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Sonntag, 11. November 2012
wild night II
clubbing mit objekt, k. und k-ex (jetzt wieder ohne stecher).

am ende des abends geht die k.-ex mit dem objekt an der hand nach hause, während ich mit k. untergeärmelt davonziehe.

an der tür drückt mich das objekt sehr liebevoll.
"parallelvögeln, wie witzig", sage ich.
das objekt grinst.
"auf wiederficken, madame."
es zieht den imaginären hut und torkelt nach draußen, wo schon die k.-ex wartet.

ich frage mich, wann ich mal wieder in MEINEM bett schlafen werde.

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Samstag, 10. November 2012
wild night
"hast du heute abend schon was vor?" fragt mich gestern nachmittag das objekt.
hab ich nicht und weil ich mich sowieso nur alleine gelangweilt hätte, kommt mir die objekt-anfrage ganz recht.
"puh, da bin ich aber froh", sagt das objekt, "ich hab mich innerlich schon irgendwie auf deinen besuch eingerichtet."
dreistigkeit ist dem objekt nicht fremd.
"wollen wir nicht lieber ausgehen?" frage ich zurück, da ich das objekt lieber auf neutralem boden treffen würde.
"och nööööö", sagt das objekt, "dann können wir nichts rauchen und außerdem hab ich heute spätschicht und bin dann bestimmt müde."
"na gut, alter mann", sage ich und das objekt schnaubt entrüstet am anderen ende der leitung.

um 22 Uhr klingelt mein telefon erneut.
"ich bin schon zuhause", flötet das objekt ins telefon. "du kannst jetzt vorbeikommen, wenn du willst."
ich putze gerade die wohnung und habe nicht vor, vor 23 uhr das haus zu verlassen.
"so in einer stunde", erwidere ich.
"lass es doch nicht so spät werden", nörgelt das objekt. "sonst haben wir so wenig zeit füreinander."
"heißt das, ich soll mich für die nacht einrichten?"
"naja, ich dachte, wir rauchen schön was zusammen... trinken noch was... dann film... naja, und dann... ich sag mal, einschlafen erlaubt."
da klingt so charming, dass ich debil ins telefon grinsen muss und mich schon wieder tierisch vorfreue.

um halb zwölf mache ich mich auf den weg, nehme bei der tanke noch bier mit und bin so doch erst 10 minuten vor hexenstunde am objektiven lebkuchenhaus.
das objekt holt mich im flur ab und flitzt dann zwischen küche, wo tagliatelle mit pilzen vor sich hinköcheln, und seinem zimmerchen, wo es gerade dabei ist, eines seiner berühmten gedichte niederzuschreiben, hin und her.
"leg dich ab, machs dir bequem... rauch eine zigarette... und hier hast du wein... essen ist gleich fertig."
wie gewohnt überschlägt sich das objekt vor lauter gastfreundschaft.

dann sitzen wir im bett und schmausen. das objekt hat seine riesenportion in drei haps verschlungen, dreht schon den ersten joint und quasselt mich voll. es ist warm, ich bin pappsatt und bekifft und das objekt riecht so objektiv, dass ich mich plötzlich ultra entspannt fühle, mich behaglich in der objekt-achselhöhle zurechtrücke und der kommenden dinge harre. das objekt sitzt neben mir, streichelt zart mit einem finger meine schläfen und drückt geheimnisvolle punkte an meiner stirn. ich werde müde und nicke fast ein.

dann aber krabbelt das objekt aus dem bett, geht ins bad und lässt auf dem weg beiläufig sämtliche bekleidung fallen. ich versuche, den kopf nicht zu bewegen, starre allerdings aus den augenwinkeln und muss ins laken beißen, um nicht zu sabbern. das objekt kommt zurück, schwingt sich lässig mit latte auf halbmast wieder zurück zu mir ins bett, schaut mich an und fragt sehr sanft:
"na, wie geht dir da in deiner kleinen morphine-welt? wie fühlst du dich?"
"super", flüstere ich.
da plötzlich blickt mich das tier aus den objektaugen an und sagt:
"dann raus aus den klamotten."

