Dienstag, 28. Februar 2012
jugend von heute
wenn ich teenie-blogs lese und mir vorstelle, dass die oder der eine oder andere mein kind wäre, dann bin ich manchmal wirklich sehr traurig, weil da so wenig in den köpfen ist, was mir hoffnung macht, dass dieses land in zehn jahren nicht einem sehr hässlichen untergang geweiht ist.

andererseits müsste dieses land schon untergegangen sein, wenn alle so drauf wären wie ich es vor 12 oder 15 jahren gewesen bin: selbstmordtheorien, laute düstermucke, pathetische spekulationen über den tod, hasstiraden gegen meine eltern und mitschüler, rasierklingenexperimente/experimente, an welcher stelle genau das unterhautfettgewebe in den muskel übergeht, medikamententests (ab wie viel paracetamol wird man ohnmächtig), einsamkeitstheorien mit mir selbst als inkarnation von einsamkeit im mittelpunkt - und die überzeugung, dass dieses land einem sehr hässlichen untergang geweiht ist, weil nicht alle solch vollkommen verkorkste, egozentrische blindgänger waren wie ich selbst.

tja. was soll ich sagen. in sachen fortschreitende zeit ist einsteins relativitätstheorie noch immer der burner.

ihr macht dit schon. aber benutzt ab und an auch mal den kopf. der ist nicht nur zum schminken da oder weil er die frisur oben hält oder ein ohr für das handy hat. und lernt über euch selbst lachen. und braucht dafür bitte nicht so lange wie ich.

und wenn dieser drecksstaat irgendwann akzeptiert, dass ich nunmal keinen scheiß-streberdurchschnitt hatte und mir die chance auf einen platz als pauker-schlampe einräumt, ich schwöre, ich werde euch keine schlechte sein.

thanks für not listening.

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Sonntag, 26. Februar 2012
body & soul & someone else
die müdigkeit spült sich zäh wie warmer zement in die muskeln und sammelt sich im kopf, dem gravitationszentrum, dem schwarzen loch. eine hand streicht durch deine haare, die andere zieht behutsam die blaue decke bis an deine nasenspitze. du fühlst dich ausgehöhlt vom vielen kiffen und halsschmerzen fressen dich wie kleine tiere von innen auf.

gestern nacht um fünf auf der club-toilette hast du beschlossen, dass gerade kein weg an diesem menschen vorbeiführt. hast ihn einfach angerufen. wie immer war er noch wach. er verdient seine kohle mit poker, spielt die ganze nacht und hat daher immer zeit.
willst du vorbeikommen, hat er ganz selbstverständlich gefragt. ich bin krank, hast du heiser gesagt. doch er fragt dich nur, tee oder lieber wiskey? egal, sagst du, ich bin dann so gegen halb sechs bei dir.
der mensch atmet laut am anderen ende der leitung aus und sagt, dass er das komplett irrsinnig findet und dass er dir ein brot machen wird.

kurz darauf läufst du los, luftlinie richtung richtig, knickst in deinen hohen schuhen um und sinkst an der unterführung nieder. durch den schleier kindischer tränen erkennst du das straßenschild, es ist die straße, in der das objekt einmal gewohnt hat. dann humpelst du weiter. rufst zwischendurch an, weil du an einer kreuzung stehst, die du nicht kennst. der mensch am anderen ende der leitung sagt nur, komm, bleib da, wo du bist, ich hole dich.
zehn minuten später steht er dann tatsächlich vor dir, die du in einem hauseingang kauerst, und zieht dich hoch und an sich. du zitterst ja, du hast fieber, du bist doch vollkommen wahnsinnig, findet er und fügt, nicht ohne bedauern, hinzu: besonders alt wirst du mal nicht, aber bei dir hat man den eindruck, das ist programm, das ist dein lifestyle.

kurz darauf sitzt du in der riesigen küche vor tee und brot, kriegst keinen bissen runter, ziehst nur an dem joint, den dir der mensch gegenüber stillschweigend reicht. dann sagt er, ich sehe dich jetzt zum dritten mal und frage mich, was in diesem hübschen kopf vor sich geht. du schaffst die antwort nicht mehr, alle synapsen sind von einem kurzschluss geburnoutet und aschen sich zu einem schwarzen loch, das immer größer und dichter wird und dich schließlich ganz verschluckt.

als du wieder zu dir kommst, liegst du in einem hellen, freundlichen raum mit blauen gardinen unter einer himmelblauen bettdecke. dein mund ist trocken vor fieber, der ganze körper schmerzt. doch neben dir atmet jemand und ruft die erinnerung wach. auf der wanduhr ist es kurz nach halb neun. der mensch neben dir dreht sich um, schlingt einen arm um deine taille und lächelt im halbschlaf ein schönes, selbstverständliches lächeln, beinahe so, als wärst du hier zuhause.

