Donnerstag, 22. November 2012
am baum des bösen
ich liege eingerollt im objektbett, das objekt sitzt neben mir an die wand gelehnt. ich bin ziemlich breit, das objekt ebenfalls. ich sehe dem objekt beim rauchen und monologisieren zu, ohne auch nur ein wort zu begreifen.

das objekt hält plötzlich mitten im satz inne, blickt mich scharf an und sagt: "du machst mir angst."
ich gucke nur.
objekt: "wie du mich anschaust! so ein krasser blick... so beobachtend."
ich lächle.
das objekt starrt mich weiterhin an: "wie eine mischung aus kaninchen und python!"

ich schüttle den nebel in meinem kopf und frage dann:
"warum wie eine python? ich könnte doch auch eine ganz normale giftschlange sein."
objekt: "nee, du bist keine giftschlange. du würdest nicht einfach schnell zuschlagen und dich damit zufrieden geben, dass du deine beute erlegt hast."
ich: "sondern?"
objekt: "ich kenne dich, verdammt noch mal. du würdest es zelebrieren, jemanden zu töten!"

öhm. nunja...

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Dienstag, 20. November 2012
pipitasking
warnung: sollten sie es nicht so mit körperflüssigkeiten haben, lesen sie nun bitte weg.

kurz nach 18 uhr. ich bin die letzte im büro und nehme noch änderungswünsche der chefin für eine präsentation entgegen. wie immer ist es eine präsi auf den letzten drücker, daher muss jemand noch alles auf topniveau bringen. ich verspüre latentes stresspipi in der blase, doch der azubi hat schon alles abgeschlossen (klo ist übern flur, weil alte villa). ich habe keine lust mehr, den schlüssel zu suchen, sondern schwinge mich nach beendigung meiner pflichten auf mein rad.

auf dem rad kommt mein stoffwechsel ordentlich in schwung. die kälte entschlackt jede körperzelle. doch ich habe noch einen auftrag: ich muss kurz zur klinik fahren, dem objekt den objektsohnemann abnehmen und ihn in das objektzimmerlein bringen, weil das objekt spätschicht hat, der sohnemann aber noch hausaufgaben machen muss. umweg für mich: ca. 15 minuten. mach ich doch gern. außerdem könnte ich ja rasch in die abteilung zum objekt hochflitzen, mir eine umarmung abholen und auf klo gehen.

als ich gerade an einer ampel stehe, ruft das objekt an.
"kannst du bitte bitte noch brot und eine milch kaufen?"
ich nehme also den nächstbesten penny, stürme durch die regalzeilen, hole einmal milch und ein paar brötchen - und eile dann richtung kasse, weil das pipi nun doch schon ziemlich drückt.

an der kasse trifft mich fast der schlag, weil 15 leute mit fetter beute im wagen vor mir warten. ich überlege, ob ich abhauen soll, doch da klingelt die kassiererin nach verstärkung. ok, gut, das hälst du jetzt durch, sage ich mir.

doch die verstärkung lässt sich zeit. als nur noch zwei leute vor mir stehen und mir vor lauter pipimüssen schon schlecht und schwindelig wird, kommt endlich der zweitkassierer und bitte mich gleich vor, weil ich ja nur zwei sachen habe. beim zahlen muss ich mich schon leicht zusammenkrümmen, doch dann geht es wieder für ein paar minuten.
ich radle weiter richtung klinik und freue mich auf das objekt, den sohnemann und insbesondere auf das klinikklo.

doch diesmal ist alles ein wenig anders als sonst. der objektsohnemann steht schon drunten vor der tür und wartet. der papi hatte einen notfall und muss ganz viel blut wegmachen, erfahre ich, das war nichts für die sohnemann-augen, also wurde sohnemann mit schlüssel um den hals nach draußen geschickt.

ich überlege, ob ich den sohnemann noch weiter warten lassen, schnell nach nebenan ins hauptgebäude rennen und ein klo suchen soll. doch der lütte ist ganz durcheinander vom blutigen vorfall in der klinik, plappert unzusammenhängendes zeug und zieht mich auf die straße. ich will ihn nicht alleine lassen, obwohl ich inzwischen bereits schmerzen vor lauter pipimüssen-stress habe.

