Mittwoch, 4. Mai 2011
die welt in zwei sätzen
osama hat jetzt 72 jungfrauen und obama sein ansehen verloren.

ich möchte nicht erörtern, wer von beiden mehr im arsch ist.

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Sonntag, 1. Mai 2011
die nacht der ungefragten wahrheiten
gestern mit der drittefreundin in den mai getanzt. ich wiederhole mich ja nur ungern, aber mit 20-jährigen kann man als alte kuh mehr spaß haben als man denkt. ich sollte auf jeden fall lehrerin werden, ich könnte dann nämlich immer mit meinen abiturienten feiern gehen und mich gut unterhalten.

auf der hinfahrt erhielt ich von der drittefreundin ungefragterweise weitere objektnews. unter anderem erfuhr ich, warum mit der objektexfreundin schluss ist. ich selbst hatte ja ganz naiv vermutet, das objekt sei mit seinem notorischen fremdficken und lügen aufgeflogen oder ihr mit seinem ewigen drogenkonsum auf die nerven gefallen.

"neinnein", belehrte mich die drittefreundin eines besseren. "die objektexfreundin hat sich mit einem freund unterhalten und da hat das objekt total durchgedreht."
"moment mal", blinzelte ich irritiert. "das objekt vögelt vier oder fünf frauen gleichzeitig und lügt, dass sich die balken biegen - und die objektexfreundin darf sich nicht mit einem freund unterhalten?!"
dann erinnerte ich mich an meine gespräche mit dem objekterzfeind, dem architekten, und wie mich das objekt danach auch mit dem arsch nicht mehr anschaute. das objekt war durchaus zur eifersucht fähig, musste ich mir eingestehen.
jedenfalls, so die drittefreundin, sei das objekt nach dieser bösen angeblich-fremdflirt-aktion und einem wochenende, an dem die objektexfreundin berufsbedingt keine zeit hatte, losgefahren, habe der objektexfreundin ihre sachen vor die füße geworfen und schluss gemacht. neben dem fremdflirten lautete der zweite trennungsgrund, dass die objektfreundin unloyal sei, weil sie an dem wochenende keine zeit gehabt hatte. das dritte argument war zu meinem großen überraschen schlechter sex.

ich musste erstmal hyperventilieren. dass das objekt nicht alle tassen im schrank hatte, war ja nichts neues. ich war mir auch immer dessen bewusst gewesen, dass das objekt mir gegenüber, die ich im vergleich zu seinen anderen frauen mit sehr viel respekt behandelt wurde, nur die lightversion seiner gesammelten verrücktheit outete. dass es aber ein derartiges arschloch sein konnte, verblüffte mich.

"und was macht die objektexfreundin jetzt so? ich hab sie nie wieder gesehen. hat sie wenigstens rausgefunden, wie mies das objekt so ist?" fragte ich, unfreiwillig gespannt dem klatsch verfallen.
"nein", sagte die drittefreundin. "sie glaubt immer noch, das objekt sei eine liebe, treue seele und der fehler liege allein bei ihr. immer, wenn wir telefonieren, weint sie ganz schrecklich deswegen. ich hätte ihr ja zu gerne reinen wein eingeschenkt, aber dann hätte ich dich da auch noch mit reingezogen."
ich staunte immer noch mit offenem mund aus dem fenster der s-bahn.

im club schütteten wir uns erstmal einen caipi hinter die binde. der barkeeper spendierte uns noch zwei üble schnäpse. dann begann sich die welt zu drehen und ich stolperte nach links, direkt in die arme des architekten. wir unterhielten uns eine weile über ethische tapferkeit und den sinn des lebens, bevor ich die tanzfläche eroberte. das objekt war an diesem abend abwesend. allerdings waren gewisse mitglieder der objektboygroup inklusive k. anwesend.

