Mittwoch, 24. November 2010
bei uns uff arbeit wird och man jelacht
thema: winterschuhe vermarkten.
kollegin (schwärmerisch): "es gibt doch nichts schöneres als warme füße!"
icke (eingedenk des wochenendes und des letzten abends): "fast."
die kollegin guckt und guckt und grinst und fängt dann an zu lachen.
ich kichere mit. wir wissen schließlich beide, was ich gedacht habe, zumindest theoretisch, da ich ja privatleben im büro nur im sehr groben, nicht aber im detail ausbreite.

die kollegin lacht inzwischen tränen und versaut sich ihr ganzes make-up. dann fasst sie sich und schluchzt unter glucksern: "weißt du noch, als n. im september sagte, du sähst zur abwechselung mal richtig gut aus und nicht so krank wie sonst immer? und du dann sagtest, so derbe cool, jo, ich hatte ja auch eine gute nacht. da musste ich grad dran denken."
icke: "na so ungefähr verhält sich das ja auch."
kollegin, wieder haltlos wiehernd, während ihr der eisblaue kajal über die wangen läuft: "keine weiteren details, bitte!! ich werd neidisch."

solange die mich nicht feuern, werde ich da bleiben, hab ich heute beschlossen. diese stimmung tut mir definitiv gut.

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Mittwoch, 24. November 2010
die volle breitseite glück
vor einer stunde klingelte das telefon. es war schon wieder das objekt.
der grund der kontaktaufnahme war nicht besonders schmeichelhaft. das objekt schob kalten entzug:
"kann ich bittebitte dein schlaraffenland anzapfen?"
schon praktisch, wenn man als junkie eine schmerzpatientin kennt, deren hausapotheke aus sauberen und legalen produkten besteht - gekauft mit einem grundehrlichen rezept - für die sich andere auf dem schwarzmarkt die beine in den bauch stehen müssen.

20 minuten später klingelte es an meiner tür. das objekt, eigentlich der unpünktlichste mensch auf der welt, ist im wahrsten sinne des wortes immer sehr fix, wenn es darum geht, den affen auszubremsen.
ich gab ihm ein paar von meinen hammerpillen und wusste, es würde sich gleich auf dem absatz kehrt machen, eine ruhige ecke suchen und sich was einschmeißen. doch nein. es stand ganz ruhig in meiner wohnung und sah sich um.

"ich bin froh, wenn du hier raus bist."
"warum das denn? die wohnung ist okay. gut, die neue wird vergeichsweise genial, aber das hier war eben mein wartezimmer zum paradies."
"da sind überall böse geister, die dich runterziehen."
"ja, klar", lachte ich. das objekt war ein echter spökengucker und glaubte noch viel mehr als ich an zeichen des schicksals und bedeutungsvolle zufälle.
"hör auf", fauchte das objekt da, "ich weiß, dass es dir nicht wirklich gut geht."
"es ging mir schon schlechter."
das objekt sah mich zweifelnd an:
"versprichst du mir was?"
"was denn?"
"dass du dir für deine neue wohnung wenigstens eine blume kaufst. und vielleicht ein paar bilder."
"meine wände bleiben weiß."
"ja, gut, aber dann eine blume, bitte. du brauchst ein bisschen leben um dich."
"okay. was für eine?"
"eine, die zu dir passt."
"kaktus, wa?!"
das objekt packte meinen nacken und gab mir einen kuss auf die stirn.
"wenn dann ne königin der nacht."
soviel romantik war ich nicht gewohnt. aber was dann kam, haute mich schlichtweg aus den latschen.

das objekt kramte in seiner tasche und zog einen schein aus dem portemonnaie.
"ich nehm kein geld dafür. die scheißpillen zahlt mir die krankenkasse, wenn ich schon keine sinnvolle therapie kriege", sagte ich.
achtung, und jetzt kam es.
"gut", sagte das objekt und packte seine mäuse wieder ein. "dann lass uns die kohle anderweitig auf den kopf hauen. lass uns mal wegfahren. wir nehmen uns ein haus am see und machen uns eine schöne zeit zu zweit."

ich träume, dachte ich, gleich wache ich auf und bin traurig, weil das nicht wirklich ist. aber das objekt stand in seiner vollen pracht vor mir und löste sich auch beim heftigsten blinzeln nicht in luft auf. es lachte auch nicht, haha, scherz, ich weiß doch, du stehst gar nicht auf so nen romantischen scheiß und du willst ja auch keine beziehung. nein, es hatte es offenbar tatsächlich ernst gemeint. und das auch noch nüchtern.

ich musste unkontrolliert grinsen und kriegte wacklige knie und kein wort raus. wir hatten noch nie mehr als 12 stunden am stück miteinander verbracht und diese dann auch ziemlich ausschließlich besoffen und breit im club und anschließend im bett.

der november wird magisch, habe ich am 1. des monats forsch behauptet. doch vielleicht geht der traum noch weiter als der zauber wirkt?

