Montag, 2. Februar 2009
ich kotze
montag schon wissen, wie die woche bis freitag aussieht. voll bis zum anschlag. überstunden ohne ende. und das, was ich weiß, ist erfahrungsgemäß noch nicht mal die hälfte.

und nun das geilste: angekackt werden, weil man am freitag nur bis 19 uhr da war und dann nach - wohlgemerkt vollständiger abarbeitung der zuständigkeiten -
einfach nach hause ging. okay, der kollege war bis 19.30 da. der wird allerdings auch nach stunden bezahlt. vorhaltungen gemacht bekommen, dass man ja nur einen bruchteil der verantwortung zu tragen hat.
zusätzliches argument: "und wenn ihr mal abends nach 18 Uhr rüber die in anderen büros schaut, da arbeiten auch noch leute!" ja, vereinzelte versprengte existenzen, denen diese büros wahrscheinlich gehören und die das zehn- bis 20fache von mir verdienen.

ich glaube, es hackt. ich mache hier mindestens 2/3 dessen, was operativ anfällt. mit voller verantwortung. wenn das so weitergeht, suche ich mir eine andere arbeitsstelle.

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Samstag, 31. Januar 2009
sick n tired
es ist freitag. während halb hamburg feiert, sitze ich in der ubahn und fühle mich leer.
freitag, das war einmal der geilste tag der woche. jetzt verbringe ich ihn wie die tage zuvor bis 19 oder 20 uhr im büro. und ich könnte wahrscheinlich mühelos das ganze wochenende durcharbeiten. ein glück, dass ich keine hobbies mehr habe. ein glück, dass ich nicht mehr viel erwarte.

nur manchmal, so wie heute, erinnere ich mich an dieses gefühl grenzenloser aufregung, wenn man vor dem spiegel stand und sich gedanken machte, wie man möglichst schön aussehen könnte. auf welche party man gehen könnte. und wen man wohl treffen würde. wie man dann in die ubahn stieg und der tag eigentlich erst begann.
heute schaue ich kaum mehr in den spiegel. ich ziehe mich mechanisch an, das, was über dem stuhl hängt und renne los. mit dem ergebnis, dass ich nicht sagen könnte, was ich bin, frau, mann oder wesen vom mars. meine wege sind die reine zweckerfüllung. ich habe vergessen zu wünschen. und während mich die sehnsucht nach etwas unbestimmten aufwühlt, kann ich nicht ein ziel formulieren. ich sehe in gesichter und gleite weg. ich schaue jemandem in die augen und pralle auf dem glaskörper ab. ich bin unsichtbar.
wie manisch umkreisle ich die frage: wo bin ich zuhause? die antworten zerschwimmen auf einer quadratmeterfläche so groß wie deutschland. tatsächlich fallen die hemmschwellen von mir ab und ich kann mir vorstellen, an beinahe jedem ort irgendein leben zu führen.
was mir auch fehlt, ist der dialog mit mir selbst, der mir gedanken und formulierungen durch den kopf trieb und immer neue assoziationen formierte. in mir schweigt es. ganz undramatisch.
ich vergieße keine träne.

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Donnerstag, 29. Januar 2009
journalistische aufgaben für heute
"vergiss bitte nicht, dass du den lebenslauf von xy noch ein bisschen pimpst. und das foto von dem geht ja auch gar nicht. total wie ein 70er-jahre softpornoproduzent! schick den mal zum fotografen. und vorher soll der sich was anständiges anziehen. irgendwas, was ein bisschen professioneller und nicht so stinklangweilig aussieht."

ayay. soll ich ihn dann auch noch schminken?

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Montag, 26. Januar 2009
insfäustchengelacht/doppelfäkalie
manchmal bin ich so froh, dass ich nicht die einzige bin, die sich hier den arsch aufreißt und trotzdem ständig angeschissen wird.

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Sonntag, 25. Januar 2009
jubiläumsverpennerin
neulich wurde derdiedas blog hier 3 jahre. neulich wurde ersiees 1111 tage. und jedesmal habe ich vergessen, einen selbstrühmerischen reminder zu setzen und glückwunsch-kommentare einzuheimsen. wahrscheinlich interessiert es mich einfach nicht genug. wahrscheinlich habe ich zuviel reales leben. und einen schlecht bezahlten knochenjob, der mir auf den rücken schlägt. naja, harte schule sollte man immer mitnehmen. dann ist man wenigstens gewappnet. immer volle verantwortung. immer alles selber machen. keine rückendeckung von mami. kein erbschleicher-vermögen als hintertürchen im beutel. hart zu sich selbst sein. hart zu anderen sein.

für mein viertes bloggerjahr wünsche ich mir einfach nur mal ein paar schmerzen weniger. hohlbratzen kann man ja leider nicht wegwünschen. ich wünsche ihnen aber mal einen bandscheibenvorfall. sowas macht nachdenklich.
allen anderen: danke fürs mitlesen und mitdiskutieren. ohne all das gäbe es dieses blog wahrscheinlich längst nicht mehr.

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in the mood for
selbstgefällige betrachtungen.

ich binde die schuhe, überquere die vertraute straße und starte meine strecke den fluss entlang. das wasser liegt still und sanft gekräuselt zu meiner linken, während sich meine schritte in den weichen boden graben, abstoßen, aufkommen und wieder abstoßen. obwohl ich meine laufaktionen wegen krankheit stark reduzieren musste, fliege ich dahin, und mein geist gleitet vor mir her. ich hasche gedanken, sehe die letzten sonnenstrahlen hinter den bäumen hinabsteigen und schmecke den ersten frühen frühlingsabend. ich bin komplett. es ist vollkommen für einen moment.


ende der selbstgefälligen betrachtungen.

wie ich schon anderenorts feststellte, gibt es viele schreiber und nur wenige schriftsteller. was viele schreiber oft zu schriftstellern macht, ist der blick weg vom leidigen ich und das unterlassen von selbstverklärung der eigenen banalität. einer, dem dies mit wundervoller bescheidenheit und großer radikalität gelang, ist gerd ledig.

der obergefreite konnte sich nicht mehr in seinem grabe umdrehen, da er überhaupt keins besaß. er war drei werst von podrowa entfernt, etwa vierzig werst südlich von leningrad, in eine salve eines raketengeschützes geraten, war in die luft geschleudert worden und mit abgerissenen händen, den kopf nach unten, an einem kahlen gestell, das früher einmal ein baum war, hängengeblieben. [...] eine halbe stunde später, als der verstümmelte baumstamm eine handbreit über dem boden von einer mg-garbe abgesägt wurde, fiel sein verunstalteter körper ohnedies zur erde. er hatte inzwischen noch einen fuß verloren. als er auf die erde fiel, war er nur noch ein halber mann. [...] er roch vier wochen süßlich. bis nur noch knochen von ihm im waldgras herumlagen. zu einem grab kam er nie.

("die stalinorgel", classen, hamburg 1955)
vorgestellt an anderer stelle auch schon vom cabkater.

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