Sonntag, 10. November 2013
auf binden und zerbrechen
als ich am gestrigen abend gegen halb elf das bett aufsuchte, um mich partyfit zu schlafen, kam ich auf die blöde idee, das objekt zu fragen, ob es heute wegging und wenn ja, wohin. also sms getippt, umgedreht und eingeschlafen. ich war mir relativ sicher, dass sich das objekt ohnehin nicht melden würde, da es sicherlich gerade von der arbeit nach hause gekommen oder in väterliche zubettbringpflichten eingebunden war.

damit hatte ich allerdings die rechnung ohne den wirt gemacht, denn es geschah ein kleines wunder und das objekt meldete sich fast postwendend zurück.
'liebstes großes kleines morphinchen, ich bin breit und bereit, lass uns doch in den club xyz schauen, vorglühen und dann weiterdriften.'
ergo, es war in allerbester ausgehlaune, anscheinend gerade mal nicht unter aufsicht der vermietergespielin und offenbar substanzbedingt leicht bis mittelschwer enthemmt. besser geht nicht, fand ich, nicht im anbetracht der widrigen umstände der sonst anhaltenden dauerbewachung. das war schon quasi eine echte verabredung, so wie früher.

ich machte mich rasch ausgehfein und hetzte durch den starkregen zur bahn. als ich am ort unseres geplanten zusammentreffens ankam, merkte ich, wie schwindelig mir war. das lag daran, dass ich am nachmittag mit einer freundin kaffeetrinken war, wir allerdings mangels freier plätze in den cafés (samstagnachmittage in der schanze sind der horror, ich erinnerte mich dann wieder) in eine bar gehen mussten (bedauerlich!), wo wir zu trinken beschlossen. einen wein und einen cocktail später war ich schon nicht mehr ganz fahrradtauglich, wenn auch noch im besitz der contenance.

ich entdeckte das objekt quasi sofort an der bar, wo es, den leeren gläsern nach zu urteilen, schon einige kurze geleert hatte. ich schlich mich von hinten an und hielt ihm die augen zu.
es schnupperte an meinen handgelenken, küsste meine handinnenflächen und umarmte mich dann stürmisch.
"morphine! was willst du trinken!"
es zeigte auf die einzelnen schnapsgläser, die vor ihm standen:
"jägermeister, tequila weiß, tequila braun, sambuca oder wodka. kann ich alles wärmstens empfehlen."
"tequila."
"braun, nehme ich an, mit extra viel zimt auf der orange?"
immerhin, es wusste noch alles.
es bestellte, dann zog es mich auf einen barhocker, kuschelte sich an und grinste.
"ich bin heute so innerlich total auf... crescendo."
"aha."
"und du?"
"ich freu mich eher leise. kennst mich ja."
"aber du freust dich."
"logisch, mann."
das objekt strahlte und schob mir meinen tequila zu. wir stießen an.
"worauf trinken wir?"
"auf den abend", schlug ich vor.
"auf dich", beharrte das objekt.
"und auf dich auch."
"auf uns", fasste das objekt zusammen. "und dass wir uns nie mehr solche nachrichten wie vor zwei wochen schreiben werden."
wir exten die braune flüssigkeit, die warm in meinem magen explodierte.
"hach, die alte nutte alkohol", seufzte das objekt selig.

wir strahlten uns an und ich suchte hektisch nach einer gedanklichen fliegenklatsche, um die fröhlich losflatternden schmetterlinge in der magengrube zu töten. seit ich das objekt kenne, kann ich nachvollziehen, wie sich mütter nach dem werfen fühlen: obwohl sie stundenlang derbste schmerzen ertragen haben und die mumu in fetzen hängt - das glück des moments überstrahlt alles und sorgt für umgehendes vergessen der ausgestandenen qualen. frauen scheinen irgendwelche biochemischen schalter dafür zu haben. oder wenigstens ich.

