Mittwoch, 3. September 2008
landslide
erdrutsch mit kettenreaktion.
was einmal wurzel war, hat das tageslicht zersetzt.
ich stell mich an die straße. nehm den daumen runter.
einmal überfahren, bitte.

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Montag, 1. September 2008
aggrobetteln
der tag begann mit gewitter. dann regen. viel besseres kam auch nicht mehr nach.

stehe ich an der u-bahn und löse ein ticket für vier stationen, lächerlich eigentlich, aber man wird ja älter und da machen die nerven nicht mehr mit, die toleranzgrenze gegen halsbrecherischkeiten sinkt und man geht so auf nummer sicher. langweilig eigentlich, aber eigentlich darf man auch nicht mehr sagen.
ich stehe also am automaten, die fahrkarten und das kleingeld springen in das kleine fach am unteren ende, als ein mensch auf mich zuschwankt. den kenne ich schon, er hat immer eiter am mund, rote, entzündete haut im gesicht, abstehendes resthaar und kann nicht gehen. er bettelt und lebt davon. ich habe ihm schon oft etwas gegeben, einfach, weil soviel offensichtliches elend kaum ertragbar ist und weil es einer der penner ist, dem man wirklich nichts mehr von arbeiten gehen erzählen muss.
heute nehme ich mein wechselgeld und will rasch einen kaffee kaufen, doch er hält mich am ärmel fest. ich schüttle den kopf und will gehen, doch da hat er mich schon an die wand gedrückt und bettelt weiter. ich entwinde mich und sage, ich habe auch nicht soviel geld dabei. ein kaffee, ein kleiner einkauf, mehr ist heute nicht mehr drin für die paar groschen.
"und was ist das?!" brüllt er und grabscht nach meiner hand mit dem wechselgeld, 35 cent.
theoretisch könnte ich ihm die paar cent geben. praktisch und prinzipiell geht mir so ein verhalten aber gehörig auf den keks. und ich habe auch ein bisschen grusel vor potenziell per eiterschleim übertragbaren baktierien. "heute nicht", sage ich fest und bleibe dabei. dann flüchte ich die treppe hinauf.

ich weiß, er kann nichts dafür. vermutlich hat man ihm beim arbeitsamt auch irgendwas erzählt, von wegen kein anspruch auf hartzIV, weil er vollzeitbettler ist. oder man hat ihn längst entmündigt.
trotzdem möchte ich beim anbettlen nicht überfallen oder mit ansteckenden krankheiten infiziert werden. ich werde heute abend woanders aussteigen.

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Mittwoch, 27. August 2008
der künstliche mensch
katja riemann hat sich offenbar liften lassen, musste ich neulich feststellen. paris hilton dementiert eine brustvergrößerung, aber vielleicht weiß sie auch einfach nicht, dass es eine war, für die sie da ihre unterschrift (mündigkeit?) unter dem op-schein setzte.
immer wieder frage ich mich: hätte ich das geld, würde ich es auch tun?
jeder mensch empfindet ja irgendwas an sich als makel. und das gedöns von den inneren werten war echt 80er jahre, also aus einer zeit, in der es noch umweltschutz gab und die udssr noch als ganzes bestand und nicht zur eg gehörte.
ich glaube ja, dass schönheit, genau wie bildung, bald zum standart der oberschicht gehören wird. der rest? dumm und hässlich wie die nacht.
achja, die gesundheitspolitik war nur der anfang.

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Montag, 25. August 2008
lektionen in demut, heute: sackgesichter ertragen
heute telefonierte ich zum ersten mal mit unserem kunden herrn n. herr n. ist gerade ziemlich pissed, weil er nicht die veröffentlichungen bekommt, die er sich so wünscht. so einmal im monat einen artikel in der brigitte oder so, lauten seine vorstellungen. wir haben alle ein wenig zuviel respekt vor herrn n.
er sei wirklich unangenehm, hatte ich immer wieder gehört. heute war eben ich dran, mangels anderem schikanierwilligen personal. nagut, dachte ich, packen wir den stier bei den hörnern. ich wählte seine nummer.
"guten tag!" ich sagte mein sprüchlein auf und fuhr dann fort: "wir möchten gerne ihren segen für unsere aktuelle pressemitteilung. wir haben uns da ein paar gedanken gemacht zum thema herbst und..."
ich wurde unterbrochen:
"schicken!"
"per mail?"
"ja."
"naja, der schnellste weg", kicherte ich verlegen. eisiges schweigen am anderen ende der leitung. ich musste kurz die fassung wiedererlangen. nächstes thema.
"wir haben für sie den mitschnitt der ndr-reportage besorgt."
"so."
"den bekommen sie natürlich zugesendet. und dann haben wir noch..."
schnauben am anderen ende der leitung: "wissen sie, es interessiert mich wirklich nicht, was sie alles für mich machen. es zählt nur, was unterm strich dabei unten rauskommt."
"sicher", schluckte ich die liste der dinge, die ich eben stolz aufzählen wollte, hinunter. "wir haben da auch ein paar vielverprech..."
"ja. ja, alles gut und schön."
"wir informieren sie natürlich sofort, wenn wir das feed-back der redaktionen haben."
schweigen.
"na dann", sagte ich, "haben sie noch fragen?"
"ich? ich nicht."
"gut, ich auch nicht. schönen tag dann noch", sagte ich artig.
wusch und klick.
hatter aufgelegt. nicht mal tschüss gesagt. wenn der mit seinen kunden auch so umspringt, wundert es mich nicht, wenn der laden kein burner ist.

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Freitag, 22. August 2008
kinderboom against altersarmut und so
wir sollen gefälligst fleißig ficken und dem staat ein paar arbeitskräfte liefern - auch wenn sie dann im deutschen hamsterrad-system bloß neue hartz-IV-empfänger werden.
aber egal. jedenfalls sollten kinderlose, allen voran kinderlose paare, kein recht auf leben haben und am besten vergast hoch besteuert werden.
hier wird sehr intelligent vorgerechnet, wie der staat kalkuliert. und warum wir doch noch verhüten dürfen, solange wir das kommunenleben neu kultivieren lernen:

abbau der kinderlosen

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