auf der tanzfläche gesellte sich dann k. auch gleich wieder in meine nähe und guckte. ich guckte zurück und versuchte, dies sehr freundlich, sanft und unaufdringlich zu tun. es klappte. wir tanzten fünf oder sechs lieder und k. rückte immer näher. ich spürte meine nackenhaare vibrieren und dachte, jetzt jetzt jetzt, gleich sagt er was...

doch dann kam die drittefreundin mit dem dritten im schlepptau auf mich zu und k. entfernte sich schleunigst. ich sagte dem dritten hallo. der dritte als sturm-und-drängler war noch mit seinen kumpanen von der schwarzen front unterwegs gewesen und hatte ordentlich prügel bezogen.

nach kurzer ereignisschilderung rekurrierte das thema wieder auf das objekt. auch der dritte hatte in letzter zeit unschöne episoden mit dem objekt durchlebt. so hatte das objekt dem dritten zu ostern versprochen, mit ihm und der drittenfreundin zwei, drei tage wegzufahren. dritter und drittefreundin saßen daraufhin am karfreitag auf gepackten koffern, alles war vorbereitet - nur das objekt tauchte nicht auf und war auch telefonisch nicht erreichbar.
"am abend hab ich es dann mit seiner neuen tusse im club getroffen, total dicht. es konnte sich an nichts mehr erinnern", erzählte der dritte.
der dritte, nicht konfliktscheu, forcierte eine aussprache. das objekt war zerknirscht und entschuldigte sich.
doch damit nicht genug. wenige tage später musste das objekt frühschicht arbeiten und hatte glatt verpennt, dass der objektsohnemann bei ihm sein würde. also fragte er den dritten und die drittefreundin, ob sie an einem samstagmorgen um sieben bei ihm auf den lütten aufpassen würden. dritter und drittefreundin verzichteten also am freitag auf party, um ausgeschlafen beim objekt aufkreuzen zu können. kurz vor sieben klingelten sie an der tür und eine nackte frau öffnete ihnen. das objekt selbst schlief noch. während der dritte das objekt weckte, machte die drittefreundin die küche klar schiff.
"der ganze küchentisch war voller drogen und schnapsflaschen", berichtete sie noch immer entsetzt. "die haben die ganze nacht gekokst und gesoffen und gevögelt, während der kleine nebenan schlief."
wieder stand ich mit offenem mund da und konnte es nicht fassen.
"red doch du mal mit dem objekt", bettelte die drittefreundin. "auf deine meinung hört es doch! dich nimmt es wenigstens ernst!"
ich spürte ein nervöses flattern in der magengrube. sollte ich die ganze geschichte noch einmal aufrollen? jetzt, wo ich mich für die kontaktsperre entschieden hatte?
anderseits: kann man so viel fehlverhalten unkommentiert lassen? wenn ich die konfrontation wagte, musste ich allerdings die fronten wechseln. das objekt würde mir in diesem fall vermutlich genau dieselbe illoyalität vorwerfen wie der objektexfreundin.
"hm", sagte ich, "themawechsel bitte."

dritter und drittefreundin verabschiedeten sich kurze zeit später, da der dritte von den straßenkämpfen reichlich lädiert war und ins bett musste. schließlich sollte tagsdrauf wieder weitergefightet werden.
ich wünschte ihnen viel spaß und dem dritten viel glück und riet ihm, sich vor den tränengas-bewaffneten in acht zu nehmen. der dritte versprach, auf sich aufzupassen, dann zogen die beiden vondannen.

ich selbst blieb noch, bis die lichter angingen und tauschte weitere blicke mit k.
zum ende des abends versumpfte ich schließlich mit einem jungen musikus an der bar.
als ich den club verließ, war es halb sechs uhr morgens. ich schlurfte kraftlos und immer noch etwas angetrunken zum bus. im bus suchte ich mir ein ruhiges plätzchen ganz hinten.

