Samstag, 1. März 2008
gefühlt wortkarg
zum wie immer unpassendsten moment keine lust, orale sätze zu produzieren. kopfschmerzen. müdigkeit. ich jaule ein wenig, in der verzweifelten hoffnung auf ein paar nackenkrauler.
"zick nicht rum", sagt der warmherzige kater voller mitgefühl. er ist auf nikotinentzug. der kassiererin im supermarkt erzählt er, ich sei schuld an seinen rückenschmerzen.
zuhause hat er alle schränke, tischchen und stühle seiner wohnung beauftragt, nach meinen zehen und knien zu schnappen und zu treten. gleich wird er mich in den norddeutschen sturm schubsen, ungeachtet der tatsache, dass ich freundliches südklima gewohnt bin.
überhaupt, der kater ist an allem schuld, habe ich heute mal eben so pauschal für mich beschlossen. an solchen tagen wie heute ist ungerecht sein meine einzigste und allergrößte freude.

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würzkunst am arsch
wir haben es gewagt und schreiten seit heute mittag gegen allgemeine und spezielle verspannungen mit wärmesalbe ein. am vormittag wagte ich mich in den sturm hinaus und kaufte eine packung hansaplast für acht euronen und ein paar zerquetschte.
das erste probecremen fand bei mir an der lendenwirbelsäule, beim kater im nacken statt. frisch aufgetragen begann es, in meinem oberen po-bereich sanft zu kribbeln. der kater bekam einen cholerisch-roten nacken wie ein pavianarsch. "aber irgendwie macht das gar nicht richtig warm", sagte ich. "naja, es brennt halt", meinte der kater. "das brennen ist nach einer viertelstunde wieder vorbei." "hm." "ist mein arsch auch rot?" fragte ich den kater und lüftete das t-shirt. "nee, gar nicht."
so ganz das gelbe vom ei ist das zeug also nicht. ich schaute auf die tube nach dem wirkstoff und entzifferte "capsaicin". capsicum ist ja nichts anderes als ein paprikagewächs. das erklärte einiges, denn dass paprika oder pfeffer gegen verspannungen wirkt, klingt eher unwahrscheinlich.
ich trug noch eine lage salbe auf, nach dem motto, viel hilft viel.
ansonsten schluppen wir jetzt mal zu rewe rüber. da können wir ja noch ein glas von diesen kleinen grünen pepperoni mitnehmen und die therapie dann endotherm fortsetzen...

