Donnerstag, 14. August 2008
auf beiden beinen
fette zufriedenheit ist es nicht. fett fühlte sich anders an. so mit 1000 tacken monatlich auf dem konto.
aber es rollt. ich stehe auf der rolltreppe, vor mir, hinter mir und zu den seiten menschen, menschen, die ich gerade nicht überholen kann. ich lasse mich langsam mitschaukeln und habe keine angst. ich weiß ja: bald schon kann es tageslicht sein. vom keller ins erdgeschoss. das kann ein schritt sein, der den im fünften stock lachen macht. lacht nur. irgendwann kaufe ich vielleicht dein haus, du arroganter fünftstöckler. mit tiefgarage. und dann kommst du und musst fragen, wo du deine penisverlängerung parken darfst.

meine beine zittern nicht mehr so sehr. der rücken fühlt nicht mehr nur schmerzen. vielleicht zum ersten mal in meinem leben sage ich von mir mit wahrer überzeugung: ich bin gut. ich bin wirklich richtig richtig gut. nicht fehlerlos. aber ein wertvolles mitglied dieser gesellschaft. und ich bin nicht die einzige, die das sagt. hände auf meinen schultern sind da, andere, fremde hände, die mich nicht vorwärtsschubsen, die mir aber sanften druckes bedeuten: weitergehen. richtige richtung.
ich habe organisationstalent. ich verkaufe meine begabung wahrscheinlich bald im alleingang. ein versuchsballon, der fliegen will. vielleicht platzt er, aber dann hat er wenigstens kurz einmal die welt von oben gesehen.
ich kann die klappe halten. denn wenn du weißt, was du willst, musst du leise sein.
alles andere schert mich nicht. ich habe aufgehört, mich in mein früheres leben zurückzuwünschen. klar, die freiheit, die ich hatte, diese ganz besondere freiheit mir selbst gegenüber, dieses laisser-faire. die unbeschwertheit sonntag nachmittags auf der wiese. die hatte ich und es war schön, sie gekannt haben zu dürfen. verantwortungsloses, unverbindliches glück. das fehlt mir, aber immer weniger.
überhaupt: immer weniger emotionen. immer mehr taten, die ich ausführe, ohne darüber nachzudenken, ob sie mir angst machen könnten. immer weniger etwas, das ich als herausforderung wahrnehme. ich will mir schon den hals brechen können dabei.
die einzige furcht, die mich begleitet, ist, eines tages auch die liebe zu verlieren. zu mir selbst und zu anderen. dass mir die sinnlichkeit abhanden kommt. die fähigkeit, das leben zu zelebrieren. und die sensitivität, die mich früher ständig beinahe umgebracht hätte.
im moment arbeite ich mit beiden händen. sie haben keine zeit für viel anderes. dabei waren sie lange zeit die einzigen, die diesen meinen kopf mit seinen schweren gedanken hin und wieder getätschelt haben. kein selbstmitleid heute.