das objekt angelte nach meinem becher.
"was trinkst dun da eigentlich?"
"sprite."
das objekt lachte sich halb tot.
"wenn du mit mir unterwegs bist, musste du auch was anständiges trinken. zumindest heute. also falls das geht. oder nimmst du gerade wieder medikamente?"
"nein."
"braves mädchen."
das objekt beugte sich abermals über den tresen und orderte zwei weitere tequilas und für mich eine whiskey cola.

nach dem zweiten tequila verstärkte sich der schwindel und ich hielt mich am objekt fest.
"trägst du gar keinen bh", wollte es wissen, da ich schulterfrei unterwegs war und es keine bh-träger entdecken konnte.
"das oberteil hat quasi einen integrierten bh." ich tippte auf die leicht gepolsterte front.
das objekt grinste und fragte weiter:
"und was für einen slip trägst du?"
"kannst ja nachgucken", erwiderte ich frech.
das objekt lüfte meinen rock.
"och nee, du hast ja ne strumpfhose an!"
"zu kalt für alles andere."
das objekt zog eine schnute.

"aber sag mal, was hast du denn da eigentlich an?" fragte ich und zupfte an seinem einärmeligen oberteil, das unter der weste hervorlugte.
das objekt grinste wieder, schlüpfte aus der weste und vollführte dann eine kleine pirouette. ich musste schlucken. das oberteil war bis auf zwei schmale verbindungen vollkommen rückenfrei und zeigte die objektive rückenansicht in ihrer vollen schönheit.
"mir war heute nach porno", sagte das objekt.
"mir ist auch gleich nach porno", erwiderte ich. "wenigstens hab ich nun eine schöne wichsvorlage für später."
das objekt schlüpfte wieder in die weste.
"warum ziehst du die jetzt wieder an?"
"ich fühle mich so nackt damit", meinte das objekt auf einmal schüchtern.
"das heißt, das war jetzt eine exklusivvorführung?"
"genau."
"wo hast du das teil her, warst du in nem fetischladen? sowas kriegt man doch nicht bei h&m in der damenabteilung", fragte ich, da ich wusste, dass das objekt gerne mal damenblusen kaufte, weil die noch figurbetonender sind und immer so kurz, dass mann ab 1,90m garantiert auch die blicke der schwulen auf sich zieht.
"ich war neulich auf der extravaganxa."
"achso. stimmt, die war ja."

wieder mal fiel mir auf, dass das objekt immer "ich" sagte und nie "wir" wie meine anderen beziehungsferngesteuerten freunde. was war mit der vermietergespielin? ein gedanke, der zu nichts führen würde, also verbot ich ihn mir.
"ich hab neulich mal wieder mit dem dritten gevögelt", erzählte ich.
das objekt lächelte.
"ja, das ist schon ein guter. wir haben vor ein paar moanten zusammen einen mann abgeschleppt."
"ach."
"jahaaaaa..."
"und? erzähl mal."
"da hat der dritte aber nur zugesehen."
"ja und sonst? hast du ihn so richtig gefickt?"
da legte das objekt den zeigefinger auf die lippen und markierte den schweigenden kenner, wohl wissend, dass ich vor neugierde schier platzte.

wir gingen zusammen tanzen. das objekt dirigierte mich in seine richtung und wir machten faxen.
nach einer weile schien sich die zarte konstruktion des objektiven oberteils zu lösen.
"kannst du mir mal helfen?" bat mich das objekt.
"einfach nur binden?"
"ja."
ich tat ihm den gefallen und küsste es dabei zwischen die schulterblätter. und dann noch mal ein paar muskelstränge tiefer.
das objekt fuhr herum und bedachte mich mit seinem löwe-frisst-antilope-blick.
"du weißt schon sehr genau, was du da tust", sagte ich, das verführungsmanöver durchschauend.
"rrrrrrrrraaawwwww", machte das objekt und presste seinen unterleib an meinen.
"du doch auch", wisperte es. "du weißt doch, was die männer wollen."
wir küssten uns nicht, sahen uns nur an und spürten die schnellen, heißen atemzüge des jeweils anderen.
ich legte den objekt die hände die auf die brust.
"du hast ganz harte nippel", sagte ich.
das objekt schloss die augen und begann, unter der berührung meiner finger leicht zu zittern.
dann bahnten sich seine hände ihren weg unter mein top.
"du auch", raunte es. "und wie ich dich kenne, bist du schon herrlich nass."
"ich würde dich jetzt gerne ficken", sagte ich. "meinetwegen hier auf der tanzfläche, scheißegal."

