertechnisch echt an.

und ich habe sehnsucht nach land. träume nachts von einöd und duftenden wiesen mit kleinen fachwerkhäuschen in der ferne. von langen wanderungen durch wälder, von kleinen bächen und küchenschellen am wegesrand.

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Freitag, 6. März 2009
unordentliche gefühle
in rebecca martins "frühling und so" habe ich mich erstaunlicherweise nach einigen seiten doch wiedergefunden. der roman handelt von einer 17jährigen möchtegern-schauspielerin, die alles vögelt, was ihr über den weg läuft. was ich auf den ersten seiten noch für hybride fantasie einer verwöhnten göre aus einer gescheiterten familie gehalten habe, offenbarte dann doch einige momente, die die geschichte "wahr" und "authentisch" erschienen ließen. es ist der moment, in dem sex einfach passiert, in dem die handlung den erotischen moment killt und sich die frage in den raum stellt: was mache ich eigentlich hier? man weiß, der andere ist nicht interessant und man wird ihn vielleicht nicht einmal wieder sehen, will es nicht einmal. aber der sex passiert, ist nicht aufzuhalten, weil dich eine sehnsucht dazu antreibt. in der emotional unbefriedigenden sexuellen handlung verpufft die sehnsucht und hinterlässt eine leere, da wo man sich fülle hinwünschte - liebe, oder was man dafür hält.
der film "gia - preis der schönheit", ein größtenteils nicht besonders bemerkenswerter biografischer film über das verstorbene model gia carangi, enthält ebenfalls einen satz, den ein fotograf oder regisseur über den zeitgeist sagt, sinngemäß etwa: "nur wenige suchten die liebe und noch weniger fanden sie. und hatten sie sie gefunden, konnten sie sie nicht entdecken - denn davor stand der sex, der alles verdeckte."
die aussage haut in die kerbe, die auch heute eine delle in der kultur darstellt: den ausverkauf von sex und die konsequenzen für die liebe.
der schriftsteller richard david precht hat ein sachbuch geschrieben mit dem titel "liebe - ein unordentliches gefühl". er bezieht sich darin unter anderem auf den italienischen philosophen umberto galimberti und stellt darin die these auf, dass der mensch den anderen heutzutage nur aus dem zweck der selbstverwirklichung sucht. im gegensatz zu früher, wo ehen sachliche arrangements waren, ist es heute so, dass über jeder beziehung der anspruch der romantik hängt. liebe heutzutage wird als zufluchtsort für viele, ein ort, an dem alles stimmen muss. trotzdem und gerade deshalb herrscht in der modernen liebe eine beispiellose freiheit, die unsere kultur heutzutage ausmacht. und diese freiheit birgt eine gefahr: "was in der liebesbeziehung gesucht wird, ist nicht der andere, sondern die selbstverwirklichung durch den anderen..." die folge: "man sucht den anderen, um man selbst zu sein, und man trennt sich wieder, um man selbst zu bleiben." internetplattformen für die suche nach dem großen glück boomen, verblödete fernsehshows wie "bauer sucht frau" spriesen aus dem fruchtlosen boden. denn wenn es schon keine liebe gibt, dann kann man wenigstens mit der illusion davon viel geld verdienen, den knopf für geheime sehnsüchte bedienen und die lieblose menschheit in dem einen, was sie wirklich bewegt: kauf!

oh, da haben wir aber mal wieder radikal schwarz gesehen. liebe gibt es also nicht? sind wir tatsächlich eine lieblose gesellschaft? oder gibt es in der herde der menschheit auch noch unterschiede?
ich für meinen teil glaube fest daran zu lieben und geliebt zu werden. was mir die gewissheit gibt? wenn ich jeden tag den anderen ansehe und mich grundlos erstaune und an ihm erfreue wie ein kind. über kleine, unbedeutende dinge. darin liegt mein großes glück, um das mich, wie ich mir sicher, mich viele beneiden - und andere wiederum überhaupt nicht. ich selbst betrachte es als nicht selbstverständlich und als großes geschenk, auf die gegenwart blicken und sagen zu können: heute bin ich mit dem partner glücklich.

