Donnerstag, 2. Dezember 2010
ihr seid helden/wort zum donnerstag
ich sag nur: wiki!

sorry, dass auch ich mit presseklatsch und meiner bescheidenen meinung nerven muss.

aber: meine schadenfreude geht gen unendlich. unser meister verdacht, dass diese regierung eine schildbürgerversammlung ist, ist nun offiziell bestätigt. es geht so ein quäntchen wahrheit durch diese welt, in der journalisten in unterbesetzten redaktionsbüros nur noch verlogene pr-scheiße abtippen. oder eben jetzt cables auf wikileaks. auch, wenn mir persönlich das besser gefällt, es ist zumindest sehr lustig, auf bittere art und weise.

ich fordere hiermit politisches asyl für assange!

zu metzners lebensmotto "wer gackert, muss auch eier legen" kann ich nur sagen: der hahn kräht auf dem mist, er sagt, wie´s wetter ist, oder auch nicht. und: spatzi, wenn du eier legen willst, musste erst mal welche inner büx haben. haste aber nicht. denn so, wie du ausschaust, bügelt dir deine mutti die hemden.

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dufte sache kurz notiert
beim parfum "dolce" aus dem hause arme anni ist der name programm: kurz inhaliert führt es im gesamten sozialen umfeld zu nasaler diabetes.

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Dienstag, 30. November 2010
gimme shelter: bettler und millionäre
kurz, bevor sich die u-bahn-türen zischend schließen, quetscht er sich noch herein. er ist schätzungsweise 1,50 m klein, unrasiert, trägt eine vor schmutz starrende jacke und eine isomatte unter dem arm. er schiebt sich unter den achseln nordisch-blonder, 1,90 m großer, mürrischer anzugträger durch, bis er zu einer der stangen gelangt, an der er sich dann festhält und ruft:
"meine werten damen und herren, ich bitte sie einen moment um ihre aufmerksamkeit. ich bin obdachslos und wäre für eine kleine spende sehr dankbar, damit ich heute nicht bei minus elf grad draußen schlafen muss."
automatisch zücken wir alle unsere geldbörsen, so einer kleiner hässlicher gnom und so eine böse kälte, und das alles in zeiten von terrorjournalismus und zdf-sternstunden, wo man zweistellige beträge auf dubiose konten überweist, deren inhalt angeblich waisenkindern auf haiti zugute kommen soll, nein, das geht doch hier schließlich bloß um ein paar cent. nach ungefähr einer minute hat kleine mann so viele münzen in der linken hand, ja sogar ein fünf-euro-schein ist dabei, dass er die stange loslassen und die rechte auch noch aufhalten muss.

ich selbst halte schon einen euro bereit, zögere dann aber, als ich das kleine vermögen überschlage. ich schätze den verdienst des gnoms auf rund 20 euro. die hat er in dieser einen, naja, sagen wir mal zwei minuten, da die entfernung der beiden stationen, zwischen denen wir uns bewegen, etwas länger ist, gemacht. und dann beginne ich zu rechnen. kann es sein, dass ein penner im berufsverkehr theoretisch locker mehr als 100 euro in kürzester zeit machen kann? wenn er pro station in ein anderes abteil steigt und da, sagen mir mal, pech hat oder gerade kein berufsverkehr ist und er nur fünf euro macht, hat er trotzdem nach 20 stationen, maximal 40 minuten, einen grünen beisammen. bei einem normalen achtstündigen arbeitstag wären das 1.200 euro - und zwar netto. das ist mehr, als ich im ganzen monat verdiene.

mal weiter hochgerechnet: bei rund 22 arbeits-/betteltagen pro monat hätte er insgesamt 26.400 euro. davon muss der typ dann aber keine wohnung zahlen (er ist ja obdachlos) und auch keine sozialabgaben und versicherungen (er ist sicher ein sozialfall und wird als solcher vom staat gehandhabt). das heißt, er behält, ausgaben für essen und vergnügungen mal eingerechnet, 26.000 euro im monat über. weiter hochgerechnet heißt das: in etwas mehr als drei jahren ist der kerl millionär.

als ich bei diesem ergebnis angelangte, steckte ich meinen euro wieder ein und fragte mich: warum geh ich eigentlich arbeiten?!

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Sonntag, 28. November 2010
90 cm sind nicht genug
ich zähle zu den frauen, denen es tatsächlich auf die größe ankommt. dabei geht es natürlich eher um "passgenau" denn um "möglichst riesig".

relevanz besitzt die größe allerdings auch für die spielwiese. deshalb fiel anlässlich meines umzugs die entscheidung: es wird ein doppelbett. dann kann ich mich ausbreiten sowie auch künftigen subjekten und objekten einen schlafplatz bieten, anstatt sie in postkoitaler schläfrigkeit auf der straße auszusetzen.

sind das eigentlich schon erste anzeichen von nestbau-spießigkeit? oder liegt das einfach nur daran, dass ich dem objekt sei dank neuerdings auch nonsexuelle körperliche nähe wieder schätze?