das objekt näherte sich weiter und ich zog sein gesicht an meine lippen. ich küsste seine schläfen, wangen und haare.
dann sagte ich:
"aber du bist dir doch hier eh nur appetit holen. gegessen wird später zuhause bei mutti, right?!"
das objekt fuhr zurück.
"damit liege ich doch richtig, oder?!"
das objekt ließ sich neben mich auf eine bank plumpsen und schaute mich verletzt an.
"jetzt hast du´s kaputt gemacht."
"was? hättest du mich etwa heute mitgenommen?"
"naja, das geht leider nicht."
"na also. hören wir doch auf zu träumen."
das objekt guckt zerknirscht.
"ich hab dich trotzdem lieb", sagte es und lächelte zaghaft. "ich weiß, meine situation erlaubt es nicht, dass wir jetzt in die vollen gehen."
ich umarmte es, dann machte ich mich los.
"schon gut."

das objekt ging noch eine runde tanzen, dann verabschiedete es sich.
"ich gehe, kommst du noch mit zur bahn?"
"nee, ich bleibe noch. ist ja erst fünf."
das objekt verabschiedete sich sehr herzlich und dankte mir für den schönen abend. dann zog es seiner wege. ich sah ihm nach, zündete mir noch ein zigarette an und dachte: du fickst mich nicht mehr. auch wenn ich dich immer noch viel zu gerne hab.

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Samstag, 9. November 2013
piek mich, baby, oder: ein abend mit karos
ich nutze unverbindliche sexuelle abenteuer, um mir meine weekly oder monthly dose an zärtlichkeiten zu holen. (mein therapeut schlägt angesichts dieser tatsache immer die hände über dem kopf zusammen, aber ich finde, man muss als singlefrau ja nicht auf alles verzichten.) internet sei dank geht das ja heutzutage 1,2,3 (oder auch 3,2,1) und man muss nicht erst lange um jemanden buhlen.

vergangene woche hatte ich jemanden am wickel, der sich als dominant beschrieb und meinte, er stünde auf harten sex. ich hatte schon viel spaß mit dominanten menschen gehabt, die keine zimperlichen rehstreichler waren, also tauschten wir irgendwann die nummern.

es ließ sich zunächst gut an. der typ war nicht nur frivol, sondern konnte auch noch orthografie und arbeitete in derselben branche wie ich. er hatte einen analfetisch, meinte aber, ich müsse den nicht zwangsweise teilen. nach zwei tagen lustigen und lustvollen tippens beschlossen wir, dass er vorbeikommen solle. entweder würden wir dann wild vögeln oder uns nach 10 sekunden an der haustür wieder trennen.

als es klingelte, war ich gerade fertig mit herausputzen. ich öffnete die tür. draußen stand jemand in jeans und kariertem jackett und mit ziemlich krassen nasolabialfalten, die ihn definitiv älter wirken ließen als den menschen auf dem foto, das ich zuvor bekommen hatte. aber na gut, dachte ich, nachdem er begeistert strahlte und in meine wohnung drängte, wollen wir mal niemanden an seinem karierten jackett oder seinen alterserscheinungen richten. schließlich muss er nachher auch mit meiner beginnenden cellulitis klarkommen.

