Montag, 25. Februar 2008
ein viertel flügel
... reicht noch nicht zum fliegen. aber dazu, um vom schlamm wieder auf den ausguck-ast zu kriechen und ein bisschen nach der sonne zu luken.
und besser ist es, man teilt keinem mit, dass man einen viertel flügel bekommen hat. sie werden dir ja doch nur sagen: "was, dir fehlen drei viertel noch?" und sie werfen mit ihrem stinkenden schlamm nach dir, bis du glaubst, so beschmutzt deines ästchens von mut nicht würdig zu sein.

achja: ich erwarte nichts mehr. nicht von euch.

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Sonntag, 24. Februar 2008
männer sind so
obwohl ich im grunde gegen tarzantheorien abgehärtet bin, schaffte mein kater es dennoch, mich mal wieder zu schockieren. gestern abend saßen wir im kino, der werbevorspann war gerade vorbei, als ich mich nach rechts beugte, meinen bandscheibenpatienten anstupste und wispernd fragte: "was macht dein rücken?"
der kater machte ein todernstes gesicht und sagte dramatisch: "nicht sprechen, bitte." ich wartete einige sekunden, konnte mich dann aber nicht beherrschen und hakte nach: "so schlimm?" "mein rücken ist okay", schnaufte der kater, "ich mache mir gerade sorgen um mein herz."
meine warnblinkanlage schaltete sich ein, die flutlichtfunktion gleich mit: "wie?! dein herz? hast du schmerzen?" "nee, das war nur gerade eben so komisch." "wie, komisch? schmerzen im arm? übelkeit? schweißausbruch? atemnot?" "nee, einfach nur komisch halt." ich guckte ratlos. sollte ich jetzt besser einen arzt rufen? doch der kater tätschelte beruhigend meinen arm: "ist schon wieder vorbei. vielleicht hab ich auch nur überreagiert, weil ich mich ja zur zeit mit diesem blutdruckmessgerät beschäftige." "achso." ich entspannte mich und rutschte wieder in meinen sitz hinüber.

der kater hat sich letzte woche ein blutdruckmessgerät für das handgelenk bei rewe gekauft. neunneunundneunzig, ein spottpreis. nun misst er ungefähr zwanzig mal täglich blutdruck. die werte sind normal, kein grund zu beunruhigung eigentlich.
mitgenommen hatten wir das gerät unter anderem, weil der kater nach einer spontanen manuellen messung behauptete, ich sei blutdrucktechnisch halb tot und habe herzrhythmusstörungen. weil ich in meiner jugend einmal eine vegetative störung hatte, die meinen ruhepuls auf 130 verschob, hielt ich das ganze zwar für unwahrscheinlich, aber im bereich des möglichen. das messgerät strafte den kater lügen, bei mir liegen alle werte im unteren normbereich. die tatsache, dass ich gesund bin, hält den kater jedoch nicht von wilden spekulationen über eigene potenzielle krankheiten ab.
am freitag stürmte der businesskater aufgeregt in meine wohnung und rief, die krawatte von sich schleudernd, "mein blutdruck war gerade voll komisch, ich dachte eben, ich bin todkrank!" "wann hast du denn blutdruck gemessen?" fragte ich. "vorhin, im auto. und der war total hoch!" "das liegt bestimmt an den vibrationen beim fahren." "meinst du?" der kater blieb misstrauisch, bis ich ihn in meinen bürosessel bugsierte, ihm das messgerät an die hand schnallte und beim messen mit den füßen den stuhl wippen ließ. die werte explodierten. "na bitte. deshalb sollst du beim messen ja auch ruhig sitzen und nicht reden." "drecksding, das misst einfach nicht richtig. ich schmeiß das gleich weg."
mir fiel unser erstes gemeinsames weihnachten ein, damals 2006 in hamburg. der kater wälzte sich stöhnend auf der matratze, hielt sich den bauch und behauptete steif und fest, er bekäme magendarmgrippe. wir waren zunächst ernsthaft besorgt, bis sich herausstellte, dass der kater einige stunden zuvor ein ganze packung chili-chips vertilgt hatte und uns der starke verdacht beschlich, die könnten mit den magendarm-beschwerden in verbindung stehen. vor allem, nachdem wir uns alle am vorabend mit cocktails betrunken und die männer anschließend noch einen absacker aus whiskey gestreckt mit klosterfrau-melissengeist zu sich genommen hatten. all das kann auch einen gesunden tarzan schon einmal vom baum fallen lassen. als die diagnose stand, ging es dem kater beinahe sofort besser.