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Donnerstag, 28. Februar 2008
dorf- und baustellengeschichten
heute morgen, als um 6:20 uhr die handy-weckmelodie mit kuhartigen volles-euter-muh-schnurren (vibration auf pressspantischchen) erklang, fand ich mich zunächst gar nicht zurecht in diesem fremden bett. draußen dämmerte es, jemand hatte die vorhänge nicht zugezogen. dann wälzte sich jemand neben mir herum. achja, der kater.
gestern nacht war ich spontan wie ich so bin in den regionalexpress richtung würzburg gesprungen, um den kater zu sehen, der in einem kaff namens dettelbach bei würzburg weilte.
schnurr- und streichelalarm. yummi. extatisches klammern, chanel-duft contra prada-duft, dann ein wenig nackte haut unter unseren händen. für einen kleinen morgenfick leider keine zeit, der kater musste ins bad, kurz darauf drangen die kratzgeräusche des nassrasieres ins zimmer. zehn minuten später hockte ein businesskater auf der bettkante. "vergiss nicht, um elf musst du hier raus sein." ich nickte. ich würde den zug um 9.51 uhr gen heimat nehmen, weil ich ja auch noch arbeiten musste.
pünktlich um neun uhr stand ich dann an der hotelrezeption. mist, nun brauchte ich ein taxi oder einen bus, denn der bahnhof war sechs kilometer entfernt. das würde ja wieder ein teurer spaß für mich kirchenmaus werden. doch der hotelchef holte seine kranke mutter aus der guten stube und unterwies sie, mich zum bahnhof zu fahren. wie nett, dachte ich, was für ein service. ich bekam noch kaffee und ein verspätetes extrafrühstück, dann schlurfte die hoteloma herbei. es war halb zehn, ich wollte zu diesem zeitpunkt auch schon los sein.
die oma war jedoch schon ein wenig gehbehindert, sodass wir geschlagene fünf minuten brauchten, um das hotel zu verlassen. dann noch einmal fünf minuten, um auszuparken. es war 9:40 uhr. zum bahnhof würden wir etwa zehn minuten brauchen, rechnete ich. blieb noch eine minute, um eine fahrkarte zu kaufen und aufs richtige gleis zu stürmen. na wenn das mal gut ging.
die oma gab hinterm dorf aber erstaunlich gas, sodass wir 9:46 uhr am bahnhof ankamen. wir parkten direkt am fahrkartenautomaten.
"sie müssen dann da rüber", sagte die oma und deutete aufs gegenüber liegende gleis. "sie müssen da den berg hoch, über die brücke und auf der anderen seite wieder runter." ich starrte entsetzt ihrem zeigefinger hinterher. es lag nach der fahrkartengeschichte also noch eine berg- und tal-sprintstrecke von schätzungsweise 500 metern vor mir.
ich hackte die nummer des zielorts in den dorf-fahrkartenautomaten und gab die bahncardermäßigung ein, dann schob ich meinen zwanzig-euro-schein in den schilz. ohne erfolg. zweimal kam er wieder heraus, dann bemerkte ich, dass ich maximal mit einem zehn-euro-schein zahlen konnte. ich versuchte es mit der ec-karte, aber der kartenschilz war mit dreck verstopft.
ich fragte einen mann, der die ansonsten menschenleere straße entlang kam, ob er kleingeld habe. der hatte jedoch nichts für mich zum wechseln. gegenüber war ein gasthaus. ich stürmte zur tür, doch es war noch geschlossen. überhaupt schien sich in diesem ort kein mensch tagsüber aufzuhalten.
ich schaute zum bahnsteig gegenüber, von den ich abfahren sollte. da standen zwei frauen. ich hatte noch eine einzige minute. na gut. ich nahm die beine unter die arme und rannte den langen, verwinkelten weg bergauf, über die brücke, und auf der anderen straße endlose treppen wieder hinunter. und hach, ich hatte glück. eine der frauen konnte mir wechseln. ich schaute die gleise hinauf, der zug war noch nicht in sicht. ich hetzte den weg zurück zum fahrkartenautomaten, tippe kurzatmig und mit zitternden fingern die gewünschte strecke ein und stecke die scheine in den schlitz. wieder spuckte der automat alles aus. aus der ferne kündigte sich der zug an.
ich überlegte kurz. hierbleiben im menschenleeren dorf und warten, ob mir jemand beim fahrkartenkauf helfen konnte? eine stunde auf die nächste bahn warten? oder reinspringen und den schaffner verärgern? eventuell 40 euro schwarzfahrergebühr in kauf nehmen?
okay, lieber letzteres. ich stürmte den weg zur brücke hinauf, wieder hinunter und sprang in den zug. jetzt musste ich überzeugungsarbeit leisten. zum glück war der schaffner der netteste mensch in diesem universum (vom kater mal abgesehen ;)). er erklärte mir, er würde mir erst an der nächsten heltestelle eine fahrkarte ausstellen, denn dieser bahnhof sei noch provinzieller und hätte überhaupt keinen automaten, sodass man mir auf keinen fall mehr einen strick draus drehen könne. ich bezahlte nochmal sechzig cent weniger als geplant, freute mich tierisch und kam ganz entspannt zuhause an.

