Montag, 21. Januar 2013
serenity
das schönste, was ich seit langem gehört habe. und gottverdammmich, dass es dieses video nicht auf meineröhre gibt.

http://vimeo.com/groups/musicvids/videos/57756694

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Samstag, 19. Januar 2013
reich und unsexy
die auftragslage explodiert. gleichzeitig zum stress im büro häufen sich plötzlich die anfragen. hier eine filmkritik, dort ein sponsoring-kampagne und ganz nebenbei bringt der architekt eine möbellinie heraus und hat mich als marketingbeauftragte erwählt.

arbeiten am wochenende finde ich immer ein bisschen traurig. aber es muss ja. und die möbelgeschichte ist mit jeder menge angenehmer meetings in teueren restaurants verbunden. da sitze ich dann mit anzugträgern im meinem kapuzenpulli und den kampfstiefeln und scheiße klug. meine authentizität kommt gut an. es stimmt nicht, was man(n) mir einst prophezeite: dass alles vom richtigen outfit abhängt. hier zählen inhalte, und inhalte kann ich. ich muss mich nicht verkleiden und verleugnen.

ganz nebenbei habe ich tatsächlich mal ein bisschen geld beisammen und kaufe ein paar einrichtungsgegenstände für meine karge wohnung.
"na du geschäftsfrau", begrüßt mich das objekt, das verdammt stolz und natürlich auch ein bisschen neidisch ist, weil ich wegen der möbelkampagne viel mit seinem erzfeind zusammenhänge.
dafür habe ich an den herzenswunsch des objekts gedacht und ihm einen mp3-player gekauft. beim überreichen verstummt das objekt, wird blass und rot und kriegt zunächst kein danke heraus. doch dann umarmt es mich ganz fest und stottert:
"du... du bist so ein toller mensch. sowas hab ich mir schon so lange gewünscht. aber es ist mir peinlich, dass du dich wegen mir in unkosten stürzst."
"du bist es mir wert. du weißt, du bist der mensch, der mir hier am nächsten steht und obwohl wir in keiner klassischen beziehung sind, hast du all meinen exlovern längst den rang abgelaufen."
das objekt ist noch immer verlegen.
"ich weiß gar nicht, was ich sagen soll... ich habe das gefühl, das ich das gar nicht verdient habe... und es tut mir so leid, dass ich so ein schlechter danke-sager bin."
"aber du freust dich doch, das sehe ich."
"ja, und wie!" die augen des objekts leuchten wie die seines lütten, wenn er mit mir am computer spielen darf oder wir etwas aufregendes unternehmen.

das einzige, was mich tierisch nervt, ist die ständige immense müdigkeit. sie schlägt auch auf die libido. anfassen verboten. alle prozesse sind derzeit geistiger natur und manchmal seelischer. kreischgeburten, nennt das objekt das, und mahnt mich, meine kinder lieb zu haben, damit sie sich nicht eines tages wieder gegen mich wenden.

die psychopharmaka helfen dabei, mich zu strukturieren und den herausforderungen einigermaßen angstfrei zu begegnen. mein psychologe ist mir hingegen immer weniger eine unterstützung. ich will die handlungsebene erreichen, konkrete hilfestellungen für den alltag, aber mehr als ein "da müssen sie schauen, wie sie das machen" kommt bei den antworten auf meine fragen nicht heraus. ich bin schlecht darin, mir zauberformeln zu basteln, die mich vor dem großen absturz bewahren, die verhindern könnten, mich in drogen und alkohol zu ertränken. und ich finde nicht, dass das objekt das immer alles übernehmen muss, während ein anderer dafür bezahlt wird, der aber nur stories über meine familie und meine kindheit hören will.

dennoch, ich bin gespannt. es liegt ein elektrisches summen in der luft, wie man es in der nähe von strommasten manchmal hören kann. es könnte tatsächlich etwas passieren...

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Mittwoch, 16. Januar 2013
es bewegt sich
ich bin eine hoffnungsvolle romantikerin und illusionistin, hab ich neulich auch dem ziwo geschrieben. illusionisten kriechen ziemlich langsam durchs leben und ähneln überhaupt nacktschnecken, denen ab und an einer auf den schwanz tritt. wir leben eher so zusammengekrümmt und mit fühlern eingezogen und erwarten von oben dunkle, dreckige schuhsohlen, aber nichts gutes. einfach, weil man als nacktschnecke ziemlich oft unangenehme begegnungen mit schuhsohlen hat. das liegt in der natur der sache.