zum glück ist es von der klinik zum wohnheim nur ein katzensprung.
"ich muss ganz dringend auf toilette, wenn wir gleich da sind", sage ich zum sohnemann.
"ich auch", piepst der lütte.
na toll, denke ich mir.
an der tür fummelt der kleine eine ewigkeit mit dem schlüssel, doch dann ist die tür endlich auf. wir fahren mit dem aufzug in den fünften stock. danach geht es einmal über den kompletten flur, weil das objekt ganz hinten wohnt. noch mal schlüsselfummelei, und endlich sind wir drin. ich zerre den lütten aus seiner jacke und schubse ihn ins mini-badezimmer des objekts. dann warte ich auf das rauschen der klospülung, während ich auf und ab laufe, um den schließmuskel noch irgendwie unter kontrolle zu halten.

es vergehen drei minuten, dann fünf, dann zehn. schließlich wird es mir zu bunt und ich klopfe an der badezimmertür.
"bist du bald mal fertig, ich muss auch!"
"glaaaahaich", trompetet der kleine.
es dauert ein paar weitere minuten, dann höre ich die klospülung. doch der objektsohnemann kommt noch immer nicht raus.
ich klopfe noch einmal unwirsch an die tür. als ich nichts höre, öffne ich sie einfach - und traue meinen augen nicht: da sitzt der sohnemann auf dem pott und blättert in aller seelenruhe in einem comic-heft.
"ich hab die geschichte doch gleich fertig", mault der lütte.
"raus da jetzt", sage ich nur, schmeiße den sohnemann mitsamt comic aus dem bad und ziehe die tür hinter mir zu.

als ich auf dem pott sitze, kann ich mich nicht erinnern, jemals so erleichtert gewesen zu sein.

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Sonntag, 18. November 2012
absturz
verabredung mit der lederjacke.
die lederjacke war nun fünf tage abstinent und ist heiß drauf, sich ordentlich einen zu brennen.

wir treffen uns im club und trinken zusammen zwei whiskey cola, dann schwenke ich um auf caipi und die lederjacke auf bier. noch ist alles gut.

dann kommt ein bekannter von mir, der geburtstag hat und zwingt uns, zwei kurze mit ihm zu trinken. mir wird schummrig, die lederjacke kommt jetzt richtig in fahrt und ordert noch mehr bier.

das objekt ist ebenfalls anwesend und beobachtet mich kritisch.
"na, plus oder minus", fragt es, als es mich kurz in den arm nehmen kann, weil die objektgepielin gerade nicht guckt und die lederjacke kurz auf klo ist.
"eindeutiges plus."
"ich meinte nicht den pegel."
"nee, nee, alles super, echt."
"ist das der typ, der mit dir zusammenziehen wollte und nebenbei noch die andere fickt?"
"äh, ja. aber ich zieh nicht mit dem zusammen. ich zieh nie wieder mit nem typ zusammen."
das objekt lächelt, gibt mir einen zerstreuten kuss auf die stirn und schlendert richtung tanzfläche.

gegen sechs uhr morgens, als der club schließt, sind die lederjacke und ich unheimlich gut drauf und hellwach.
"lass uns doch noch in diese türkische bar gehen wie damals", schlägt die lederjacke vor.
doch wir haben pech, denn die türken feiern irgendwas und haben geschlossene gesellschaft.
"na, vielleicht ohnehin besser", sagt die lederjacke, "am ende erinnern die sich noch an mich."
ich kichere.
"war ich damals schlimm peinlich?"
"nee, aber du hast den besitzer ziemlich genervt, weil du dauernd mit deinem iphone musik auflegen wolltest."
"jaja, ich erinnere mich dunkel."