als ich dann ins büro fuhr, war es vorbei mit der entspannung. vom büro war nämlich nicht mehr viel übrig. es sah aus, als hätte eine bombe eingeschlagen. überall wasserpfützen und mauerputz. wasserschaden.
"weißt du schon, wie das passiert ist?" fragte meine kollegin. ich schüttelte entgeistert den kopf. "der typ über uns, der hatte einen handwerker da, wegen der elektrik. der musste an die badezimmerdecke, deshalb hat er eine platte über die badewanne gelegt, um darauf stehen zu können. dabei hat er die badewannen-amaturen so verbogen, dass das rohr darunter gerissen ist. und die ganze nacht ist das wasser in die wand gelaufen. die ganze decke ist durchgeweicht, gestern hatten wir echt die niagarafälle hier."
die notfall-handwerker waren da, um den estrich herauszuklopfen. als sie zu bohren begannen, bröckelte die decke erneut. mauerklumpen landeten im drucker. der drucker ging kaputt. entsetzt sprangen wir nach draußen, mein chef rannte in die wohnung über uns und brüllte "sofort aufhören!". dann telefonierte er wieder mit dem anwalt. die versicherung schickte einen gutachter.
ich und meine kollegin wuselten unter der durchnässten decke und mussten die teuren waren aus dem lager retten, weil die sehr druck- und staubempfindlich sind. zwischen uns stakste der gutachter in anzug und krawatte und glotzte pikiert auf seine feinen, hochglanzpolierten edel-leder-schlupper, die gehörig dreckwasser und staub abbekamen. "meinste, wir kommen hier lebend raus?" frotzelte meine kollegin. ich beäugte misstrauisch die wasserflecken. "wenn ich hier irgendwo risse entdecke, bin ich weg. dann soll er mich feuern."
gegen fünf uhr nachmittag waren wir dann fertig mit der evakuierung. der handwerker-oberguru erschien mit plastikplanen und begann, im lager die decke abzukleben. "wir nehmen noch heute die platten raus, wir müssen sehen, wie weit das wasser durchgedrungen ist." mein chef nickte abwesend und sah aus, als ob er gleich einen herzinfarkt bekäme. klar, denn wenn die decke nun doch noch einbrechen sollte, war er ruiniert. im lager ruhten alle seine schätze - wir hatten nur einen teil noch retten dürfen. der rest musste bleiben und verschwand unter plastik.
"geht nach hause", sagte der chef irgendwann. "jetzt hilft nur noch beten", grinste meine kollegin.
und gespannt harren wir der dinge, die da in den nächsten tagen auf uns zukommen werden...

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Mittwoch, 27. Februar 2008
adoption eines autors
nein, nicht adaptieren, schon richtig: adoptieren.
gemeint ist: manches buch löst ein gefühl aus, das man als geborgenheit bezeichnen könnte, weil man sich zu hundert prozent verstanden und darüber hinaus endlos bereichert fühlt. nein, ich meine nicht unbedingt die sache mit der identifikation mit der geschichte oder einer ihrer figur. sondern das gefühl, als teile man mit dem autor ein seltsames einverständnis, bei dem man aber an der hand genommen und noch tiefer in gewisse sachverhalte hineingeführt wird.
so geht es mir mit connie palmen. ich lese gerade "i.m." dabei geht mir gar nicht um das thema an sich. dieses buch beinhaltet jedoch tausend kleine gedanken und nebensätze, die bewirken, dass ich mich auf frau palmens schoß setzen und mir von ihr die welt erklären lassen möchte, einfach, weil ich weiß, es wäre jeder satz richtig. ich wünschte, connie palmen wäre meine mutter. meine lehrerin. meine große schwester. jemand, den ich anrufen könnte. der sich mit mir auf einen kaffee trifft.
schöne illusionen. alles ist fiktion, auch die realität. schreibt connie palmen.

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Montag, 25. Februar 2008
ein viertel flügel
... reicht noch nicht zum fliegen. aber dazu, um vom schlamm wieder auf den ausguck-ast zu kriechen und ein bisschen nach der sonne zu luken.
und besser ist es, man teilt keinem mit, dass man einen viertel flügel bekommen hat. sie werden dir ja doch nur sagen: "was, dir fehlen drei viertel noch?" und sie werfen mit ihrem stinkenden schlamm nach dir, bis du glaubst, so beschmutzt deines ästchens von mut nicht würdig zu sein.

achja: ich erwarte nichts mehr. nicht von euch.

