Mittwoch, 25. Juli 2012
a guy called lady
"du kannst gerne reinkommen, ich hab aber besuch", sagt das objekt, als ich unter der tür stehe und die objekt-jacke vorbeibringe, die mir das objekt geliehen hatte, als wir in der aufnahme der psychiatrie saßen und ich ein panisch zitterndes häufchen elend war.
"ich will nicht stören", sage ich und halte dem objekt die frisch gewaschene jacke hin, die es unbedingt braucht, weil es morgen mit seinen patienten in eine art ferienlager fährt.
"du störst nicht. trink einen whiskey mit uns, dann kannst du ja wieder abhauen."

im zimmerchen des objekts sitzt ein typ, den ich vom sehen kenne. er ist schätzungsweise mitte 30, trägt glatze und gerne lack und leder. vom dritten weiß ich, dass er verheiratet ist, ein kind hat und als lehrer arbeitet.

das objekt beugt sich zu dem typ hinunter und küsst ihn leidenschaftlich. dann legt er ihm den arm um die schultern und sagt zu mir: "das ist lady."
lady greift beherzt nach meiner hand und zerquetscht sie.

ich sage nichts, bin ein bisschen perplex, denn dass das objekt etwas von lady will, habe ich nicht geahnt. schließlich steht das objekt laut eigener aussage auf "echte kerle", also keine schwuletten, und lady ist nunmal der inbegriff von tuffigkeit, sorry - ehe und kindern zum trotz.
"ich kenn dich, ich hab dich schon öfter gesehen", sagt lady ganz freundlich zu mir und hat dabei seine hand am objektarsch.
"ähm, ja", sage ich und will nicht unhöflich sein, bin aber immer noch überrascht und ein bisschen sprachlos.
"das ist die morphine", sagt das objekt an meiner stelle, küsst meine wange und herzt mich. "sozusagen mein weibliches spiegelbild."
"klingt nach dem steppenwolf", lacht lady. "du solltest nicht so viel hesse lesen."

das objekt füllt drei gläser mit whiskey und lässt eiswürfel in die bernsteinfarbene flüssigkeit fallen. lady taxiert mich. ich schaue betreten aus dem fenster.

ich muss daran denken, wie das objekt von dem typen erzählte, in dessen arsch er seinen finger hatte, während der typ eine frau vögelte.
"als der typ kam, konnte ich spüren, wie sich seine prostata im takt des orgasmus zusammenzog", hatte das objekt nicht ohne faszination berichtet. ich frage mich, ob lady vielleicht der typ war und die frau ladys frau, aber das objekt nennt ungern die namen seiner liebschaften und flüchtigen begegnungen, und manchmal bezweifle ich, dass es überhaupt danach fragt. wichtiger als namen sind ihm chemie, haut, körpersäfte und die energie, die jemand zu geben bereit ist.

wir stoßen an.
"bah", sage ich, "das ist aber höchstens ne aldi-eigenmarke!"
"ich finde, der geht", erwidert das objekt und schaut in sein glas.
lady sagt gar nichts, guckt nur wissend zwischen mir und dem objekt hin und her und lächelt. dann steht er auf und küsst das objekt tief, und es liegt so viel sex in diesem kuss, dass mir ganz schwindelig vom zugucken wird. wieder stelle ich fest, dass ich küssende männer hocherotisch finden kann, und es tut mir ein bisschen leid, dass es lady und nicht der dritte ist, denn den dritten hätte ich jetzt auch niedergeknutscht, auf der stelle, während ich merke, dass lady ganz objektfixiert ist und mich allenfalls als nette zuschauerin duldet.

ich sehe, wie ladys hand nun schon in die hose des objekts wandert und räuspere mich.
"ich geh dann mal", sage ich schnell, und das objekt bringt mich nach draußen über den hässlich blauen flur bis zum aufzug.
"dann habt mal noch viel spaß", sage ich augenzwinkernd.
das objekt lächelt, hält aber dann inne und fragt:
"sag mal... glaubst du, der ist verliebt in mich?"
"keine ahnung. aber er küsst ja recht leidenschaftlich."
das objekt fühlt sich sichtlich unwohl.
"seine ehe ist kürzlich in die brüche gegangen."
"ups", sage ich.
"seine frau hat ihn betrogen", sagt das objekt sehr ernst.
"also soweit ich beurteilen kann, hat er seine frau aber schon seit ewigkeiten mit männern betrogen", wage ich einzuwenden.
"das ist doch was anderes", findet das objekt.
"so ein blödsinn", halte ich dagegen. "das heißt, es kommt natürlich drauf an, wie seine frau das so sieht. ich denke aber, für die meisten frauen sind männliche geliebte genauso schlimm wie weibliche geliebte oder sogar noch schrecklicher, weil sie einem mann ja nichts entgegenhalten können."
das objekt betrachtet mich erstaunt:
"findet du?"
"ja klar. uns wächst nicht mal eben so ein schwanz."
"du meinst, frauen können auch penisneid entwickeln?"
"sicher, warum denn nicht?"
das objekt schüttelt den kopf:
"aber würdest du denn penisneid entwickeln?"
ich lache:
"nein, aber ich kann nicht zugucken, ohne dass mich das anmacht. also nicht bei zwei schönen männern, von denen ich mindestens einen selbst begehre."

das objekt macht ein nachdenkliches gesicht, aber ich unterbreche es sofort:
"nein! nein, wirklich nicht. du fragst lady nicht."
das objekt grinst breit.
"nein, wirklich nicht, das wäre mir echt unangenehm", versichere ich.
"na gut", sagt das objekt und steckt mir ein bisschen die zunge in den hals. es schmeckt nach lady und vorfreude auf mehr.
"aber du könntest es mir sagen, ja?"
ich winke ab.
"tschüß. und fick schön."
das objekt küsst mich noch einmal und schubst mich dann in den aufzug.

als ich endlich draußen vor dem gebäude stehe, muss ich erst einmal ein bisschen hyperventilieren.

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