Montag, 14. Januar 2008
roll-back, paperweight
fotomontage: ein meer, ein himmel. grautöne. und dann phänomenales theater.

wie die zeichnung von freud, die bei genauem hinsehen auf seiner stirn eine frau entpuppt.

das auge des sturm das auge des elefanten. wenn elefanten zornig blicken könnten, dann so. eine ganze stirn kommt als horizont, den himmel verdunkelnd, bietet sich.
und auf der elefantenstirn ein pinselwirbel, der streifen im fell eines tigers ist, die fast verschwinden hinter der schwärze des aufgerissenen mauls, schwarz brüllende vergeltung zwischen der sonne der raubtierzähne.
die untere bildhälfte aufgewühltes meer, wellen schließen sich zusammen und gliedern sich, eine riesige herde büffel, die landwärts stürmt, die gischt hufe, die staub aufwirbeln, donnert heran.

grenzenlose aufregung.

aufgewacht.

ich brauche einen traumdeuter.

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#7 zuspruch...
ist auch nur eine schlampe, die sich in einen feuchten, glitschigen spalt zwischen leben und leben drängt.

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Sonntag, 13. Januar 2008
prädikat: lieblich
vor dem weinregal bei rewe gefragt "was fürn wein willste denn?" antworte ich immer "nicht zu trocken, so saueres zeug vertrage ich nicht, krieg ich magenschmerzen von." nach einem viertel glas chianti habe ich einmal über die burgmauer gekotzt, und mein damaliger verklemmter begleiter hat sich wie so oft furchtbar für mich geniert.

ich bin eigentlich ein sehr netter mensch. ich höre mir massenhaft probleme dritter an, schreibe einfühlsame mails, tätige wenigstens einigermaßen zuverlässig rückrufe. ich könnte telefonseelsorgerin werden. ich könnte mich bei "domian" bewerben und anderer leute schrecklichkeiten veröffentlichen.
ich könnte.
und dann sind die probleme der umsorgten gelöst und die leute verschwinden aus meinem leben, so wie sie gekommen sind, ein überraschender akuter notfall. oft schicke ich noch eine nachfrage hinterher, halb verbindlich, heiter. zurück kommt selten etwas, das nach einer fortsetzung der "freundschaft" klingt. mit männern habe ich früher geflirtet, kokettiert, nur um eine antwort zu bekommen, ich benutzte sex, um einen kontakt aufrecht zu erhalten. wenn dir einer sagt "geile titten", fühlt man ja auch einen teil von sich geliebt.
irgendwann habe ich h. kennengelernt, in einem seminar für linguistik. wir unterhielten uns über die allgemeine unverbindlichkeit zwischen menschen. h. sagte, sie wolle nur "echte" freundschaften. zunächst begeistert, verabredete ich mich dann ein paar mal mit h., bis ich dann irgendwann merkte, dass sie die gleichen sachen trug wie ich, ihre haare ähnlich föhnte, dinge aß, die ich gut fand, meine musik hörte, die sie vorher gar nicht mochte, ja plötzlich auch einen mann an ihrer seite hatte, der doppelt so alt war wie sie.
zum ersten mal in meinem leben flüchtete ich aus einer freundschaft. h. ging kurz darauf wieder in therapie, wegen jahrelanger magersucht. ich hätte ihr ein schweres identitätsproblem attestiert.

bis heute finde ich mich immer wieder in runden wieder, erlebe mich als geselligen menschen, humorvoll, hilfsbereit. dennoch gibt es kaum menschen, bei denen ich eine ähnlichkeit mit mir feststelle, aus der dann die herzlichkeit und verbindlichkeit erwachsen könnte, die freundschaften so ausmachen. das interesse an mir als mensch, so stelle ich fest, ist vorhanden, aber ich kann nicht faszinieren. flüchtige kontakte, meist problemgebunden, ist alles, was ich zustande kriege. ohne meinen mann hätte ich vermutlich nicht einen einzigen soulmate.

wir haben also tatsächlich am freitag diesen lieblichen wein gekauft. er steht noch in der küche. vielleicht ist er ja auch zu süß.