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Sonntag, 24. Februar 2008
männer sind so
obwohl ich im grunde gegen tarzantheorien abgehärtet bin, schaffte mein kater es dennoch, mich mal wieder zu schockieren. gestern abend saßen wir im kino, der werbevorspann war gerade vorbei, als ich mich nach rechts beugte, meinen bandscheibenpatienten anstupste und wispernd fragte: "was macht dein rücken?"
der kater machte ein todernstes gesicht und sagte dramatisch: "nicht sprechen, bitte." ich wartete einige sekunden, konnte mich dann aber nicht beherrschen und hakte nach: "so schlimm?" "mein rücken ist okay", schnaufte der kater, "ich mache mir gerade sorgen um mein herz."
meine warnblinkanlage schaltete sich ein, die flutlichtfunktion gleich mit: "wie?! dein herz? hast du schmerzen?" "nee, das war nur gerade eben so komisch." "wie, komisch? schmerzen im arm? übelkeit? schweißausbruch? atemnot?" "nee, einfach nur komisch halt." ich guckte ratlos. sollte ich jetzt besser einen arzt rufen? doch der kater tätschelte beruhigend meinen arm: "ist schon wieder vorbei. vielleicht hab ich auch nur überreagiert, weil ich mich ja zur zeit mit diesem blutdruckmessgerät beschäftige." "achso." ich entspannte mich und rutschte wieder in meinen sitz hinüber.

der kater hat sich letzte woche ein blutdruckmessgerät für das handgelenk bei rewe gekauft. neunneunundneunzig, ein spottpreis. nun misst er ungefähr zwanzig mal täglich blutdruck. die werte sind normal, kein grund zu beunruhigung eigentlich.
mitgenommen hatten wir das gerät unter anderem, weil der kater nach einer spontanen manuellen messung behauptete, ich sei blutdrucktechnisch halb tot und habe herzrhythmusstörungen. weil ich in meiner jugend einmal eine vegetative störung hatte, die meinen ruhepuls auf 130 verschob, hielt ich das ganze zwar für unwahrscheinlich, aber im bereich des möglichen. das messgerät strafte den kater lügen, bei mir liegen alle werte im unteren normbereich. die tatsache, dass ich gesund bin, hält den kater jedoch nicht von wilden spekulationen über eigene potenzielle krankheiten ab.
am freitag stürmte der businesskater aufgeregt in meine wohnung und rief, die krawatte von sich schleudernd, "mein blutdruck war gerade voll komisch, ich dachte eben, ich bin todkrank!" "wann hast du denn blutdruck gemessen?" fragte ich. "vorhin, im auto. und der war total hoch!" "das liegt bestimmt an den vibrationen beim fahren." "meinst du?" der kater blieb misstrauisch, bis ich ihn in meinen bürosessel bugsierte, ihm das messgerät an die hand schnallte und beim messen mit den füßen den stuhl wippen ließ. die werte explodierten. "na bitte. deshalb sollst du beim messen ja auch ruhig sitzen und nicht reden." "drecksding, das misst einfach nicht richtig. ich schmeiß das gleich weg."
mir fiel unser erstes gemeinsames weihnachten ein, damals 2006 in hamburg. der kater wälzte sich stöhnend auf der matratze, hielt sich den bauch und behauptete steif und fest, er bekäme magendarmgrippe. wir waren zunächst ernsthaft besorgt, bis sich herausstellte, dass der kater einige stunden zuvor ein ganze packung chili-chips vertilgt hatte und uns der starke verdacht beschlich, die könnten mit den magendarm-beschwerden in verbindung stehen. vor allem, nachdem wir uns alle am vorabend mit cocktails betrunken und die männer anschließend noch einen absacker aus whiskey gestreckt mit klosterfrau-melissengeist zu sich genommen hatten. all das kann auch einen gesunden tarzan schon einmal vom baum fallen lassen. als die diagnose stand, ging es dem kater beinahe sofort besser.

momentan liegt der kater im bett, auf meiner heizdecke. "mir ist so kalt", meinte er vorhin schlotternd, "und schnodder hab ich auch." ich packte ihn warm ein, brachte kaffee ans bett. "du bist so ein liebes mäuschen", schmunzelte der kater und rückte sich behaglich in den kissen zurecht.
aus dem nebenzimmer dringen nun leise schnorchelgeräusche. der kater schlummert. manchmal, so denke ich, kann man lebensbedrohliche krankheiten auch mit ein wenig fürsorge und mit viel liebe gekochtem kaffee vertreiben.

kater und mäuschen

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