momentan liegt der kater im bett, auf meiner heizdecke. "mir ist so kalt", meinte er vorhin schlotternd, "und schnodder hab ich auch." ich packte ihn warm ein, brachte kaffee ans bett. "du bist so ein liebes mäuschen", schmunzelte der kater und rückte sich behaglich in den kissen zurecht.
aus dem nebenzimmer dringen nun leise schnorchelgeräusche. der kater schlummert. manchmal, so denke ich, kann man lebensbedrohliche krankheiten auch mit ein wenig fürsorge und mit viel liebe gekochtem kaffee vertreiben.

kater und mäuschen

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Freitag, 22. Februar 2008
les petites choses nullkommentarebeitrag
die staubschicht, die die jahre und die raumfeuchtigkeit zu einem mantel betoniert haben, trocken wie der arsch des tut-ench-amun; ihre zerreißen in mir, ihr langsamer zerfall unter deinen fingerspitzen, es ist dornröschens erwachen in ruinen nach bombenhagel von wattebäuschen.
das prickeln an den lenden, das elektrisieren aller meiner körperzellen, wenn deine lippen meine haut berühren, der sternschnuppenregen von wunderkerzen, von dem ich als kind glaubte, mich verbrennen zu müssen. kleiner zarter schmerz, den man beschützen möchte, weil er nicht mehr aufhören darf, weil alles andere ein kitzeln wäre, das albernes gackern und oberflächliches gelächter auslösen, den moment auslöschen würde. das quäntchen scham, das das zagen erst lüstern macht.
an der wand die schatten meiner hände malst du nach mit deinen fingern, an deren kuppen sich weiße farbe sammelt, der lebendige beweis, dass jedes bild in kopien überlebt, dass nichts verloren geht, kein härchen, kein nackenhärchen, das du mir sachte zärtlich krümmst.

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unschönes mit viel wahrheit
wenn man den unterschied im auge behält, dass ich davon ausgehe, dass wir gar keine demokratie haben, sondern eine oligokratie von lobbyisten plus die erzwungene wichtigkeit des gelabers einiger politischer hampelmänner, dann ist der inhalt des folgenden artikels doch von ziemlich schwerwiegender substanz.

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Donnerstag, 21. Februar 2008
findelkind
rauhe, zarte schreie verfolgten mich auf meinem weg zu lidl. ich wähnte ein neugeborenes baby hinter mir, neben mir, neben mir - unter dem auto? war das möglich? mehrmals meinte ich, bewegung wahrzunehmen, nie konnte ich etwas erkennen.
ich kaufte eine milch und eine cola bei lidl, wollte doch heute der kater bei mir aufschlagen und whiskey mitbringen. dann schlurfte ich angeschlagen (kopfschmerzen wegen nackenschmerzen wegen schulterschmerzen) die straße zurück. wieder schrie etwas neben mir im gras - und endlich, im schein des lichts am hauseingang sah ich schemenhaft die pechschwarze dicke katze. nur die augen blitzen aus dem dunkel. wir starrten uns einen moment fasziniert an, dann passierte das, was mir meistens mit katzen passiert. sie machte einen satz auf mich zu und ließ sich streicheln, rollte auf dem asphalt auf und ab und schnurrte wie eine nähmaschine.
irgendwann richtete ich mich auf, um die letzten schritte den häuserblock entlang zu meiner haustür zu nehmen. die katze stemmte sich vor meine füße und wich nicht von meiner seite. dann setzte sie sich vor mich vor meine haustür, sodass ich nicht aufsperren konnte, ohne sie hineinzulassen. ich wusste, die katze konnte unmöglich aus meinem block sein, denn in genossenschaftswohnungen bei uns sind katzen nicht erlaubt. ich konnte sie unmöglich hereinlassen.
irgendwie schaffte ich es, über die schwarze schöne hinwegzusteigen und mich durch einen schmalen spalt ins haus zu drängen. dann fiel die tür ins schloss und die katze saß draußen. sie blickte nach innen zu mir und maunzte wieder schrill. schnell sauste ich drei stockwerke hinauf und mit einem schälchen milch wieder hinunter. die katze wartete auf mich. die nächste viertelstunde brachte ich damit zu, eine kleine rosa zunge beim milch-schlabbern zu beobachten und den ganzen vorgang von neugierigen blicken der passanten abzuschirmen. fremde katzen füttern wird ja nicht so gerne gesehen. die katze trank, als hätte sie seit tagen nichts bekommen.
als die schale leer war und die schwarze noch ein wenig gestreichelt, quetschte ich mich vorsichtig wieder ins haus. die katze blieb sitzen und starrte mir nach. hoffentlich geht sie dahin, wo sie hingehört, betete ich.
dann rief mein kater an, "ich bin gleich da, mach schon mal kaffee." ich warnte ihn: "wenn du hochkommst, pass bitte auf, dass dir die katze nicht folgt, die vor meiner haustür sitzt." "was für ne katze?!" ich schilderte die kleine anekdote, und der kater meinte, okay, er werde achtgeben.
jetzt ist sie wieder weg, und ich habe gemischte gefühle. vielleicht sehe ich sie ja wieder. falls ja, muss ich mal ein foto machen.

