Dienstag, 3. August 2010
trotz dem

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Sonntag, 1. August 2010
a question of trust
mein leben ist voller touristen. sie kommen, gaffen, vergnügen sich und reisen wieder ab. ich versuche, mit dieser flüchtigkeit zu leben, fühle mich selbst jeder verpflichtung entbunden, gaffe, vergnüge mich, fahre wieder weg. hin und wieder ein souvenir, das war es dann.

vertrauen hingegen ist rar. ich hab nicht viel davon. ich haushalte streng damit. die letzten jahre haben mich gelehrt: es lohnt sich meist nicht. vertrauen wird gern genommen und zum dank dafür gibt es ohnehin bloß schwache sprüche wie: "oooohhh, du bist so ein toller lieber mensch (ich hab dich gar nicht verdient)!"

es kostet mich inzwischen viel kraft und überwindung, jemandem zu vertrauen. aber hin und wieder tue ich es. ich hab schließlich menschenkenntnis, denk ich mir. doch ein zufall offenbart es dann wieder: lüge und betrug. inzwischen bin ich selbst lieber ein teil des spiels, indem ich zusammen mit anderen dritte betrüge. man ist aus erfahrung klug geworden: nie wieder opfer sein, immer täter. das ist fein, weil man außen vor bleibt, außerhalb der schusslinie, wahlweise am abzug. zero emotion, keine verwicklungen.

schwierig wird es allerdings, wenn man an menschen gerät, bei denen man als mitbetrüger selbst betrogen wird, indem sie einem vorgaukeln, es gäbe gar keinen betrug. anfangs ist man noch auf der hut, gesundes misstrauen. man spielt seine rolle und man meint, die rolle des anderen zu kennen. doch dann beginnt der mikrokosmos zu verschwimmen. das schleichende warme gefühl im bauch, weil jemand in der lage ist, die standardsprüche mal anders zu verpacken. weil dich dieser jemand in seine welt schauen lässt oder das, was er vorgibt, dass es seine welt sei. und plötzlich stellst du fest: du magst die oder den ja bzw. das, was sie oder er von sich zu erkennen gibt/vorspielt. und dann beginnt das große grübeln: würde es eventuell nicht schaden, in diesem fall besagtes kostbares vertrauen zu investieren? würde einem nicht etwas entgehen, wenn man es nicht täte? die tiefe, die substanz der dinge, authentizität? und überhaupt: was, wenn die oder der andere dir vertraut und dabei bemerkt, dass du es nicht tust? wäre sie oder er dann nicht zu recht enttäuscht?

sich fallen lassen. sich mal gut tun lassen. nicht strategisch denken, sondern einfach fühlen, mitgehen, mitmachen. irgendwo in dir poppt dieses merkwürdige bedürfnis auf wie ein werbefenster. und obwohl du weißt, dass bedürfnisse nicht gerade en vogue sind, denn man soll ja gefälligt selber tun und nichts fordern, wirst du irgendwann müde, es immer wegzuklicken. lässt dich stattdessen einlullen. und ehe du dich versiehst, hast du schon ein stück vertrauen verschenkt, das du nie wieder siehst. das ist weg für immer. der andere hat es konsumiert und weil du merkst, wie er sich freut, wie du ihm gut tust, gibst du gleich noch etwas hinterher. so beginnt der automatismus des verlustes. du siehst es noch schwinden, denkst dir, was für eine verschwendung, kannst aber nicht mehr zurück. drogenabhängigkeit funktioniert ähnlich.

bis dann unweigerlich der große moment der wahrheit kommt, in dem die illusion zerschellt. meist ist wieder mal zufall, der dinge ans licht bringt, ein betrunken dahergesagter satz, der unbefangene vierte. dann weinst du. du weinst nicht dem nach, was du nie bekommen hast, sondern dem, was du tatsächlich verloren hast: dein vertrauen. und dein vertrauen in das vertrauen.

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Sonntag, 25. Juli 2010
bube, dame und sonst niemand
pokern war fein. beide haben gegeneinander verloren. mein oxytocinspiegel jubiliert. seiner vermutlich auch.

sätze, die frauen hören wollen:
mann, jenseits der übermüdung: "ich kann nicht mehr, aber ich will noch mal!"

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Freitag, 23. Juli 2010
alles auf eine karte
nachdem meine pheromonrezeptoren im objekt der begierde ihren überoptimalen reiz gefunden haben, schlägt mein oxytocinspiegel seit einigen wochen wilde wellen. die gefühlslage wechselt zwischen schöner, purer geilheit und schmerzvoll-verwirrendem sehnen, das mir tags die worte hinter die zunge verbannt und nachts die zehen ins laken krampft. die emotionen sind in ihrer intensität drastisch, gemessen daran, dass der überoptimale reiz trotz allem ein recht unverbindlicher ist.

den oxytocinspiegel wieder zu senken ist eine schwierige angelegenheit. letztes wochenende fasste ich mir ein herz und einen mann, der mein parfum mochte und verbrachte die nacht in ottensen. während wir unsere sexuelle geladenheit aneinander abzureagieren versuchten, gingen meine gedanken immer wieder auf wanderschaft. irgendwann in den frühen morgenstunden schließlich begann der mann im fremden bett zu lachen und gestand mir, dass er eigentlich immer noch sehr verliebt in seine ex sei. ich prustete los und erzählte frank und frei, dass meine extase ebenfalls gerade ausgesprochen persongebunden sei und das experiment damit vermutlich gescheitert. auf diese art und weise endete die nacht sehr lustig und nett, aber nichtsdestoweniger blieb unser problem ungelöst.

