Donnerstag, 1. Januar 2009
meine lieben!
vermutlich guckt gerade sowieso niemand in sein blog. dennoch: rutscht gut ins neue jahr! mögen glück, erfolg und gesundheit eure wege begleiten!
die hoffnung stirbt erst am ende der menschheit.

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thirty-one
gestern mit meiner lieben freundin t. über die autobahn geschunkelt und zwischen winterbraunen bäumen die irrsinnige sonne auf die netzhaut brennen lassen, bis sie sich dann ab kassel wieder ins graue nordlicht verwandelte. und mich gefragt und gefragt.

der norden hat mich wieder. denn muss man nicht das neue jahr dort begrüßen, wo man seine zukunft sieht?
trotzdem fühlte ich mich im süden nach zwei tagen schon wieder halbwegs zuhause. die menschen dort sind so unerträglich blöde und hässlich wie immer, aber es gibt auch welche, für die es sich lohnt da zu sein, sogar mehr als nur lohnt. es gab auch den moment, in dem ich mich ehrlich fragte, was, wenn mein job im süden wäre? würde ich dann tatsächlich noch in hh wohnen? was hält mich eigentlich? kann ich doch eigentlich in jede stadt auf dieser welt gehen, ohne dass ich eine beziehung dadurch zerstöre.
es hält sich die waage. die nordmetropole hat mein herz, der süden mein blut. im süden bekomme ich mehr bärenhafte umarmungen, im norden bessere jobs und schönere menschen. im süden sind meine eltern, die älter werden (was zu beobachten mich mit merkwürdiger milde erfüllt) und mich eines tages brauchen werden, im norden sind sie nicht, können mich nicht nerven und verletzen.

am montag sehr lange mit meinem cousin a. über chancen und verlorene hoffnungen gesprochen. was, wenn man so zerrissen zwischen begraben und wiederbeleben steht? wenn man nicht mehr 18 ist, ist tot nicht mehr tot und lebendig nicht mehr lebendig. alles nimmt komplizierte zwischenformen an und man versucht, sie zu verändern. und dabei gleichzeitig einzuschätzen: ist es den aufwand wert? authentizität oder komfort? beides schließt sich viel zu oft aus. und warum gibt es niemals einhundert prozent? warum gibt es nicht die eine liebe und den einen menschen, der zu uns passt?
und trotzdem lieben wir das leben. und zwar genau unsere leben.

ich mache pläne. wenn ich 30 bin, dann will ich eine wohnung von mindestens 50 quadratmetern haben, angemessen bezahlt meinen job machen und wissen, dass ich den menschen an meiner seite heiraten werde. ich will keine kompromisse mehr - was natürlich nur bedeuten kann, dass ich noch mehr davon machen muss. mich reflektieren und spiegeln, in mir und anderen menschen.
"mein sinn des lebens ist, universelle liebe zu geben", habe ich mit 16 gesagt. vielleicht ist es nicht so falsch, was man in einem zustand der seelischen beinahe-unschuld gedacht hat.
back on track. and further on.

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Sonntag, 28. Dezember 2008
ich glaube an die sonne
oder auch: eine merkwürdige heizpolitik in zeiten der energiekrise

wie der geneigte leser weiß, befinde ich mich in der trauten heimat im haus meiner eltern unter den strengen augen meines herrn vater. seit mittwoch abend werden nun also mein ess-, schlaf-, telefon-, und wie ich heute feststellte, auch mein heizverhalten beobachtet. die anekdote von heute morgen zeigt, wie meine eltern heizpolitik im anbetracht steigender erdgaspreise betreiben:

ich hatte das arbeitszimmer betreten, die heizung angemacht und den sich dort befindenden pc hochgefahren. im zimmer war es arschkalt, weil wir hier gerade an die minus 10 grad nachts haben.
ich verließ kurz das zimmer, um kaffee zu machen. als ich wiederkam und eine weile kaffee schlürfte und meine emails las, wunderte ich mich, dass es nicht warm werden wollte. ich warf einen blick auf das termostat und siehe da: die heizung war ausgedreht. hielt ich mich doch weder für dement noch schizophren, machte ich die heizung nochmal an. endlich wurde es etwas wärmer.
nach etwa einer stunde stand ich kurz auf, um zu pinkeln. als ich wiederkam, war die heizung abermals aus. außerdem waren die vorhänge zur seite gerissen und der nachbar von drüben stand auf dem balkon und glotzte interessiert auf mich, die ich noch etwas spärlich bekleidet war, weil ich gleich duschen wollte. ich zog die vorhänge zu und drehte die heizung wieder auf, als mein vater das zimmer betrat.
"wir wollen um halb zwei lüften", wurde ich informiert.
"hast du die heizung ausgedreht?" fragte ich. "es ist doch erst zwölf. bis zum lüften bleibt doch noch zeit."
"ja meinst du denn, wir lassen die heizung laufen, wenn du gar nicht im zimmer bist?"
"ich war auf dem klo! das waren nicht mal fünf minuten! außerdem soll man ruhig so heizen, dass eine grundwärme im zimmer bleibt, hast du doch immer gesagt."
mein vater stiefelte ins zimmer und begann, die vorhänge wieder zur seite zu schieben. der nachbar auf dem balkon wandte sich wieder freudig unserem fenster zu.
"wir brauchen überhaupt keine heizung, du musst einfach nur die vorhänge aufmachen!"
"wie, einfach nur die vorhänge aufmachen?"
"die sonne scheint! du musst sie nur reinlassen. in ein paar stunden wird das zimmmer auch so warm!"
"papa, wir haben minus acht grad oder so. die sonne steht am südlichen wendekreis, die hat doch jetzt nicht so viel kraft wie im sommer. das fenster ist jetzt auch nicht besonders groß."
"ach, das wird schon, du musst dich halt gedulden."
ich wollte keine häusliche krise heraufbeschwören und entschloss mich, diplomatisch zu sein:
"na gut, dann gehe ich solange mal duschen."
"im bad ist jetzt zu kalt zum duschen. das hat ja nordseite."
"das macht nichts, ich habe vorhin die heizung angemacht. es ist bestimmt schon warm."
einige sekunden schweigen, dann:
"ach du warst das. ich hab die wieder ausgemacht."
"du wusstest doch, dass ich duschen wollte!"
"das kannst du ja auch später machen. wir wollen sowieso um halb zwei lüften."
"soll ich jetzt warten, bis die sonne kurz vorm untergehen so ein bisschen westlich steht und dann schräg ein paar strahlen auf das nordfenster wirft?!"

letztlich ging ich dann doch einfach duschen. ich nahm den fön mit und pustete mir warme luft zu, während ich unter dem spärlichen strahl hin und her hüpfte. wir haben nämlich seit neuestem eine wassersparende dusche. ich frage mich allerdings, ob man das modell nicht noch sparsamer machen könnte, indem man mit dem duschen wartet, bis die sonne durch das westfenster auf den boiler fällt und das wasser anwärmt. sollte ich meinen vater vielleicht nachher mal vorschlagen.

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Freitag, 26. Dezember 2008
charakterstudien
ich bin nur manchmal zynisch, komme jedoch viel häufiger so rüber. einige ernst gemeinte loblieder, auch metaphorische, werden mir leicht als häme ausgelegt. da fragt man dann verunsichert nach oder wendet sich beleidigt ab. andere wiederum sagen nichts, fürchten sich dann aber, mich ein zweites mal um meine meinung zu fragen.
"du bist zu streng mit deinen mitmenschen", sagte mir gestern jemand, kurz nachdem ich mich fassungslos zeigte angesichts der bevölkerung meiner heimatstadt, die es für mich immer wieder schwer vorstellbar machte, dass wir von derselben spezies abstammen: wir standen mit hässlichen, kleinen, sicht- und hörbar dummen kreaturen beim bekannten amerikanischen schnellimbiss in der schlange. weil die bedienung und die burgerbrater mit dem service aufgrund personeller unterbesetzung nicht schnell genug nachkamen, hatte die gehirnfreie meute begonnen, die angestellten auf primitivste und rassistische weise zu beschimpfen. "ich möchte denen aber trotzdem allen am liebsten in die fresse treten", jammerte ich und stampfte mit dem stiefel.

