Donnerstag, 19. April 2012
how to be alone


how to be alone, by tanya davis

if you are at first lonely, be patient. if you've not been alone much, or if when you were, you weren't okay with it, then just wait. you'll find it's fine to be alone once you're embracing it.

we could start with the acceptable places, the bathroom, the coffee shop, the library. where you can stall and read the paper, where you can get your caffeine fix and sit and stay there. where you can browse the stacks and smell the books. you're not supposed to talk much anyway so it's safe there.

there's also the gym. if you're shy you could hang out with yourself in mirrors, you could put headphones in.

and there's public transportation, because we all gotta go places.

and there's prayer and meditation. no one will think less if you're hanging with your breath seeking peace and salvation.

start simple. things you may have previously based on your avoid being alone principals.

the lunch counter. where you will be surrounded by chow-downers. employees who only have an hour and their spouses work across town and so they - like you - will be alone.

resist the urge to hang out with your cell phone.

when you are comfortable with eat lunch and run, take yourself out for dinner. a restaurant with linen and silverware. you're no less intriguing a person when you're eating solo dessert to cleaning the whipped cream from the dish with your finger. in fact some people at full tables will wish they were where you were.

go to the movies. where it is dark and soothing. alone in your seat amidst a fleeting community.
and then, take yourself out dancing to a club where no one knows you. stand on the outside of the floor till the lights convince you more and more and the music shows you. dance like no one's watching... because, they're probably not. and, if they are, assume it is with best of human intentions. the way bodies move genuinely to beats is, after all, gorgeous and affecting. dance until you're sweating, and beads of perspiration remind you of life's best things, down your back like a brook of blessings.

go to the woods alone, and the trees and squirrels will watch for you.
go to an unfamiliar city, roam the streets, there're always statues to talk to and benches made for sitting give strangers a shared existence if only for a minute and these moments can be so uplifting and the conversations you get in by sitting alone on benches might've never happened had you not been there by yourself

society is afraid of alonedom, like lonely hearts are wasting away in basements, like people must have problems if, after a while, nobody is dating them. but lonely is a freedom that breaths easy and weightless and lonely is healing if you make it.

you could stand, swathed by groups and mobs or hold hands with your partner, look both further and farther for the endless quest for company. but no one's in your head and by the time you translate your thoughts, some essence of them may be lost or perhaps it is just kept.

perhaps in the interest of loving oneself, perhaps all those sappy slogans from preschool over to high school's groaning were tokens for holding the lonely at bay. cuz if you're happy in your head than solitude is blessed and alone is okay.

it's okay if no one believes like you. all experience is unique, no one has the same synapses, can't think like you, for this be releived, keeps things interesting lifes magic things in reach.

and it doesn't mean you're not connected, that communitie's not present, just take the perspective you get from being one person in one head and feel the effects of it. take silence and respect it. if you have an art that needs a practice, stop neglecting it. if your family doesn't get you, or religious sect is not meant for you, don't obsess about it.

you could be in an instant surrounded if you needed it. if your heart is bleeding make the best of it.
there is heat in freezing, be a testament.

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Dienstag, 17. April 2012
don´t
was sie auf gar keinen fall beim feiern tun sollten:

rauchen.
durcheinander trinken.
schneemann bauen.

lachen, bis der alk im magen zu hüpfen beginnt.
ein taxi nach hause nehmen.
kotzen müssen.

die handtasche benutzen.

sie werden feststellen:
der haustürschlüssel ist immer GANZ UNTEN.

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Sonntag, 15. April 2012
hurt me, thrill me, bore me, kill me
unvergessene liebe klebt an dir wie der schweißgeruch in den lieblingsplastikschuhen, die du seit jahren eisern trägst, weil es keine besseren gibt. wenn pheromone der duft der liebe sind, ist die klebrige erinnerung der gestank. süßlich, bitter, modrig. verwesung eben. er geht dir nicht aus der nase.

während eine wohnungsleiche bei fliegenbefall und günstigen temperaturen in nicht einmal 14 tagen vollständig skelettiert und damit beinahe appetitlich restzuentsorgen sein kann, ist die liebe erinnerung ein koloss, der sich hefekuchenartig aufbläht, insbesondere dann, wenn langeweile herrscht.