zwei stationen später tippte mir jemand auf die schulter. es war das objekt, das auf dem weg zur frühschicht war. es guckte waschbärartig-restbekifft drein, pflanzte sich neben mich und kuschelte sich ungefragterweise an. als ich wegrutschen wollte, zog es mich an sich und hielt mich fest. soviel zum thema kontaktsperre.
"ich bin sooooo fertig", jammerte es.
"gekifft?"
"nein..."
klar.
"gefickt?"
"nein!"
naja. wer´s glaubt.
"du musst dein leben ändern", rutschte mir da heraus.
das objekt guckte mich mit einem male sehr wach an.
"wie meinste denn das jetzt?"
"naja, alles eben. du gehst gerade so richtig kaputt."
das objekt sah mich nachdenklich an.
"du erwischst immer meinen wunden punkt."
ich nahm meinen mut zusammen.
"ich finde, wir sollten da mal drüber reden."
"aber warum denn? ich mag meinen job."
das objekt merkte nicht, was ich meinte. nunja, vielleicht ein vorteil.
"ach, lass uns doch einfach mal treffen. du hast mir geholfen, jetzt kann ich dir vielleicht helfen. funktioniert allerdings nur, wenn du willst."
"ja, ich würde schon wollen..."
"gut."

dann hielt der bus vor der klinik. das objekt löste sich zögerlich aus meiner umarmung und gab mir einen kuss auf die wange.
"erinnere mich daran!" sagte es und meinte unser anstehendes gespräch.
ich seufzte. jetzt lagen wieder viele wochen der koordinierungsarbeit vor mir, um einen objektsohnemannfreien abend zu erwischen, an dem das objekt nicht allzu hackedicht war - was schon beinahe ein ding der unmöglichkeit war, besonders in letzter zeit. doch eine letzte chance würde ich der sache geben: dem objekt zuliebe, dem dritten und der drittefreudin zuliebe, mir selbst zuliebe und vielleicht auch ein wenig in namen der objektexfreundin.

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Samstag, 30. April 2011
364 objektive tage und (k)ein ende in sicht
das objekt war das produkt einer wilden tanz-in-den-mai-nacht und teil eines positivtrends in meinem leben im letzten jahr.

nach der langen schweigephase seinerseits habe ich gestern auf der rückfahrt in meine nördliche exilheimat festgestellt, dass das ewige auf und ab nicht spurlos an mir vorüberging. vor allem das "ab", welches da nun schon wieder vier wochen dauert. funkstille, bekifftes desinteresse. mit leichtem erstaunen bemerkte ich, dass ich geradezu stinksauer war.

schon am frühen abend überlegte ich, was ich tun sollte, wenn ich das objekt auf der anstehenden party treffe. große emotionale gesten im tonus von "du bist mir so wichtig und ich habe dich vermisst, geht´s dir denn auch gut?!" oder doch lieber smalltalk?
im grunde, bemerkte ich, war mir nach nichts von beiden. denn wenn ich ehrlich war, hatte ich weder ein positives gefühl noch lust auf blabla. egal, ich wollte tanzen, ich wollte spaß haben, ich wollte auf diese party fahren und mir nicht den kopf zerbrechen. vielleicht hatte ich ja auch glück und das objekt war immer noch in der sozialen versenkung.

natürlich hatte ich kein glück. das objekt war einer der ersten menschen, das ich vorne an der bar sichtete. ich nahm erstmal den anderen weg um das hintere ende der tanzfläche herum, wo ich dem dritten und der drittenfreundin in die arme lief. die beide waren schon lange nicht mehr unterwegs gewesen, weil sie um- und zusammengezogen waren, wie ich erfahren sollte. ich merkte, wie ehrlich ich mich freute, die beiden zu sehen. die drittefreundin fragte mich, ob ich mit ihr eine rauchen gehen wolle und ich schnallte, dass es offenbar redebedarf gab.