soviel zum thema objektive monogamie. wir hören auf zu denken und überlassen unseren körpern die weitere abendgestaltung. hände und münder gehen auf wanderschaft, tasten, schmecken, berühren, elektrisieren und lieben jede erdenkliche körperstelle. als das objekt kommt, hält es meine hand und ruft laut "oh mein gott, oh mein gott". danach kriecht es in meine arme und umklammert mich.
"oh mein gott", sagt es noch mal und die postkoitalen zuckungen schütteln es erneut. "ich hatte sex."
ich muss lachen. "du hast ständig sex."
"nee", erwidert das objekt, "genau so muss sich sex anfühlen und das hatte ich schon sehr lange nicht mehr."
ich sage nichts, also fragt das objekt nach:
"und du? geht es dir gut?"
"ich habe mich schon deutlich mehr gelangweilt", sage ich sarkastisch. das objekt bricht in lachen aus und meint:
"den spruch muss ich mir unbedingt merken!"

das objekt steht erneut auf, löscht die lichter und bittet mich dann, meinen handywecker zu stellen. die uhr zeigt mir 5:21 uhr.
"scheiße, ist das spät!" sage ich.
"egal", sagt das objekt, "das hat sich gelohnt."
"definitiv."
wir lächeln uns frisch gevögelt an, dann krieche ich in die objekt-arme.
"bitte bitte einmal ganz doll kuscheln", sage ich, und das objekt umschlingt mich auf objektmanier mit armen und beinen, dreht mich auf den bauch und bedeckt mich mit seinem körper. es ist ein bisschen anstrengend zu atmen, aber eben nur ein bisschen, und genau so muss sich geborgenheit anfühlen. das objekt nimmt meine hand in seine und streichelt zärtlich die innenseite meines handgelenks. so schlafe ich ein.

um 12 klingelt mein handy. schlaftrunken krabble ich über das komatöse objekt hinweg und stelle den wecker aus. im zimmer riecht es schlimm nach kiffe. ich mache das fenster auf und gehe zähneputzen. danach kuschle ich mich wieder ins bett. das objekt stöhnt und murmelt etwas unverständliches. es dreht sich zu mir und drückt mir seine morgenlatte in den bauch. das spiel beginnt erneut.

erst als der kirchturm nebenan 13 uhr schlägt, erschrickt das objekt.
"oh nein, meine schicht hat ja schon angefangen."
in windeseile springt es in seine klamotten.
"du kannst gerne noch hierbleiben", sagt es zu mir. "mach dir nen film rein und rauch noch was."
"och nö", finde ich. "ich will nicht den ganzen tag verdaddeln."
"na gut, dann komm. ich bin schon zu spät."
gemeinsamm rennen wir aus dem haus und in richtung klinik. vor dem eingang drückt und küsst mich das objekt noch mal:
"danke für diesen abend und diese nacht."
mit diesen worten drückt es mir ein päckchen in die hand. achja, das hätten wir im rausch der sinne beinahe vergessen.
"danke", sage ich und schwinge mich auf das rad.
"ich habe zu danken", meint das objekt förmlich.
"alter ficker", schmunzle ich und das objekt pufft mich in die seite.
"bis bald", sagt es und fügt hinzu: "und das meine ich auch so."

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Donnerstag, 8. November 2012
der grasflüsterer
"papi war in der apotheke", schnurrt die tiefe objektstimme aus dem telefon.
"oh", sage ich erstaunt. "ich rauche derzeit aber nur unter aufsicht."
"ich pass gerne auf dich auf", erwidert das objekt verheißungsvoll.

und noch bevor ich uiuiui denken kann, rausche ich in die objektive geborgenheitsfalle. das macht sich bemerkbar, indem ich mich kindisch freue und mich sehr wohl fühle.