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Samstag, 9. August 2008
hilfe!
meine eltern wollen mich besuchen kommen. und der gedanke ist mir überraschenderweise nicht mal angenehm. ganz im gegenteil: es sind menschen,an die ich kaum denke.
"ja, es geht mir gut", sage ich dem telefonhörer, der 600km weit die stimme meiner mutter überträgt. der kater huscht herbei und sagt mit den lippen an meinem nacken "und du wirst du geliebt!!"
manchmal trifft der kater mit seinen aussagen genau den richtigen zeitpunkt. das ist so einer. die sekunde, in der man sich fragt, was diese menschen da weit weg im süden bewegt haben mag, dich zu produzieren und auf diese welt zu setzen. diese aussage, die dir die antwort gibt, die sie dir jahrzehntelang nicht zu geben vermochten: du bist liebenswert. ganz egal, wie du bist, solange du du bist.
ich verliere hin und wieder ein wort über das verhältnis zu meinen eltern. dass ich sie nicht vermisse. dass mir nichts fehlt. dass ich lediglich die ruhe genieße. den abstand.
meine chefin telefoniert jeden tag mit ihrer mama. "meine eltern zahlen bis heute einen teil meiner miete", sagt sie, "sie wissen ja, dass jeder pfennig in diese agentur fließt." ich bin einen moment neidisch. so viel verständnis, soviel rückhalt. und dann wieder nicht mehr. ich bin allein. alleine zu zweit. ich schaffe mir meine eigene familie. und ob ich je ein kind möchte, von dem ich mich dann enttäuscht fühle und das ich mit meinen unerfüllten wünschen und vorstellungen in den wahnsinn treibe, das darf ich später entscheiden. das nenne ich freiheit. eine freiheit, die ich mit 27 habe und die sich andere noch nicht einmal mit 40 erarbeiten konnten.
ich bin gespannt, ob es mich berühren wird, wenn ich sie sehe. ob ich wenigstens mitleid empfinden werde für all die rückständigkeit und lethargie. oder ob ich einfach nur feststellen werde, dass mich das alles nichts mehr angeht.

sagen sie mal. egal was.

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Samstag, 2. August 2008
herrje. was hammwa jesoffen.
das war - für meinen teil - gestern der heftigste alkoholkonsum für 2008.
meine wenigkeit hatte: einmal white russian, fünf whiskey, fünf tequilas und ein paar wodkas mit tabasco. das bier zum runterkommen gegen halb vier uhr nachts hab ich dann doch stehengelassen.
der kater und unser gast: unzählige biers und ebenfalls etwa fünf whiskey, tequlilas und noch ein paar mehr rote teufels-wodka als ich.
dafür sind wir heute alle erstaunlich fit. danke, liebe leber! lebern? lebers?

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Dienstag, 29. Juli 2008
32,9 grad am mittag
und das bedürfnis, einfach einmal jemanden anzurufen und sich ein oder zwei stunden in die wiesen an der alster oder in ein cafe zu setzen, ein bisschen zu blubbern oder auch nur schweigende eintracht zu sein.
früher sagte ich immer, jeder tag sollte ein highlight haben. und wenn man noch so müde war, es gab immer einen grund, sich aufzuraffen. im moment gibt es mangels vertrauter menschen nur senkrecht stehende sonne und lethargisch machende hitze.

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Sonntag, 27. Juli 2008
ökoschutztrupp-bericht: ehrenamtlicher sonntagseinsatz
wir verringern die wiesenbrandgefahr!

das war das motto des cabman-morphine-schutztrupps, der sich heute mal wieder um die menschheit verdient gemacht hat. er aalte sich auf dem stadtparkrasen und tränkte den boden mit literweise mineralstoffreicher flüssigkeit. die brandgefahr aufgrund der momentan knapp 40 grad in der sonne wurde somit wesentlich gesenkt. sogar rauchen und wegschmeißen brennender kippen vor ort war den parkbesuchern wieder ganz entspannt möglich.
als naturschützer und tierfreund des tages erwies sich der cabkater, welchen einen kleinen hund seinen salzigen leib abschlabbern ließ, woraufhin der hund, aufgrund der hitze und des langen fells unter elektrolytverlust leidend, sichtbar zu neuem leben erwachte.
so, liebe freunde, kann man auch in zeiten, in denen man klimawandel, welthunger und resourcenschwund ohnmächtig gegenüber steht, doch noch für ökologisch verträgliche und menschenfreundliche atmosphäre auf erden sorgen. werden auch sie ein aktives vorbild für ihre mitbürger und machen sie, dass man auch von ihnen als naturschützer und tierliebhaber spricht. wenn sie nicht selber aktiv teilnehmen wollen, können sie auch gerne eine spende an eine ihnen vertraulich mitgeteilte kontoverbindung machen. rufen sie hierzu die nummer 0190-666-666-666-667 an (5,90€/sek) und warten sie, bis michael jacksons "earthsong" vorbei ist. danach teilt ihnen die bandansage die kontoverbindung mit. zu ihrer sicherheit wird diese zehn mal wiederholt. wählen sie anschließend die eins und warten sie einige sekunden, bis sie dann die gelegenheit bekommen, freunde und nachbarn grüßen zu lassen. das war´s auch schon.
vielen dank!