ich strapazierte meine freundinnen und schilderte ihnen pro und contra am objekt und mögliche optionen für - ja wofür eigentlich? dabei stellte ich fest, dass frauen eben frauen sind. "red doch einfach mal mit ihm", rieten sie mir. "sag ihm doch, was du empfindest."
"ich weiß ja gar nicht, was das eigentlich ist", jammerte ich. "die meiste zeit über fühle ich mich wie eine nymphomanin auf sexentzug. mit der besonderheit, dass dieses verlangen sich diesmal mehr oder minder auf einen einzigen mann zu konzentrieren scheint. das macht mir sorgen. ich möchte eigentlich nicht mal mit dem ins kino gehen oder sonstige unschuldige aktivitäten unternehmen. kann verliebtheit so extrem unromantisch-körperlich verlaufen?"
spätestens an diesem punkt zuckten meine freundinnen die schultern und rollten die augen: herr, wirf ein antiaphrodisiakum vom himmel.

sogar meiner mutter fiel neulich auf, dass bei mir irgendetwas nicht stimmt. sie kannte die geschichte vom objekt in mutterfreundlichen auszügen und hatte sich bisher gefreut, dass ihr traum, endlich oma zu werden, so leicht in erfüllung zu gehen schien: ein mann mit kind ist schließlich schon mal eine halbe familie. wie sie unschwer erahnen mögen, ist meine mutter insgesamt eher eine überzeugte anhängerin der konservativen beziehungsform und hält nichts von blowjobs in dunklen ecken von parkhäusern und ähnlichen aufregenden dingen. ich erzählte vorsichtig von meinen momentanen gefühlen.
"das wird nichts richtiges", sagte sie, "trenn dich von dem depp."
"ich will den doch nicht heiraten", jaulte ich. "ich will doch nur was festes fürs bett."
"kind, mit der einstellung bekommst du keine familie", so meine mutter streng. ich legte auf, die sinnlosigkeit des gesprächs begreifend.

ich verstand, dass ich näher an das andere geschlecht heranrücken musste, um die sache zu durchdringen und herauszufinden, wie ich die angelegenheit in geregelten bahnen lenken konnte: sprich, entweder meinen oxytocinspiegel zu senken oder meiner begierde eine etwas regelmäßigere gelegenheit zum ausleben zu bieten. ich fand den geeigneten gesprächspartner in einem mann, der mit allen wassern gewaschen und hart geprüft ist, nichtsdestoweniger aber absolut glücklich und sexuell befriedigt lebt. "sag bloß nichts", riet er mir. "wenn du ihn jetzt mit gefühlen vollaberst, ergreift er sowieso die flucht."
"genau das war ja auch meine befürchtung", sagte ich.
"außerdem würdest du dir deine illusionen zerstören", fügte er hinzu. "und die machen das leben doch erst aufregend."
"meine illusionen machen mich krank", erwiderte ich. "er ist nicht da und ich kann ihn riechen. sein duft klebt an mir, obwohl ich frisch geduscht bin. und alles, woran ich denken kann, ist, hinzugehen und ihm die kleider vom leib zu fetzen."
"gut", sagte mein berater, "dann übe dich in askese."
"wie bitte?!"
"du darfst dich nicht erniedrigen. du musst die situation kontrollieren. er muss den eindruck haben, er müsse jetzt richtig was geben, um dich zu kriegen."
"das sollte er auch, verdammt."
"dann warte ab."
"und wenn er doch nicht zu potte kommt?"
"dann ist er ein arsch, der dich nicht verdient hat."
"hm. ich will aber nicht, dass er ein arsch ist", flüsterte ich.
"gott, mädchen, der kerl hat dich aber wirklich weichgespült. dich kann man ja so kaum auf die menschheit loslassen."
"ich weiß", heulte ich. "ich hab mich noch nie so schlecht und zugleich so unwiderstehlich gut zur selben zeit gefühlt."
"dann freu dich doch!"
ich freute mich. unerträglich.

jetzt kann ich es mir also aussuchen: reden, dumpen oder pokern. was hat wohl den besten effekt und richtet dabei den geringsten schaden an?

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Dienstag, 20. Juli 2010
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"suchen ist eine sucht. es kommt stattdessen darauf an zu finden. finden beginnt damit, das leben schön zu finden."

es ist so lange her, dass mich jemand mit wenigen thesen so tief getroffen hat. es ist mein wunder punkt: ich finde das leben nicht schön und daraus entstehen alle meine probleme: die zweifel. das suchen. das an-falsche-menschen-geraten. das mich-verschwenden.

"aber du hast dir deine liebe bewahrt."

das ist vermutlich das einzige, was ich jemals richtig gemacht habe und was in meinem leben von ganz entscheidender bedeutung ist und war.

"ich habe mir aber auch den glauben bewahrt, dass irgendwann alles gut wird."
"das ist ein denkfehler. es IST alles gut, so, wie es jetzt ist."

mein gesprächspartner an diesem abends war ein wildremder zimmermann, tatöwiert, zahnlücke, kaum gebildet. auf den ersten blick hielt ich ihn für einen zuhälter oder einen hafenarbeiter. doch wenn ich an die sache mit auferstehung und erscheinungen und engeln und so glauben würde, müsste ich jetzt sagen, das war ein heiliger moment. so irgendwas mit jesus.

zum ersten mal seit sehr langer zeit bin ich vollkommen klar und innerlich ruhig. ich stehe und sehe mich um, sehe mich selbst. die dinge, die sekunden ziehen an mir vorbei.

das leben ist schön.
das leben ist schön.
das leben ist schön.

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