Freitag, 9. Oktober 2009
o erbarmen.
obama und friedensnobelpreis?

er war überrascht.

ich auch.

ich dachte immer, für preise muss man was leisten? (nicht umsonst heißt es ja auch: preis-leistungs-verhältnis?)

aber "außergewöhnliche bemühungen"? heißt das nicht, "er war bemüht" in einem arbeitszeugnis? sprich: er hat es verzweifelt versucht, was ja nett war, aber erreicht hat er null?

okay. außer unsere politiker vielleicht. die kriegen sogar asche, wenn sie kriminell sind. dokumente unterschlagen oder sich bestechen lassen oder sowas.

dann werde ich wohl in zukunft auch debil nach softliner-manier grinsen und die hände in den schoß legen. dann krieg ich den popelpreis auch noch. vermutlich schon nächstes jahr. geht ja recht schnell, mit dem o(ba)ma-rezept.

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Mittwoch, 7. Oktober 2009
die krankheit sitzt in den hirnen
die krankenkassenbeiträge werden wieder steigen - natürlich nur für arbeitnehmer, haben sich die gelben kapitalistenschweine, die neuerdings ihren geistigen durchfall in unser land spülen dürfen, ausgedacht.
liebe mitbürgerinnen und mitbürger, das sind die erste früchte euerer teuren fehlentscheidung am wahlsonntag. jetzt haben wir die pest am hals. die reichen werden reicher, aber menschen wie ich und du werden eines tages im pappkarton auf der straße leben müssen.

600 euro haben sie mir geboten für einen halbtagsjobs als freie. das heißt, es bleiben nach abzug der versicherung etwa 300 euro übrig. das reicht nicht einmal für die miete. krank werden darf ich nicht, urlaub machen darf ich nicht.
ich weiß nicht mehr weiter an diesen tagen.

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Samstag, 3. Oktober 2009
mein neuer zweitbester freund
ein mann, der einen ganzen haufen vermöbeln könnte. muss er auch manchmal, wenn seine pferdchen nicht richtig laufen oder ihm die anderen loddel in die quere kommen. is klar.

stolz schwellt er die brust beim reden und legt dir den tätowierten arm um die schultern.
du: lass das mal.
er, grinsend: find ick gut, dass du sone emanze bist.

zwei stunden später kommt er wieder an.
er: hab munition, was is, willste n näschen?
und da bist du mal wieder stolz auf dich, weil du sagen kannst: nee, da fühl ich mich zu erwachsen für.
er, 15 jahre älter (mindestens): find ick immer noch gut. du bist wahnsinnig sympathisch.

er ist unglücklich verliebt, schnieft, du weißt nicht, ist es der schnee oder heult der, dann erzählt er von seiner mutter, die gerade gestorben ist. du verstehst langsam, warum er dich bequatscht, die mutter fehlt.
er: kommste noch mit aufm kiez, dann zeig ich dir mal meine mädels.
und du denkst, wie der schuljunge, der seiner mutter seine fußballkumpels vorstellen will. schüttelst aber den kopf, das geht dir zu weit, das ist nicht deine welt.

später schlurft er selig davon, getröstet, mit einer falschen nummer und einem falschen namen in der linken hosentasche. und du gehst auf toilette und holst deine papiere und die ec-karte wieder aus dem schuh, die du vorsichtshalber dort deponiertest.

bei zweitbesten freunden machst du das eben so.

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Mittwoch, 30. September 2009
aus-zug
[...]

er: weißt du, was mich heute abend wahnsinnig gemacht hat? wie sie alle so auf zusammen getan haben. so lauter kleine unzerstörbare einheiten.

sie: son quatsch.