just als ich neulich so nacktschneckig vor meinem pc saß und hoffnungslos bring-eh-nüscht-bewerbungen tippte, klingelte mein handy. am anderen ende der leitung war eine große agentur, die mich nun kennen lernen will.

na bitte. geht doch. ab und an funzelt auch mal einer einer nacktschnecke mit dem hoffnungsflutlicht vor die fühler.

natürlich hab ich mir sofort jegliche freude verboten. weil es wieder eine kack-agentur ist. und weil freude zum träumen anregt und träumen zum illusionieren und illusionen letzten endes bewirken, dass nichts so sein wird wie ich es mir wünsche und ich dann wieder wo rumsitze und an selbstmord denke.

aber eine flasche sekt gekauft hab ich trotzdem. und spontan jemanden eingeladen, der mir nette, unverbindliche und unromantische gesellschaft leistete. denn freude muss man rasch teilen und kleinsaufen. wegen der illusionsgefahr.

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Sonntag, 13. Januar 2013
rückwärtsrolle
nach einer beschissenen woche plingen samstags smsen auf meinem handy und kündigen mir partylaunige freunde an. nach sehr zurückhaltendem ausgehverhalten in den letzten wochen komme ich endlich wieder in feier-stimmung, schwinge mich in meine guten klamotten, schnüre die kampfstiefel und mache mich auf.

der türsteher winkt mich durch, an der bar bekomme ich einen kurzen spendiert und bestelle gleich noch einen cocktail hinterher. dann fallen mir meine freundin h. und meine neue bekannte j. um den hals. danach kommt k. auf mich zu und drückt mir einen kuss auf die wange. wir strahlen uns an und ich weiß: heute wird ein guter abend. ein k.-abend.

in der ecke im raucherraum sitzt das objekt, mit nassen haaren und sehr glasigem blick. es ist alleine und vollgedröhnt bis obenhin. es schlingt die arme um mich und presst seinen unterleib an meinen.
"du hast ganz nasse haare", sage ich.
"ich bin gerade durch den schnee geradelt, das war sooooo schön", nuschelt das objekt benommen und hält sich dabei an mir fest, weil es kaum mehr aufrecht stehen kann.
"was hast du denn gemacht", frage ich beunruhigt.
"ich hatte heute frei."
"das heißt, du hast den ganzen tag damit verbracht, dich wegzumachen."
das objekt spürt den vorwurf, zieht eine babyschnute und lallt:
"frau lehrerin, entschuldigung. aber ist mir gerade scheißegal."
ich hole aus und scheuere dem objekt eine, dass es klatscht.
es lächelt selig und sagt dann:
"du sieht so hübsch aus heute abend."

ich bin besorgt. so stoned habe ich das objekt seit monaten nicht mehr erlebt. ich bin mir sicher, dass es nicht nur gekifft und getrunken, sondern auch irgendwelche anderen downer eingeworfen hat.
auch k. hält deshalb abstand zum objekt.
"der rallt doch heute gar nix mehr", sagt k. kurz, als ich ihn darauf anspreche.

ich verbringe die nächste zeit mit h., j. und k.
h. lernt an der bar einen typen kennen. er hat sehr lange, fettige haare und ist extrem übergewichtig. es stellt sich raus, dass er ein blind date hat und auf irgendeine tusse wartet, die offenbar nicht kommt. h., die freundlich zu jedermann ist, fragt dies und jenes, bis der typ wissen will, wie alt sie ist.
"29", sagt h.
"aber du siehst aus wie mitte 30", haut der typ da raus. "das kommt bestimmt vom rauchen bei dir."
h., die mäßig raucht und keinen tag älter als 29 aussieht, guckt mich entsetzt an.
"na hör mal, das kannst du aber nicht einfach zu einer fremden frau sagen", sage ich zu dem typen.
"warum nicht", fragt der.
arschlochalarm, verstehe ich. trotzdem bleibe ich noch halbwegs didaktisch, als ich ihm erkläre:
"weil du doch auch nicht möchtest, dass jemand zu dir sagt, du siehst aus als wenn du zu oft bei burger king isst."
damit habe ich einen volltreffer gelandet. der typ ist tödlich beleidigt, vor allem, weil h. neben mir vor lachen zusammenbricht.

wir machen, dass wir wegkommen.
"wo ist eigentlich j. abgeblieben", wundert sich h.
"weiß nicht, hab die schon lange nicht mehr gesehen."
"hoffentlich ist nichts passiert, die hat heute ganz schön viel getrunken."
"was soll der denn passieren?"
"wenn sie getrunken hat, wirft sie sich immer irgendeinem typen an den hals", erläutert h.
"oha."
"ich geh sie mal suchen."
"denn bis nachher!"

