Montag, 28. Januar 2008
it´s magic.
ich lege spannung an die endstufenröhre, als plötzlich lila blitze aus dem messgerät zucken und es ein lautes geräusch gibt, das wie eine explodierende christbaumkugel klingt (wer das als kind noch nie gemacht hat: ein feuerzeug oder eine brennende kerze an eine christbaumkugel halten und gespannt warten, aber nicht so nah mit dem gesicht rangehen), dann rasen mehrere ichweißnichtwieviele volts durch meinen körper.
alle zeiger des geräts klappen mit einem ruck auf null, und während meine kollegin mit offenem mund zu mir herüberschaut, klebe ich mit dem rücken am nächsten regal und versuche, nach dem stromschlag mein herz wieder in den richtigen takt zu meditieren.
der chef stürmt herein: "was ist los? jemand verletzt? ist was kaputt gegangen?"
und als er sich über das gerät beugt, um eventuelle schäden zu begutachten, ruft meine kollegin mir zu: "du sendet magische strahlungen aus! du bist uri geller! wir müssen dich gleich bei der next-uri-geller-show anmelden!"
jetzt sitze ich hier und übe, knoten in löffel zu kriegen. gar nicht so einfach. aber wenn es mit der show nicht klappt, kann ich mich wenigstens bei maggi mit bewerben.

edit: heute wollte ich am pc den artikelbestand abrufen, als plötzlich der bildschirm in wellen verschwamm.
die theorie meiner kollegin wurde daraufhin noch weiter ausgebaut: ich sei wohl einmal von außerirdischen entführt worden und trage seither einen chip im gehirn.
"das würde auch erklären, warum ich manchmal so ein problem mit dem speichern von informationen habe", sage ich, "der chip stört den irdischen datentransfer."

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Sonntag, 27. Januar 2008
forever young
neulich eine kurzgeschichte gelesen, den autornamen schon wieder vergessen, weil dröge geschrieben und voller rechtschreibfehler, außerdem war´s ein no-name-produkt für eine renommierte hotelkette, das neben jedem derer betten als einschlafhilfe liegt, goldrichtig würde ich sagen, wirksamkeit bei hundert prozent. der hintergrund der abgedroschenen lovestory jedoch blieb mir noch eine weile im kopf: die handlung spielte in die zukunft, in der alle menschen ihre organe und auch sowas wie haut und haare durch austausch erneuern lassen können, sogar das gehirn inklusive der erinnerungen.
wenn man die sache mit dem gehirn mal vorsichtig weglässt, beschreibt die geschichte damit den zustand unserer gesellschaft, wie wir ihn sicherlich in ein paar jahren oder jahrzehnten erreicht haben werden. kürzlich wurde in den usa ein mensch geklont - mit hilfe von genen aus hautzellen, die in eine eizelle geschleust wurden. das kann man nun gruselig finden oder nicht, sobald die menschlichen produkte auf dem schwarzmarkt zu kriegen sind, wird niemand mehr sterben wollen, der es sich leisten kann. moralist ist man bekanntlich nur solange, bis man sich der eigenen sterblichkeit bewusst wird.
darum geht´s jetzt eigentlich gar nicht, aber ihr dürft mich trotzdem gerne wieder "nazi" nennen.