langeweile lässt sich bisweilen herrlich wegficken, wegsaufen oder mit anderen bewusstseinsverändernden stimulanzien vorübergehend killen. auch existenzangst, gerichtliche mahnungen, entzweiungen im freundeskreis, partnerverlust oder krankheit können sehr unterhaltsam sein und ungeahnte dimensionen von kurzweil ermöglichen. doch irgendwo gibt es immer ein kleines loch, ein luftiger moment, in den sich unvergessene liebe hineinschleicht.

begegnungen mit dem gegenstand der unvergessenen liebe, auch genannt exfreund/expartner (scheiß auf gender, sie wissen schon), können trotz kurzweil diesen prozess noch einmal intensivieren. insbesondere, wenn der gegenstand sehr nahe kommt. gestern beispielsweise, als mir das objekt von hinten angreifend die hände unter den rockbund schob.

binnen kürzester zeit macht die erinnerung alles, was neu und frisch richtung herzgegend wachsen will, zum ground zero. so stand ich heute morgen vor dem haus des menschen, weil ich mich schon seit tagen nach seiner liebevollen umarmung sehnte. die erinnerung hatte mich jedoch kontaminiert wie die vögelgrippe, wie das objekt aids scherzhaft nennt. also fuhr ich nach hause und saß dann lange auf der bettkante, bevor ich mich zum epic fail entschloss und dem objekt eine sms schickte, die ich zunächst sehr schön fand, beim absenden dann schon etwas melodramatisch und drei minuten später enorm peinlich.

das ergebnis entsprach ungefähr dem worst case scenario, das eine sms auslösen kann: sie kommt an, der empfänger liest sie sofort, hat dabei miese laune und keinen bock auf den absender, ist außerdem betrunken und reagiert summasumarum ungebremst negativ.
"ich weiß echt nicht, was du eigentlich willst", bellte das objekt in den hörer. "den ganzen abend bist du total verschlossen und eisig, und jetzt wieder das gegenteil."
ich schwieg beschämt.
"ich weiß nicht mehr, was ich glauben soll", sagte das objekt in das schweigen hinein.
"lass uns mal in ruhe über alles sprechen, es ist einfach zu viel vorgefallen", bemühte ich mich um diplomatie.
"aber nicht nächste woche", wehrte das objekt ab. "die drauf vielleicht."
wusch, aufgelegt.

mit dem handy zwischen den fingern sank ich in die kissen, die sich schwer und klumpig anfühlten, genauso wie mein herz, das gegen schwarzen erinnerungsmoder ankämpfte. die luft in meinem stickigen schlafzimmer war heiß und trocken. es dauerte sehr lang, bis sich der sargdeckel des schlafes endlich teerartig über mein bewusstsein senkte und das denken ertränkte.

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Freitag, 13. April 2012
was sie schon immer über sex wissen wollten
was macht guten sex aus? was ist die formel von geilheit? zwei (und vielleicht auch noch mehr) leser wollen es wissen. et voilà.

1. partnerwahl

was macht den richtigen partner beim sex aus? die schwanzgröße? die beschaffenheit der vagina? die gleichen vorlieben? die nette persönlichkeit beckenaufwärts?

erfahrensgemäß entscheidet für mich a) der erste optische eindruck und b) der geruch.
was den optischen eindruck betrifft, gibt es mehrere muster, die sämtliche meiner sexualpartner bedienen. ich vermute, dass diese optischen muster mit uralten emotionalen und trieblichen aspekten in mir korrellieren und bewirken, dass ich mich von einem mann weder bedroht noch gelangweilt fühle, sondern dass er interessant, attraktiv und sexy auf mich wirkt. die wirkung des ersten optischen eindrucks ist sehr individuell und hat nur bedingt etwas mit objektiver schönheit, style oder sozialem status zu tun.

entgegen der meinung vieler anderer frauen ist intellekt oder unterhaltungswert für mich zweitrangig. zu dem zeitpunkt, als ich beispielsweise mit objekt und dritten im bett landete, fand ich das objekt weder besonders clever noch unterhaltsam. im gegenteil, wir verstanden uns überhaupt nicht. mag sein, dass auch dies einen reiz ausmachte. dazu aber mehr in einem anderen punkt.

der geruch, eine rein biologisch-immunologische komponente, legt dann zuletzt den entscheidenden hebel um. dabei kann ein mann beim sex anders riechen als zuvor. könnte mit der schweißproduktion zusammenhängen, aber auch mit der veränderten aussendung von lockstoffen. behaupte ich mal so.