ich halte meine ansprüche an die menschheit für realistisch. soziale intelligenz sollte wenigstens in dem maße vorhanden sein, mit dem ein duldendes miteinander möglich wird. ich muss nicht jeden mögen. dazu bedarf es auch viel. ich bin kein einfacher mensch und mit dem verschenken von vertrauen ausgesprochen geizig. aber ich möchte im anbetracht (a)sozialer verhaltensweisen ungern ständig kotzen müssen. zugegeben, der auslösepunkt für meinen sozialen brechreiz liegt nicht besonders tief. in hamburg wird er seltener und anders berührt als in bayern. da sind es eher die arbeitsscheuen yuppie-ärsche, die im kaufhaus dramaturgisch beeindruckend über das ach so schlimme, stressige shoppen jaulen. soziale dummheit ist also bei reich und arm verschieden ausgeprägt, wenn auch in jedem fall vorhanden. ein guter stall bewahrt vor torheit nicht. oder wie ich es mal bei anka radakovich las: "ein kerl, der sich öffentlich an den eiern kratzt, tut dies auch in einem 3000-dollar-anzug."
es gibt tage, an denen ich an der menschheit zweifle. aber ich hasse sie nicht. ich klebe an meinem glauben an der gute (was auch immer es ist) in jedem oder beinahe jedem. das ist - von zeit zu zeit - eine verzwickte und verzweifelte situation. zynismus ist sicherlich ein ausdruck dieser verzweiflung. als lehrerin wäre ich wahrscheinlich gnadenlos gescheitert. "ich hab dir immer gesagt, dass du keine lehrerin bist", hörte ich heute.
ich versuche, meine nerven zu schonen. trotzdem werde ich morgen mit tausenden anderen in der innenstadt shoppen gehen. vielleicht finde ich ja die versöhnung in den fangarmen des konsums und der rabatte.

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Mittwoch, 24. Dezember 2008
es weihnachtet
mir selbst am fenster gute nacht gesagt, beobachtet von einer struppigen schwarz-weißen katze, die mich irritiert aussah.
festgestellt, dass mir ein kunststück gelungen ist: mich wohlzufühlen nämlich. die wohnung wird, stück für stück, quadratzentimeter für quadratzentimeter, meine. meine alleine. alleine.
es liegt ein stück besinnlichkeit in diesem eremitendasein, etwas, was man nur sich selbst schenken kann. ich bin mit mir im reinen. mit bestimmten anderen nicht, das wird an weihnachten klarer denn je. dennoch kann ich keine träne vergießen darüber. es ist wie es ist. dass es gut so ist und dass es sich deshalb vermutlich nicht mehr ändern wird, wird sich mir eines tages erschließen. etwas demut aufbringen, dem ungeliebten karma folgen.
den gedanken gehabt, in die kirche zu gehen. oder auf den friedhof. dem wunsch folgen, morgen die zeit darauf zu verwenden, an einem besonderen ort zu sein. gefühlt richtig, wenn auch ohne sinn, nicht erklärbar oder mitteilbar. aber es fragt ja auch keiner.

wünscht euch was. ich kann es euch sowieso nicht erfüllen. aber vielleicht habt ihr ein besseres karma.

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Dienstag, 23. Dezember 2008
blut, nachtschweiß und tränen
heute nacht alpträumte mir, ich sei hochschwanger. ich stand irgendwo, als sich die fruchblase wie ein zellophan-ballon aus mir auszustülpen begann, während das baby selbst wohl noch in mir steckte. im krankenhaus angekommen fragte ich dann eine schwester, ob man das ding nicht einfach aufpieken könne wie eine ganz normale blase. so könne ich jedenfalls nicht rumlaufen. die schwester schüttelte bedauernd den kopf. das dauere jetzt bis zu geburt, meinte sie. wann die sein würde, wollte ich wissen. darauf antwortete man mir lediglich mit einem schulterzucken.

als ich aufwachte, war mein bett klatschnass von kaltem fieberschweiß (immer noch, geht jetzt schon seit fünf nächten so) und ich dachte im ersten moment, jetzt ist sie endlich geplatzt, die doofe fruchtblase aus dem traum.

vielleicht war es ein zeichen. dass fast alles in meinem leben eben irgendwie eine schwere geburt ist. und dass das, was rauskommen soll, einfach oft nicht rauskommt. weil es an doofen schwestern und anderen idioten scheitert. hoffen wir, dass im nächsten jahr ein paar dinge anders werden und ich endlich dieses beschissene karma loswerde.

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