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worte, worte, nichts als worte
und doch viel mehr.

gestern haben l´object et moi noch sehr lange über unsere seltsame liebe gesprochen. denn um nichts anderes handelt es sich wohl, darin gehen unsere ansichten nicht viel auseinander.
man kann nach diesem gespräch auch nicht von der hand weisen, dass wir beide ziemlich gestörte existenzen sind und niemals eine klassische partnerschaft führen werden. aber dadurch, dass wir uns dessen bewusst sind und weltanschauung sowie aktuelle gefühlslagen inzwischen auch dem jeweils anderen angstfrei und recht unmittelbar mitteilen können, hat unsere merkwürdige beziehung noch einmal neue qualität bekommen, um es mal mit den objektworten auszudrücken.

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Sonntag, 21. November 2010
mi casa es tu casa II
nein, nicht, was sie jetzt denken - mein nachbar hat die letzte nacht brav im eigenen bett verbracht.

vielmehr verweilte ich die nacht, respektive den morgen/den tag mal wieder beim objekt. schon im club war es ungewöhnlich touchy, hielt mich im arm und strahlte völlig stoned durch die gegend. da die konkurrenz nicht anwesend war, landete ich 100 punkte und wenig später in den roten laken. dort einigten wir uns auf einen quickie, weil das objekt heute arbeiten musste. nach der nummer kroch es auch gleich in meine arme und schlief eine minute später ein.

ich selbst lag noch eine weile wach und vergrub die nase im kupferfarbenen objekt-haarschopf, genoss duft, wärme und nähe. dann passierte etwas seltsames: das objekt begann leise zu schnorcheln, dann richtig zu schnarchen. das machte es normalerweise nie. ich drehte vorsichtig seinen kopf, damit es besser luft bekam. das half kurzfristig, danach wurde es wieder schlimmer. schließlich begann das objekt nach luft zu ringen, als stünde es kurz vorm ersticken. ich schubste es zweimal vorsichtig. keine reaktion. dann setzte die atmung ganz aus. ich packte das objekt an den schultern und schüttelte es. endlich atmete es aus, wachte aber nicht auf.
ich war stark beunruhigt. ich fragte mich, welche drogen das objekt wohl genommen haben könnte. im bad fand ich nichts verdächtiges. in der küche stand eine leere flasche wein und eine knapp halbvolle wodkaflasche. im club hatte sich das objekt zudem bestimmt noch mal sieben oder acht kurze und diverse biere hinter die binde gekippt. vielleicht reichte so viel alkohol für eine beeinträchtigung der herz-lungen-funktion?
ich ging wieder ins bett. da hatte das objekt mit dem nächsten erstickungsanfall zu kämpfen. ich schüttelte es wieder. das objekt begann zu murmeln und laut zu stöhnen. ich hielt seinen kopf und rief seinen namen. da endlich schlug es die augen auf. ich war erleichtert wie schon lange nicht mehr:
"sag mal, träumst du oder leidest du an schlaf-apnoe?"
"warum fragst du?"
"du bist eben fast erstickt."
"ich habe was komisches geträumt, ja, aber das war kein alptraum."
"was war es denn dann?"
"ich kann mich nicht mehr an alles erinnern. es endete aber damit, dass ich wieder klein war und meine mutter mich zum essen rief."
"das ist ja entsetzlich schrecklich", sagte ich sarkastisch.
"ja, das ist es. ich durfte bis zu meinem 18. lebenjahr kein fleisch essen."
"warum das denn?"
"meine eltern haben mich streng vegetarisch erzogen."
ich hatte keine ahnung, was ich dazu sagen sollte. schließlich kannte ich die objekt-eltern nicht und wusste nur, dass sich das objekt nicht mit seinem vater versteht.
"weißt du, worauf ich jetzt bock hätte?" kicherte das objekt.
"wodka?" riet ich.
"falsch."
"ficken?"
"nee, auch nich."
"was dann?"
"ich hätte jetzt gern ein riesiges schnitzel."
ich trat unter der decke nach dem objekt.
"nich hauen", murmelte das objekt, zog mich wieder an sich und vergrub den kopf an meinem hals. kurz darauf schlief es wieder ein, träumte offenbar weiter, redete im schlaf und schlug um sich, atmete aber wieder normal.