der typ begann, seine mitbringsel auszupacken. der wein und die gummis befanden sich einen bast-einkaufskorb, wie ihn sonst nur hausfrauen haben. den wein hatte er sorgfältig in mehrere geschirrtücher (schon wieder karos!) geschlungen, gerade so, als ob eine flasche mal eben so zerbrechen könne, wenn man auto fährt und anschließend eine treppe hochgeht.

das eröffnungsgespräch schenkten wir uns, frei nach dem motto, action speaks louder than words. der typ vögelte mich direkt auf den küchenboden. das war nicht nur wegen des kalten parketts ziemlich unangenehm. es stellte sich nämlich heraus, dass der typ einen kleinen schwanz hatte, der relativ unnachgiebig fast senkrecht nach oben stand. statt wohliger g-punkt-stimulation piekte der schmerzhaft irgendwo dort, wo es garantiert keine erogenen zonen gab. ich hoffte, dass sich das beim nächsten fick in einer anderen stellung gab.

nach dem ersten fick wechselten wir ins mein wohnzimmer und köpften den wein. da uns irgendwie keine guten gesprächsthemen einfallen wollten, erzählte der typ irgendwann vom golfen und seinem golfclub. es gibt ja nicht viel, womit man mich mehr langweilen könnte. ich unterdrückte ein gähnen, dann dirigierte ich meinen besuch ins schlafzimmer, wo wir in die zweite runde gingen. ich manövrierte ein wenig, damit der merkwürdige schwanz in einen günstigeren winkel kam, was sich als nahezu sinnloses unterfangen herausstellte.

ich merkte, wie meine gedanken zu meinem letzten sex mit der frau abschweiften und dann weiter zum objekt, während der gummi in mir schubberte und der schwanz weiter piekte. auf einen orgasmus war nicht im entferntesten zu hoffen.

"du kannst dich gerade nicht so gut entspannen, was?" fragte der typ irgendwann.
ich verneinte, meinte dann aber, das sei nicht so schlimm.
"das geht aber nicht, ich habe noch jede frau zum orgasmus gebracht", erwiderte der typ.
oh nein. ein leistungsficker.
und los ging es.

zuerst muschilecken. sehr ausdauernd, aber auch auch völlig unintuitiv-blindlings und absolut nicht da, wo sich was tut. haben sie schon mal beim auto- oder fahrradfahren die augen zugemacht und versucht, in der spur zu bleiben? funktioniert nicht, oder? nach ein paar hinweisen meinerseits bezüglich des wo und wie gab der typ auf.
mann hat ja schließlich auch hände.

dieses experiment war kurzzeitig von erfolg gekrönt, denn irgendwie erreichten seine finger die unmittelbare nähe meines g-punkts. allerdings pausierte er jedes mal, wenn ich mich dem höhepunkt näherte. meine guter wille, der dem motto "nun gut, junge, lass es uns hinter uns bringen" gefolgt war, zerschellte.

wieder unkoordiniertes muschilecken. ich schob ihn weg.
"aber du so eine schöne muschi, ich muss die noch mal..." und schwupps, hatte er wieder angedockt.
"lass mal gut sein", sagte ich.
"ist das jetzt ein rauswurf?" wollte der typ leicht beleidigt wissen.
ich seufzte.
"soll das heißen, du findest es nicht geil?" bohrte der typ weiter und seine nasolabialfalten verhärteten sich noch mehr.
"äh, nunja... ich würde das experiment an dieser stelle einfach mal als gescheitert betrachten."
ehrlichkeit währt ja bekanntlich am längsten und inzwischen war mir alles lieber als ein piekender schwanz oder eine schleimige zunge in der muschi.

stinkebeleidigt schwang sich der typ aus dem bett und begann, sich anzuziehen. dann holte er den restlichen wein, verkorkte ihn sorgfältig und wickelte die flasche wieder in die karierten geschirrtücher, bevor er sie in den korb legte und in seine karierte jacke schlüpfte.
"du magst karos, was?" fragte ich und musste leider kichern.
der typ schwieg, schenkte mir einen letzten verachtungsvollen blick und stürmte aus der wohnung.

herrje.
wie kleinkariert.