"dann lass uns doch einfach zu dir gehen", schlage ich vor.
"ich hab auch noch nen whiskey da", merkt die lederjacke an.
"hast du auch was alkoholfreies?"
die lederjacke überlegt.
"ich könnte dir da einen ganz edlen tropfen... leitungswasser anbieten."
ich puffe die lederjacke in die seite und sie krümmt sich theatralisch.

bei der lederjacke gibt es tatsächlich nur whiskey. irgendwann ist es mir egal und ich trinke mit. zu zweit leeren wir die komplette flasche, wobei die lederjacke natürlich den löwenanteil vernichtet. wieder fällt mir auf, dass alle meine männer einen gewaltigen hang zum exzess haben: das objekt vorwiegend mit dem kiffen, k. mit speed und die lederjacke eben mit alkohol.

irgendwann gegen zehn uhr morgens krieche ich ins lederjacken-bett und träume dort wirr vor mich hin. unter anderem, dass ein hund im bett der lederjacke liegt und mich bewacht. als die lederjacke, die noch ein wenig länger auf war als ich, endlich zu mir unter die decke krabbelt, murmle ich:
"der hund muss raus."
"wiebitte?!" lallt die lederjacke.
"der hund muss... raus."
"hä?!" erwidert die lederjacke nur, dann lässt sie nach hinten sinken und fängt fast unmittelbar an zu schnarchen.

als ich aufwache, fängt es schon wieder an zu dämmern. ich weiß im ersten moment nicht, wo ich bin, dann entdecke ich die lederjacke neben mir. als ich sie anstupse, wacht sie auf.
"n morgen", murmelt sie. "hast du gut geschlafen?
"nee, du hast geschnarcht."
"und du hast dauernd was von nem hund gelabert!"
"ich hab geträumt, du hast einen. der lag da im bett." ich deute richtung fußleiste.
"der hatte sogar einen namen. du hast ihn kira genannt."
die lederjacke betrachtet mich kopfschüttelnd.
"hast du deine psychopharmaka nicht genommen?"
"sei mal nicht so unfreundlich!"

wir lachen und beginnen zu rangeln, dann klingelt das lederjacken-handy. die lederjacke geht ran.
"ich kann jetzt nicht", sagt sie nur und legt dann wieder auf.
bei mir fällt ein groschen.
"eine frau? diese m.?"
die lederjacke schaut stur geradeaus.
"wir wären heute zum essen verabredet gewesen, aber ich hab das verpeilt. die ist jetzt sauer."
"mir kommen die tränen", sage ich sarkastisch.
die lederjacke schaut mich immer noch nicht an.
"seid ihr zusammen?" frage ich.
"nein. ich bin mit niemandem zusammen und daran soll sich auch erstmal nichts ändern. ich mag die, das ist alles."
eine robuste einstellung.

ich steige aus dem bett.
"bleib doch noch", meint die lederjacke. "ich brauche was im arm, und du riechst so gut."
ich hingegen habe nur eine sehnsucht: nach hause und einen kaffee trinken. ich schlüpfe in meine sachen und putze schnell zähne.

in der u-bahn gerät das seelische gleichgewicht aus dem lot. ich funke das objekt an:
"ist das jetzt kleinlich gedacht, dass mir das was ausmacht? ich meine, ich habe erst letztes wochenende mit dir beziehungsweise mit k. verbracht und gevögelt, von daher sollte ich vermutlich erstmal vor der eigenen tür kehren, oder nicht?"
"vermutlich liegt dir was an dem, hm?" konstatiert das objekt.
ach du kacke.
"der will aber nix festes."
"dann arrangiere dich damit. hab spaß oder treff dich nicht mehr mit dem."
"ich hab keine lust mehr, mich zu arrangieren."
"dann versuch doch mal, allein zu sein und das auszuhalten."

ich finde das alles doof. das objekt merkt, dass es mich nicht erreicht und gibt irgendwann auf, die situation lösen zu wollen.
ich habe beschlossen, jetzt erstmal traurig zu sein.

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Samstag, 17. November 2012
stop talking about sex
"du, ich wollte noch mal mit dir über neulich sprechen", sagt das objekt, als es mich gestern telefonisch ins bett bringt.
"das war einfach unglaublich. ich bin so wundervoll gestorben in dir."
das klingt warm und herzlich, aber ich hatte einen scheißtag und bin in selbstdestruktiver abschmetterlaune.
"hm", sage ich nur, anstatt: na und ich erst, ich muss dauernd dran denken.
"ich will auch gar nicht so ewig auf dem thema vertrauen und so rumreiten", fährt das objekt fort. "auf jeden fall war das unheimlich... geil."
"tja, set und setting", erwidere ich.
"wie meinstn das nun?"
"sagst du doch immer beim kiffen. das drumherum muss gut sein und man muss vor allem innerlich gut drauf sein, dann haut es richtig rein."
"was hat das jetzt mit unserem abend zu tun?"
"na, du warst spitz, und das drumherum - kiffen, trinken, essen - hat gepasst... und ich war eben auch noch zufällig da."