als ich richtung couch steuere, begegne ich einem quietschfidelen objekt. offenbar hat die dröhnung nachgelassen, sodass es nun sehr ausgeglichen und wieder ansprechbar ist.
es strahlt mich an und küsst mich.
"du pheromonschleuder", sage ich mit weichen knien und wehre mich ein bisschen, während mich das objekt fester an sich zieht.
dann setzt es sich mit mir in die ecke, lümmelt sich lässig in den kissen und verschränkt die beine zum schneidersitz. die gesamte objektkörpersprache formiert sich zu einer einzigen einladung: fick mich. das objekt ahnt, was ich denke und grinst sich einen.
"hast du feuer", schnurrt es und streckt sich mit zippe zwischen den lippen zu mir herüber. als ich über die flamme meines feuerzeuges schiele, sehe ich zum glück k. auf uns zukommen. er setzt sich zwischen uns und entschärft die situation.

und plötzlich entdecke ich j. sie sitzt zusammengesunken auf einem barhocker, hat den kopf auf den tresen gelegt und schläft. ich gehe zu ihr, streiche ihr die haare aus dem gesicht und rüttle sie sanft. mehr als ein schnorcheln bewirke ich damit allerdings nicht.
ich hole h., die ebenfalls ratlos ist.
"was machen wir jetzt mit j.?"
"ich rufe ein taxi", entscheidet h. "die wohnt ja nicht so weit. aber ich muss sie bringen, die schafft es so nicht bis in die wohnung."
"warum hat sie sich denn so weggeschossen?"
"keine ahnung. das kenne ich gar nicht von ihr, sowas macht sie eigentlich nicht."
"schaffst du das oder soll ich mitkommen?"
"ach, das geht schon. bleib du nur."

ich gehe zurück zu k., der mir noch einen tequila spendiert. der knallt ordentlich rein und mir wird schummrig.
den rest des abends verbringe ich neben k. auf der couch, sage keinen ton mehr und kämpfe gegen die aufsteigende übelkeit.
"willst du nachher bei mir bleiben", fragt k.
"wenn du nichts dagegen hast, dass wir nicht ficken."
"ach quatsch. wir schlafen einfach. ich hab sowieso nen ganz schlimmen schädel."
"na dann ist ja alles super. das ist ja fast wie: schatz, ich hab migräne."
k. grinst und legt den arm um mich.
"na ihr turteltäubchen", sagt das objekt, das uns beobachtet. "schleppt ihr euch heute noch gegenseitig ab?"
"nee, ich schlüpf nur unter", sage ich. "mir ist schlecht."
"lass uns doch rausgehen", schlägt k. vor, "der abend ist sowieso gleich zu ende."

während k. meine jacke holt, stehe ich in der eccke und versuche, mich nicht zu übergeben. das objekt steht bei mir und guckt besorgt.
dann geht es raus in die kälte. die eisige luft wirkt wie ein faustschlag, ich fühle mich plötzlich maximal betrunken und merke, wie die knie nachgeben. objekt und k. fangen mich auf.
als ich wieder stehe, wird mir noch übler. ich klammere mich an die absperrung, und während k. aus der potenziellen kotz-zone geht, hält mich das objekt und sagt:
"tief durchatmen, morphine, ganz ruhig und tief. gleich wirds besser."
nach ein paar minuten habe ich mich wieder gefangen, nicht gekotzt und gehe ich kleinen trippelschritten zwischen k. und dem objekt untergeärmelt die straße entlang, bis wir bei k. sind. dort falle ich angezogen aufs bett und bin fast augenblicklich weg. im halbschlaf merke ich noch, wie mich k. in die arme nimmt. es stellt sich das tiefe gefühl von zufriedenheit und geborgenheit ein, und ich sinke tiefer in den schlund meiner träume.

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Dienstag, 8. Januar 2013
zusammen ist man weniger alleine
objektanruf.
"warum gings dir am samstag so mies?" will das objekt wissen.
"ich suche immer noch erfolgslos neue jobs."
"absage gekriegt?"
"nee, die blöden wichser machen sich nicht mal die mühe, auf meine nachfragen zu antworten. wahrscheinlich müsste ich mich da mit pumpgun vor deren schreibtischen positionieren und brüllen: UND? WAS IS NU? MACHS MAUL AUF ODER ICH PUSTE DEINEN SCHEIßMAC VOM TISCH, DU ARROGANTER MEDIENWICHSER!"
das objekt kichert.
"gleichzeitig hab ich versucht, mit meiner chefin zu reden und ihr zu sagen, dass ich so unstrukturiert nicht mehr arbeiten kann. es werden ja ständig mehr aufgaben. sie hat überhaupt nicht zugehört und wollte nur wissen, ob ich alle projekte erfolgreich am laufen habe."
das objekt kichert nicht mehr.
"scheiße."
"ja, voll scheiße!"