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Montag, 2. März 2009
eins + x ist zwei
der babsi-boris und seine kessi verraten intime geheimnisse, die uns alle total interessieren. "wir wollen kinder - am liebsten zwei!" heißt es da debil in die kamera gegrinst.
kann man nur hoffen, dass die auch so weit zählen können. könnte ja auch sowas verwirrendes werden wie zwillinge. oder drillinge. da müsste man dann ja eins subtrahieren.
jetzt wird´s komplex.

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Sonntag, 1. März 2009
morphine sucht den superstar
wer oder was ist dein star, dein augenstern? und warum?

und eigentlich ist doch jeder ein star. und jeder hat seinen stern, seine sterne. guckt doch bloß mal. milliarden, billionen sind da draußen. unterscheiden sich nicht groß von den anderen auf den ersten blick. aber jeder von ihnen ist wunderschön.
lernt sie sehen, die schönen. besonders diejenigen, die sich nicht prostituieren und nach aufmerksamkeit geiern. die nicht prahlen und sich etwas einbilden auf ihr eigenes, im grunde bescheidenes licht.

nur alle sterne zusammen sind licht. ein einzelner ist nur ein einsamer punkt in der schwärze. die gesamtheit aber macht den zauber der schöpfung aus.
nehmt euch die zeit und lernt staunen und sammelt ehrfurcht vor den dingen, die größer sind als ihr selbst.

axo, ja, das war das wort zum sonntag.

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Mittwoch, 25. Februar 2009
wenn ex-manager betteln
auf dem weg zur u-bahn komme ich immer am cinemaxx-kino am dammtor-bahnhof vorbei. da laufen die ganzen mainstream-filme, die ich mir nie ansehe.
heute lehnte dort an einer stange ein fahrrad, welches mir trotz des hamburg-typischen, alles verhängenden nieselregenschleiers sofort auffiel. denn auf dem gepäckträger befand sich ein ordentlich zusammengefaltetes zelt, zwei drei weitere camping-artikel sowie eine thermo-isolierkanne - so eine teure aus edelstahl, wie ich sie auch einst einmal gerne haben wollte, bevor ich einen beruf ergriff und mich in den sozialen abstieg begab.
ich sah dieses fahrrad und dachte, wie komisch, da will einer vor dem kino kampieren. gutes wetter hat er sich ausgesucht.

fünf meter weiter entfernt stand ein mann. er trug einen wollpullover von guter qualität, darunter ein hemd und eine saubere stoffhose. das haar ordentlich zu seite gekämmt. er tigerte auf und ab, schaute linke und rechts. ich ging weiter.
dann passierte etwas, was mir in dieser schnösel-gegend nie passiert: ich wurde angesprochen. "entschuldigen sie bitte!"
ich drehte mich um und sah den mann an. "ja bitte?" was konnte der denn von mir wollen? uhrzeit? mist, ich habe ja keine armbanduhr. muss dann erst nach dem handy kramen. und das bei dem regen ohne schirm.
"entschuldigung, ich habe meine bahncard verloren. haben sie die vielleicht gesehen?"
nein, hatte ich nicht. ich schüttelte den kopf.
"naja, dann muss ich mir jetzt eine fahrkarte ohne bahncard kaufen."
ich nickte.
"wären sie in der lage, einen beitrag dazu zu leisten?!"
nun war ich aber baff. und verstand plötzlich den zusammenhang mit dem fahrrad. das zelt, die edelstahl-kanne, das sorgfältig verstaute gepäck. da wollte mich jemand aber gründlich verscheißern. und überhaupt, an was hatte der denn gedacht? beitrag zur fahrkarte - 20 euro? 50 euro?
"tut mir leid, ich habe nur noch fünf euro", sagte ich dann wahrheitsgemäß. "davon muss ich mir jetzt gleich selber ein ticket kaufen. und die verbleibenden 2,30€ helfen ihnen ja dann auch nicht weiter, wenn sie eine fahrkarte der deutschen bahn brauchen."
sprach´s aus, wandte mich um und ging meines weges. und dachte, schlimm, jetzt betteln schon manager. der ist bestimmt irgendwo aus so einem edelbüro hier in der gegend rausgeflogen. und dann so eine dämliche bahncard-masche. das ist doch sowas von durchschaubar. den typ hätte ich vermutlich auch gefeuert. gut, dass ich ihm nichts gegeben habe. immerhin ist monatsende. kann ich mir gar nicht leisten.

und überhaupt: du arsch, eine edelstahl-thermoskanne wollte ich auch schon immer.

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