Sonntag, 27. November 2011
durch den regen
der wind pfeift um die häuser. der kamin heult und mein schafzimmerfenster leckt. man sollte nicht zu viel von wohnungen erwarten. außer, dass die miete steigt.

ich habe darauf gewartet, dass diese woche vorübergeht, weil nur scheiß passierte und zwei, drei richtig traurige dinge. ich habe darauf gewartet, dass dieses wochenende vorübergeht, weil zwischenmenschlichkeiten mal wieder in unverbindlichkeiten baden gingen. leute, ihr habt doch alle einen knall. beklagt euch über mangelnde nachhaltigkeit, schafft es aber nicht mal, eine sms zu beantworten.

und da wundert sich wer, dass ich keine beziehungen mehr eingehe. wie denn auch, wenn schon eine freundschaft fast unmöglich ist.

auf anderen social-media-plattformen werde ich mit scientology-empfehlungen zugespammt. seh ich aus, als wäre ich so blöd, an erlösung zu glauben? und auch noch dafür zu bezahlen?

ich glaube euch nichts mehr.
alles, was ich glaube, sind die zahlen auf meinem konto. sie zeigen mit zuverlässigkeit, ob sich meine mühe lohnt.

leute, ich rate euch: setzt keine kinder in diese welt. es wäre schade um die seele, die ihr verschwendet.

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Freitag, 25. November 2011
kreise ziehen
man weiß ja doch nicht, wohin diese wege führen. nur ab und an spürt man grenzen. die fallen. oder die fangen (auf).

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Dienstag, 22. November 2011
sisterhood
jemand läuft dem objekt gerade ein wenig den rang ab. nicht in sachen spezifisch-objekt-sein. aber so in sachen ich-denk-an-dich.

es ist nicht die lederjacke. sondern der verheiratete. ich kann nicht anders, endvierziger sind manchmal einfach die besseren.

er ist so offen. er ist so dominant. er sagt sätze wie: "eines tages hol ich dich hier raus." und das prinzessinnen-gefühl steigt ins exorbitante, auch wenn ich zu viel weiß, um noch an die erfüllung eines märchens zu glauben.

er ist keiner, der meine schulter braucht. er hat selber zwei davon, die er mir gefahrlos bietet, weil er weiß, ich benutze ohnehin lieber meine eigenen. aber ich wiederum weiß, seine wären da, wenn ich sie wollte. oder um es mit objekt-worten zu sagen: manchmal zählt einfach die geste.

ich bin ein wenig ratlos, weil etwas in mir begonnen hat, entgegen der reißenden strömung auf diesen menschen zuzuschwimmen. auf diesen menschen, der mich zur schwester möchte, der mir aber zwei minuten später wilde sauereien ins ohr flüstert.

und das alles, ohne mich besitzen zu wollen. er weiß vom objekt und sagt, "nimm es mit, habt spaß, aber benutzt ein kondom." er erzählt von seiner frau, spricht aber bei sätzen mit liebe in der vergangenheit - was ihm übrigens nicht bewusst war, bis ich es ansprach.

wenn ich nach stundenlangen gesprächen den hörer auf station lege, fühle ich mich einsam und geborgen zugleich und frage mich, ob es ihm ähnlich geht.

nächte woche habe ich übrigens ein date mit der lederjacke. der unvernunft zum trotz.

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Sonntag, 20. November 2011
hughs and kisses
"ich hab mir was vorgenommen", sagt das objekt am heutigen abend. "wenn ich erstmal wieder eine eigene wohnung habe, dann möchte ich, dass wir uns regelmäßig besuchen. du musst mir dann vorlesen, und ich koche uns was hübsches."
"ich habe bisweilen nicht den eindruck, dass du so furchtbar viel an mich denkst", antworte ich, obwohl mir diese drei sätze ein inneres lächeln entlocken.
"ich denk total viel an dich", sagt das objekt zögerlich. "ich lebe in retrospektiven mit dir. ich hab so viel schönes mit dir und eigentlich nichts wirklich schlechtes. und da versink ich dann so drin, da kriege ich manchmal gar nicht mit, was um mich herum passiert."
"aha", sage ich.
das objekt hat ganz offenbar mehr erwartet als dieses "aha", merke ich. also gönne ich ihm den spaß und füge hinzu:
"ich dachte immer, ich sei die einzige auf der welt, die das so handhabt."

