Donnerstag, 17. März 2011
daumenschraube
das job-gespräch war ganz gut heute. ich bin sprungbereit, ohja. übernächste woche weiß ich dann mehr. bitte bis dahin noch daumen drücken. danke. und danke fürs an-mich-denken heute.

ansonsten nicht viel. object out of reach. and all is full of japan.

einziger trost: ein apfel-zimt-muffin mit krokant.

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Sonntag, 13. März 2011
rivalen im revier
meine angst vor dem alles-fängt-wieder-von-vorne an wurde am gestrigen tag und abend als absolut realistisch bestätigt. ich hatte dem objekt noch eine sms geschrieben, die unbeantwortet blieb, wie so oft, wenn es stofflich ausgeknockt war. später ging ich dann noch in den club, wo wir einander über den weg liefen. offenbar hatte sich das objekt wieder berappelt und in einen ausgehfähigen zustand versetzt.

auf den ersten blick wirkte alles ganz normal. das objekt hatte eine flasche cola in der hand und lehnte lässig mit der schulter an einem pfeiler, was unglaublich sexy wirkte. dann sah es mich und lächelte, umarmte mich kurz, legte mir die hand auf die wange und meinte dann:
"komm doch mal mit, ich hab was für dich."
die glasigen augen verhießen nichts gutes.
im hinterzimmer zog das objekt einen fetten joint aus der tasche, zündete ihn an und gab ihn dann an mich weiter. schon nach dem ersten zug begann sich der raum zu deformieren und ich klammerte mich an den objektarm.
"oha."
"geil, hm?"
dann kam jemand vom personal auf uns zu und bedeutete uns, entweder zu verschwinden oder den joint wegzupacken.
"komm", sagte das objekt wieder und zerrte mich richtung klo. ungeachtet schräger blicke enterte es mit mir die damentoilette. in der hintersten kabine ließ es sich auf dem klodeckel nieder und machte da weiter, wo wir hatten aufhören müssen.
"warum sind wir nicht einfach raus gegangen?" fragte ich brav und blöde.
"ich lass mich doch nicht von so nem wichser vertreiben."
war das objekt dicht, entwickelte es hin und wieder im gegensatz zu seinem sonst sanftem charakter renitente und rebellische züge.
ich lehnte indes an der klotür und hatte das gefühl, mit ihr zu verschmelzen. dann hob das objekt den blick. wir sahen einander an, zwei dumme, derselbe gedanke, ich musste lachen und das objekt sagte:
"das ist unfair, glaubst du etwa, ich krieg in dem zustand noch einen hoch?!"
ich wartete noch ein weilchen und beschloss dann:
"ich geh mal besser wieder rein."
nach vier oder fünf zügen war mir ganz schwummrig geworden und ich fragte mich, ob das wirklich nur gras war. ich würde es ohnehin nicht erfahren, da war ich mir sicher, denn das objekt vertraute seinem dealer mehr als dem eigenen verstand und wenn der dealer sagte, is geil, das knallt, war das objekt sofort dabei.

an der bar holte ich mir einen saft und setzte mich dann auf die couch. zwei minuten später plumpste jemand neben mich. es war der architekt, ein äußerst angenehmer zeitgenosse, mit dem ich mich trotz dessen autismus sehr gut verstand.
das spannende ist, dass der architekt und das objekt sich spinnefeind sind. der architekt hatte dem objekt nämlich einst vor vielen jahren die kindsmutter ausgespannt und es auch noch geschafft, ein gutes verhältnis zum objektsohnemann aufzubauen. immer, wenn der architekt gerade da war und ich dem objekt eins auswischen wollte, unterhielt ich mich demonstrativ stundenlang mit dem feind. während dem objekt sonst vollkommen gleich war, mit wem ich knutschte oder dann auch später nach hause ging, reagierte es hier schon allein angesichts einer unterhaltung ausgesprochen empfindlich und ließ sich sogar zu bösen sprüchen hinreißen.