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Donnerstag, 24. Juli 2008
sommer-spinner
ein bisschen sonne und sie drehen durch, diese menschen.
ich radelte die alsterdorfer straße hinunter, oder besser gesagt hinauf, denn da ist ja ein langer langer berg - als von rechts ein auto kommt. ich bin ja nicht von vorgestern und weiß: rechts hat vorfahrt. ich kann aber auch schon rautenförmige spiegeleier auf stengeln deuten und weiß: ich hab trotzdem vorfahrt. da kann der dreimal von rechts kommen. da geht nix. und wenn ich mich dafür mit meinen drahtesel in seine kühlerhaube verkeilen muss.
was tut der mensch? er beugt sich aus seinem fenster (offen, klar, ist ja heiß hier ab 23 grad) und hält mir im vorüber-unrechtmäßig-einbiegen einen vortrag. aber die rote ampel und meine beinmuskulatur sind meine freunde. oben am berg hole ich ihn ein und sage: "dies ist eine vorfahrtsstraße" und deute auf das steckerl-blechspiegelei in rautenform. das ist natürlich ein frechheit von mir, findet der herr und muss sich gleich noch einmal aus dem fenster beugen. ein sabberfaden spannt in seinem mundwinkel. ich mache den mp3-player an und stelle die musik lauter. man muss sich ja nichts allem aussetzen.

abends am flussufer kann ich aber dann nicht mehr wegschauen. da auf der bank neben der wiese sitzen für alsterdorfer verhältnisse ganz ungewohnt asso-ischen und zwei macker und verstrahlen ihren bildungsferne-schichten-charme. und der typ, ja, ich sehe richtig, hat keine hose an. auch keine unterhose. er steht auf dem weg und lässt vor den augen von miss tussen-alarm-stiefel-in-hose den schniedel baumeln. weil es sich aber um ein unspektakuläres exemplar handelt, muss ich nicht mal für eine schrecksekunde irritiert stehen bleiben. ich grinse ein wenig und halte mich geistig an dem fest, was gleich zuhause auf mich wartet...

edit von tagsdrauf: und heute eine omma mit langen weißen haaren mit knallroten strähnen drin über die straße gehen sehen. sie lächelte mich bekifft an und schlurfte ihres weges.
nicht schlecht. inspiriert auf jeden fall.

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Montag, 21. Juli 2008
abgefüllt und angeblasen
jetzt muss ich ins schlafzimmer.

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Sonntag, 20. Juli 2008
disco (neid-content)
früher ging ich gerne in clubs, um menschen zu treffen und vielleicht den menschen, mit dem ich dann zusammenkommen würde - für eine nacht, für drei monate, zwei jahre oder den rest meines lebens. ich hatte fast immer jemanden im visier. ich liebte es, mich für diesen zweck zu stylen, für den, den ich wollte, ein spezielles beute-outfit anzulegen. jeden montagmorgen freute ich mich auf dienstag-, freitag- und samstagabende.
heute gehe ich noch immer schrecklich gerne aus. als ich mich in den kater verliebte, dachte ich zunächst, och wie öde, irgendwie gibt es jetzt gar keinen grund mehr auszugehen. der kater liebt mich auch in jeans und lümmel-pulli. diese phase der tanzmüdigkeit dauerte jedoch nur ein paar monate an. heute genieße ich es immer noch, meine ausgehkleider aus dem schrank zu holen, zu duschen, make up und parfum aufzulegen - weil ich für den kater gut aussehen möchte. zusammen ausgehen, das birgt das potenzial, sich noch einmal ein wenig mehr ineinander zu verlieben. nach dem motto: und wenn ich dich nicht schon hätte, würde ich dich genau heute abend rumkriegen.
auch der kater macht sich schön. das finde ich gut, denn ich will natürlich mit ihm angeben gehen. ich beobachte dann anderer frauen schmachtende blicke und habe ein glückliches kribbeln im bauch. stolze besitzerin, die sonst nicht viel ihr eigen nennt.
tanzen hat außerdem etwas anmierendes. tanzes ist vorspiel zum sex. es macht an, sich zu bewegen und auch dem anderen beim tanzen zuzusehen, mit und gegen ihn zu tanzen, die tanzfläche als paar zu sprengen. zusammen gegen den rest den welt. und wenn man dann geht, um ins bett zu kommen, dann bestimmt nicht, um zu schlafen...