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Freitag, 8. November 2013
[hilfe!]
ich brauche dringend einen steuerberater. kennt wen wer in hh? medienbranche? problematik fehlerhafter steuerbescheid?

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Donnerstag, 7. November 2013
wunschkonzert
"mit welchen gefühlen schauen sie auf ihren neuen job", fragt der therapeut.
"hm, eigentlich mit ganz guten", antworte ich erst, merke dann aber, dass etwas in mir zu wackeln beginnt. "also... ähm, ich meine, natürlich habe ich auch angst."
der therapeut nickt dem kaninchen, dass er mal wieder aus dem hut gezaubert hat, zu.
"definieren sie diese angst."
"ich habe angst, dass ich die anforderungen nicht erfüllen kann", sage ich. "weil mir in diesem bereich total die kontakte fehlen. dass es zu lange dauert, bis ich da wirklich drin bin und die mich kicken. ich habe auch angst, dass die eigentlich ne richtige beraterin wollen, aber die stelle als projektassistenz ausgeschrieben haben, um geld zu sparen. dann wäre ich wieder im dilemma des alten jobs: ein assistentengehalt für einen job mit führungsanspruch."
der therapeut nickt.
"und sonst?"
"naja, und sonst hab ich natürlich angst, dass die merken, wie verrückt ich bin."
jetzt lacht er.
"diese angst kann ich ihnen schon mal nehmen, die ist unbegründet."
"ich habe inzwischen das gefühl, dass es mir auf die stirn geschrieben steht: achtung, emotional instabil, nutzen sie gerne ihre gutmütigkeit aus, halten sie sich aber sonst fern von ihr!"
der therapeut schaut ernst und meint dann:
"also das problem sehe ich auch, dass sie sich vielleicht wieder übernehmen werden. gerade zusammengenommen mit ihrer versagensangst... da müssen sie klar bleiben und gut auf sich aufpassen."
ich seufze.
"eigentlich ist es ja bloß ein brötchenjob."
"aber sie entscheiden, wie hart das brot ist, das sie da essen werden. lassen sie sich nicht kirre machen, schon gar nicht von ihrem kindlichen leistungs-ich."

ich gucke skeptisch und abwartend.
"wünschen sie sich mal was."
"für den job?"
"muss nicht sein."
"muss es realistisch sein?"
"sie können sie ja was realistisches und was unrealistisches wünschen. solange sie wissen, was was ist."
"ich wünsche mir, dass ich bald einen menschen treffe, der das objekt endlich ausblendet."
der therapeut zieht die augenbrauen hoch.
"unrealistisch, oder?"
"kommt drauf an. das mit dem 'bald' ist vielleicht etwas zu viel verlangt. was soll der neue mensch denn konkret ausblenden?"
"diese enorme projektionsfläche für meine total dämliche liebe."
"möchten sie denn lieben?"
ich denke nach.
"wenn der oder die mich dann auch liebt..."
"das ist ein wichtiger knackpunkt, denn wir haben ja schon mal festgestellt, sie haben nichts zu verschenken. sie haben in diesem bereich schon immer zu wenig bekommen."
"ach, ich weiß auch nicht, dann will ich halt doch besser niemanden."
"nana", lächelt der therapeut. "jetzt malen sie aber ganz schwarz."
"ich glaub nicht dran."
"aber sie hoffen drauf. und das zermürbt sie."