kaum dass wir saßen und ich der dritttenfreundin feuer gegeben hatte, legte sie auch schon los:
"sag mal... hast du heute schon mit dem objekt geredet?"
"nein", erwiderte ich. "vorhin war es im gespräch. außerdem haben wir gerade eh keinen kontakt."
"wie, ihr habt keinen kontakt? von ihm aus oder von dir aus?"
"er hat sich nicht mehr gemeldet, da war es mir irgendwann zu doof, noch nachzufragen."
"kann ich verstehen. mit uns hat es das auch gemacht. der dritte war jetzt auch eine zeitlang echt nicht gut auf das objekt zu sprechen. und neuerdings ist es ja auch noch immer mit dieser gräßlichen person unterwegs."
sie meinte die neue objektgespielin. die drittefreundin zog die nase kraus und schüttelte sich.
"hm", meinte ich, "ich kenne sie jetzt nicht wirklich. wir haben uns zweimal kurz unterhalten und das war recht nett."
"du WEIßT es noch gar nicht, oder??"
"nö, was soll ich denn wissen?"
"das objekt hatte schon letztes jahr was mit der! im winter, als er damals noch offiziell mit der objektfreundin zusammen war! und natürlich auch mit dir!"
"nunja, das wusste ich nicht, aber ich bin mir schon im klaren darüber, dass das objekt alles fickt, was ihm über den weg läuft."
"aber das ist ja längst nicht alles!"
und so erfuhr ich, dass die neue objektgespielin nicht ganz unschuldig am ende der großen liebe mit der objektfreundin war.
"das kleine miststück hat nämlich dem besten freund der objektfreundin gesteckt, dass sie was mit dem objekt am laufen hat. das ist so eine intrigante person... nimm dich bloß in acht vor der, die erzählt sonst auch irgendwelchen mist über dich!"

ich versuchte, die ungefragten informationen irgendwie zu ordnen und dabei das wegzulassen, was dem hang zu dramatischem klatsch und der mangelnden lebenserfahrung einer 20-jährigen geschuldet war. auch nach der informationsanalyse musste ich zugeben, dass mich das ergebnis nicht gerade begeisterte.

in diesem moment betrat das objekt zusammen mit dem dritten den raum. ich erstarrte auf meinem stuhl. nein, ich hatte kein bedürfnis, aufzuspringen und mich umarmen und knuddeln zu lassen.

das objekt starrte mich an und schien meine verhaltenheit zu spüren. es bedurfte eines ellenbogenstoßes des dritten, dass es sich auf mich zubewegte. ich blieb wie festgenagelt sitzen und bewegte mich nicht, während das objekt einen arm um mich schlang und meinen hals küsste. ich versuchte, nicht in wohlgeruch und der auf mich zuströmenden pheromonflut zu ertrinken und macht den rücken gerade, wodurch ich mich ein stück weit aus der umarmung wand.
das objekt stutzte, zog sich überrascht zurück und schaute mich verunsichert an. ich guckte verletzt - ich hoffte, nein, bitte nicht verletzt, aber für grimmig reichte es gerade nicht - zurück und drehte ihm dann den rücken zu. aus den augenwinkeln bemerkte ich, dass das objekt den raum verließ. der dritte kam auf mich zu, guckte wissend und nahm mich in den arm.
"ich werd ihn auch nie verstehen", flüsterte er mir ins ohr.
mit der drittenfreundin rechts und dem dritten links saß ich da und spürte unendliche dankbarkeit, dass diese beiden jungen menschen jetzt hier waren, menschen, die das objekt kannten und sich ebenfalls an ihm schon die zähne ausgebissen hatten.
"das objekt ist ja lieb und nett und alles, aber sonst ist es nicht weit mit ihm her", bilanzierte die drittefreundin altklug im o-ton einer großen schwester und ich musste ein wenig lachen.
"und die alte hab ich ja sowas von gefressen", grollte der dritte und meinte damit die neue objektgespielin. "echt, wie kann man nur so nen schlechten geschmack haben! nach all dem, was die mit der objektfreundin abgezogen hat!"
"aber es ist seine entscheidung", warf ich ein. "wenn das objekt ehrlich und aufrichtig wäre, hätten wir die ganzen probleme nicht."

