Samstag, 8. März 2014
haariges
bei menschen gilt für mich das gegenteil wie bei katzen: je weniger körperbehaarung, desto besser. für mich gehört ein rasierer ebenso wie eine zahnbürste zur grundausstattung der körperpflege. ich mag keine männer mit brust- und rückenfell, genauso wenig wie frauen mit unterarmnestern und wadenwolle. auch eine intimrasur empfinde ich nicht als nachteil, am allerwenigsten beim oralverkehr oder an öffentlichen orten wie sauna, schwimmbad oder swingerclub, wo wegschauen schwierig wird.

was gesichtsbehaarung betrifft, bin ich noch unentschieden, insbesondere in anbetracht des derzeitigen trends zum vollbart. ungefähr jeder zweite mann hier trägt inzwischen einen. richtig zur geltung kommt ein bart auf jeden fall bei einem testosteronbündel von mann. in diesem fall macht der bart den braven soldaten zum krieger. in einigen fällen erkenne ich andere vorteile des bartes - zum beispiel das verdecken von vereinzelten falten, verkniffen-schmalen lippen oder einem wenig markanten kinn. in sehr vielen fällen scheint der bart jedoch nur hilfloser ausdruck von hipster-mitläufertum zu sein und wächst in pickeligen milchgesichtern, auf pausbacken und in pitbull-fressen. hier wird der bart zum index der hässlichkeit, zur leuchtreklame der geschmackverirrung und zum ausdruck von ja-sager-mentatlität.

was meinen sie?

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Donnerstag, 6. März 2014
tacheles
psychiatrie mal wieder. der behandelnde arzt empfängt mich in der ambulanz. er fragt nach meinen schlafstörungen und will auch wissen, wie es mir körperlich geht.
"rückenschmerzen, wie immer. und das kaputte knie eben. und ich bekomme neuerdings migräne", berichte ich.

wir sprechen meine medikation durch. ich bekomme etwas neues für die nacht, was nicht abhängig macht.
"hauptsache es wirkt und macht nicht so dolle fertig am nächsten tag."
der doc schüttelt den kopf und lächelt.

wie es weitergehen soll, will ich wissen.
"das ist ja alles nur symptombekämpfung", beschwere ich mich.
"was wollen sie denn", schmunzelt der doc.
"eine lobotomie. irgendwas, was etwas grundlegendes verändert."
er lacht wieder - ich weiß, dass er meinen humor mag.

dann bitte ich ihn um eine einweisung. er schaut sehr ernst, denkt kurz nach und willigt ein.
"wann?" will er wissen.
"ich weiß noch nicht. ich weiß nicht, wie lange es noch geht."
er nickt und sagt dann:
"jederzeit."

erst als ich im hof der klinik stehe, fällt mir auf, wie erleichtert ich bin.

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Mittwoch, 5. März 2014
oberwasser
seit 48 stunden oberwasser. kaum zu fassen.
gut gelaunt arbeiten, gut gelaunt nach hause kommen. die super-puschis bekuscheln. weiterarbeiten, während der kleine in meinem schoß schläft. sport machen. abwaschen. haare färben.

am abend bin ich fix und alle vor lauter normalität. und falle in tiefen schlaf. mit einer kurzen unterbrechung gegen fünf uhr morgens.

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Sonntag, 2. März 2014
die langen nächte
die gedankenkreisel zähmen, langsam runtertakten. nie rechtzeitig, aber doch irgendwann einschlafen.

zwei, drei stunden später wieder erbarmungsloses bewusstsein. meist nach einer ersten schweren traumphase, die die gedanken, die kommen werden, schon eingeleitet hat. das gefühl beim erwachen erinnert an starkes heimweh, mit dem kleinen, aber bedeutsamen unterschied, dass man ja zuhause ist. es gibt also keine zeitspanne, auf die man schauen könnte, die ein ende dieses empfinden verspräche.

medikamente fangen das loch, das diese langen nächte reißen, nicht auf. meine benzodiazepine kann ich nicht nehmen, wenn ich vier oder fünf stunden später wieder aufstehen und arbeiten soll. meine antidepressiva kann ich ebenfalls nicht nehmen, da sie in den ersten zwei stunden nach der einnahme wach machen. also steht man auf und versucht, etwas zu tun. manchmal kann ich ein buch lesen. oft aber wandern die gedanken zwischen die buchstaben, bis man fünf seiten später merkt, dass man nicht sagen könnte, was man da eben gelesen hat.

4:33 uhr. draußen zwitschern die vögel. die katzen freuen sich über mein wachsein und mauzen ohne unterbrechung. der kleine schnuppert an meinem beruhigungstee und rümpft das näschen. der beruhigungstee ist ein objektgeschenk, weil es in der klinikapotheke günstiger einkaufen kann. manchmal in diesen langen nächten schreibe ich ihm eine nachricht. dinge, die ich niemandem sonst anvertrauen kann.

der wunsch, mit jemandem zu sprechen, überfällt mich häufig in den langen nächten. aber wen ruft man um 4:35 uhr an? der freund, der sich im dezember das leben nahm, litt ebenfalls unter schlafstörungen. man traf sich des öfteren auf facebook, schrieb einander nachrichten und tauschte hörbücher, weil zuhören manchmal einfacher ist als lesen und weil es erinnerungen wachruft an die zeit, als man noch klein war und vorgelesen bekam.

manchmal in den langen nächten besuche ich das facebookprofil des freundes. ich kenne fast jeden eintrag bis zum ersten tag. es ist schön, dass doch etwas bleibt, mehr als ein grab 600 kilometer weit weg auf einem kleinen dorffriedhof.

4:49. ein joint und der zweite versuch, ins bett zu kommen.

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Samstag, 1. März 2014
wie liebe funktioniert
"stillhalten, um das glück nicht zu gefährden."

von vielen vorbildlichen eltern in mehr oder minder glücklichen ehen vorgelebt.

kein wunder, dass meine generation einen dachschaden hat.

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