Donnerstag, 3. Juli 2014
ein zartes kribbeln in der zirbeldrüse
vorletzter arbeitstag. schon wieder zwei veröffentlichungen erzielt, ich fass es nicht, was bin ich gut, und das alles, ohne wirklich was zu kosten. die redaktionen fressen mir aus der hand, und das in der wm-zeit. obwohl mir meine exchefin nachsagte, ich sei am telefon ja nicht besonders nett zu denen. ich meine eine nenne das freundlich und direkt. zwei sätze mit ziel zum satzende statt gelaber ohne ende. manchmal quieke ich vorm auflegen sogar noch ein "oh, das wäre ja toll, danke" in den hörer, aber das muss dann auch reichen. für alles andere sprechen meine texte, und da drüber hat sich ja noch niemand beschwert. außer meine unterfickte exvorgesetzte, aber die hat sich über alles beschwert.

whatever. ich freue mich auf berlin, ich freue mich auf das frankenlande. ich freue mich auf die bloggers, die ich treffen werde hier und dort. ich freue mich so sehr, dass ich nicht mehr stundenlang darüber nachdenke, wie ich das objekt am effektivsten vernichte.

das ist doch schon mal was.

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Montag, 30. Juni 2014
verbissen
mein neuer zahnarzt ist eine offenbarung. er beschäftigt sich im rahmen eine stino-prophylaxe eine geschlagene halbe stunde mit meinem erodierten kiefergelenk.
"mannomann", sagt er augenzwinkernd, "sie haben aber biss."
und presst die abdruckschiene mit zwei gummibehandschuhten fingern ganz fest an meinen oberkiefer. das hat ein bisschen was von einem blowjob mit gummi, mit einem kondom, das man zuvor furztrocken hardcore-gevögelt hat.

ich würde meinem zahnarzt gerne beipflichten, aber wir wissen ja alle, bei einem blowjob kann frau maximal erstickt gurgeln und vielleicht ein bisschen grunzen. also bemühe ich mich, nicht zu sabbern und meine gesichtszüge nicht entgleisen zu lassen, was schwer ist, wenn man minutenlang so krampfig mit offenem mund und schiene und schlumpfblauem abdruckmatsch und zwei gummifingern im mund dasitzt.

"wie kommt das eigentlich, dass sie da eine krone haben und sonst so makellose zähne", will der zahnarzt wissen, als er mir möglichst feinfühlig die abdruckschiene aus dem mund zieht.
"das war ne wurzelbehandlung", sage ich. "der zahn war kariös ausgehöhlt und ist zusammengebrochen."
"das ist ungewöhnlich", findet der zahndoc. "sie haben nämlich eine sehr gute zahnsubstanz."
ich erspare es ihm und mir, fishing-for-compliment-mäßig entzückt zu quieken und zu fragen: "ja wirklich? und das, wo ich in meinem leben so viel speed gefressen habe!" und beschränke mich stattdessen darauf, in perfekten zahnarztsprech über meine zähneknirscherei zu referieren.

"dafür bekommen sie ja jetzt die neue schiene", sagt er strahlend und ein bisschen selbstzufrieden, so wie jungärzte eben sind.
"wie lange dauert das denn?"
"so ein bis zwei wochen."
"das ist aber doof, weil ich so in einer woche in urlaub fahren will."
der zahndoc überlegt.
"ich kann ja mal mit unserer zahntechnikerin sprechen. vielleicht können wir sie vorziehen und dann kommen sie gleich am freitag noch mal vorbei zum einschleifen."
(wie nichtbruxisler wahrscheinlich nicht wissen, müssen schienen beschliffen werden, damit sie wirklich passen, so ähnlich, wie mann weibchen erstmal einreitet, damit es dann beim nächten mal richtig flutscht.)

dann gehen wir zur anmeldung und ich bekomme prophylaktisch einen freitagstermin, einen extralangen, "nicht bloß so eine halbe stunde", betont der zahndoc.

und ich freu mich wie ein kleines kind.
auf einen bescheuerten zahnarzttermin.
und weil da einfach mal jemand nett zu mir war.