der architekt, der je nach müdigkeitsgrad große ähnlichkeit mit nick cave in dessen schlimmsten fixerjahren hat, sah heute zur abwechslung mal etwas erholter aus. ich fragte nach dem grund und erfuhr, dass der architekt jetzt auch endlich mal an sich dachte und in eigener sache kreativ wurde.
"ich hab mir ein grundstück angeschaut, das ich bebauen will."
430 qm grund und das häuschen, das darauf stehen sollte, hatte der architekt schon fest vor augen. er sprach mit begeisterung und als ich sagte, hey, klingt gut, war der architekt sehr überrascht.
"du wirkst eigentlich nicht wie jemand, der auf immobilien steht."
"ich wollte schon immer mal eigentum", erwiderte ich. "der punkt ist nur, ich hab nicht eben mal so 100 riesen auf der seite."
"naja, das wär dann auch mein part, oder?"
ich lauschte angestrengt. war das etwa ein angebot?
tatsächlich hatte sich der architekt gedanken gemacht, wie er sein zukünftiges leben verbringen wollte. und zwar mit frau, später vielleicht auch mal mit kindern, falls alles gut lief.
ich blickte den architekten von oben nach unten und von unten nach oben an und befand ihn als spontan alltagstauglich.
"dann müssten wir ja eigentlich auch heiraten, oder?" fragte der architekt.
ich kicherte dumm, wurde mir dann aber bewusst, dass die frage gar nicht mal unernst gemeint war. autistische menschen machen ja eher selten witze.
"war das jetzt zu offen?" fragte der architekt nach.
ich schüttelte den kopf und schluckte und versuchte vergeblich, die gedanken zu ordnen.
"naja, solange du nicht von mir erwartest, dass ich samstags im garten knie und möhrchen anpflanze..." witzelte ich.
"quatsch", meinte der architekt. "auf sowas hab ich auch keinen bock. wozu gibts denn gärtner?!"

im stadium emotionaler überforderung und immer noch etwas schwebend vom mörderstoff, den ich inhaliert hatte, bemerkte ich, wie sich das objekt mit einem freund gegenüber platzierte. es registrierte sofort, dass ich mich in vertraulicher unterhaltung mit dem architekten befand. es fixierte mich und grinste. dann flüsterte es mit seinem freund. der freund, den ich nicht leiden konnte und der mich ebenso scheiße fand, begann offensichtlich über den architekten und mich zu lästern.
anstatt dem ersten impuls zu folgen, aufzustehen und den raum zu verlassen, setzte ich eins drauf. ich rückte näher an den architekten heran, bis dieser mit deutlicher verlegenheit reagierte, allerdings nichts gegen mein näherkommen unternahm. da sieh du nur zu, dachte ich und lächelte das objekt frech an.

"lass uns doch einfach rausfahren", sagte der architekt dann.
"wiebitte?!"
"lass uns rausfahren, dann zeig ich dir alles."
"jetzt?!"
"ja klar."
"aber es ist dunkel!!" rief ich entsetzt.
"naja, das stimmt."
ich überlegte verzweifelt.
"lass uns das doch lieber morgen machen."
"das ist auch eine idee", fand der architekt. aber der architekt wirkte inzwischen, als hätte er auch prima gefunden, wenn ich vorgeschlagen hätte, mal eben brandbomben auf den bundestag zu werfen.

in diesem moment stürmte das objekt im mantel an uns vorbei.
"warte mal kurz", sagte ich zum architekten.
ich lief dem objekt nach draußen nach:
"sagst du mir jetzt nicht mal mehr tschüß?!"
"kannst du mir mal erklären, was du von diesem total versoffenen arschloch willst?!"
"aber das muss dich doch nicht interessieren."
das objekt sah mich an, irgendwo zwischen schmerz und hass und liebe, drehte sich dann um und ging.
auweiha. da hatte ich ja was angerichtet.

als ich mich umdrehte, um wieder nach drinnen zu gehen, stand der architekt hinter mir.
"soll ich dich nach hause bringen?"
das muss mann mir nicht zweimal anbieten. ich krabbelte auf den beifahrersitz des mercedes-oldtimers und lehnte mich entspannt zurück.
auf der fahrt erzählten wir einander anekdötchen aus unserer kindheit und warum wir so schräg wurden, wie wir nun offenbar eben sind.

