Freitag, 9. Januar 2015
bester kunde ever
es macht enormen spaß, für die stadt zu arbeiten. nicht nur, weil die endlich mal meine preise akzeptieren. sondern auch, weil die sehr, sehr okay sind. unter diesen anzugfuzzis und hosenanzugfrauen bewege ich, die gestörte freakin, mich wundersamerweise auf augenhöhe. diese leute haben jede menge humor, begegnen mir mit großem respekt und sind enorm zuvorkommend. wenn wir unterwegs sind, bekomme ich essen und getränke spendiert. wenn es regnet, werde ich mit dem auto mitgenommen. inzwischen darf ich sie alle duzen, auch die oberwichtigen.

einer hat sogar mein facebook-profil entdeckt und mich erkannt. noch nie habe ich mich mit einem kollegen oder kunden auf diese weise befreundet. ich habe zum ersten mal eine ausnahme gemacht, weil alles andere vollkommen albern gewesen wäre. für ihn bin ich, glaube ich, ein bisschen so etwas wie eine tochter. er spricht mir oft mut zu und glaubt fest daran, dass ich mein leben irgendwann auf die reihe bekomme. ich schwärme ein bisschen für ihn, auf eine kindliche, asexuelle art und weise. es muss ein großes glück sein, so einen vater zu haben, ohne dass ich meinen eigenen damit mies machen wollte.

obwohl ich kein typ für zahlen und bürokratie bin, würde ich alles dafür geben, auch dort zu arbeiten. mit solchen menschen und unter solch tollen bedingungen macht sicherlich alles freude.

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Mittwoch, 7. Januar 2015
musikalisches zum mittwoch
noch zwei tage bis freitag! wobei ich derzeit nicht weiß, was mich mehr stresst: arbeiten und den kopf beschäftigen oder frei haben und der kopf beschäftigt sich selbst.

draußen alles grau in grau. dazu passt dieser song:

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Sonntag, 4. Januar 2015
closed
immer, wenn ich das objekt im club sehe, bricht sich der liebeskummer früher oder später seine bahn. das letzte mal ging es ganz gut. gestern hingegen dauerte es nur zwei minuten bis its-my-party-and-i-cry-when-i-have-to. mein ebenfalls psychisch kranker bekannter v. vermutete sofort einen depressiven anfall und bot mir emotionale hilfestellung an.

"is nur wegen dem arsch", schnaufte ich und deutete mit dem kinn in richtung objekthintern.
"wie wärs mit was zu trinken?" frage v. und schob mich richtung bar.
"alkohol hilft doch immer."

an der bar knuddelte mich erstmal der barkeeper.
"was wollt ihr trinken? ich geb euch heute alles aus, ist ausverkauf, der laden schließt."
wir schauten erstmal dumm.
"ach, ihr zieht um, ne?" fragte ich, mich an alte gerüchte erinnernd.
"nee, der laden ist verkauft", erklärte der barkeeper. "wir waren ja fast pleite. genießt, was ihr noch kriegen könnt."
v. und ich sahen uns schockiert an.
"das kann doch nicht sein."
der barkeeper schob uns zwei tequila und zwei wodka hin.
"trinkt, alkohol hält welt und seele zusammen!"

ich drehte eine runde durch die vertrauten räume und kam dann wieder zu v. zurück, der sich weiter mit dem barkeeper betrank.
"es ist, als wenns das schicksal so wollte", faselte ich.
"was meinst du?" fragte v.
"wenn der club schließt, dann kann ich dem objekt kaum mehr begegnen. woanders sind wir beide ja nur selten."
"wer ist denn das objekt?" wollte der barkeeper wissen.
"der da." ich zeigte auf das objekt, das mir den rücken zudreht.
"wir haben viereinhalb jahre lang gefickt und das ist so ein arsch, und ich komm da nur ganz schwer drüber weg, weil ich den hier ständig sehe. ich will am liebsten die stadt verlassen."
der barkeeper nahm meine beiden hände in seine und meinte:
"das wäre aber schade, wenn wir dich nie mehr sehen würden. ich will mal versuchen, zusammen mit noch zwei leuten einen laden zu finden, wo wir unseren club wieder aufmachen können. was kleines, feines, gemütliches."
"echt, wo denn?"
"wir haben noch nichts. kann noch so ein jahr dauern."
"das ist aber vage."
"das ist das leben!" lachte der barkeeper und drückte mich noch einmal.

gegen vier wurde ich immer müder. die müdigkeit bewirkte, dass sich die traurigkeit immer schwerer im schach halten ließ. ich merkte, wie ich unbewusst immer wieder nach dem objekt ausschau hielt und dass auch das objekt mich sehr wohl im blick hatte. das war nicht auszuhalten. also holte ich meine sachen, um zu verschwinden.

draußen fiel mir auf, dass ich viel zu dünn angezogen war. in der kalten, feuchten nachtluft fror ich wie ein schneider. an der bushaltestelle angekommen war ich völlig fertig und so kalt, das ich den eindruck hatte, gleich ohnmächtig werden zu müssen. da hielt plötzlich ein auto neben mir, in dem zwei andere clubgänger saßen, die ich vom sehen kannte.
"hey, du musst doch auch richtung norden?"
ich nickte.
"sollen wir dich mitnehmen?"
unverhofft kommt oft.
dankbar ließ ich mich in die polster sinken.

nach solchen abenden glaube ich wieder ein bisschen an schutzengel. solche, die zur richtigen zeit eine mitfahrgelegenheit vorbeischicken. und solche, die den club pleite gehen lassen, um zu verhindern, dass mir das objekt weiter vor der nase herumtanzt.