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Dienstag, 19. Februar 2008
steuerhinterziehung erlaubt
man kann von steuerbetrügern halten, was man will. persönlich kenne ich keinen einzigen, deshalb nehme ich es mir nicht heraus, menschen als menschen zu verleumden. viel interessanter ist es doch, sich stattdessen mal zu fragen, wie es dazu kommen kann, dass jemand steuern hinterzieht.
habgier ist der erste vorwurf, und der ist schnell zur hand, weil er so alt ist wie der mittelalterliche sieben-sünden-katalog. aber wer ist denn eigentlich nicht habgierig? wer würde denn nicht gerne so viel wie nur möglich haben? auch der hartz-IVler nimmt gerne mal das kindergeld beiseite und geht sich bei blödia-markt einen neuen mp3-player kaufen.
ja, aber das alles auf kosten der armen! die bösen reichen benachteiligen wegen ihrer habgier - naja, eigentlich wissen wir ja jetzt, dass alle habgierg sind - die armen armen. und das mit voller absicht! schlimm. schrecklich.
wirklich schrecklich ist allerdings nur der denkfehler, der hier passiert. denn keiner verfügt über das geld, das er abgeben muss. niemand schreibt in die zeitungen, von herrn xys steuerlicher abgabe wurde heute das mittagessen im kindergarten in xyz finanziert. wer tut denn gerne gutes, wenn er nicht merkt, dass er damit wirklich gutes bewirkt? was nämlich übersehen wird beim großen schuld-und-sühne-spektakel, das so wunderbar funktioniert, weil die presse hier mit dem neid der schlechter verdienenden und dem allgemeinen managerhass spielt: steuern gehen nicht von reich an arm, sondern von reich UND arm in die staatskassen. dort verschwindet das geld auf nimmerwiedersehen. bis man irgendwann hört, dass die diäten der abgeordneten mal wieder erhöht wurden, unsere bundeskanzlerin durch die weltgeschichte jettet, oder bis wieder einmal ein artikel über steuergeldverschwendung in den zeitungen steht. darüber regt sich aber kaum einer auf. merkwürdig.
die wahre schweinerei, meine lieben, ist das bunkern der steuergelder in den staatskassen oder die investion in sinnarme projekte. letztes jahr schrieb man sogar schwarze zahlen, wusste gar nicht mehr, wohin mit dem geld. was ist passiert? nichts. die nettolöhne sind auf einem niveau, sodass es kaum spaß macht zu arbeiten, weil man als unverheirateter durchschnittsverdiener nicht erheblich mehr in der hand hält wie ein hartz-IVler. an den wunden punkten der republik dagegen brennt es nach wie vor lichterloh. kinderarmut, schlechte ausbildung, marodes renten- und gesundheitssystem, 19% mehrwertsteuer.
mal ehrlich: vergeht einem da nicht die lust auf steuerzahlungen? warum denn unseren uninnovativen, verschlafenen und nichtsnutzigen schönschwaflern in der regierung den urlaub finanzieren, wenn sie nichts leisten? einen arbeiter, der seine aufgabe nicht erfüllt beziehungsweise sich betriebsschädigend verhält, würde man sofort feuern. genau das sollte man auch mit unseren politikern machen.
ich bin dafür, dass niemand mehr steuern zahlt. aus prinzip. die versorgung der armen, alten und kranken findet ohne umweg statt, indem man zwar nach wie vor geregelte abgaben zahlt, die aber direkt an altenheime, krankenhäuser, schulen, kindergärten und so weiter gehen. jede abgabe wird möglichst sichtbar eingesetzt, der geber wird namentlich erwähnt und kann so sein prestige polieren. dann würde nächstenliebe auch wieder ein wenig mehr spaß machen.