das objekt ist überrascht, hält den atem an, denkt nach und fragt dann ziemlich clever:
"warum willst du jetzt, dass ich mich schlecht fühle und so, als wäre ich ein hurenbock, der dich einfach nur benutzt hat?"
die frage trifft mich, also schieße ich zurück:
"ist das jetzt die übersetzung für: hey, baby, gibs zu, du wolltest es doch auch?"
das objekt schweigt wieder für einen moment, um dann amüsiert und kein bisschen beleidigt zu antworten:
"nee, das muss ich dich nicht fragen, du warst nämlich klatschnass und wunderschön geschwollen."
und dann fügt es ein wenig ernster hinzu:
"ich frage mich aber gerade, wie es dir im moment geht, morphine. kannst du deine stimmung irgendwie in worte fassen?"

schwuppdiwupp schießen mir die tränen in die augen. ich muss noch nicht einmal laut schnüffen oder schluchzen, da fragt das objekt schon:
"hat dich heute jemand ablehnend behandelt?"
ich will mich zusammenreißen, also sage ich:
"ach, nur viel stress im büro und einer meiner freien kunden hat zum wiederholten male nicht bezahlt, und ein dritter meinte, er müsse mich belehren, da sind wir aneinandergerauscht, weil er nämlich keine ahnung hat und meint, er muss mir in meine arbeit reinquatschen, stell dir das vor, in meine arbeit, die ich gelernt habe und die ich verdammt gut kann."
"lass dich davon nicht runterziehen", sagt das objekt. "das ist jetzt nicht mehr so wichtig. du hast doch eine entscheidung getroffen?"
"ja, dass ich da weg will."
"na also. geh kurze wege, verausgabe dich nicht, du brauchst deine energie gerade anderweitig."

ich schweige ein wenig in den hörer und spüre, wie sich ruhe und frieden in mir breitmachen. das objekt trifft irgendwie immer den richtigen ton.
"das machst du echt gut", rutscht es mir dann heraus.
"das war auch eine besonders wertvolle therapiestunde", frotzelt das objekt. "wenn du eine schnöselige eppendorfer mutti wärst, müsstest du jetzt richtig kohle dafür abdrücken."
"pah", erwidere ich. "das müsste ich dann aber mit den sexuellen dienstleistungen von neulich gegenrechnen, inklusive fremdkosten wie eigens mitgebrachtes klopapier und bier. und da zahlst du noch drauf, mein schatz."
"na gottseidank hast du deinen humor jetzt wieder gefunden", findet das objekt.

und da ich nicht nur meinen humor wiedergefunden habe, sondern auch einen besonderen grad von offenheit, sage ich zusammenhanglos:
"ich hab dich lieb."
"das ist doch mal ein schönes wort zum donnerstagabend", konstatiert das objekt. "danke dafür."

und dann schickt es mich sehr schnell ins bett, weil es mit ernst gemeinten komplimenten mindestens genauso schlecht kann wie ich.

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Mittwoch, 14. November 2012
machen wir doch gern
derzeitige arbeitszeiten: 8.30 uhr bis 19.30 uhr
pause: ab 16 uhr möglich, maximal 30 minuten
urlaub: derzeit gestrichen

personalverantwortung: ja
teamleitung: wer sonst?
budgetverantwortung: ca. 40 % vom gesamtumsatz
projektverantwortung: für alle projekte
kunden-ansprechparter: für 5 von 6

gesamturlaub 2012: 13,5 tage, eigentlich 13, weil verfrüht abgebrochen
längster urlaub: 1 woche
brutto-gesamtverdienst 2012: nicht ganz 21.000 €

genug legitimation für eine psychopharmaka-verordnung?

"das ist illegal", sagte heute jemand, "das ist sklaverei."

tja. wen interessiert´s?

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