als mittags der wecker klingelte, hatten wir sagenhafte vier stunden geschlafen, inklusive der alarm-unterbrechung wegen erstickungsgefahr. das objekt schlug nach dem wecker, der unter das bett fiel, und schlief weiter. ich fischte den wecker wieder hervor und aktivierte die schlummerfunktion. beim zweiten klingeln erlangte das objekt dann anzeichen von bewusstsein. es drehte sich zu mir. wir wünschten einander nabelabwärts einen guten morgen. dann sank das objekt verschwitzt nieder.
"scheiße, ich glaub, ich bin immer noch stoned."
"was hast du denn genommen?"
"ich habe gestern abend mit meinem nachbarn gekifft."
"aber das ist doch jetzt nichts außergewöhnliches für dich."
"naja, ich hatte zuvor schon auf arbeit gekifft", kicherte das objekt. "und am freitagabend habe ich so viel getrunken, dass ich nicht mehr radfahren konnte."
"irgendwann schmeißen die dich raus", warnte ich.
"die haben gestern schon gesagt, wenn du heute abend wieder feiern gehst und morgen zu spät kommst, gibts ärger", grinste das objekt.
"dann steh mal besser auf."
"wie spät ist es denn?"
entsetzt starrten wir auf den wecker: es war 12.57 uhr.
"fuck", rief das objekt. "ich muss in drei minuten auf station sein!"
in windeseile sprang das objekt in die nächstbesten klamotten, die über dem sessel hingen.
"willst du SO gehen?" fragte ich. das objekt sah an sich hinunter. es trug die sexy schwarze hose mit den zwei reißverschlüssen an der entscheidenden stelle sowie sein einärmeliges, transparentes hemd vom vorabend. es sah aus wie die inkarnation eines feuchten traums.
das objekt hatte ein einsehen und kramte im klamottenhaufen. schließlich fand es einen pulli und zog ihn über.
"besser?"
"definitiv. sonst fallen die patienten am ende noch über dich her", grinste ich.
"jetzt muss ich aber los", sagte das objekt und gab mir einen kuss. "schlaf schön weiter!" dann rauschte es die treppen hinunter.

zwei minuten später stürmte es schon wieder in die wohnung.
"fuck", rief es. "ich hab total vergessen, dass in drei stunden meine ex mit meinem sohn vorbeikommt."
"was will die denn hier?"
"die liefert ihn bloß hier ab."
"ja und?"
das objekt sah mich flehentlich an.
"kannst du mir bitte helfen? die wohnung muss halbwegs ordentlich aussehen, sonst macht mir meine ex die hölle heiß. und der kleine soll sich ja auch ein bisschen wohlfühlen, wenn er schon auf mich warten muss."
"geht klar."
das objekt drückte mich und rannte wieder nach draußen.

"halbwegs ordentlich" ist eine vage zustandsbeschreibung, bei der das objekt und ich definitiv unsere differenzen haben. das objekt ist ein eifriger wäschewascher (trägt alle klamotten nur einmal) und ein sensationeller koch, kommt aber mit putzen und aufräumen weniger gut klar. ich selbst erfreue mich an imbissgerichten und kalter küche, lebe aber "total steril", wie es das objekt nennt. das heißt: bei mir wird einmal wöchentlich großreine gemacht und der große klamottenhaufen über dem stuhl auf einen winzig kleinen reduziert. als ich die objektküche betrat, merkte ich, dass sich unsere differzen perfekt ergänzten. der objekt-kühlschrank quoll förmlich über. der kleine würde niemals hungern müssen. neben dem herd standen benutzte schüsseln und töpfe. das objekt hatte, wie ich aus dem eingetrockneten inhalt sowie informationen aus der vergangenheit erschloss, in den letzten tagen quarkknödel mit apfelkompott sowie vanille-pfannkuchen gemacht. dafür geb es nun berge schmutzigen geschirrs. im regal stand kein einziges sauberes glas mehr. also zuerst geschirr spülen. dann fegte ich die küche (ein großer haufen asche plus frühstücksflocken plus fusseln) und machte das objektbett. danach war das piratenzimmer des lütten an der reihe. dort trockneten zwei ständer voller wäsche und nahmen jeglichen spielraum für den sohnemann ein. ich legte die wäsche zusammen und entfernte die wäscheständer. danach machte ich das kinderbett, legte die pixie-büchlein auf einen ordentlichen stapel und räumte zehn kilogramm bauklötze auf einen haufen.
nun war es noch wichtig, alkohol und drogen außer reichweite der kinderhände zu bringen. ich fand unter dem objekt-bett und in der küche insgesamt drei leere und eine halbvolle wodkaflasche, bacardi, jägermeister, korn, tequila sowie unzählige leere weinflaschen und bierdosen. die drogen lagerte ich im verschließbaren badezimmerschrank.
nach über einer stunde lag ich in den letzten zügen der aufräumaktion, wischte noch einmal die flächen, goss die (abgefackelte) topfpflanze und platzierte sie dekorativ in der mitte des küchentischs.
danach machte ich, dass ich nach hause kam. konversation mit der ex musste nicht sein, schon gar nicht mit augenringen bis nach meppen. ich wünschte dem sohnemann für mich viel spaß in der sturmfreien bude, dachte beruhigt an den vollen kühlschrank und mit liebe an das objekt und seinen herrlichen hang zum rettungslosen chaos.