2. vertraute fremde

ich brauche keine gefühle für den partner, um guten sex zu haben. ich muss nicht verliebt sein. was ich aber für vorteilhaft erachte, ist ein stück vertrauen. deshalb bin ich wiederholungstäterin. je besser ich mein gegenüber kenne, desto mehr kann ich mich gehen lassen. der output vergrößert sich.

es gibt menschen - insbesondere männer, die ich hatte - die mir das gegenteil bestätigen. sie können sich besser fallen lassen, wenn sie die frau überhaupt nicht kennen. das unbekannte eröffnet ihnen möglichkeiten, vorübergehend jemand zu werden, der sie sich sonst nicht zu sein trauen. dieser faktor spielt besonders bei fremdfickern eine rolle.

3. a reason to fuck

die innere motivation sozusagen.
an manchen tagen denke ich an absolut nichts anderes als sex. liegt wohl an den hormonen / der zyklusphase. angeblich sind frauen im eisprung besonders sexuell aktiv und für männer am attraktivsten. so genau konnte ich das allerdings noch nicht bei mir beobachten. vermutlich, weil ich nie weiß, wann genau mein eisprung ist. sollte man mal messen, vielleicht ist das ja ein schlüssel zur sexuellen glückseligkeit.

das ist ein möglicher, aber nicht der einzige grund, sex haben zu wollen. besonders frauen haben häufig sex, weil die begegnung zweier körper zärtlichkeit und zwischenmenschliche nähe bedeutet. ich halte diesen grund für das hauptmotiv bei frauen. deshalb verlieben sich viele auch beim sex. ging mir früher auch so, heute weniger. vielleicht hat sich auch meine körpereigene oxytocin- und prolaktinausschüttung verringert. who knows.

die männlichen gründe können ähnlich gelagert, aber auch vollkommen andere sein. einer meiner engsten freunde gestand mir, dass er manchmal sex habe, um wut und aggression abzureagieren. hier wird sex zum sport, zum zweikampf, und zugleich möglichkeit, sich zu verausgaben, leer zu werden, entspannung zu finden.

ein weiterer, enorm wichtiger grund ist die kommunikation der körper. begehren lässt sich in worten nur unzureichend ausdrücken. die natur zwingt die geschlechter nach dem schlüssel-schloss-prinzip zusammen. das kann vor allem dann, wenn die verbale kommunikation eher unbefriedigend ausfällt, ein wahrer segen sein. solange sex nicht zum streit-katalysator wird, ist alles gut.

während man über die ersten drei gründe die überschrift "ficken um des fickens willen" setzen könnte, ist beim letzteren grund der partner im fokus.

4. das setting

viele menschen stürzen besoffen zusammen ab, weil sie zu diesem zeitpunkt enthemmt sind. ein gutes setting würde demnach bedeuten, dass möglichst wenige hemmungen im spiel sind.

alkohol kann anregend sein, aber auch die potenz (zer)stören. sehr offenherziges flirten kann hemmungen wesentlich nebenwirkungsfreier unterbinden. geringe mengen anregender drogen wie mdma, koks oder speed sind ebenfalls ausgesprochen empfehlenswert. aber auch hier gilt: der grat zwischen obelisque und müder wurstpelle ist ein schmaler.

manchmal ist es auch anregend, anderen beim knutschen, fummeln oder vögeln zuzusehen. dabei sind live-erlebnisse selbstverständlich eine ganz andere hausnummer als pornos. die atmosphäre ist bei allem entscheidend.

5. zur sache, schätzchen

zögern ist der killer jeglicher erotik. offen gezeigte unsicherheit führt zum rapiden absinken der lustkurve. wenn ich mich frage, ob ich jetzt anweisungen geben muss, ist schon alles zu spät.

auch fragen wie "und was magst du so?" finde ich ganz fürchterlich. ich mag keine männer, die es mir recht machen wollen. ich mag männer, die ihren trieben folgen. das heißt nicht, dass man(n) beim sex die klappe halten und drauflosrammeln muss. freizügig geäußerte gedanken können bisweilen sehr aufregend sein.

6. das liebe-lieber-ungewöhnlich-prinzip

ich bin kein monogamer mensch. ich habe gerne sex mit mehr als einem partner. der muss nicht zwingend männlich sein. ich mag spielarten, die nicht jedem liegen. und ich mag sex auch woanders als im eigenen bett. das ist purer hedonismus, weniger philosophie.

das objekt beispielsweise ist besessen vom gedanken, dass männer dazu geschaffen sind, den eigenen samen möglichst weit zu verbreiten. aus dieser evolutionären pflicht heraus können sie auch nicht bei einer frau bleiben. ob es sich hierbei um philosophie handelt, sei dahingestellt. dem objekt traue ich auch zu, dass es eigennutz in edelmut verpackt.

erfahrungsgemäß gehen die meinungen in diesem punkt stark auseinander. es handelt sich also um eine weltanschauliche frage.