wir beschlossen, eine runde tanzen zu gehen. als ich danach kurz alleine am rand der tanzfläche stand, kam das objekt wieder auf mich zu.
es sah mich ernst und nachdenklich an, setzte mehrmals zum sprechen an und sagte dann doch nichts. ich hielt die arme verschränkt, stemmte die beine in den boden und schaute stur geradeaus.
"ich frage mich..."
"was?!" blaffte ich zurück.
"... warum wir beide heute abend hier sind."
ich zuckte die achseln.
"ich weiß es auch nicht", sagte das objekt nach einer pause leise.
saublöde sprüche, lag mir auf zunge zu sagen, aber dann drehte mich um und ging.

im laufe des abends schlich das objekt noch einige mal fragend dreinschauend an mir vorbei. doch ich hielt eisern an mich ud switche zwischen dj-pult und dem jeweiligen standort des dritten und der drittenfreundin.
gegen fünf uhr morgens war ich müde und holte meine jacke. als das objekt meinen weg kreuzte, schaute ich nicht auf, sondern peilte geradewegs den ausgang an. am ausgang, wo man mich nicht mehr sehen konnte, wagte ich einen blick zurück. das objekt stand noch immer verdattert auf der treppe, doch es kam mir nicht nach.

draußen schwang ich mich auf mein fahrrad und versuchte mir einzureden, dass alles so ganz ausgezeichnet sei. ich hatte klare signale gesetzt und mich maximal denk-würdig verhalten. wenn dem objekt auch nur ein klein wenig an mir lag, musste es jetzt in die puschen kommen.
kurz, bevor ich zuhause ankam, plingte mein handy. es war die drittefreundin. sie fragte, ob wir morgen zusammen in den club gehen wollten. ich ahnte, dass sie fragte, weil sie wusste, wie hart die objektsituation gerade für mich war. ich antwortete ihr postwendend - und zum ersten mal, seitdem ich in hamburg lebte, hatte ich eine echte verabredung zum feiern. damit gibt es also doch einen grund, sich auf heute zu freuen.

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Samstag, 30. April 2011
a nice day for a white wedding
ich saß im zug und hab nichts mitbekommen. glück gehabt.

ich halte ja nix von ja-sagern.

aber gleichzeitig lasse ich mich unheimlich gern von meinen prinzipien abbringen. nicht von jedem. und auch nicht um jeden preis. aber grundsätzlich... ja.

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Donnerstag, 28. April 2011
madmorph
herr kid hat ja manchmal so lustige ideen. da kann man nicht einfach "gefällt mir" klicken, da muss frau mitmischen.

et voilà - ich nenne es "damenbild ohne (objektboy)gruppe". es symbolisiert die einsame suche in clubnächten, wenn das objekt mal wieder substanziell ausgeknockt/auswärts ficken ist. also den normalzustand. der lässt sich aber ganz gut in reizender begleitung eines alkoholischen getränks ertragen.



(http://www.amctv.com/madmenyourself/)

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sieben stunden zeitverschwendung oder vom versuch, sich zu verlieben
ich bin schrecklich schlecht im mich-verlieben. seit mich das objekt infiziert hat, sind alle beziehungsversuche nach spätestens einem monat gescheitert. dennoch bin ich eine naive volltrottelin, die die hoffnung nicht aufgibt. nachdem der mann vom bodensee nun täglich anrief und mehrfach um ein wiedersehen bat, solange ich noch in der nähe war, buchte ich kurzerhand einen teuren zug noch weiter richtung süden. der mann vom bodensee war begeistert und nahm sich gleich einen tag frei. er wünschte sich natürlich, dass ich uhrzeittechnisch möglichst früh käme, damit wir was vom tag haben würden. ich sträubte mich innerlich, schluckte aber das sträuben hinunter. na gut, wenn er sich schon extra frei nahm meinetwegen, wollen wir freundlicherweise auf den gesunden nachtschlaf verzichten und damit gleich die kompromissfähigkeit unter beweis stellen.
"ich ruf dich morgen früh dann noch mal an."
"wozu", fragte ich.
"damit du nicht verschläfst", meinte der bodenseeler mit schalk in der stimme.
als echter eulenmensch fand ich das keinen besonders gelungenen scherz, simulierte aber nichtsdestotrotz ein kichern. naja, humortechnisch mussten wir uns eben noch annähern.
"ich hol dich dann am bahnhof ab", sagte der mann vom bodensee.
"okay", meinte ich.