ich beschließe zu schweigen.
"na kommen sie", motiviert mich der therapeut. "einen wunsch noch, wenigstens."
"gut", sage ich, "ich hätte gerne einen mann fürs grobe im haus. so eine art diener, der meinen ganzen kaputten scheiß reparieren kann."
"kaputter scheiß?"
"mein schrank bricht auseinander, das fenster ist undicht und es zieht und regnet dauernd rein und das waschbecken ist auch verstopft."
der therapeut lacht.
"das macht ihnen doch der vermieter, oder?"
"den schrank repariert der nicht!"
der therapeut schweigt.
"und meine katze soll endlich vermittelt werden, die fällt mir auf den wecker."
"sie waren doch so glücklich, die zu haben."
"aber die ist jetzt schon ein halbes jahr da."
"das mit dem 'nicht für immer' haben sie also auch bei tieren."
"ich hätte sehr gerne eine katze für immer. eine freundliche, verschmuste katze, die nicht ständig meine wohnung zerlegt und total aggressiv wird, wenn mich jemand besucht."
"und schon haben wir einen realistischen wunsch", freut sich der therapeut.
ich schnaube verächtlich.
"manchmal möchte ich auch ihren job machen."
"warum?"
"stell ich mir easy vor."
"sagen sie das nicht. wenn sie mal einen patienten mit psychose therapieren müssen, ist das kein kinderspiel."
"haben sie solche?"
"ja. sogar ganz junge. jugendliche oder studenten, die beispielsweise zu viel gekifft haben."
"ha!"
der therapeut grinst, weil er weiß, an wen ich denke.

"aber das leben ist nun mal kein wunschkonzert", sage ich frustriert.
"wünsche helfen aber, klar zu werden. auch unrealistische."
"ich werd drüber nachdenken."
ich stehe auf, schüttle meinem therapeuten die hand und gehe nach draußen, wo die sonne in die pfützen strahlt.

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Sonntag, 3. November 2013
jojo-effekt
frisch gevögelt beschließe ich gegen ein uhr nachts, doch noch tanzen zu gehen, was sich als gute idee herausstellt. denn drinnen begegnen mir gleich k., der dritte mann und t. ich werde geknuddelt und geküsst und freue mich tierisch.
"du ahnst nicht, wer heute da ist", sagt der dritte freudestrahlend zu mir.
"vermutlich der mensch, der mir am meisten den buckel runterrutschen kann."
der dritte guckt bestürzt.
"habt ihr schon wieder krach?!"
"wer macht krach?" fragt t., der schon recht blau ist.
"ich hab krawall gemacht", sage ich.
t. schaut mich verständnislos an.
"erzähl mal", stupst mich der dritte an.
da berichte ich vom vergangenen wochenende, wie ich objektiv ignoriert wurde, danach vor wut explodierte und vom objektiven schlagabtausch via sms.
"oha", sagt der dritte. "das ist sehr schade, weil ich heute explizit mit dem objekt hier bin, ich bin nämlich bereits seit gestern bei ihm und wir waren gestern auch schon unterwegs. nunja... jetzt ist wieder alles so unentspannt und ich mag dich zu gern, als dass ich mich dann nicht zweiteilen würde."
"besser ist das", sage ich und zeige dem dritten die objektive sms. "ich fürchte, der ist nicht so gut auf mich zu sprechen."
der dritte reißt die augen auf und staunt bauklötze, als er die objektiven worte liest.
"krass! das ist eigentlich gar nicht das objekt."
"eigentlich, uneigentlich, scheißegal. ist jetzt nun mal so."

mit k. und dem dritten untergeärmelt begebe ich mich richtung tanzfläche, wo das objekt schon mit einer frau schäkert. ich schaue betont weg und suche mir eine ecke, die möglichst weit von den beiden entfernt ist.
es kommen noch ein paar bekannte vorbei, auch mr. shyguy ist mal wieder da. ich bin happy und unterhalte mich eine weile mit ihm. mr. shyguy will nun vom stadtrand etwas zentraler nach hh reinziehen.
"dann sehen wir uns endlich wieder öfter", sagt er.
"das wäre schön", erwidere ich mit wärme in der brust.