am ziel angelangt nahm mich der architekt sehr lange sehr fest in die arme. ich überlegte, ob dies der zeitpunkt für einen kuss sei. ich entschied mich jedoch dagegen.
"ich hoffe, ich war heute abend nicht zu emotional", sagte der architekt.
"quatsch", erwiderte ich. "ich mag männer, die gefühle zeigen können, anstatt immer nur den macker zu markieren."
"da bin ich aber froh", sagte der architekt und sah mich liebevoll an. ich schaute zurück und spürte die tendenz, in die die ganze geschichte nun vermutlich münden würde.
"tschüß", sagte ich da und öffnete die tür. "und danke fürs bringen."

während der architekt schwungvoll die karre wendete, stöckelte ich auf meinen hohen absätzen die letzten meter bis zur haustür. ich war verwirrt. maximal verwirrt. ich stand zwischen den feindlichen linien und wusste, ich würde mich entscheiden müssen.

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Samstag, 12. März 2011
atomare und menschliche katastrophen
im anbetracht der zustände in japan muss ich an meine kindheit denken, als die radioaktive wolke von tschernobyl über süddeutschland zog und uns die kindergärtnerinnen hektisch aus dem sandkasten zerrten. als wir dann wochenlang nicht nach draußen durften.

ich lebte zu dieser zeit bei meiner oma. die wohnte in einem haus mit garten. in einem unbeobachteten moment büchste ich aus, wollte nachsehen, was passiert, was anders war als sonst. es hatte gerade geregnet und ich stand neben der garage, dort, wo die weintrauben wuchsen und ich starrte auf die tropfen, die über die blätter rollten. es wirkte sehr friedlich, aber ich spürte die bedrohung durch das nicht wahrnehmbare, das in der luft stand und alles durchdrang: laub, holz, blüten. haut, fleisch, knochen.

die katastrophe menschlicher natur in der letzten nacht kam ebenso unerwartet und mit voller wucht. ich hatte einen guten tag gehabt, mit der aussicht auf ein vorstellungsgespräch, als ich abends mit dem objekt telefonierte.
das objekt war ein wenig außer atem, da es sich gerade beim sport drei stunden lang ausgepowert hatte, nichtsdestoweniger aber fidel und voller pläne.
"lass uns doch morgen mal zum baumarkt und dann können wir sehen, was wir in deiner wohnung noch so machen."
nachdem ich dem objekt letzte woche diverse baustellen geschildert hatte, war es wieder ganz in seinem kreativen element.
"aber nicht zu früh", sagte ich. "vormittags sind da immer lauter familien und pärchen-gesocks, da krieg ich kotzkrämpfe."
da das objekt ebenfalls ein eigenbrötler und eulenmensch ist, einigten wir uns darauf, bis 12 uhr auszuschlafen und dann nochmal zu telefonieren.
"was machst du heute noch", frage ich dann.
"der dritte mann ist da, wir wollten ein bisschen ausgehen."
ich selbst, vollkommen erschöpft, hatte beschlossen, an diesem abend brav zuhause zu bleiben. ich wünschte den beiden viel spaß. anschließend guckte ich noch eine französische komödie, ganz nach meinem geschmack, bevor ich dann sehr zivilisiert gegen zwei ins bett fiel.

mitten in der nacht, das heißt, kurz nach sieben uhr morgens, klingelte mein handy. ich war zu tode erschrocken. im dämmerlicht angelte ich nach dem kleinen blauen ding, das mal wieder irgendwie unters bett geruscht war. dann ging ich ran.
am anderen ende der leitung war das objekt.

ich lauschte angestrengt. aus dem hörer drangen unzusammenhängende satzfetzen. zuerst dachte ich, die verbindung sei so mies, doch dann bemerkte ich, dass es kein technisches problem war.
grauenvolles ahnend saß ich kerzengerade im bett.
"was ist los?!"
das objekt schniefte.
"mir gehts so schlecht, ich bin gerade total scheiße draufgekommen... ich hab richtig angst vor mir selber gekriegt."
"wo ist denn der dritte?"
"der schläft. wir sind vorhin eben nach hause gekommen."
das objekt sprach sehr langsam, was mir verdächtig vorkam. das objekt redete nämlich häufig so, um sein lallen zu verbergen.