"dann komm doch vorbei die tage", sagt das objekt ganz sanft.
"mal sehen."
"ich weiß auch ganz genau, wo das zeug herkommt. das ist mit liebe und viel sonne gezogen, mit den pflanzen wurde jeden tag gesprochen."
"haha."
"doch, doch!"
"okay, aber nur so für nen zwanni, ja? ich muss vorsichtig sein."
"du kannst auch in naturalien zahlen."
"untersteh dich."
"ich meinte natürlich in bier."
"du unschuldslämmchen."
"du maus."
"haha, schlag mich, kratz mich, beiß mich, gib mir tiernamen."
"wir ziehen das offenbar gerade von hinten auf."
"du magst es doch von hinten."
"sag mal, bist du juckig?"
"nö, ich bin bloß promiskuitiv, sagt mein therapeut."
"schade, sonst hättest du es dir ja jetzt selber machen können."
"sollte ich das? na gut, ich überleg es mir. du zählst ja sowieso zu meinen lieblings-wichsvorlagen."

dann lege ich schnell auf, bevor die sache eskaliert.

jetzt habe ich wohl ein date. eines mit nebenwirkungen. und garantiert auch mit nachwirkungen.

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Dienstag, 6. November 2012
träumen
als wäre nichts gewesen, nimmt das objekt die alte betreuerrolle wieder ein, schenkt mir zeit, aufmerksamkeit und analysiert die dinge mit großer geduld. ich schreibe es dem dritten, der erstaunt ist und beruhigt:
"ich finde das gut, dass ihr euch wieder versteht. das ist mir wichtig, wenn ich nicht mehr da bin."

ich habe eine gute phase. ich habe endgültig entschieden, meinen job zu kündigen. das objekt bremst mich, es sofort zu tun.
"lass dir zeit, du brauchst erstmal sicherheit!"
da es seine patienten auch in der übergangsphase betreut und unter anderen für deren lebensplanung zuständig ist, überredet es mich, mit ihm und seiner gruppe zum arbeitsamt zu gehen.
"ich wüsste gern mal, für was du alles so der typ bist. wir stöbern einfach mal, okay? ich könnte mir dich für vieles vorstellen... du wärst sicher eine tolle chefsekretärin... oder könntest was mit tieren machen, du bist doch so tierlieb... du könntest fast alles machen, denke ich, wichtig ist nur, dass du dich entfalten kannst mit deinen tausend ideen und deiner speziellen art, den dingen bis zum letzten auf den grund zu gehen."

das objekt denkt selbst darüber nach, sich beruflich zu verändern. im gegensatz zu mir hat es leider keine chancen, sich großartig weiterzuentwickeln. der neuste plan lautet, eine umschulung zu machen und kranführer am hafen zu werden.
"toll, container stapeln", sage ich mit maximaler begeisterung in der stimme.
"du, das ist ein echt verantwortungsvoller job", hält das objekt dagegen. "und besser bezahlt als mein jetziger."
"jaja, und dann sitzt du da in deinem kran, in der einen hand freund smirnoff, in der andere hand ne tüte, und dann erschlägst du mit deinem container fünf arme hafenarbeiter."
"meinst du, die machen drogentests", fragt das objekt.
"könnte ich mir schon vorstellen."
"das muss ich dringend rausfinden", meint das objekt, während ich einen lachanfall bekomme.

manchmal ist das objekt ein kleiner träumer. da nehmen wir einander nichts. aber träume machen stark.

meine machen mich so stark, dass ich meine psychopharmaka abgesetzt habe. ich erhalte warnungen von allen seiten. auch das objekt ist dagegen und erklärt mir mit einer engelsgeduld, warum es völlig unbedenklich ist, das zeug ein jahr oder auch länger zu nehmen.
"jetzt hast du noch den spiegel, aber in zwei wochen gehst du krachen."
ganz unrecht wird es mit der prophezeihung nicht haben. ich habe eine schlaflose nacht nach der anderen. am nächsten tag fühle ich mich hyperaktiv und explodiere bei jeder kleinigkeit. dem azubi gefällt das, weil ich auch der chefetage ständig ungefragt meine meinung an den kopf knalle. das hat konsequenzen. man nimmt mich plötzlich ernst, offeriert mir mein lieblingssushi und eventuelle neue perspektiven. ich finde die kurzfristig gut, weiß aber, dass mich mein weg unweigerlich aus den agenturen wegführen wird und muss.

ich bin klar. ich fühle mich zum ersten mal seit langem wieder wie ein freier, selbstbestimmter mensch und kann meinen job wieder das sehen, was er ist: ein job. kein schicksal. kein lebensglück. nichts essenzielles. sondern etwas vollkommen austauschbares.