dann schweigen wir beide eine weile, bis ich frage, wie es dem objekt eigentlich gerade geht.
"nunja, ich arbeite viel und habe oft den kleinen. und suche immer noch eine wohnung."
"das wird in dem leben nix mehr", sage ich schroff, realistin, die ich bin.
"danke für die motivation", ist das objekt ein wenig angefressen. "ich weiß schon, dass ich höchstens in einer wg noch eine chance habe."
"dann zieh doch mit deiner sogenannten freundin zusammen. oder willste nicht, weil du dann noch unfreier bist?"
"nee, aber... ich weiß nicht. eher nicht."
"aber dein zimmerlein ist doch nicht so übel."
"nein, nein, das ist es auch nicht. aber dann bin ich bei dir und du wohnst hier so schön und friedlich... so nah am stadtpark... und im sommer, sagst du immer, gehst du in der alster nebenan schwimmen... das finde ich toll."
"kannst ja hier einziehen", sage ich spöttisch. "kurzer arbeitsweg, kinderfreundliche umgebung, gute verkehrsanbindung und internet ist auch schon da."

das objekt druckst ein wenig herum und meint dann:
"ich könnte mir das mit dir sogar vorstellen."
mir klappt der mund auf und wieder zu. als ich mich ein wenig gesammelt habe, frage ich:
"wie meinst du das denn nun?"
"naja, ich hab da halt mal drüber nachgedacht. so übergangsweise könnte man hier doch gut zusammenwohnen. du hast mich außerdem mal gefragt, wenn du die stadt verlassen würdest, ob ich dann deine wohnung will. und das angebot würde ich nicht ausschlagen."
"ich werde die stadt voraussichtlich nicht so schnell verlassen, da musst du dich schon noch ein wenig gedulden", blaffe ich.
"na los, zieh aus", neckt mich das objekt.
"opportunistenschwein", erwidere ich.

erneutes schweigen, dann setzt das objekt wieder an:
"mal ehrlich, morphine. eigentlich täte dir das doch auch gut, wenn du nicht immer so allein wärst."
"dir ist das tatsächlich ernst", frage ich.
"ja klar, warum denn nicht? wenn ich so drüber nachdenke, fällt mir nicht wirklich was ein, was ernsthaft dagegen spricht."
"für drei leute ist die wohnung zu klein", denke ich an den objektsohnemann.
"das könnte man schon irgendwie regeln. dann ist er halt mal eine zeitlang nur zwei tage die woche bei mir."
"du bist unordentlich und unzuverlässig."
"ich würde mir aber ganz viel mühe geben!"

bevor das objekt anbieten kann, dass es mir jeden abend die muschi lecken würde, sage ich schnell:
"naja, also probeweise könnte man das mal versuchen. für zwei wochen oder so. aber dann müssten wir uns eine größere wohnung zusammen nehmen. ich hab schon mal auf zwei zimmern gewohnt mit jemanden, das war schrecklich. obwohl du mir wahrscheinlich nicht so auf die nerven fällst."
"ja, drei zimmer müssten das auf jeden fall sein. oder vier, dann hätte der kleine sein reich und du dein büro."
"ist halt eine kostenfrage. also die einlage bei meiner genossenschaft würde ich natürlich übernehmen, ist ja auch eine super kapitalanlage. aber deinen mietanteil müsstest du voll bestreiten, da bin ich echt keine mutter theresa."
"ich kann so viel zahlen wie du", rechnet das objekt. "das wären also so 650 euro kalt, vielleicht 700."
"drei zimmer", sage ich, "mehr werden das nicht. warm würde ich gerne unter 850 bleiben."
"du, für mich wäre das ein lichtblick, so wie jetzt oder in einer größeren wohnung. und wir mögen uns doch!"
"vor allem, wenn du dann deinen weiberbesuch anschleppst."
"ach morphine, jetzt tu mal nicht so, als würdest du wie eine nonne leben!"
"na gut. lass uns das mal besprechen, wenn es akut wird."
"ja. aber nicht unter den teppich kehren!"
"dafür sorgst du schon, ich kenn dich."
"dann hab einen wundervollen, friedlichen abend, liebste morphine."
"tschüß du schleimer."

was sagt man dazu? ich finde die idee ganz fürchterlich. mein alter ego ist allerdings gerade dabei, sich ein wenig darin zu verlieben. das leben, ein traum.

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