das objekt muss der aussage nachlauschen, bis es dann glücklich grinst, mich auf die stirn küsst und mich drückt.
"morphine, warum bist du heute abend in den club gekommen?"
"aus gewohnheit und weil ich tanzen wollte."
"ich bin heute hier, weil ich gern jemanden eins in die fresse hauen und einen blowjob will."
ich muss lachen.
"soll ich dir eine scheuern? dann hast du die prügelei schon mal."
das objekt zieht mich an sich und hält meine handgelenke fest:
"ich wüsste da was besseres. denn einen blowjob hatte ich ja eigentlich schon lange nicht mehr."
"naja, du kannst dich ja mal umsehen. guck mal, die blonde da vorn, mit den lippen kann die bestimmt gut blasen."
das objekt schaut interessiert in die gezeigte richtung und tippt sich dann an die stirn.
"die ist doch dumm wie brot, das sieht man doch."
"eben. dumm fickt gut."
"so schlecht fand ich deine intellektuellenficks nun auch nicht", frotzelt das objekt.

wir stehen beide da und haben fluppen im mund, aber kein feuer. plötzlich streckt sich von der seite ein in leder gekleideter arm aus. die hand, die das feuerzeug hält, trägt einen selten schönen herrenring. ich blicke kurz hoch in eine jungenhaftes, süßes gesicht, das mich spontan an das subjekt vom letzten sommer erinnert.
"danke", sage ich.
das objekt hat inzwischen sein feuerzeug gefunden.
"na, wer hat den größeren", fragt es und posiert vor mir.
das objekt riecht sofort, wenn gefahr in verzug ist. ich merke sowas erst, wenn das haus schon brennt.

ich verkrümle mich auf die tanzfläche. dort ist es warm und voll. mir wird schwindelig. also kaufe ich mir ein wasser und setze mich an den rand, bis es wieder geht.
ein paar meter entfernt steht die lederjacke und guckt mich an. hatte das objekt also doch mal wieder recht.
kurz darauf kommt er dann rüber zu mir, guckt und lächelt und sagt nichts.
also erbarme ich mich und beginne mit dem smalltalk. ein bisschen blubbern. das lockert die atmosphäre.

es geht sich gut an. der typ ist hübsch, smart und astrein in schale. er ist mit freunden da. also auch kein übriggebliebener soziopath.
ich lache und rede, bis der typ irgendwann meint:
"du redest ganz schon viel."
das finde ich frech.
im nächsten moment wird ihm klar, was er gesagt hat und entschuldigt sich.
dann gehen wir tanzen.
er tanzt mich an, aber unaufdringlich. ich glaube, ich mag das, denke ich und fühle mich im eigenbröteln angenehm gestört.
es ist etwas festes an ihm, obwohl er ein ganz weiches, hüsches, fast schon feminines gesicht hat. ich schätze ihn spontan für sexuell dominant ein, obwohl er beim tanzen nicht besonders körperbewusst ist.

zwischendurch kommt das objekt vorbei und scherzt:
"du sagst bescheid, wenn ich ihm in die fresse hauen soll."
"nein, nein, alles fein."
"dann befreie ich dich heute mal von deinem auftrag."
"welchem?"
"na dem blowjob", grinst das objekt.
"wenn du gestattest", sage ich ironisch.
"hör mal, du brauchst denk ich jemanden, der zu dir steht und der nur für dich da ist. vielleicht ist das so einer. der macht einen guten eindruck auf mich."
"danke, papi."
"dafür nicht. musst auch nichts bezahlen", tätschelt das objekt meine schulter.

die lederjacke scheint ernsthaft fasziniert. sie weicht den rest des abends nicht von meiner seite und fragt dann sogar nach meiner telefonnummer. ich bin beeindruckt.
dann gehen die lichter an und wir stehen uns gegenüber.
"ja, dann, hat mich gefreut, machs mal gut und wir sehen uns", sage ich fröhlich.
"wo musst du denn nun hin", fragt die lederjacke.
"zum bus."
"hast du was dagegen, wenn ich dich noch ein stück bringe?"
holla die waldfee. manieren hat er auch noch!

wir tappen fast eine viertelstunde nebeneinander her und unterhalten uns. dann stehen wir unter einer unterführung. und während die feuchtigkeit in die pfützen um uns tropft und die s-bahn über unseren köpfen vorbeidonnert, küsst mich der mann.