7. vorspiel

dass frauen ein stundenlanges vorspiel erwarten oder es benötigen, um zum höhepunkt zu gelangen, ist ein weit verbreiteter irrtum. manchmal ist vorspiel nett. spontan einen wegstecken geht aber genauso gut und ist nicht weniger anturnend - insbesondere an spannenden orten. denn vorspiel findet auch im eigenen kopf statt. kopfkino kann mich auf 180 bringen, den richtigen partner vorausgesetzt. dazu muss nicht jemand stundenlang an mir rumrubbeln.

was ich hingegen sehr schätze, ist küssen. im speichel des mannes befinden sich sexuallockstoffe, die die frau paarungsbereit machen sollen. das ist der biologische sinn eines kusses. ein kuss kann, insbesondere bei einem optimalen partner, wie wellen elektrischen stroms am ganzen körper spürbar werden und die erregung enorm steigern.

8. die performance

abwechslung beim vögeln finde ich toll. aus dem zeitalter, in denen die missionarsstellung vorschrift war, sind wir ja auch längst raus.

trotzdem sollte die performance nicht zum hochleistungssport avancieren. ich bin rückenpatientin und stehe auch nicht auf überdehnungen und muskelfaserrisse. wenn ich gymnastik machen will, melde ich mich im turnverein an. von sex hingegen erwarte ich mindestens so viel entspannung wie excitement.

any further questions?

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Dienstag, 10. April 2012
grasses gedicht: a rough polaroid
was zu "was gesagt werden muss" gesagt werden muss

warum dinge gesagt werden müssen? weil das wort befreit. weil das wort das tabu bricht.

warum dinge missverstanden werden wollen? es ist das spiel. das wort spielt mit dem ernst und den horizonten der leser. polarisieren oder identifizieren. grass ist zu alt, um der welt eine heile welt vorzugeben mit leitbildern zu identifikation. und jeder, der sich öffentlich äußert, weiß: du sollst nicht langweilen.

im zweifelsfalle also: lieber zutreten als streicheln. anecken. gucken, was passiert. wegsehen und schweigen, das machen ohnehin alle. der autor schreibt, der hooligan wirft den molotow-cocktail. im herzensgrunde: dasselbe. verletzen, in brand stecken. vor allem aber: schaulustige anziehen.

der sprecher des gedichts (und ich sage bewusst nicht: grass) spielt mit dieser erwartungshaltung. er weiß, dass er missverstanden und kritisiert werden wird. die haltung dazu aber ist ein "so fucking what?" reden ohne handeln ist unrecht, so eine these der raf, aber letztendlich auch das reden zu unterlassen, kann ein verbrechen sein, findet der sprecher.

warum leser zu opfern werden:
wenn der sprecher des gedichts den staat und die politische aggression kritisiert, kritisiert er nicht die religion oder das volk. er kritisiert politisches handeln. er kritisiert - auf den punkt gebracht - die politische legitimisierung von mitteln zum massenmord. seit rund 90 jahren verwechseln menschen antisemitismus, antijudaismus und kritik am politischen system. weil sie nicht differenzieren können. natürlich sind diese menschen die ersten, die grass jetzt undifferenziertheit vorwerfen.

macht mal die augen auf: das ist kein gedicht gegen das jüdische volk. es ist noch nicht mal ein gedicht gegen das volk israel. es ist ein gedicht, das sich gegen die wenigen wendet, die über das leben der vielen entscheiden, bestimmen.
hätte grass vor 40 oder 45 jahren geschrieben: "die atommacht usa bedroht den weltfrieden", hättet ihr applaudiert. während die usa not amused gewesen wäre und günter grass vermutlich von der cia hätte eleminieren lassen. ergo: der leser wird opfer seiner historischen determination und seines soziokulturellen über-ichs. walser nannte es, etwas weniger elegant, die "moralkeule auschwitz".

"was gesagt werden muss" ist - meines bescheidenen erachtens - ein streitbares gedicht, aber nicht ohne menschenliebe. und deshalb finde ich persönlich es - wegen enormer grass-zentrik nicht uneingeschränkt - im großen und ganzen doch gelungen.

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