"und, meinst du, du verliebst dich", fragte mein papa am abend zuvor.
"ehrliche antwort? nein", meinte ich.
"aber warum denn nicht, lern den doch erstmal kennen!"
"er ist total sympathisch und sieht auch gut aus, hat nette ansichten, aber er lebt und denkt ganz anders als ich. und wenn ich mich recht erinnere, besitzt er nun mal leidergottes keine pheromone, die mich dazu bringen, in seiner gegenwart nur noch in schwänzen und muschis zu denken."
das war harter tobak für meinen papa:
"aber das ist es doch nicht, worauf es ankommt! es geht doch nicht nur um sex!"
"das sage ich ja auch nicht und ich muss es ja auch erstmal noch überprüfen. aber es sollte sich auch nicht so anfühlen wie der große bruder, verstehst du?"
verstand er nicht, aber die diskussion war damit vorerst beendet.

gestern ging es dann los. punkt neun klingelte mein handy. ich stand gerade unter der dusche.
"hallo, ich bin schon wach, ich dusche gerade", rief ich in den hörer, in der hoffnung, er möge auflegen und mich weiterduschen lassen.
aber nein. es gab den blubb zum morgen und dann auch noch den vom vorabend, weil wir da ja nicht telefoniert hatten. ich duschte dann trotzdem einfach weiter mit handy am ohr. endlich legte er auf und ich sprang in meine klamotten.

anschließend rannte ich zur s-bahn, dann fuhr ich weiter mit der regionalbahn. die stunden verstrichen langsam und mir war fad. zum glück war das wetter regenerisch, sodass die menschen stark verhüllt reisten und mich nicht mit ihrem gestank belästigten - so wie kürzlich ein junger mann in der u-bahn, dessen körpergeruchsintensität meine optische gestanksvorstellung, die ich aus seinem fettigen haar und dem versifften uralt-jogginganzug abzuleiten vermochte, noch mal um ein vielfaches sprengte.

ich tuckerte und tuckerte dahin, erwartungsfrei fröhlich, bis mein handy klingelte. es war der mann vom bodensee. ich dachte, oh, wahrscheinlich steht er im stau und will mir sagen, dass er sich verspätet.
"nein nein", dementierte er meine befürchtung, "ich wollte nur wissen, ob bei dir alles gut ist!"
ich überlegte, ob es einen anlass für einen ersten ehekrach gab, dann merkte ich, dass er wahrscheinlich nur wissen wollte, ob ich auch wirklich schon im zug sitze.
"alles gut", antwortete ich. "ich werde vermutlich ganz pünktlich ankommen."
"das wollte ich nur hören!"
mannmannmann, dachte ich. bin ich fünf jahre alt und schaffe es nicht, alleine zug zu fahren?

damit aber nicht genug. kurz, bevor ich am zielort ankam, rief er schon wieder an.
"was denn?" sagte ich etwas ungehalten.
"ich wollte nur wissen, ob du schon da bist."
"ja klar, ich habe meine tarnkappe aufgesetzt, stehe direkt hinter dir und beobachte dich, wie du dich suchend umschaust."
der mann vom bodensee fand meinen scherz nicht lustig. entweder hatte er nie das nibelungenlied und die aberwitzige szene der hochzeitsnacht mit brünhild, dem dicken versager-gunther und dem unsichtbaren siegfried erlebt, oder er mochte meinen zynisch-kritischen humor nicht.