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Donnerstag, 17. November 2011
dinner for kloppis oder essen mit überzeugung
nachtessen@altona.
es gibt spaghetti mit tomatensauce. in der sauce schwimmen paprika und etwas weißes, das wie angebratener tofu aussieht.
das objekt schwärmt, wie gut die sauce gelungen sei und haut die teller voll. der sohnemann beginnt sofort zu löffeln. nur paprika mag er nicht, die schiebt er unauffällig an den rand.

ich probiere erst die spaghetti, dann spieße ich was von dem weißen zeug auf und kaue es vorsichtig.
"na?" fragt das objekt. "wie findest dus?"
"soweit ganz lecker. aber was ist das denn, ist das tofu?"
"nee", sagt das objekt und kichert: "tofu, also das wirste bei mir nicht erleben, miss bio."
"was ist das denn dann?"
"wurst", sagt das objekt.

mir fällt die gabel aus der hand.
"das ist ja widerlich, du weißt doch, dass ich kein fleisch esse!" rufe ich entsetzt.
das objekt bleibt ganz ruhig.
"das weiß ich. aber das ist kein fleisch."
"das ist wurst!"
"ja, eben!"
das objekt schaut mich an wie eine kuh wenns donnert.
"heißt das, du magst keine wurst?"
der groschen ist gefallen.
"exakt."
das objekt verdreht die augen und zieht meinen teller zu sich heran.

der lütte hat das gespräch mit großen augen verfolgt.
"warum isst die kein fleisch?" fragt er den papa.
"sag bitte nicht 'die', sondern sag den namen", ist der papa streng. "und wenn du das wissen willst, musst du sie selber fragen."
der kleine wendet sich an mich und fragt schüchtern:
"duhu, warum magst du denn kein fleisch?"
schwierige frage. wie erklärt man das kindgerecht? ich überlege, dann setze ich an:
"naja, zunächst mal schmeckt es mir nicht. und dann, weil... fleisch, also das sind ja tote tiere. tiere, die von menschen umgebracht wurden. ich ess das nicht, weil ich auch nicht wollen würde, dass mich jemand aufschlitzt und umbringt und aufisst, wenn es genug gibt, was man auch so essen kann. das ist meine überzeugung."
der lütte nickt eifrig und fragt dann weiter:
"was ist überzeugung?"
"das sagt man, wenn man fest an was glaubt, es aber nur eine meinung ist."
der lütte ist verwirrt. ich muss ein beispiel bringen.
"also eine überzeugung ist zum beispiel, wenn du sagst, st. pauli ist toll. es gibt sicher ganz viel, was an st. pauli tatsächlich unheimlich toll ist, aber jemand anderes findet vielleicht trotzdem den hsv besser."
das war kein heldenhaftes beispiel, aber nunja, der kleine scheint zu begreifen und nickt.

dann essen wir zu ende. das objekt erbarmt sich meiner portion, ich esse nur spaghetti auf einem sauberen, neuen teller.
der lütte mampft nudeln, sauce und wurst weg, hat aber am ende alle paprika an den rand aussortiert.
der papa runzelt die stirn und blafft:
"was soll das denn jetzt?"
der kleine guckt betreten und verzieht in erwartung eines anschisses weinerlich das gesicht. sofort schlägt das objekt eine andere tonlage an und fragt ganz sanft:
"warum willst du denn die paprikastückchen nicht essen?"
der kleine legt die gabel zur seite und sagt dann ganz leise:
"weil, das ist ja totes gemüse dann. und das ist nicht toll, das ist meine überzeugung."

das objekt sieht mich an und sagt erstmal nichts. ich versuche das lachen zu unterdrücken, doch es gelingt mir nicht. dann steht das objekt auf und schlägt die stirn gegen die schlafzimmertür.
"hilfe! ich bin der einzige mensch ohne essstörung in diesem haushalt!" ruft es laut.
dann grinst es und nimmt erst den kleinen, dann mich in den arm:
"ihr macht das schon richtig. ihr seid eben freigeister."
"was ist freigeister?" fragt der kleine.
"menschen mit eigenen überzeugungen", sagen das objekt und ich wie aus einem mund.

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