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Samstag, 3. Januar 2015
[fickt euch doch]
für so einige meiner "freunde" bedeutet freundschaft, über fratzenbuch verbunden zu sein und ab und an einmal "gefällt mir" zu klicken. nunja. wo man früher stundenlang telefonierte oder in einer kneipe zusammensaß, herrscht heute eben virtuelle ignoranz unverbindlichkeit.

kann man vielleicht nicht ändern. immerhin ermöglicht diese höchst oberflächliche form einer zwischenmenschlichen beziehung, dass es meist sterbenslangweilig harmonisch zugeht, einfach, weil kein echter austausch mehr stattfindet. kann ich inzwischen ein bisschen mit leben, zumindest an sehr toleranten tagen.

problematischer ist es allerdings bei denjenigen, die auch auch mein blog kennen. da kein persönlicher kontakt mehr stattfindet, bedienen sich meine "freunde" dann gerne potenzieller zwischenzeiliger und nichtzwischenzeiliger hinweise aus meinen stories, um daraus abzuleiten, wie es mir gerade geht und was ich so treibe. ist ja auch viel praktischer, als persönlich nachzufragen. so vermeidet man auch unangenehme gegenfragen oder langweilige monologe über suizidale absichten meinerseits. in diesem zuge werden dann fleißig morphine-stories mit meiner realen person vermixt, in völliger unkenntnis der größe des autobiografischen anteils der jeweiligen geschichte. und schwupp, ist man das monster, die schlampe, die persona non grata. nicht mal mehr eines gefällt-mir-klicks bei facebook würdig. entfollowed, entfriended, ganz hinten, ganz unten, am arsch.

nachdem mir das nun schon zum dritten mal passiert, möchte ich folgendes loswerden: wer zu blöd ist, zwischen der autorin und der protagonistin meines blogs zu unterscheiden, insbesondere, wenn man mich schon seit 10 jahren kennt, und wer zu faul ist, im zweifelsfall mal den telefonhörer in die hand zu nehmen, der kann mich gerne gepflegt am arsch lecken. das sage ich hier, im blog, damit ihr hier mal endlich euren scheiß autobiografischen anteil habt.

kleiner rant zum jahresanfang.
nix für ungut.

weitermachen.

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Freitag, 2. Januar 2015
sky and sand
silvester war beschaulich und partyfrei. sieben menschen, sechs davon fremd, zwei katzen, fünf tischraketen, eine packung wunderkerzen. jahreswechsel auf einem balkon am rande von lübeck, in die ferne starren, die melancholie mit einer zigarette verdrängen, die jacke enger um sich schlingen. verlegene umarmungen, nach den katzen sehen, noch ein kleiner whiskey.

um halb zwei sitze ich leicht angetüddert neben dem werten herrn gibson auf dem beifahrersitz von dessen brandneuem firmenwagen, in dem nicht geraucht werden darf. das letzte, was ich bewusst wahrnehme, ist ein auto vor uns, es trägt das kennzeichen oh-rk und ich muss kichern, hihi, ein ork. dann wache ich erst in kiel wieder auf.
"die haben alle nix getrunken", beschwere ich mich beim herrn gibson.
"der eine komische typ schon", antwortet mir herr gibson. "den fand ich aber unsympathisch."
"aber sonst wars echt ganz nett. jedenfalls besser als alleine irgendwo auf einer party rumhühnern."

zuhause beim herrn gibson bin ich kurzzeitig unangenehm wach, döse dann aber noch mal gut weg bis mittags um zwölf. nach einem kaffee machen wir uns auf zum strand, ein bisschen spazierengehen. es ist stürmisch und kalt.
"verdammt, ich hätte mal noch eine jacke unter den mantel ziehen sollen", flucht herr gibson, dem normalerweise immer heiß ist, woraufhin ich beschließe, heute mal nicht zu frieren und den herrn gibson ein bisschen zu quälen.

dann gehen wir den weg zum strand hinunter.
"haha, guck mal, das straßenschild, die straße hat aber einen witzigen namen!" rufe ich.
herr gibson schüttelt leicht den kopf und schaut mich schräg an.
"guck mal, da ist eine uhr, die sieht aus wie bei mir zuhause!" fällt mir wenige meter weiter auf.
herr gibson verdreht leicht die augen und zeigt dann aufs meer hinaus:
"guck mal, robben."
"wo?" frage ich.
"da", deutet herr gibson noch mal auf die zwei typen in taucheranzügen.
"haha", sage ich, und herr gibson grinst sich einen.

nach einer weile machen wir kehrt, weil es einfach zu kalt wird.
"guck mal, wie komisch der mann da drüben grinst", stupse ich herrn gibson an.
"der freut sich halt des lebens", sagt herr gibson lakonisch. "du brauchst dafür uhren, die aussehen wie bei dir zuhause."

ich lächle, atme tief die würzige meeresluft ein und merke, wie entspannt ich bin. ich stapfe weiter über getrockneten seetang, kleine muscheln und steine und beuge mich dem wind entgegen. meine sorgen und ängste bleiben dabei relativ, in ihrer echten dimension, tragbar. ein bisschen gespannt bin ich ja schon, was 2015 passieren wird. heute jedoch bleibt alles unaufgeregt, begleitet von kleinen highlights wie unserem spaziergang mit taucher-robben, vertrauten uhren und komischen grinsern, einem köstlichem abendessen und einem warmen schaumbad später.

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