später sitze ich mit t. auf dem sofa und rauche. t. ist wortkarg wie immer, aber ab und an lächeln wir einander zu. t. ist inzwischen richtig breit. wieder stelle ich fest, wie sexy er ist.
"sollen wir noch was trinken", frage ich ihn.
"hmhmhm... nochn wodka redbull für mich", sagt t., sucht seine kohle und gibt mir 10 euro. damit schlendere ich rüber zu bar.

als ich die bestellung aufgegeben habe, sehe ich das objekt aus den augenwinkeln um die ecke kommen. es nähert sich, aber ich schaue weg, todsicher, dass es mich ignorieren wird.
doch dann steht es vor mir und versucht, meinen blick zu erhaschen.
"morphine", sagt es, und hält mich, als ich mich abwenden will, am ärmel fest.
"morphine... nun wart doch mal."
"was?!" fauche ich und drehe und wende mich, aber das objekt hat inzwischen auch meinen zweiten arm im griff und ich komme nicht mehr weg.

das objekt zieht mich in eine etwas stillere ecke und versenkt dort seinen grasgrünen blick in meinen augen. ich wehre mich noch ein bisschen doller, aber das objekt lässt nicht locker.
"morphine! mann!"
dann halten wir kurz inne.
"ich habe die ganzen letzten tage darüber nachgedacht, was ich dir sagen soll", blubbert das objekt. "ich war extrem sauer auf dich, aber ich verstehe auch, was dich bewegt. ich habe unsere geschichte in abgewandelter form einigen leuten erzählt und sie um rat gefragt, weil ich nicht mehr wusste, was ich machen soll, nachdem das alles so eskaliert war. mir hat meine nachricht an dich so leidgetan."
"ich fand die gut", unterbreche ich das objekt. "endlich hast du mal rausgelassen, was du wirklich denkst."
das objekt packt mich wieder fester und sagt eindringlich:
"was ich wirklich denke! was ich wirklich denke, mein gott, das einzige, was ich wirklich denke, ist, dass ich dich einfach nur in die arme nehmen und dich ganz fest drücken will."
ich bin perplex. das objekt nutzt die überraschungssekunde, schlingt die arme um mich und lässt mich nicht mehr los.
"oh mann", seufzt es in mein ohr, "ich hab mich so ohnmächtig und hilflos gefühlt. ich wollte das nicht. ich wollte dich letztes wochenende nicht so verletzen. und ich wollte dir auch nicht so eine sms schreiben."
"hast du aber", sage ich und meine damit mehreres.
das objekt schaut mir wieder tief in die augen.
"du bist so... verletzlich. mir ist noch nie so ein mensch begegnet, der zugleich so stark und so schwach ist."
"dito", sage ich.
jetzt schmunzelt das objekt wieder ein bisschen.

"es tut mir leid, wenn ich einen falschen eindruck erweckt habe, indem ich dir immer wieder gesagt habe, ich bin für dich da und dann war ich es nicht. ich bin voll. ich arbeite so viel und musste mich zugleich um meinen sohn kümmern... ich bin seit ein paar monaten kräftemäßig einfach alle."
"hm", sage ich.
"das soll nicht heißen, dass ich dich vergessen habe. ich denk ganz oft an dich, manchmal bestelle ich sogar was für dich mit, aber ich komme dann immer wieder drüber weg, dich anzufunken und zu sagen, willst du nicht was abhaben. weil ich dann schon immer alles weggeraucht habe."
das objekt grinst entschuldigend.
"kiffen ist nunmal meine medizin. es macht jeden tag, dass ich mich zufrieden fühle."
mir läuft es eiskalt den rücken hinunter und ich begreife mal wieder, wie tief das objekt in seiner drogenwelt steckt.
"und letztes wochenende, da war ich wahnsinnig dicht. ich wollte einfach nur für mich sein und meinen rausch leben."
ich schaue zweifelnd.
das objekt schaut zurück, nimmt mich dann wieder in die arme und wiegt mich beruhigend.
es hat etwas väterliches. wieder ein unhaltbares versprechen.

