Montag, 4. Februar 2008
politisch korrekt
bericht über einen wohnungsbrand: "... die meisten bewohner sind türken, die bemerken das feuer zu spät."

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song for exlovers
mein erstes eilig und dilettantisch selbstgemachtes musikvideo. weil ich den song so gut finde und den es in dieser version noch nicht bei meineröhre gab.



pictures by: mellon on deviant art

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Sonntag, 3. Februar 2008
nullkommentare-beitrag no. x
bin nicht despotin, habe harte hände höchstens von küchenarbeit. bin nicht iwan, nicht schrecklich, bin nicht jakobus, nicht gerecht, bin mittendrin. es liegt mir nicht zu verbieten, denn erlaubt ist was von allein verfällt; es obliegt mir auch nicht zu gebieten, bin nicht aus einer märchenwelt.
bin nicht mehr dreckige geliebte, bin liebeswert von zeit zu zeit ein stück, vielleicht auch mal als ganzes. ergieße mich nicht, denn sonst, geleert, habe ich nichts mehr zu verschenken. bin aber ergiebig dem gelehrsamen, in kleinen schlucken, jeden tag und in allen besonderen stunden, ergebe mich gern seinem durst.
wie habe ich mensch zu sein, dass ich gefalle, wie bunt, wie grau, wie stein, wie flaum? im lachen, im seufzen - ein schlag oder zärtliche geste? ein problem ist nicht wie - sondern vielmehr, überhaupt einmal einer zu sein.

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Freitag, 1. Februar 2008
k/ein an/sch(l)uss
und während man wartet, wird das telefon zum größten gegenstand im universum, zum gott, den man beschwört, vor dem man niederkniet und sich zugleich schämt wegen dieser grundlosen demut, mit tränen in den wimpern schimpft man sich wehleidig, es folgt ein streicheln, eine ohrfeige, eine schlaflose nacht voller warumwarumwarum, ein morgen im trotz, ein anflug von zärtlichkeit zu mittag. schweigen nährt bitterkeit, ich bin das mastschwein, erwacht vom bolzenschuss, ich bin hyäne ohne rudel, elefant mit dem schwert in der kniekehle.
es sein lassen, die größte anstrengung für alle wünschende. jeder zentimeter zuviel wird mich meilenweit fortschleudern, jeder millimeter zu wenig wird eingeklagt. selbst ein sich tot stellen würde vermutlich fußtritte fürs vermeintliche sterben bedeuten.

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Mittwoch, 30. Januar 2008
sparkassen-paranoia
"wollen sie mit karte bezahlen?" fragt die dicke kassiererin im supermarkt die kundin, die mir schon vorher aufgefallen war, wie sie - als dame fortgeschrittenen alters - ihren wasserstoffblonden dauerwellenkopf mit dem pink und blau bemalten gesicht vor sich hinbrabbelnd durch die gänge schob.
"nein, nein", krächzt die kundin mit ihrer rothändle-gorbatschow-stimme, "ich zahle immer bar, das würde ja sonst soviel extra kosten."
ein unausgesprochenes 'hä?' legt sich auf die lippen aller umstehenden kunden und angestellten. die kassiererin verdreht die augen.
"wieso? sie zahlen doch nicht mehr, wenn sie mit karte zahlen. IHNEN kostet das ÜBERHAUPT nichts. WIR zahlen da drauf, wenn wir diesen service zur verfügung stellen."
"jaja, das sagen SIE jetzt", meckert die kundin und schüttelt den weißblonden pudelkopf, "und nachher buchen mir die von der sparkasse wieder einfach was ab!"
die ersten anwesenden können sich ein grinsen nicht verkneifen. die alte ereifert sich jetzt erst richtig:
"das machen die einfach, das haben sie wohl noch gar nicht gemerkt. wenn ich jetzt mit karte zahle, wie soll ich das denn kontrollieren?!"
"mit ihrem kontoauszug?" wagt die kassiererin freundlich einzuwerfen.
"ja haben SIE eine ahnung!" die alte wird schrill, "da schreiben die doch nicht alles drauf, was die mir abbuchen! das machen die alles HEIMLICH!"
die kundin schmeißt ihre sachen hektisch in die mitgebrachte keine-extrakosten-tasche, blickt sich noch zweimal misstrauisch um und stapft hinaus.

ich glaube, wenn ich das nächste mal mit meinem sparkassenberater zu tun habe, muss ich ihm diese kleine anektdote erzählen. unbedingt.

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Dienstag, 29. Januar 2008
kindheit reloaded
seitdem meine mutter arbeitslos ist, klingelt das telefon häufiger bei mir. sie beginnt das zu tun, was alte leute machen, die zuviel zeit haben: sich einmischen.
nach den vorwurfsvollen feststellungen über mein examen, ich sei einfach nur schlecht, kommen neuerdings ganz tolle ratschläge für mein weiteres leben aus ihrem mund. manchmal, wenn ich von der arbeit komme, blinken mehrere nachrichten auf meinem anrufbeantworter, die mir erzählen, was ich alles besser machen kann. dazu, wie das alles besser gehen soll, gibt es die kuriosesten lösungsvorschläge, weil sie keine ahnung von meinem leben hat. sie sieht dort probleme, wo keine sind, schafft es aber, mich eine halbe am telefon darüber rechtfertigen zu lassen.
mir fehlt im augenblick der humor, um es nur komisch zu finden. 'sie meint es nur gut', suggeriere ich mir, kann aber nicht aufhören, mich verzweifelt verärgert zu fühlen. ich erinnere mich an mein diktat, damals in der dritten klasse, ich hatte als einzige eine eins minus, ein halber fehler wegen eines fehlenden kommas, und zeigte stolz wie bolle mein heft. meine mutter schlug die hand vor den mund, "warum in aller welt hast du denn da kein komma gesetzt?" später saß ich in meinem zimmer und schrieb den satz zehnmal in mein privates übungsheft, mit komma. 'hoffentlich weint sie nicht wieder in der küche', dachte ich damals, und: 'ich bin ein schlechtes kind.'

mein vater zählt nur mit, wieviele tassen kaffee ich trinke, um mich darauf hinzuweisen, dass das ungesund sei, oder er erklärt mir, ich würde nur kommen, um den kühlschrank zu plünden, wenn ich eine scheibe käse zu mir nehme. er verdächtigt mich, seine socken zu klauen und beim duschen zuviel wasser zu verbrauchen. er hält mich für eine schmarotzerin, der man nicht immer trauen darf, aber nicht für eine versagerin. er verzeiht mir sowas wie vergessene kommas in diktaten, "naja, nicht so schlimm", sogar meine erste mathe-vier war kein grund für ihn, an meinem verstand zu zweifeln. nachhilfe sollte ich nehmen, aber gleich auf die realschule zu wechseln wie meine mutter es für mich vorsah, das war in seinen augen noch nicht notwendig.

wie damals als achtjährige fühle ich wieder, wie ich mich anwidere, wie ich beginne mir einzureden, ich sei nichts wert, sei egoistisch und könne niemanden glücklich machen. nachts träume ich, wie ich meine mutter brutal erwürge, zerstückle, von hochhäusern stoße, sie zu brei schlage. alles sträubt sich beim aufwachen.
krieg ist in mir, während ich meinen körper unbeteiligt durch die wirklichkeit schiebe.
aber ich will leben. und ich will endlich jemand sein.

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