Donnerstag, 11. September 2008
von besseren zeiten träumen
im schutt der gegenwart die zukunft nicht aus dem kopf kriegen.

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Dienstag, 9. September 2008
überwachen kinderleicht
"du möchtest wissen, wo dein schatz ist? dann sende *** und seine handynummer an die ****** und schon zeigt dir die software an, wo er gerade ist."

klingeltonwerbung im vorabendprogramm auf einem der privaten kommerz-schwachsinnssender.
da fallen einem die ohren ab. eigentlich dachte ich, überwachungssoftware wie handyortung sei nur institutionen wie der polizei vorbehalten. aber nein. heute darf die kleine jenny mit ihren 13 jahren schon dem kalle aus der parallelklasse nachspionieren.
da gewöhnt man sich schon gleich mal dran, so aufzuwachsen. in der totalen überwachung. und da wehrt man sich dann auch nicht so sehr, wenn eines tages die stasi2.0 den hausmüll analysiert. man weiß es ja zu schätzen, wenn man bescheid weiß.
prima. die fernsehwerbung war bestimmt vom schäuble persönlich gesponsort.

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Freitag, 5. September 2008
pommernland ist abgebrannt
ich suche meine socken.
das ging alles so schnell. regina. regina mit dauerwelle. und der typ. so fremd.
und der gang durch die verwinkelte altstadt meiner heimat. die jetzt ein bisschen anders aussieht als ich sie in erinnerung habe, aber ich habe alles noch irgendwie erkannt.
ich befinde mich im dachgeschoss eines alten hauses in einer wohnung, die niemandem gehört. neben mir sitzt einer, den ich kenne, von dem ich aber nicht weiß, wie er heißt und was er von mir will. er ist halb nackt, so wie ich.
"da guck mal, da hat´s neulich gebrannt." er zeigt auf das haus gegenüber. unten, wo einmal weiße jalousien waren, sind die schwarzen spuren der flammen erkennbar.
"da hat´s im erdgeschoss gebrannt?" frage ich.
"das ganze haus ist ausgebrannt."
"nee, wirklich? das will ich sehen."
"du kannst da nicht rübergehen, es brennt ja noch."
und tatsächlich. ein fenster weht trotz der windstille auf und zu. feuerwind. auf der außenfläche züngeln, wenn man genau hinsieht, ätherische irrlichter, als hätte einer alkohol ausgegossen und angezündet.
"da stehen nur noch die mauern. innen ist alles hohl", sagt der typ.
ich kann nicht erkennen, wo das haus aufhört. es könnte auch hufeisenförmig gebaut sein und wir im gegenüberliegenden teil sitzen. und weil die dielen so knacken und zischen, frage ich: " wir sind aber nicht in diesem haus?"
"nein. glaubst du denn, ich würde dich dieser gefahr aussetzen? denkst du das von mir?"
ich bin angenehm berührt, obwohl mir der typ suspekt ist. "entschuldige."
ich blicke wieder hinüber zu dem schwingenden fenster, das in der sonne geisterhaft brennt. rauch steigt von der dachrinne auf.
"ich will das jetzt sehen. ich kann das nicht glauben."
ich ziehe mich an und gehe auf die straße. wie schön es ist, denke ich mir, als ich vor dem haus stehe, die reich verzierte fassade trägt sogar blattgold, an den fresken schweben engel. von außen sieht alles unversehrt aus. auch die schwere holztür mit dem goldenen knauf. der typ macht sie auf und hält sie für mich: "komm."
ich gehe zwei schritte und bleibe dann wie angewurzelt stehen. ich kann es nicht fassen, welch schaden das feuer angerichtet hat. drinnen ist nichts mehr. keine wand, kein boden, keine decke. nicht einmal asche hat das feuer übrig gelassen. nur die außenmauern stehen, als wäre nichts passiert. es ist so still, als wäre ich ertaubt. die lippen des typen bewegen sich, doch kein ton verlässt seinen mund. oben schwingt das brennende fenster in der sonne.
mich schaudert.

aufgewacht.

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Mittwoch, 3. September 2008
landslide
erdrutsch mit kettenreaktion.
was einmal wurzel war, hat das tageslicht zersetzt.
ich stell mich an die straße. nehm den daumen runter.
einmal überfahren, bitte.

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Montag, 1. September 2008
aggrobetteln
der tag begann mit gewitter. dann regen. viel besseres kam auch nicht mehr nach.

stehe ich an der u-bahn und löse ein ticket für vier stationen, lächerlich eigentlich, aber man wird ja älter und da machen die nerven nicht mehr mit, die toleranzgrenze gegen halsbrecherischkeiten sinkt und man geht so auf nummer sicher. langweilig eigentlich, aber eigentlich darf man auch nicht mehr sagen.
ich stehe also am automaten, die fahrkarten und das kleingeld springen in das kleine fach am unteren ende, als ein mensch auf mich zuschwankt. den kenne ich schon, er hat immer eiter am mund, rote, entzündete haut im gesicht, abstehendes resthaar und kann nicht gehen. er bettelt und lebt davon. ich habe ihm schon oft etwas gegeben, einfach, weil soviel offensichtliches elend kaum ertragbar ist und weil es einer der penner ist, dem man wirklich nichts mehr von arbeiten gehen erzählen muss.
heute nehme ich mein wechselgeld und will rasch einen kaffee kaufen, doch er hält mich am ärmel fest. ich schüttle den kopf und will gehen, doch da hat er mich schon an die wand gedrückt und bettelt weiter. ich entwinde mich und sage, ich habe auch nicht soviel geld dabei. ein kaffee, ein kleiner einkauf, mehr ist heute nicht mehr drin für die paar groschen.
"und was ist das?!" brüllt er und grabscht nach meiner hand mit dem wechselgeld, 35 cent.
theoretisch könnte ich ihm die paar cent geben. praktisch und prinzipiell geht mir so ein verhalten aber gehörig auf den keks. und ich habe auch ein bisschen grusel vor potenziell per eiterschleim übertragbaren baktierien. "heute nicht", sage ich fest und bleibe dabei. dann flüchte ich die treppe hinauf.

ich weiß, er kann nichts dafür. vermutlich hat man ihm beim arbeitsamt auch irgendwas erzählt, von wegen kein anspruch auf hartzIV, weil er vollzeitbettler ist. oder man hat ihn längst entmündigt.
trotzdem möchte ich beim anbettlen nicht überfallen oder mit ansteckenden krankheiten infiziert werden. ich werde heute abend woanders aussteigen.

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