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Sonntag, 29. Juni 2014
dead week-end
die anstrengung der vergangenen woche und der frust über einige freie projekte sitzen tief. 600 euro fehlen. ich frage mich, ob irgendwo in meinen abg ein satz steht wie "verarsch mich bitte". ich lasse mich sogar rechtsberaten, allerdings stünden meine chancen mangels rechtschutzversicherung schlecht, heißt es.

am wochenende schlafe ich einmal 13 und dann noch einmal 10 stunden. an ausgehen ist nicht zu denken, denn die tränen wollen gerne alle geweint werden, laut und in voller theatralik. dazwischen überfrauen mich immer wieder wellen der erschöpfung. ich dosiere meine antidepressiva hoch und warte ungeduldig auf erleichterung. eigentlich müsste ich durcharbeiten, der druck ist hoch, aber mein körper weigert sich. ich gebe mir also bis montagmorgen zeit. kein stress, sage ich mir, der sonntag steht dir zu. trotzdem kommen magenschmerzen und immer neue migräne-attacken.

samstag um 22 uhr im bett liegen fühlt sich komisch an, aber ich bin dann doch gleich weg, nur um halb drei wieder hochzuschrecken, weil man plötzlich hellwach ist, das herz wie verrückt rast und der rücken in regelrechten spasmen die muskeln verkrampft. juhu! zeit für eine mittlere dosis benzodiazepine. noch mal bei facebook reinschauen, die katzen streicheln, eine cola rum auf die benzos kippen und dann wieder ab ins bett.

sonntagmorgen um neun klingelt das telefon. ein kunde ist dran und kackt mich an, weil ihm das projekt zu langsam voranschreitet. ich weise ihn auf seit zwei wochen ausstehenden input seinerseits hin, trotzdem ist er so pissig und unverschämt, dass ich schon gleich wieder ins telefon heulen könnte. nein, ich weigere mich, für einen taschengeld-popeljob meinen sonntag zu opfern.

seit elf sitze ich dann doch da, käffchen und zippe und überlege anstrengt, was die optionen des tages sind. bis noch vor wenigen wochen konnte ich sonntags wenigstens wetten mit mir selbst abschließen, ob das objekt anrufen würde. auf seine geilheit und gespielinnen-gelangweiltheit war ja immer hübsch verlass. jetzt ist darauf verlass, dass es mich nach möglichkeit ignoriert, und vermutlich sollte ich dankbar dafür sein. ein vorteil der depression ist ja auch, dass die libido schrumpft und die vorstellung der eigenen nacktheit brechreiz auslöst.

ich verfalle kurzzeitig dem gedanken, die lederjacke anzurufen, oder vielleicht auch k., denn verdammt, für ein wenig gesellschaft und eine umarmung würde ich mich sogar ficken lassen, aber dann gewinnt die vernunft die oberhand und sagt, die haben sich seit über einem halben jahr nicht mehr bei dir gemeldet, also tust du es bitte auch nicht, das wäre entwürdigend, und überhaupt, du sollst dich nicht auch im privatbereich so dermaßen unter wert verkaufen. das alter ego will daraufhin gerne eine wert-und-unwert-diskussion beginnen, aber der körper schickt die nächste wolke an müdigkeit.

vielleicht also einfach noch mal ins bett gehen. und den sonntag sonntag sein lassen.

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Samstag, 28. Juni 2014
hart und geil


dazu passend einige aktuelle referrer:

"muskulöser türke fickt mich zum orgasmus"
"nächtliche unterleibskontraktionen in ss"

was wohl ss ist?

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Freitag, 27. Juni 2014
work & travel
zwei tage messe, ein tag preisverleihung. mehrmals quer durch die stadt getourt, eine stunde im fucking bus im fucking elbtunnel verbracht. müde, müde, müde, füße kaputt, migräne und rückenschmerzen.

bei der preisverleihung hätte ich in sachen kleiderwahl übrigens mit garantie den award für das gewagteste outfit abgestaubt. in ermangelung angemessener abendgarderobe hatte ich mich am morgen hektisch für ein gepunktetes rockabilly-cocktailkleid entschieden und dem ganzen mit einem gothic-samtjäckchen versucht, ein wenig mehr eleganz einzuhauchen. interessanterweise gab es dann zahlreiche komplimente, ich sähe "süß" aus, wo ich doch das wort süß sonst eigentlich weniger mit mir verbinde. in illustrer runde hat sich allerdings die 20-euro-ebay-qualität des kleides gezeigt - rasch ausleiherndes ärmelloses oberteil - und für einen busen- beziehungsweise bh-blitzer gesorgt. die anzugtragenden wichtigwichser trugen es aber allesamt mit fassung.

finkenwerder entdeckt und für schön befunden. was leute hingegen an ottensen finden, ist mir schleierhaft. eng, dreckig, laut und shabby. aber man muss ja dort wohnen, wenn man hip sein will, also so alternativ biofressen-hip, nicht so schnicksenschick wie die eppendorfer oder die harvestehuder.

however, schön, wieder zuhause zu sein. die super-puschis freuen sich nen keks und können gar nicht mehr aufhören, sich laut mauzend auf meine füße zu werfen. ein woche hab ich sie noch, die beiden sweeties. dann heißt es bye-bye.

könnte das jahr der abschiede werden.

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