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Samstag, 19. Juli 2008
die döner-schnecke - ein hamburger psychothriller
gestern abend guckten katerhase und ich einen film. hier eignet sich mein schnarchasyl-bett wunderbar als zweite couch, da es im günstigen winkel zum bildschirm steht und mit ein paar kissen zur ultimativ gemütlichen cineasten-lümmelstätte wird. bei unten-ohne-dress und langatmigen szenen lädt es außerdem zu gewissen anderweitigen beschäftigungen ein.

irgendwann stieß mein fuß im halbdunkel gegen etwas dunkles, schleimiges, raupenartiges am fußende des bettes. mir entkam ein kleiner schreckensschrei, der den kater aufrecht sitzen ließ.
"was ist denn?!"
"da!! da ist ein vieh im bett!!"
"oh, was ist das denn?"
"keine ahnung. eine nacktschnecke oder raupe oder sowas. ein glibbervieh eben."
mein finger, vorsichtig ausgestreckt, stupste das ding an. es war kalt und weich.
"wo kommt die denn jetzt her?"
"keine ahnung. bestimmt warst du vorhin am fenster rauchen und hast die an deiner hose mit hier herein geschleppt."
"meinst du?"
ich begutachtete die raupe näher. sie war definitiv schon tot. der kater, der beim filmgucken immer ein wenig strampelt, hatte das weichtier schon bisschen im laken verteilt.
"guck mal, du hast das ganze bett verschmiert!"
der kater guckte nun auch. dann ging ihm ein licht auf:
"das ist gar keine schnecke! das ist dönerfleisch!"
"iiiiiiiiiiiiiiiiiiiihhhhhhhhhhhhh..."
und es fiel mir wie schuppen von den augen: der kater hatte ja heute die pizza-diät unterbrochen und zwei döner zu abend vertilgt. auch der schreibtisch, der neben meinem schnarchasyl steht, war vorhin mit dönerschnipseln, kohlraspeln und knoblauchsaucenspritzern übersät, weil el kater das krümelmonstergen in sich trägt.

der kater erbarmte sich, holte als tapferer kammerjäger die rolle mit dem küchenkrepp und entfernte die döner-schnecke. die müffelnden flecken blieben natürlich.
zum glück hatte das sägewerk in dieser nacht einen ruhetag. wozu ernährungsumstellung nicht alles gut ist. so musste ich nicht in mein verpestetes bett auswandern, sondern konnte neben dem kater in den sauberen laken schlummern...

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Freitag, 18. Juli 2008
new lover
ich mag ja hunde eigentlich gar nicht. hunde mögen mich dafür in der regel ebenso wenig. aber der hier, der hat sich einfach durch meine harte herzensschale gegraben.


er bewachte mich den ganzen tag. lag auf meinen füßen. legte die schnauze auf mein knie. bellte jeden an, der sich mir näherte.
und ich. ging zum ersten mal in meinem leben mit einem hund alleine gassi.
neues leben, neue erfahrungen. so ist das wohl. vielleicht werde ich ja demnächst schwanger. weil ich plötzlich kinder mag.

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