egal, nun war ich schon da. ich stieg aus dem zug. mein verehrer trabte mir am bahnsteig entgegen und umarmte mich. vermutlich lag es an meinen halbhohen stiefeln, aber während der umarmung bemerkte ich, dass der mann vom bodensee eher etwas klein geraten war. da ich in der letzten zeit nur mehr oder minder breitschultrige 1,90m-typen um mich und in mir hatte, war das ein unangenehmer überraschungsmoment. hätte ich mal lieber flache schuhe angezogen, dachte ich, dann wären wir vielleicht gleich groß. dann fiel mir ein, dass das objekt immer sagte, dass große frauen in hohen schuhen das tollste auf der welt seien, weil das elegant und feminin aussieht. ich versuchte mich also elegant und feminin zu fühlen, mochte dabei aber irgendwie nicht an sex denken.

die zeichen standen denkbar schlecht. noch leicht genervt von den ständigen anrufen stiefelte ich an der seite meines kleingewachsenen verehrers durch die gassen. da es mittag war, wollte der mann essen gehen. ich, die ich wenn dann abends esse, beschloss, mich einfach mal anzupassen. am ort des geschehens gab es dann allerdings rotes curry, dass so scharf und lecker war, dass es meinen groll weitgehend betäubte. wir unterhielten uns eine weile ganz gut und ich musste schon wieder an das objekt denken, das, wenn es mich fütterte, immer sagte, dass es wichtig sei, den körper mit essen zu beschäftigen, damit sich der unruhegeist währenddessen ausruhen kann.

nachdem wir aufgegessen hatten, spazierten wir ein wenig herum. der ort war idyllisch, das gespräch wieder seicht und mir wurde langweilig. ich begann, bemerkungen über die kleinstadt, ihre sehenswürdigkeiten und die begrenzten kulturellen angebote zu machen, um zu signalisieren, dass ich gerne etwas erleben würde. wenigstens in ein museum gehen. oder eine kirche von innen angucken. mein verehrer war da allerdings weniger aufgeschlossen. kurze zeit später stellte sich dann auch noch heraus, dass er elektronische musik nicht mochte, so, wie er auch kein clubgänger oder freund von lesungen war. die möglichkeiten der gegenseitigen inspiration beschränkten sich immer weiter.

gegen fünf uhr, als wir wieder in einem café saßen, hatte ich das dringende bedürfnis zu verschwinden. ich brachte das schleppende gespräch vorsichtig auf das thema zeit und zugfahren. wir guckten nach einer verbindung. noch anderthalb stunden sollte ich warten müssen. ich wurde nervös. ich hetzte mit dem mann an meiner seite durch die wenigen straßen des ortes, um meine aggressionen abzubauen. insgeheim tat er mir ein wenig leid, aber aus mitleid würde ich mich schon dreimal nicht verlieben.

der abschied fiel entsprechend kühl aus. zum glück versuchte er nicht, mich zu küssen, sondern hatte wohl schon gespürt, dass hier nichts laufen würde. ich war unheimlich dankbar und flüchtete in das abteil meines zuges. ich war mir sehr sicher, dass wir uns nie wieder sehen würden. mehr als sieben stunden lebenszeitverschwendung wollte ich mir keinesfalls zumuten.

mein papa war enttäuscht. der mann vom bodensee hat nämlich einen guten job und ein auto. deshalb wäre er ein erwünschter schwiegersohn gewesen:
"und du meinst nicht, dass sich da noch was bei dir tut?"
"du meinst, dass ich noch mehr mörderische aggressionen entwickle?!"
da sah auch mein papa ein, dass es nichts bringen würde, mich weiter auf konfrontation mit dem unerträglichen zu schicken. als mörderin konnte ich mich schließlich nicht mehr fürs lehramt bewerben. womit dann auch die letzten hoffnungen, dass einmal etwas anständiges aus mir werden könnte, begraben werden müssten.

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