er: wir hatten das auch alles. dieses sonntagmorgengefühl. zusammen im bett gelegen, die zeitung gelesen. die sendung mit der maus geguckt. n bisschen gevögelt und später ne pizza kommen lassen. das war der himmel auf erden für mich. heute wach ich sonntags auf und möchte am liebsten sterben. möchte mir am liebsten ne schlaftablette einwerfen und den ganzen verfickten tag verschlafen. also steh ich auf uns red mir ein, dass ich eigentlich total gut drauf bin. mach mir kaffee, geh zurück ins bett und schalte den fernseher an. und eigentlich achte ich die ganze bloß darauf, nicht die sendung mit der maus zu erwischen, weil dann würde ich wahrscheinlich heulen. also steh ich auf und red mir weiter ein, dass ich eigentlich total gut drauf bin. und das wetter ist so gut, deshalb ist natürlich keine sau in der stadt. weil sie alle ausflüge mit kind und kegel machen. ich fahr ins cafe einstein und bestell mir nen bagel. und n cappucchino. und ich guck mich um und da sitzen lauter sone typen wie ich. mutterseelenallein. und alle tun s glattrasiert und unabhängig und cool. und sehn beschissen aus. mir dreht sich der magen um, aber hey, uns gehts prima. keine braut hängt uns am arm und labert uns voll. kein blag sabbert uns übers hemd. alles in ordnung, mir gehts total gut.

sie: jep, mir auch.

er: ich vermiss dich.

sie: du vermisst deinen stinkenden, gemütlichen fuchsbau.

er: ich vermiss dich, du blöde ziege.

sie: ich vermiss dich vielleicht auch manchmal. aber du vergisst, wie das jahrelang gewesen ist. so ist es gewesen ja. wir liegen zusammen im bett rum und sehen die sendung mit der maus, trinken kaffee und lesen zeitung. und gleichzeitig nagt so ein schrecklicher wurm an unserem hübschen schneckenhäuschen. weil alles nur die hundertste wiederholung ist von dem, was vielleicht mal schön war und wild und romantisch und... was jetzt ist einfach nicht mehr ist. und keiner von uns will es sagen. denn eigentlich wollen wir schon langelange raus aus diesem fuchsbau. aber wir wissen nicht wie. wir wissen gar nicht wohin. weil wir gar nicht mehr wissen, wer wir eigentlich alleine sind. wir öden uns an! und stattdessen versuchen wir zu vögeln. du schließt deine augen und drehst dich zu mir. immer das gleiche zeichen. und da soll ich dann deinen schwanz in die hand nehmen, was ich auch meistens getan habe. um des lieben friedens willen und weil mir auch nichts besseres eingefallen ist. und dann wälzt du dich auf mich, das ganze geht vier minuten lang und dann haben wir das auch hinter uns gebracht.

er: so hast du das empfunden?!

sie: in den letzten jahren schon. wir haben uns einfach nie getraut, unseren bau zu verlassen... um unsere eigenen wege zu gehen... und uns mal wieder fremd zu werden!

er: das wär auch das ende gewesen.

sie: nein, das glaube ich nicht. wer sich nicht mal fremd wird, der kann sich auch nicht nahe sein.

er: aber das ist doch gerade das schöne, dass man sich so nah ist, dass einem nichts mehr fremd ist am anderen.

sie: ach bullshit. das ist alles nur angst. dieses kleinkindverhalten, in das man verfällt. putzilein, mein daffidaffi, büddebüdde, mein dickerchen, mein mausilein! das ist der untergang. wie soll man da noch vögeln? schubidubidubidu? das hat uns umgebracht. die sendung mit der maus hat uns umgebracht.

er: ich war bei dir zuhause.

sie: ja, zuhause wars so gemütlich, dass du deine affairen gehabt hast.

er: du doch auch! das hat uns doch umgebracht, nicht die sendung mit der maus.

sie: ja! weil wir nicht den mut hatten, uns wieder fremd zu werden. dafür haben wir uns fremde gesucht.

er: klar, fremdes fleisch ist sexy.

sie: fremdes fleisch ist einfach. weil es fremd ist.

[...]

[aus: nackt. von doris dörrie]

(die wenigsten mögen diesen film, weil soviel gelabert wird. aber die wahrheit ist immer anstrengend. weil man dafür zuhören müsste.)

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Montag, 28. September 2009
entschuldigung
die momente, in denen man sich für sein eigenes land zutiefst schämt. wer war da gestern an den wahlurnen? das war ja wie einst bei den wahlen in den usa, die uns weitere jahre mit george the-drunken-bush bescherten.

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