forever young ist das konzept hinter dem wohlbekannten gesundheits- und fitnesswahn, vielleicht auch hinter religionen, in denen es wiedergeburt gibt. unbedeutend, faltig und inkontinent abnibbeln und dann finis, das ist ja keine nette vorstellung, deshalb bemüht man sich um ein stück unsterblichkeit. aber bis zum tod warten heute die wenigsten damit.
die gängiste methode ist das versetzen von lebenszeit. man ist vielleicht 42, lebt aber noch wie 21. dabei macht es nichts, wenn man auch schon alt aussieht. man kann sich immer noch in jugendliche klamotten zwängen, in der disco peinlich auf der tanzfläche herumhopsen und die kommunikation mit 18jährigen suchen. der trend geht wieder richtung "junge mädchen - ältere herren", weil jungs sofort nach einsetzen des bartwuchses mit dem alterversetzen beginnen, so erstmal eine weile beim lifestyle von 13jährigen stehenbleiben und deshalb für gleichaltrige mädchen oft uninteressant wirken. frauen drehen erst ab etwa 25 jahren die zeit zurück, weil sie in der "brigitte" gelesen haben, dass frauen mitte zwanzig im besten paarungsalter sind.
krankheit dieses zeitalters ist: das zögern. mit 35 fühlt man sich noch nicht reif für eine ernsthafte beziehung, vor 45 denkt man auch lieber nicht an familienplanung. riesterrente steht ebenfalls auf der outliste, die tendenz geht dahin, für das alter lieber gar nicht mehr vorzusorgen, denn: man wird schließlich jung bleiben!
nägeln mit köpfen machen? langweilig. probleme, ja, davon haben wir sowieso genug, denn die sozialen problemlösungsmechanismen sind irgendwo in der pubertät steckengeblieben. so bleibt zum beispiel das aussprechen von emotionen bis zur lebensmitte ein ernsthaftes dilemma. trotzdem will man niemals alleine sein, also lügt man sich selber auch schon einmal emotionen vor, um sich jemanden in der hinterhand warmzuhalten. jaja, ich will dich doch, hauptsache, du willst mich. möchte man umgekehrt einen geliebten lebensabschnittspartner bei sich halten, greift man zum klassiker eifersucht, weil abgeschmackt und durchschaubar geht immer.
die illusion ist dein freund, und ist der mal klamm, helfen wir mit alkohol nach.
der erhoffte babyboom bleibt so natürlich aus, auch wenn eva herman oder ursula von der leyen sich alle mühe geben und wir inzwischen sogar per fernsehwerbung mit glücklich grinsenden du-bist-deutschland-babys zur fruchtbarkeit hinmanipuliert werden. was niemand mehr geben kann und was niemand mehr empfängt, weil alle sozialen bindungen sich bis zur bedeutungslosigkeit relativieren, ist das gefühl, jemand zu sein. von bedeutung, und zwar für den anderen, egal in welcher dimension. das kann nur der partner oder die eigene familie und in sehr seltenen fällen vielleicht der arbeitgeber.
also bleiben wir alle am leben, bleiben lieber für immer unbedeutend jung, als wär´s ein gut, ein gut, das niemandem wirklich gut tut.

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Donnerstag, 24. Januar 2008
karlsruhe
das klingt wie die urne von karl dem großen. die in karlruhe (karlsruhende?) lebenden haben keine u-bahn und eine uni, die hat so etwa puppenküchengröße, wie es auf der homepage scheint.
in karlsruhe waren wir noch nie, aber vielleicht sollten wir da hinziehen.

was meinen die geneigten leser dazu? kann man da wohnen? so als großstadtfetischisten?

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Mittwoch, 23. Januar 2008
das kultusministerium verklagen
sie ist eine große, etwas dicke frau, immer adrett, todlangweiliger stil, nichtssagende stimme. aber sie ist brilliant, all die jahre gewesen. in seminaren, die ich immer im tiefschlaf verbrachte, blühte sie auf, hielt freiwillig referate. im examen hat sie gleich nach den schriftlichen prüfungen an die vorbereitung für die mündlichen gemacht, während ich mir erst einmal drei wochen abstand und vermehrten sex gegönnt habe. nun sitzt sie wieder vor den büchern und wiederholt die prüfungen, weil sie noch schlechter abgeschnitten hat als ich, denn ich, die ich dachte, versagt zu haben, bin erstaunlicherweise die zweitbeste unserer kleinen examensgruppe.
glück haben, das ist alles. ein zentralistisches bayerisches staatsexamen besteht man nur, wenn das schicksal zu einem hält und die richtigen fragen kommen, denn man kann nur auf lücke lernen. wo magister und diplomanten ihre einser-schnitte haben, sind wir froh, wenn gerade noch eine zwei vor dem komma steht. wir erlangen auch keinen titel - also volle arschlochkarte für diejenigen, die sich nicht vom staat an schulen ausbeuten gehen lassen, sondern in die wirtschaft wollen.

in deutsch in ndl sind wir übrigens fast alle mit fünfen abgespeist worden. unter meiner interpretation steht "das ist keine interpretation". ein wildgewordener ich-hab-keinen-bock-zu-korrigieren-prof hat da seine wut ausgelassen. die korrekturen und anmerkungen am rand sind nahezu unleserlich und verschmiert, einmal vermutete ich rotweinflecken auf dem papier. mehrfach der vorwurf, ich bleibe nicht am text. selber stellt er nachfragen nach stichpunkten, die gar nicht erst im text auftauchen und thematisch nicht von relevanz sind. kennt er das gedicht, fragte ich mich, hat er überhaupt meine aufgabe vor augen? zwischen den zeilen verhöhnt er mich grob mit ironischen zwischenfragen, die nicht den funken witzig sind, verliert völlig den letzten respekt, den man als korrekteur vielleicht auch vor einer weniger gelungenen arbeit behalten sollte. wir sind doch menschen, müssen wir uns so behandeln lassen?
am interessantesten wird es auf seite sechs, als ich die klassische interpretation von mir gebe, teilweise in wortlaut. dort unterstreicht er wild mehrfach die worte, die die klassikerinterpretation verwendet und macht spöttische anmerkungen. dürfen wir uns jetzt nicht einmal mehr an die lehrbücher halten, nur weil unser korrekteur die offensichtlich nicht kennt?
der zweitkorrekteur hat in zwei sätzen höflich, klar und deutlich ausgedrückt, warum er meine arbeit nicht gut findet. das unterschreibe ich ihm sofort, weil die genannten punkte bei mir tatsächlich schwach sind. ein verrisssüchtiges, inkompetentes arschloch mit rotstift werde ich dagegen nicht akzeptieren, habe ich mir geschworen.
"bringt doch eh nix", sagt meine bekannte, die auch eine fünf hat, niedergeschlagen.
"mir egal", sage ich, "meinen mund verbieten lasse ich mir nicht. auch wenn sich an der note nichts ändert, so ein korrekteur sollte von diesen aufgaben suspendiert werden."
sie meint: "du bist ganz schön sauer."
"na und ob. ich koche. ich explodiere gleich wie rumpelstilzchen. am liebsten würde ich ja gleich das ganze prozedere an den pranger bringen. alle belächeln uns mitleidig wegen unserer notendurchschnitte, dabei haben wir hundertmal mehr getan. das ganze system ist eine einzige riesige verarschung, und obendrein noch völlig ineffizient, wie die pisastudien beweisen."
"du solltst in die politik gehen", sagt sie und kann schon wieder ein bisschen lachen, "ich würde dich wählen, da sei dir mal sicher."