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unter der haut ist es dunkel und warm nullkommentarebeitrag
frühlingsblicke schaben über die mottenlöcher meines wintermantels, augen schließen, augen öffenen, fliehen, finden. die februartage aufgereiht wie die stufen einer rolltreppe, holzperlen am automatischen rosenkranz, genaue takte nach den instinkten menschlicher tiere.
termiten wuseln durch die kanäle, springen auf den eingefahrenen zug. eine tüte erdnussflips fällt zu boden und zerkrümelt unter vielen füßen, während jemand verbissen dreinschaut und gegen mein bein drückt, um den arsch noch durch die tür zu bekommen. die luft ist lauwarmer teer, man kann sie in schwarzen bröckchen von den nasenflügeln schieben und dabei vom fliegen träumen, ein wölkchen hefeduft aus der bäckertüte da drüben, ein cumulus humilis so tief im beton.
vor mir klafft der eschatongraue mantel eines heiligen der letzten tage, weiter oben blitzen runde hasenzähnchen und eine jugendlich glatte stirn. sind mormonen eigentlich gegen zahnspangen, formuliere ich die theologische frage für mich, dann erwischt mich das licht und ein schwall toter motten fällt aus meinen taschen. schnell muss ich mit den anderen termiten unter meine augendeckel kriechen, um nicht zu staub und einer einzelnen rippe zu zerfallen. licht ist der lauschangriff gottes, den die kriminalisten bei ihren verhören schlecht imitieren, wenn sie den verdächtigen mit einer lampe ins gesicht leuchten. wahrheit ist flüchtig, gasförmig und selten wohlriechend, sie unterschiedet sich um längen vom duft der freiheit, denn freiheit ist ein edelgas, teuer verkauft. es fluoresziert im dunklen, ist manchen ein hoffnungsschimmer, wo nicht alles gleisend illuminiert ist, und elektrisiert, wo kein strom ist, keine lavawalze von überdeutlichkeiten, die einem beim hineinspringen in zapfen und stäbchen die sehkraft nimmt, und alles zu einem widerlichen brei aus giftgelbem unterhautfett macht.
als sich die türen zischend öffnen und die termiten hinausdrängen, diffundiert der süßliche cumulus. die toten motten werden mit einem luftzug in die ecke gespült, in der sich der notrufknopf befindet und die aufforderung, die schalldichten scheiben mit hammer und sichel zu zerschlagen. unruhiges murmeln in den sitzreihen, das klingt wie das surren des apparats für wiederbelebungsmaßnahmen nach herzstillstand. ich sitze immer noch unter meiner haut, warm und sicher, lausche im dunklen dem flachen, unregelmäßigen puls, und am ende der dunkelheit flimmert eine undeutliche dämmerung, genau zwischen sternennacht und morgenröte.

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city of abschaum
heute hat mir ein penner - also ein mitglied der durchschnittsbevölkerung hier - prügel angedroht, weil ich in die richtige richtung den radweg benutzt habe.
kranke arschlöcher. ich muss dringend weg hier.
notiert: ab sofort nie wieder spenden an irgendwelche versoffenen herumlungerer. die haben bestimmt sowieso mehr kohle als ich.

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