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Samstag, 20. November 2010
herbergsmutti
männerbesuch mal anders.
gestern nacht gegen halb vier saß ich noch vorm rechner und tippte ein mail. plötzlich klopfte es an mein fenster. ich erschrak mich fürchterlich. doch dann siegte die neugier und ich guckte raus. draußen stand mein netter nachbar aus dem vierten stock.
wie sich herausstellte, hatte er betriebsfeier gehabt, im rahmen derer was getrunken und dann seine schlüssel im büro vergessen. sein anliegen war so einfach wie bestürzend:
"kann ich bei dir pennen?"
"äh... ähem..." bei mir war gerade nicht besonders aufgeräumt. das war mir verdammt unangenehm. und auch wenn ich meinen nachbar mochte und er mir einst mit meinem fahrrad geholfen hatte: ich kannte ihn nicht näher - und das verursachte mir spontanes unbehagen. ich grübelte.
"hast du es mal mit dem schlüsseldienst versucht?"
gemeinsam eroierten wir die nummer eines schlüsseldienstes hier in der nähe.
"was mag das wohl kosten", fragte mich mein nachbar.
"keine ahnung, nen fuffi wirste schon rechnen müssen."
"SO teuer?!"
mein nachbar war nicht arm, aber eben auch nicht krösos.
"frag die doch einfach."
ich reichte meinem nachbar mein telefon. zwei minuten später stand er mit schreckgeweiteten augen wieder vor mir: "die wollen HUNDERTZWANZIG tacken plus mehrwertsteuer von mir!"
"das sind rund 150 euro. alter, denen gehts ja wohl nicht."
wir standen blöd im flur. dann raffte ich meine nächstenliebe zusammen und seufzte: "na dann mal reinspaziert. mi casa e tu casa oder so." ich öffnete die türen ins morphine-schmuddel-reich. dann bezog ich meinem nachbar die besuchermatratze und gab ihm ein sauberes handtuch.
"ich hoffe, ich schnarche nicht", sagte er.
"das will ich dir auch geraten haben."
er kuschelte sich in das frisch gemachte bett.
"hmmmmm... das riecht so gut."
"frisch gewaschene bettwäsche halt."
"toll, bei mir riecht die nie so gut."
inzwischen war es halb fünf, sagte mein handy.
"na dann mal gute nacht."
ich knipste das licht aus.
"duhu?" sagte mein nachbar.
"was denn?" murmelte ich schläfrig.
"sollen wir noch nen film auf deinem laptop gucken?"
"JETZT?!" rief ich schrill.
"na gut", besänfigte mich mein nachbar. "dann schlafen wir jetzt.

wie immer, wenn fremde personen bei mir übernachten, mache ich kein auge zu. ich stellte angenehm überrascht fest, dass mein nachbar tatsächlich nicht schnarchte.
heute morgen wachte ich schwer gerädert auf, während mein nachbar schon durch die wohnung jumpte.
"ich werd mal losziehen und nen kollegen rausklingeln, der mich dann ins büro lässt", verkündete er.
"mach das", erwiderte ich matt.
"tausend dank nochmal, ich hätte jetzt sonst echt nicht gewusst, wohin."
"de nada."
"hab ein schönes wochenende!"
und wrumms, fiel die tür ins schloss.
ich hingegen blieb noch eine weile im bett, um mich von der merkwürdigen nacht zu erholen.

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Freitag, 19. November 2010
schwofen
with the head in the clouds and the ass on the ground.




und nirgendwo kann man heute richtig tanzen gehen. scheißstadt, sometimes.

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