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Sonntag, 4. November 2012
like the old days
clubbing. der dritte und ich trinken uns einen an und kuscheln. allen, die fragen, "ist das deine freundin", nickt der dritte freundlich zu und herzt mich dabei.

das objekt ist auch da, ohne objektgespielin, und nutzt den freiraum zum baggern. es ist stark angetrunken.
"noch ein kurzer, und ich dreh frei", seufzt es und lässt sich neben uns in die sessel fallen. es beobachtet mich und den dritten, grinst den dritten zweideutig an und nimmt dann mein lackbestiefeltes bein, zieht es in seinen schoß und streichelt es.
"sollen wir das objekt heute abschleppen?" flüstere ich dem dritten zu.
"ich glaub, der ist heute schon an einer dran", erwidert der dritte.

und tatsächlich kommt kurz darauf ein mädchen und schwallert das objekt voll. dann sitzen sie ganz einträchtig da, das objekt führt abschlepp-frauenversteher-gespräche und das mädchen hat ihre hand auf der objektschulter.

am ende des abends ist das mädchen noch immer am objekt dran. ich bin derweil mit dem dritten auf dem klo, weil dem dritten schlecht ist. als es ihm etwas besser geht, kackt mir der kreislauf ab. so findet uns das objekt, das aufs klo kommt, um eine kurze schwallerpause zu bekommen und sich einen joint anzuzünden. das objekt nimmt uns in die starken arme, dritter links, ich rechts, und eskortiert uns an die frische luft. dann kauft es uns schokolade und füttert uns.
"los, ihr braucht zucker", sagt es ein ums andere mal.
"mir wäre jetzt eher nach salz", sage ich matt, "erdnüsse oder sowas, was den kreislauf in schwung bringt."
aber ich bekomme erdnussverbot, weil das objekt angst hat, dass ich mich übergeben muss und erdnüsse dann sehr unangenehm weil scharfkantig werden können.

"und, schleppst du die olle ab?" frage ich das objekt, als ich wieder munterer werde.
"weiß noch nicht."
"wie würde denn ein guter ausgang des abends für dich aussehen?"
"hm, also mein ziel ist es, dass ich es noch bis zu mc doof um die ecke schaffe. oder wenigstens bis zum döner."
"na dann. sei realistisch und fordere das unmögliche."
das objekt grinst und zuppelt an meinem dekolleté.
"kannst du was dazu beitragen, dass der dritte heute gut nach hause kommt?"
"klar. mutti macht das."
"aber nicht mitnehmen, ja? der muss zu seiner freundin."
"jaja."
der dritte, der unser gespräch mitverfolgt hat, breitet die arme aus.
"los, kommt gruppenkuscheln."
und wir klammern uns einander und stecken die köpfe zusammen. es fühlt sich für einen moment an wie früher, obwohl so viel passiert ist.

dann sagen wir dem objekt tschüß und laufen zum bahnhof.
"neulich hab ich dem objekt ja mal eine wichtige frage gestellt", berichtet der dritte, der derzeit einen guten draht zum objekt hat.
"und zwar hab ich es gefragt, was es denn sagen würde, wenn ihn die gespielin mal betrügt. weil er sie ja auch so oft bescheißt."
"mir gegenüber behauptet er, die objektgespielin sei sooooo nett und normal und er versuche sich in monogamie."
der dritte winkt ab.
"der hat erst letztes wochenende die k.-ex geknallt, weil die stress mit ihrem tollen neuen lover hatte."
"aha. und was hat das objekt nun auf deine frage geantwortet?"
"es meinte, es würde ihm nichts ausmachen. weil es die objektgespielin ja nicht liebe."
ich muss hyperventilieren. auch wenn ich mich inzwischen mit dem wir-sind-gute-bekannte-aber-keine-freunde-status abgefunden habe, verspüre ich einen funken genugtuung.

"nächstes wochenende bin ich zum letzten mal da", wechselt der dritte das thema.
als antwort nehme ich ihn nur fest in die arme.
es tut mir heute schon weh. mehr als das verquere objektverhältnis. mehr als vieles andere. zwischen dem dritten und mir herrscht nämlich etwas besonderes, das alle objekt-querelen überlebt hat. denn den dritten habe ich von herzen gern.

dann fahre ich der aufgehenden sonne entgegen, dieses lied im ohr:

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