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Donnerstag, 23. Februar 2012
piesacken
gestern habe ich aus jux und laune das objekt angerufen. ohne erfolg. ich hatte es bildlich vor mir, wie das handy schrillte, der blick panisch über das display schwebte und der zittrige daumen mich daraufhin wegdrückte. anschließend schaltete das objekt das handy ganz aus, um sich nicht mehr konfrontieren zu müssen.
also schickte ich eine sms hinterher: "alter, isch wais, wo du wohns!" vermutlich wartet das objekt seither angsterfüllt darauf, dass es an der haustür klingelt. die vorstellung davon rettet meine restwoche.

die k.-ex, die derzeit die objektive post annimmt, hat mir heute am telefon berichtet, dass schon wieder mahnungen für das objekt eingetrudelt seien. offenbar hat es eine strom- und eine klamottenrechnung nicht bezahlt.
"ich seh da schon wieder gelbe briefe kommen", meinte die k.-ex sorgenvoll.
"vielleicht stecken sie ihn dann wieder in den knast", erwiderte ich schadenfroh.
"ich helf ihm nicht", sagte die k.-ex. "von mir kriegt er kein geld."
"von mir auch nicht."
"trotzdem versteh ich das nicht, wie kann er bloß, er hat doch auch den kleinen!"
"zehn joints und der tag ist dein freund - weißte doch."
"und noch mehr, was wir gar nicht wissen."
"gott bewahre."

vermutlich werden das objekt und ich morgen im rahmen einer party aufeinandertreffen. ohne die k.-ex, die ja derzeit die diplomatische instanz zwischen uns ist. ich rüste mich innerlich schon mal dafür.

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Dienstag, 21. Februar 2012
der alte affe existenzangst
absolut.
atem- und nachtschlafraubend.
bewusstseinstrübend.

klar sehen, du musst doch mal klar sehen! was machen!
statt klarsichtfolie ist da nur noch mattscheibe.

auf und ab, hin und her.
wie eisbären.
die müssen auch mal weinen, kriegen aber nicht mal das auf die reihe. selbst wenn es ihnen bis oberkante unterlippe steht. alles trocken wie der saharawind.

wär lieber ameise, die haben ihre festen straßen. und sind fleißig und redlich.

(überhaupt können wir gerade ganz wenig müssen.)

alles quatsch.
aber alles wirklich so.

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Sonntag, 19. Februar 2012
pieces of february
dass man manch einen guten film einfach nicht sehen kann, weil einer der schauspieler eine bestimmte form von absolut subjektiv empfundener hässlichkeit besitzt.

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enten haben keine spikes an den schwimmflossen. tauwetter ist ihr feind.

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london calling. vier tage notting hill mit k. - ich bin unentschieden. ich hab diesen mann noch nie länger als 16 stunden am stück um mich gehabt. außerdem habe ich absolut keine kohle. anderseits muss ich dringend mal raus. und london war bislang immer gut zu mir.
hach. nur drei tage zeit, um eine entscheidung zu treffen...

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das objekt hat sich nicht auf meine nachricht von damals gemeldet. meinen ungebremsten hass musste die k.-ex gestern abend beim vorglühen auffangen. sie bestätigte mir, dass das objekt erst vor zwei tagen wieder über mich gesprochen und dabei erwähnt habe, wie sehr es die situation bedrücke. dieser heuchler.
im club dann war das objekt auch da, guckte mich sogar unsicher an, ging dann aber an mir vorbei. ich wollte hinterher, um ihm in die fresse zu hauen, doch die k.-ex hielt mich zurück. ich knallte mir ein bier und eine line rein, stürzte komplett ab und fuhr nur eine stunde später nachhause.

die k.-ex, die gute, rief heute an und erkundigte sich nach meinem befinden. um meine derzeit stark niedergedrückte laune zu heben, berichtete sie, dass mit der objektgespieln schluss sei und dass das objekt seinen geburtstag neulich ganz alleine verbringen musste. erschreckend, wie wunderbar sich genugtuung manchmal anfühlen kann.

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