Mittwoch, 2. April 2008
april, april
keiner hat mich heute so richtig in den april geschickt. soviel respekt ehrt mich beinahe, aber der wahre grund des schweigens ist eher der, dass mich menschen in meinem umfeld gerade mit zusammengebissenen zähnen beobachten und sich nur mühsam boshafter kommentare ob meiner besuche beim arbeitslosenamt enthalten können. alles fühlt sich ein wenig an wie ein große luftblase, die sehr bald platzen könnte, spätestens wenn der erste scherzkeks reinpiekt.
egal.
selbst ist die frau, also habe ich mich heute morgen im büro eigens und höchstpersönlich in den april geschickt. und zwar durch den besuch der seite wetter.com. dort befindet sich auf der home-seite die meldung: "monstertropfen schlägt mann nieder". eingeschüchtert von all den klimakatastrophen-warnungen und umweltgipfel-totalversagen in den letzten monaten und jahren starrte ich nicht einmal so sehr ungläubig auf die horrormeldung, um anschließend den weiterführenden link anzuklicken. dieser lüftet das geheimnis und schreibt einem entgegen: "april, april".
als ich noch völlig entgeistert auf die seite starrte, kam meine kollegin, deren schicht heute etwas später als die meine begann, herein. "was glotzt du denn so?" fragte sie, und ich zeigte ihr, worauf ich reingefallen war.
"das kommt nur vom studieren", schluchzte ich theatralisch - ich bin neuerdings mal wieder ein wenig emo, man muss schließlich auch hin und wieder mit dem mainstream schwimmen - "die haben mich zu einem total wirklichkeitsentfremdeten und verschrobenen wesen gemacht! ALIENATION!"
meine kollegin lachte sich tot. "ich habe meine kinder heute früh ganz doof in den april geschickt. ich habe die kleinen um halb sieben geweckt und gerufen, 'in der küche steht eine überraschung, wer am schnellsten ist, kriegt sie'. so fix waren die noch nie aus dem bett und fertig angezogen. dann haben sie natürlich lange gesichter gemacht, weil mit überraschung war natürlich nix."
"bist du gemein", sagte ich, "du produzierst ein kindliches trauma nach dem anderen."
"ich schick sie dann einfach zu dir, du bist doch pädagogisch geschult. und meine älteste hat dich sowieso schon zur großen schwester auserkoren."
ich grinste und ging dem armen handwerker, der zur zeit unsere decken erneuert, einen kaffee kochen. wenigstens eine von uns beiden musste ja mal eine gute tat tun. gerade am ersten april. nur so für´s karma.

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Sonntag, 30. März 2008
northern lite auf tour
wenn ich schon die editors verpassen musste, hier ein neuer anlauf: am 24.4.08 spielen northern lite im e-werk in erlangen und am 30.4. in hh.
und NICHTS, aber auch GAR NICHTS wird mich hindern, da hinzugehen. das konzert kostet soviel wie neun tüten sojamilch, das kann ich mir also von mund absparen.


mein lieblingssong "gone":

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Samstag, 29. März 2008
sätze aus dem sessel
"unterstimulation ist aller kunst anfang!"

(wehret den anfängen?)

("unseren kindern zuliebe!")


alle diese sätze, sofern sie zu mehren gelesen werden, sind laut und dramatisch deklamierend vorzutragen. anweisung der regie.

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Freitag, 28. März 2008
name it whatever
ich komme aus einer gegend, da sind die meisten kinder dunkelhaarig und dunkeläugig, oder zumindest so halb, wenn wenigstens die mutti blond ist. die muttis sind alle um 14-18 jahre alt. die muttis schieben in hochhackigen pumps ihre kinderwägen und lachen, als ob sie schon morgens um neun eine flasche sekt auf nüchternen magen gesoffen hätten. die muttis sagen pro satz fünfmal "ey" und "fotze". die muttis haben kinder, deren namen ich mir nicht merken und auch nicht aussprechen kann. die kinder sitzen stumm und mürrisch dreinblickend in ihren wägen oder wackeln neben ihren muttis her und brechen von zeit zu zeit in kleine wutanfälle aus. die kinder sind von kik eingekleidet und bei mcdonalds gespeist.
das ist die welt, in der ich mich auskenne.