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Freitag, 11. Januar 2008
mein baby wurde zwei...
... und ich hab´s vergessen.
sehkrank war ich die letzten monate wegen soviel anderem, die nerven verschlungen wie algen am strand, selten nur strand-gut, auch viel schiffsbruch-schlecht und matrosenleichen zahlreich wie die sterne am nordmeer. der/das blog wurde deswegen nicht unbedingt vernachlässigt, aber sicherlich wurde ich nachlässiger, wo soviel existenz das virtuelle teilweise verdrängte, auch viele leser verschreckte, kommentatoren wegbleiben ließ, oft wusste ich selbst nicht warum jetzt genau. sehkrank lesen bedeutet wohl definitiv behindert sein, zuallererst von sich selbst und dem eigenen blick auf die dinge, denn sehkrank bedeutet einen entzerrer auf die wirklichkeit zu richten, oder manchmal auch einen verzerrer, da, wo die wirklichkeit nur platt und eindimensional, langweilig ist.
letztes jahr zum bloggeburtstag schrieb mir jemand schlaues, ich glaube, es war herr mark, das zweite jahr sei das schwerste. das hat sich wohl erstmal bestätigt, ohne prognosen für dies dritte geben zu wollen. unkenrufe, das ist eher die spezialität eines nobelpreisträgers.
das wichtigste ereignis des letzten blogjahres war der völlig blogunabhängige moment, das große lob von fachkundiger seite, und ja, ich darf nun sagen, grünes licht von theoretischer seite für meine promotion, zwei gutachter wollen mir die besten empfehlungen ever mit auf den weg geben. der weg wird ein steiniger sein, weil finanziell bodenlos, ich kratze steinchen für steinchen zusammen, aber es wird kein ganzer pflasterstein bislang, und es kann sein, dass dieser einfache materielle aspekt mich scheitern lassen will, dort wo sich wille und geist eigentlich schon vereint hatten. wir werden sehen, der kampf ist noch nicht zuende gefochten, ich stehe mitten im feuer, und da wo einer brennt, lebt er noch, heißt es in einem theaterstück über einen jugendlichen - allegorischen - brandstifter, dessen name ich schon vergessen habe.
euch allen, die an meiner seite waren und bleiben, danke für die teilweise anregenden diskussionen, für die treue in meinen schwachen momenten, und hin und wieder auch für das schweigen, dort, wo, und ich weiß das, worte manchmal nicht sein können.

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Donnerstag, 10. Januar 2008
pfingstochsen
die männerwelt strebe allgemein in richtung metrosexualität, heißt es, und das stellt man auch fest, denn cremes und pillen und schönheitspflästerlein pflastern den weg, wimperntusche und maniküre sind längst keine frauendomains mehr.
als frau sage ich dazu, na gut, muss ich mir mit meinen bisexuellen neigungen wenigstens nicht die beziehung verkomplizieren, so ein bisschen weiche weiblichkeit habe ich also schon mit im komplettpaket. solange ich nicht glauben muss, dass ich sex mit hermaphroditen habe, ist alles in ordnung.
weibliche attribute werden von männern aber noch anders adaptiert, dort, wo mann soviel weiblichkeit etwas indirekter an den körper lassen möchte, nämlich in form von schmuck und bekleidung.
bei unseren jungen kleinkriminellen und kriminellen in spe, also dem publikum vor meiner haustür, treffe ich häufiger poser und pseudoobermacker an, die tshirts mit der aufschrift "zicke" tragen, vorzugsweise in leuchtenden kleinmädchen-farben wie pink oder türkis und manchmal gelb. dazu sind glitzer-ohrstecker beliebt, je größer, desto besser. beim friseur in unserer straße stehen sie dann schlange, um ihre mainstream-iros neu gelen zu lassen. jede strähne muss sitzen, wenn man(n)/jungs dann in grellen mädchen-shirt, glitzernd wie ein geschmückter pfingstochse, in arschhose und gipsfuß-turnschuhen durch die straßen pöbelt. gegen soviel überweiblichung und männliche disindividualisierung wird dann gang-weise gekämpft, indem man der jeweils anderen gang auflauert und ihr was auf die fresse gibt, oder indem man omas an der ubahn erschreckt, kindern das pausenbrot wegnimmt oder einfach nur in großzügigen portionen den asphalt einspeichelt.
das überschmückungsproblem gibt es aber auch bei älteren männern, die keine bunten plastikstecker in den ohren oder mädchenshirts am leib tragen. neulich im schimmbad war ein fetter, ganzkörperergrauter herr, der in jeder körperfalte eine dicke goldkette verbarg, insgesamt sicher fünf oder sechs an allen möglichen stellen. bei jedem schritt blinkte und funkelte er wie ein weihnachtsbaum. die naheliegende vermutung, dass man solch beschwerenden behang im sole-becken des thermalbads benötigt, um dem lipidauftrieb entgegenzuwirken und nicht wie ein lachgasgefüllter ballon auf der wasseroberfläche zu taumeln, wurde nicht bestätigt, da sich pfingstochsen dieser sorte auch an meiner eckkneipe tummeln sowie erst kürzlich in öffentlichen verkehrsmitteln gesichtet werden konnten. daher muss vermutet werden, dass es sich um ein evolutionäres relikt handelt. im gleichen maße, wie sich der kernige jäger von einst die knochen seiner erlegten büffel und säbelzahntiger durch alle erdenklichen körperstellen bohrte oder sich wenigstens damit behängte, um seine jagdqualifikation zu beweisen, so zeigt der schmerbäuchige heute, dass er sein fett nicht vom lidl-weißbrot und von ungefähr hat, sondern dass er richtig asche in der tasche hat, weil er ein toller schutzgelderpresser, waffenhändler oder drogenbaron ist.
man kann also sagen, dass für fast jede frau wohl was dabei ist. fast, so beinahe. zumindest für manche. also diejenigen, die darauf stehen.

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Dienstag, 8. Januar 2008
kino unterwegs
am bahnsteig wartend, die nerven auf die gleise getackert, synapsen erst mit den einfahrenden lichtern gelöst.
in der u-bahn ian curtis getroffen, jung und warm, mit leichter pubertätsakne und jungs-rucksack. ian blickte stur in eine andere welt, die drüben an der vertäfelung zu beginnen schien. nichtssagend irgendwie.
nichts gesagt.
die stunden rieseln dahin und schon steht wieder das leben auf dem spiel. kickt mich. torwärts bitte.

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