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Montag, 21. Januar 2008
roulette rouge
eine amselschwinge ziert den weg, der restliche leichnam den rinnstein. glatt liegen die federn aneinander, schimmernd, unversehrt, nimm mich mit, hinauf hinauf hinauf.

sie wendet den blick ab, ein schatten fällt auf ihr gesicht, streift es, die flatternden wimpern schütteln ihn ab. die stunden haben einen pinsel, der malt ein lächeln auf die wangen oder kummerfalten um die lippen.
"danke", hat er damals gesagt und ihre hand losgelassen. "ich hatte das gefühl, als wäre ich den ganzen tag mit mir selbst unterwegs gewesen."
sie hat den satz zu ihrer schönsten liebeserklärung gekürt, jahrelange hielt er den ersten platz in ihren erinnerungen. jetzt ist alles anders, die zärtlichen sätze, selten genug über die lippen gequält, blieben tatenlos, schwankend, zeugten zum ende hin von einer gewachsenen abhängigkeit, die beide auf distanz gehen ließ, damit sie sich etwas beweisen konnten, ich brauche dich weniger, nein ich, ach was ich brauche dich gar nicht.
seine nachfolgerinnen hat er ihr regelmäßig vorgestellt, die worte kinder und heiraten werden häufiger in seinem mund, die bindungen hingegen immer kürzer und seltener. bis er mit "ich will einfach nur ficken" kommt, mit diesem satz vor ihrer haustür steht, und sie tut, als sei sie nicht zuhause, ausgegangen.
nächtelang sitzt sie wach in der wohnung, versucht sich auf etwas zu freuen, wovon sie keine vorstellung hat. es gelingt nicht, sie landet bei einem typen, der sie ans bett bindet, mit zigaretten foltert und nicht mehr gehen lässt, droht, sie für immer einzusperren und die wohnung anzuzünden, zwei jahre lang hat sie angst vor geschlossenen räumen, aber vor nichts anderem mehr. wahlloser sex, nichts kann sie mehr erreichen, nichts mehr den panzer zerstören.
die erste flucht vor sich selbst führt sie zu m., der hat grüne augen und möchte sich gerne umbringen, der schlägt sie ins gesicht und bringt sie dazu, beim geschmack von blut lust zu empfinden, manchmal rauchen sie auch zusammen haschisch und sind grenzenlos albern, bis m. seine pläne verwirklicht. am abend zuvor fotografiert er sie, in strapse und mit einem kruzifix im arsch. als die abzüge eintreffen, ist auf allen bildern nur ihr gesicht eingefangen, aus verschiedenen perspektiven, unscharf.
eine zweite flucht folgt, der reiter der morgenröte findet sie schließlich, zerbricht ihren panzer mit tausend tränen und verlässt sie wieder, nackt und sterbend, bis sie begreift, dass sie sich selbst retten muss.

jetzt hüpft ein sperling vor ihr auf dem bürgersteig, der legt den kopf schief und sieht sie herausfordernd an, komm mit, scheint er zu sagen, sei nicht dumm, entscheide dich, beim russisch roulette setzt man nicht auf rot, wenn man ins schwarze treffen will.

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sing-sing
heute ist so ein tag, an dem ich mich nichtsingenkönnenweise mit der gitarre nichtgitarrespielenkönnenderweise an die ubahn stellen möchte, damit wenigstens ein blick meinem hut - nichthuttragenderweise - trifft. oder ein winken, von weitem. oder eine taube, abgasgrau, vor meinem füßen landet. oder.

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