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Mittwoch, 24. November 2010
bei uns uff arbeit wird och man jelacht
thema: winterschuhe vermarkten.
kollegin (schwärmerisch): "es gibt doch nichts schöneres als warme füße!"
icke (eingedenk des wochenendes und des letzten abends): "fast."
die kollegin guckt und guckt und grinst und fängt dann an zu lachen.
ich kichere mit. wir wissen schließlich beide, was ich gedacht habe, zumindest theoretisch, da ich ja privatleben im büro nur im sehr groben, nicht aber im detail ausbreite.

die kollegin lacht inzwischen tränen und versaut sich ihr ganzes make-up. dann fasst sie sich und schluchzt unter glucksern: "weißt du noch, als n. im september sagte, du sähst zur abwechselung mal richtig gut aus und nicht so krank wie sonst immer? und du dann sagtest, so derbe cool, jo, ich hatte ja auch eine gute nacht. da musste ich grad dran denken."
icke: "na so ungefähr verhält sich das ja auch."
kollegin, wieder haltlos wiehernd, während ihr der eisblaue kajal über die wangen läuft: "keine weiteren details, bitte!! ich werd neidisch."

solange die mich nicht feuern, werde ich da bleiben, hab ich heute beschlossen. diese stimmung tut mir definitiv gut.

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Mittwoch, 24. November 2010
die volle breitseite glück
vor einer stunde klingelte das telefon. es war schon wieder das objekt.
der grund der kontaktaufnahme war nicht besonders schmeichelhaft. das objekt schob kalten entzug:
"kann ich bittebitte dein schlaraffenland anzapfen?"
schon praktisch, wenn man als junkie eine schmerzpatientin kennt, deren hausapotheke aus sauberen und legalen produkten besteht - gekauft mit einem grundehrlichen rezept - für die sich andere auf dem schwarzmarkt die beine in den bauch stehen müssen.

20 minuten später klingelte es an meiner tür. das objekt, eigentlich der unpünktlichste mensch auf der welt, ist im wahrsten sinne des wortes immer sehr fix, wenn es darum geht, den affen auszubremsen.
ich gab ihm ein paar von meinen hammerpillen und wusste, es würde sich gleich auf dem absatz kehrt machen, eine ruhige ecke suchen und sich was einschmeißen. doch nein. es stand ganz ruhig in meiner wohnung und sah sich um.

"ich bin froh, wenn du hier raus bist."
"warum das denn? die wohnung ist okay. gut, die neue wird vergeichsweise genial, aber das hier war eben mein wartezimmer zum paradies."
"da sind überall böse geister, die dich runterziehen."
"ja, klar", lachte ich. das objekt war ein echter spökengucker und glaubte noch viel mehr als ich an zeichen des schicksals und bedeutungsvolle zufälle.
"hör auf", fauchte das objekt da, "ich weiß, dass es dir nicht wirklich gut geht."
"es ging mir schon schlechter."
das objekt sah mich zweifelnd an:
"versprichst du mir was?"
"was denn?"
"dass du dir für deine neue wohnung wenigstens eine blume kaufst. und vielleicht ein paar bilder."
"meine wände bleiben weiß."
"ja, gut, aber dann eine blume, bitte. du brauchst ein bisschen leben um dich."
"okay. was für eine?"
"eine, die zu dir passt."
"kaktus, wa?!"
das objekt packte meinen nacken und gab mir einen kuss auf die stirn.
"wenn dann ne königin der nacht."
soviel romantik war ich nicht gewohnt. aber was dann kam, haute mich schlichtweg aus den latschen.

das objekt kramte in seiner tasche und zog einen schein aus dem portemonnaie.
"ich nehm kein geld dafür. die scheißpillen zahlt mir die krankenkasse, wenn ich schon keine sinnvolle therapie kriege", sagte ich.
achtung, und jetzt kam es.
"gut", sagte das objekt und packte seine mäuse wieder ein. "dann lass uns die kohle anderweitig auf den kopf hauen. lass uns mal wegfahren. wir nehmen uns ein haus am see und machen uns eine schöne zeit zu zweit."

ich träume, dachte ich, gleich wache ich auf und bin traurig, weil das nicht wirklich ist. aber das objekt stand in seiner vollen pracht vor mir und löste sich auch beim heftigsten blinzeln nicht in luft auf. es lachte auch nicht, haha, scherz, ich weiß doch, du stehst gar nicht auf so nen romantischen scheiß und du willst ja auch keine beziehung. nein, es hatte es offenbar tatsächlich ernst gemeint. und das auch noch nüchtern.

ich musste unkontrolliert grinsen und kriegte wacklige knie und kein wort raus. wir hatten noch nie mehr als 12 stunden am stück miteinander verbracht und diese dann auch ziemlich ausschließlich besoffen und breit im club und anschließend im bett.

der november wird magisch, habe ich am 1. des monats forsch behauptet. doch vielleicht geht der traum noch weiter als der zauber wirkt?

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worte, worte, nichts als worte
und doch viel mehr.

gestern haben l´object et moi noch sehr lange über unsere seltsame liebe gesprochen. denn um nichts anderes handelt es sich wohl, darin gehen unsere ansichten nicht viel auseinander.
man kann nach diesem gespräch auch nicht von der hand weisen, dass wir beide ziemlich gestörte existenzen sind und niemals eine klassische partnerschaft führen werden. aber dadurch, dass wir uns dessen bewusst sind und weltanschauung sowie aktuelle gefühlslagen inzwischen auch dem jeweils anderen angstfrei und recht unmittelbar mitteilen können, hat unsere merkwürdige beziehung noch einmal neue qualität bekommen, um es mal mit den objektworten auszudrücken.

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