Mittwoch, 19. November 2008
blaue stunde

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Dienstag, 18. November 2008
against luftschlösser
extreme seifenblasen-platzen-lassing. da steht eine neben sich und staunt, wie die, die ja ich ist, wacker realitäten zurechtschaufelt. mit soviel mut und zuversicht, dass ihr ganz schwindelig wird dabei. die aufgaben der kommenden wochen werden nicht einfach werden.

1. irgendwoher schnell 500 euro kriegen
2. zum dezember umziehen -> umzughelfer finden
3. gas-, wasser- und stromanbieter in hamburg ausfindig machen -> ideas für hh, anyone?
4. kühlschrank und wama kaufen


ich bin ganz aufgeregt. schlafen muss ich gar nicht mehr.

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Sonntag, 16. November 2008
*
und schließlich kapituliert man doch. es scheint eine innere kraft zu geben, die einen in den entscheidenden momenten mobilisiert, eine art selbstschutz. man rennt und rennt und kommt dann dort an, eine merkwürdige entschlossenheit redet dir den mund, lässt deine hände dinge zusammentragen. nicht aufzuhalten. nicht durch tränen, die strömen, sobald du orte voller erinnerung passierst, nicht durch eine vertraute umarmung, die dich sonst hätte versöhnen können. etwas tief im körper weiß wohl, wann die seele detoniert.

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seemannsknoten
wie seemannsknoten schlingen sich die gedanken, halten vergangenheit, ist- und soll-zustand nur noch vage auseinander. ich wünschte, ich hätte den mut, alle magie und schicksal zu leugnen und glück ausschließlich auf das zu reduzieren, was man selbst mit beiden händen bewirkt. augen und ohren zu verschließen vor einem größeren sinn, vor der tiefe der dinge und einfach ackerbau betreiben an der kargen oberfläche, die man sich schön redet.
weiß ich´s doch längst besser und habe achtung und demut empfinden gelernt. fakt ist, ich kann wollen, was ich will und mich verausgaben, wenn der boden schlecht ist, wird es nur mickrige pflanzen geben oder gar keine. und kein zauber dieser welt, keine vielversprechenden samen werden die naturgesetze zerbrechen.
doch will ich nicht glauben, dass wieder alles nur ein testlauf war, ein höhnischer himmlischer mittelfinger. es hieße, alles aufgeben. mich dazu.

nirgends, geliebte, wird welt sein, als innen. unser leben geht hin mit verwandlung. und immer geringer
schwindet das außen.


aus: rilke - siebente elegie

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Freitag, 14. November 2008
ufer
da drunten am wasser tümmelt es sich, schwarz und weiß wirbeln durch die lüfte. gefächerte schwingen, flirrende federn und zärtliches krächzen grüßen den jungen winter.
raben und möven, vor grauen bäumen vermischen sich gegensätze. wenn es immer so einfach wäre, so anmutig und schwebend. ich bin dankbar für den moment, der mir leben nach allem abschied verheißt.

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Montag, 10. November 2008
männliches kreissaaltrauma
ich kann mir schon vorstellen, dass eine geburt nicht sehr ästhetisch ist. sexy erst recht nicht. meine mutter, frank und frei wie sie nunmal ist, hat mir auch nicht verschwiegen, dass frau beim pressen sogar käckern muss, wenn sie keinen einlauf mehr verpasst bekam.
"du hast mich beim gebären angekackt?! etwa auf den kopf??" empörte ich mich. "das konnte ich so nicht sehen." meine mutter ist manchmal unheimlich diplomatisch.

wie auch immer. ich kann mir nicht vorstellen, dass, falls es bei mir eines tages wider erwartens einmal zu einer schwangerschaft kommt, ich den vater bei der geburt dabeihaben möchte. einmal nicht aufgrund besagter mangelhafter sexyness der situation. mehrmonatiges elefantenleben muss schon demütigend genug sein. zum zweiten, weil ich nicht will, dass - während ich schweißgebadet kämpfe, keuche und schreie - mir jemand unbeteiligtes klugscheißerige ratschläge gibt: "und jetzt schöööön hecheln, schatzimaus, jaaaa, das machst du fein", dabei meine glibbrig-klebrige hand hält und heimlich das delfinquietschen lauter dreht.
dass ich mit der einschätzung der situation nicht völlig falsch liege, habe ich inzwischen schon mehrmals von männlicher seite bestätigt bekommen. heute im zug richtung heimat erst belauschte ich ein gespräch zwischen zwei jungen männern, von denen mindestens einer gerade vater geworden war. was ich hörte, klang eindeutig nach postnatalen potenzproblemen. "wenn du das so siehst, die ganzen körpersäfte, und wie das riecht... und wenn dann aus der muschi eine monstermöse wird, wo du beide arme reinschieben könntest... und dann haben sie ihr auch noch den damm durchtrennt! das heißt, wenn das da nicht wieder richtig zusammenwächst, habe ich immer auch gleichzeitig analverkehr."
blumige schilderung, die sich aber im endeffekt mit dem deckte, was ich vor ein paar monaten von einem freund meiner exchefin gehört hatte: "wenn man das live mitkriegt, kann man sich überhaupt nicht mehr vorstellen, dass man da im leben nochmal rauf will auf die alte." der mensch ist übrigens glücklich geschieden, nach knapp zwei ehejahren.
für mich steht jedenfalls fest: das vaterglück sollte erst NACH der geburt beginnen. und nicht nur, weil männer in filmen immer in ohnmacht fallen.

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