dann steht der dritte neben uns und strahlt mich an.
"na? wieder alles gut?"
ich ziehe den dritten weg in den raucherraum.
"ich denke, das ist vorbei. die freundschaft gibt es so nicht mehr."
"ist ja auch viel passiert zwischen euch", findet der dritte.
"der kommt nicht mehr aus seiner welt da raus. entweder sein system bricht eines tages zusammen oder er wird so auf diese weise alt... also nicht alt, aber vielleicht so 50."
der dritte mann drückt mich und seufzt:
"traurig, dass es einfach nicht mehr sein kann wie früher."

gegen halb sechs uhr morgens bleibt der harte kern - t., k., das objekt und ich - zurück.
"wie bistn du da", will das objekt wissen.
"hm, so teils mit dem rad. also ich kam bis zum lunapark, dann hat mich der regen erwischt und ich hab da das rad abgestellt und bin mit dem bus weiter."
"dann haste ja jetzt noch einen richtig langen weg vor dir, mann."
"ich wollte man t. fragen, der nimmt doch immer ein taxi, der könnte mich wenistens bis zur fruchtallee mitnehmen."
"mensch, dann könnte ich ja vielleicht auch mitfahren, ich muss ja auch dahin."

das objekt und ich verabschieden uns von k. und suchen t. t. ist schon an der garderobe und verheddert sich gerade in seiner jacke.
das objekt greift ein, hält ihm die jacke auf, knöpft sie sogar noch zu und gibt t. dann einen kuss auf die wange.
"t., du, sag mal... nimmst du gleich ein taxi?"
"ja, warum", sagt t. dunkelblau.
"wir könnten uns doch eines teilen. die morphine muss lunapark, ich muss zur fruchtallee."
t. schaut zweifelnd.
"ich fahre eigentlich nie über den ring, der weg ist sonst länger..."
"aber wenn wir uns das taxi teilen, ist es doch auch für dich billiger... auch wenn du zwei minuten länger unterwegs bist."
t. lässt sich breitschlagen.

draußen auf der straße bekommen wir sofort ein taxi.
"na, das sieht mir nach einer etappenfahrt aus", seufzt der taxifahrer begeistert.
das objekt hat sich frech vornerein gesetzt und gibt den ton an.
"jo, meister", sagt es. "meine freunde und ich sind nämlich leider nicht so ne reichen wichser, wie du sie sonst durch die gegend fährst."
"peace", grinst der taxifahrer. "hauptsache, du hast genug geld für deine etappe dabei."
das objekt grinst zufrieden und fragt dann, ob es einen rauchen darf. wie immer setzt sich die objektive dreistigkeit durch.

das objekt kommt als erstes an.
"die nächste ist die junge dame, die setzen sie bitte am lunapark ab", schärft es dem taxifahrer ein.
dann gibt es t. zehn euro und meint:
"die morphine ist von mir eingeladen."
ohne einen cent zahlen zu müssen, werde ich am wunschort abgesetzt. als ich aussteige, regnet es nicht. mein rad wurde zwischenzeitlich auch nicht geklaut.
beschwingt fahre ich durch den morgen nach hause und fühle mich ganz wohl in meiner welt.

rein äußerlich ist also alles beim alten. tief in mir drin habe ich jedoch verstanden, dass eine freundschaft mit dem objekt aussichtslos ist. was uns verbunden hat, war der sex. das waren 80 prozent. die restlichen 20 prozent reichen einfach nicht aus. nicht unter den gegebenen äußeren umständen.

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muschis unter sich
frauen hatte ich ja sehr lange nicht mehr. 13 jahre oder so.

und dann mal eben eine gefickt.
als würde ich nie was anderes machen.

tja. wer hat, der hat.

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