"du bist doch hackedicht, stimmts?"
das objekt schwieg, dann gab es zu:
"wir haben ein bisschen gefeiert, ja. ein bisschen zu sehr vielleicht."
ich überlegte so scharf wie es mir in meinem schläfrig-komatösen zustand möglich war:
"allein vom saufen kommt man aber doch nicht so scheiße drauf."
als das objekt wieder schwieg, reichte mir das im grunde schon zur gewissheit: es war rückfällig geworden.
"was hast du denn genommen?"
"wir haben so ein paar sachen gemischt..."
"was für sachen?"
"weiß ich nicht mehr..."
das glaubte ich ihm nicht, aber ich war mir bewusst, dass es in diesem zustand ohnehin nicht half, den finger noch tiefer in die wunde zu stecken. außerdem wusste ich ja, dass das objekt alles konsumierte, "was man rauchen kann". das schloss auch heroin nicht aus.

ich merkte, dass ich das objekt nicht mehr erreichen konnte. es saß fest in seinem selbstgebauten drogen-horror-film. die objekt-normalversion, die ich in den letzten zwei wochen kennengelernt hatte, zerschellte in mir.

"ich glaub, ich muss kotzen", nuschelte das objekt schließlich in den hörer.
"dann mach doch, dann wirst du wenigstens ein bisschen alk los."
"und wenn ich nicht kotzen kann?"
"steckst du dir eben den finger in den hals."
das objekt musste ein bisschen kichern.
"du bist so..."
"was?"
"manchmal glaub ich, du bist ein engel."
schön. das half jetzt enorm weiter.
"der engel muss jetzt weiterschlafen", erwiderte ich.
"dann... ja dann... schnuffel mal noch ein bisschen... tschüß..." flüsterte das objekt und legte auf. vermutlich hängte es sich gleich über die kloschüssel. ich hoffte, dass es danach ein wenig ruhe finden würde.

an weiterschlafen meinerseits war allerdings nicht zu denken. ich lag wach und starrte in die sonnenstrahlen, die sich zwischen den vorhangfalten hindurchschoben, und dachte: scheiße.
jetzt geht alles wieder von vorne los. das objekt ist und bleibt mein persönliches tschernobyl.

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Mittwoch, 9. März 2011
gesucht:
was: job
wann: ab sofort
als: theoretisch alles

dieser scheißladen, in dem ich gerade arbeite, wird pleite machen. das seh ich kommen.

hat nicht jemand gerade was für mich? eine festanstellung bei der süddeutschen oder so?

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Montag, 7. März 2011
bad eye day
bad hair day hammwa ja sowieso immer.

aber die augenringe sind inzwischen auf autoreifengröße angewachsen und besitzen ein gewicht, das die wimpern auf höhe der kniekehlen zwingt. auch im krümeligen vga-billomat-kameralook beeindruckend, wie ich finde.



wer bietet mehr?

kommen sie! machen sie mit beim großen bad-eye-contest! es ist ganz einfach:

- schlafen sie einige wochen lang weniger als vier stunden pro nacht!

- schieben sie für mindestens acht monate eine sieben-tage-60-stunden-woche für einen hungerlohn, in anbetracht dessen sie angesichts der lohndumpingdiskussionen bei altenpflegern nur laut lachen können!

- haben sie einen junkie-lover auf entzug, der sie zappeln und sabbern lässt und dessen engelsgleiche angeblich-freundin sie regelmäßig mit blicken tötet!

- legen sie sich chronische verspannungsschmerzen zu und nehmen sie täglich eine armada an opiaten dagegen!

- lassen sie sich von der gez aufspüren und inszenieren sie dann über monate hinweg konsequent ihren eigenen tod!

- haben sie ein burnout syndrom und keine zeit dafür!

aber vorsicht: nicht lachen. sonst kriegen sie auch noch krähenfüßchen.

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