Dienstag, 8. September 2015
gegenwart
die gegenwart kann man nur spüren. denn wenn man "jetzt" sagt, ist in diesem moment jetzt schon vorbei.

die gegenwart gespürt habe ich zuletzt, als mir bewusst war: diesen moment möchte ich festhalten.

diesen moment muss ich mit keinem beispiel beziffern. die liebende erinnerung weiß um ihn, in jeder sekunde. erinnern ist gedachte gegenwart, im fließenden übergang zum tagtraum.

manchmal möchte ich andere menschen gerne fragen: wovon träumst du? in der u-bahn, wenn einer aus dem fenster starrt, das in kein draußen führt. wenn jemand musik hört, mit geschlossenen augen. oder einer seinem gesprächspartner abwesend über die schulter starrt.

gern würde ich wissen, wie viel zeit ein mensch mit tagträumen und erinnern verbringt. und wie wenig in der gegenwart.

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Sonntag, 6. September 2015
sünde
die einzige sünde, die niemals vergeben werden kann, ist verzweiflung.

ich habe glück, dass ich nicht orthodox getauft bin, das wäre ja mein untergang. das abo für die hölle.

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Dienstag, 1. September 2015
wie neugeboren
tagelöhnerin.
multijobberin.
irgendwo so knapp über der hartzer-grenze.
aber stehauffräulein.
auch ohne medikamente lebe ich lediglich in permananter existenzangst, aber nicht in äußerster, lähmender verzweiflung.

dieser klitzekleine unterschied, den allein die hirnchemie ausmacht. von außen ist es absolut dasselbe.
diesselbe scheiße wie immer.

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Samstag, 29. August 2015
jungspunde
sich als ü-30-frau im nachtleben rumzutreiben, muss bedeuten, dass man seine ruhe hat, dachte ich mal. aber nein.

gestern war ich erst im düsterschuppen feiern, wechelte dann aber gegen vier noch auf eine rock-party. da spielten sie so uralte abgedroschene schinken wie "wonderwall" von oasis und das publikum hatte einen altersdurchschnitt von ü40. ich identifizierte ein paar geschäftsdaddys, die mit gelockerter krawatte herumsaßen, weil sie wahrscheinlich dachten, nachts in hamburg müsse was unheimlich tolles passieren, ein paar alt-rocker, die garantiert draußen irgendwo ihre harley stehen hatten, sowie ein paar versprengte studenten. die stimmung war nicht allzu pralle, aber es war auch schon spät.

ich stand keine minute da, als sich einer von den jungspunden näherte. mitte 20, schätzte ich, eine hübsche stino-milchfresse, aber nicht besonders intelligent.
"hey, ich hab gerade meine gruppe verloren", sagte er zur begrüßung.
"das ist ja traurig", sagte ich sarkastisch.
der stino-milchbubi guckte mich an und fragte dann: "mit wem bist du denn hier?"
hm, was sollte ich sagen? mit meinem pit bull terrier? mit meinem zuhälter? aber ich wollte auch nicht gemeiner sein als nötig, als sagte ich:
"mit mir."
"mit mir?" fragte die milchfresse so entsetzt zurück, als hätte ich gesagt, mit prinz charles.
"also nicht mir DIR", lachte ich.
"GANZ ALLEINE?!"
die milchfresse war noch immer konsterniert.
"ja."

ich wurde eine weile interessiert beglotzt wie ein chamäleon, das gerade die farbe gewechselt hatte, dann fragte der typ weiter:
"und was suchst du?"
"gar nichts", sagte ich. "was soll man hier schon finden? das ein oder andere nette lied, ein getränk, ein bisschen entspannung."
die milchfresse hatte verständnisprobleme.
"suchst du denn keinen mann?"
"wozu das denn? soll ich heiraten, ein nest bauen und kinder kriegen?"
milchfresse glotzte wieder:
"also suchst du hier jemanden, der dir ein kind macht!"
ich musste laut lachen:
"siehst du hier jemanden, von dem du dir ein kind ein machen lassen würdest?!"

jetzt hatte ich ihn vollends verwirrt. eine alte, die ganz alleine in der disco rumstand, nichts suchte und auch nicht wollte, dass ihr jemand mit 3,0 promille und einem nicht allzu attraktivem gen-pool beim reproduzieren half, mit der konnte doch was nicht stimmen!
"willst du denn keine kinder?" fragte er vorsichtig weiter.
"ich hasse kinder", sagte ich.
"oh", meinte er nur noch und stand dann wieder hilflos rum.

"hier ist ja irgendwie nichts los", maulte er dann.
"dann geh doch woanders hin", sagte ich.
die milchfresse guckte mich an und legte mir die hand auf den arsch.
"finger weg", sagte ich.
"tschuldigung."
"was suchst du denn?" fragte ich zurück.
"hm, eigentlich auch nichts."
"nichts" meinte vermutlich einen unverbindlichen fick mit einer tussi, die verzweifelt genug war oder eben unbedingt ein kind wollte.

ich seufzte und schlüpfte in meine jacke.
"gehst du?" fragte mich milchfresse entsetzt.
"ja", sagte ich.
"kann ich mitkommen?"
"wohin willst du denn?" lachte ich.
"naja... vielleicht zu dir?"
"sorry, da krieg ich muttergefühle", sagte ich. "außerdem wolltest du doch deine gruppe suchen."
"äh... ja."

dann stapfte ich hinaus und ließ die milchfresse stehen.

mannmannmann.

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Donnerstag, 27. August 2015
soziale masturbation
ganz viele möchtegern-gutmenschen ereifern sich gerade wegen der flüchtlinge und posten nonstop rührige scheiße. aber nur, weils so en vogue ist, weils überall in der verfickten zeitung steht.

all die jahre und jahrzehnte lang waren euch die doch kackegal. und eine regierung habt ihr eigenhändig gewählt, die für abschiebungen und waffenexporte und die totale erosion des sozialstaats steht.

euren medial gebrainwashten fokus möchte ich mal haben.

so, und jetzt könnt ihr wieder auf mich eindreschen oder mir erklären, wie toll es doch ist, ein zeichen zu setzen, indem man einen facebook-beitrag zum 5001 mal liked und wie viel da die armen flüchtlinge von haben, die wahrscheinlich alle kein internetz haben oder kein deusch können.

wenn ihr helfen wollt, machts still. machts uneitel. und machts nicht virtuell. und versuchts mal nicht bloß mit symptombekämpfung. sorgt lieber dafür, dass sich teflon-angie und der fette gabriel demnächst bei der müllabfuhr bewerben müssen, auf einen ein-euro-job oder so.
danke.

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