weniger vertraut bin ich dann mit so gestalten wie heute in der regionalbahn richtung würzburg. fünf kleine blonde, auf niedlich getrimmte echte mädchen (echt = viel pink, viel glitzer) hüpften um mich herum und kreischten wie tokio-hotel-groupies. es ging aber gar nicht um tokio-bordell, sondern um den zug, der so lustig rüttelte, wenn er bremste und anfuhr. an jeder kaff-station verlor ich ein paar gehörnerven. die mutti, schätzungsweise ende zwanzig/anfang dreißig, in hübschen oversize-öko-klamotten à la ulla poppkein, verschaffte sich in regelmäßigen abständen gehör und rief energisch: "luna, tabea, muss eine von euch noch einmal auf toilette?" luna und tabea mussten nicht, dazu waren sie zu beschäftigt mit hoppeln und kreischen und entzückendem mädchen-gegirre. die mädchen hatten allesamt handies und mp3-player, eine mein-kleines-pony-sammlung und beträchtliche schätze an glitzerhaarspängchen und bändchen und kettchen. sie trugen markenjeans und pullöverchen von s.oliver. zwei von ihnen tuschelten darüber, dass sie sich schon schminkten.
zwischen dem gefühl der befremdlichkeit, dass diese kinder teurere klamotten am leibe trugen als ich und vermutlich auch wesentlich technisierter, weil mit modernster hardware ausgestattet waren, hatte ich eine vision: alle fünf werden in zehn jahren so ein bisschen aussehen wie paris hilton, sich so daneben benehmen wie britney spears und doch so erfolgreich dabei sein wie madonna. kleine it-schlampen eben.

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Dienstag, 25. März 2008
geisterbahn
im supermarkt.
vor mir geht eine hässliche alte frau mit einem kleinen dicken jungen. immer, wenn der junge nach einem artikel greift, haut die alte hexe ihm auf die finger. "robert, lass das." der junge schaut trotzdem beinahe fröhlich drein und bewegt sich gemessen an seiner konstitution schnell wie der blitz, was sich nur durch eine gewisse begeisterung für die welt erklären lässt, auch wenn sich die frage stellt, wie auch immer er diese motivation erhalten kann. denn bei so einer oma kann einem ja das grausen kommen.
dann stehen wir an der kasse. die hexe hat ihren vollen einkaufswagen natürlich vor mich an die schnellkasse (maximal fünf artikel) geschoben. sie reißt robert eine packung würstchen aus der hand: "wirst du die gleich hergeben!" und dann, zur kassiererin gewandt: "der stielt wie ein rabe, der bastard!" unwirsch reißt sie den "bastard" an den haaren, und ich traue meinen ohren nicht, als aus des kleinen mund schallt: "aua, mama!"
und ich stehe starr angesichts des biologischen wunders, da ich die hässliche kuh mit den grauen dauerwellen auf 70 jahre schätze und davon ausgehe, dass ihre menopause schon eine weile her ist. hatte ich mich etwa verhört?
doch als die hexe befielt "hol zwei tüten, robert!", sagt der kleine artig "ja, mama" und es sträuben sich mir die nackenhaare. kein hörfehler. hier hatte gottes weise voraussehung eine unverzeihliche kurzsichtigkeit begangen, indem er diese widerliche frau nicht rechtzeitig mit unfruchtbarkeit schlug. was hätte man dem kind nicht alles ersparen können!
als die hexe bezahlt, kann ich ihre hand sehen, die nur vier finger hat (eine art satanshuf?), sowie ihr abstoßendes gesicht, auf dessen nase ein braunes pflaster klebt. zwei thesen bestätigen sich in diesen moment:
1. im alter bekommt jeder das gesicht, das er verdient.
2. der teufel ist ein weib.
ich werde zukünftig weihwasser bei mir tragen, um weiteren begegnungen mit der hölle, die im augenblick verstärkt in meine nähe rückt, vorzubeugen.

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