Sonntag, 8. März 2015
hurt
wenn meine eltern zu besuch sind, kommt mein gesamtes inneres system durcheinander.

zum einen, weil sie mir teils tierisch auf die nerven fallen. sie mögen hamburg nicht, sind mit der stadt völlig überfordert und wissen nicht wohin mit sich, dennoch kommen ideen und inspiration meinerseits nicht an, weil sie so ihren stiefel durchziehen und grundsätzlich nur schwer für irgendetwas zu begeistern sind. darüber hinaus haben wir einen unterschiedlichen tagesrhythmus - während ich am wochenende endlich mal schlafen möchte, sind meine eltern spätestens um neun am frühstücken.

zum anderen, weil ich sie sehr lieb habe und auch merke, dass sie mich liebhaben. dabei sind unsere arten zu lieben defizitär und inkompatibel, was oft an einer stelle missstimmung erzeugt, an der eigentlich ein großes, warmherziges lächeln stehen sollte.

wie sehr mich ein besuch meiner eltern anstrengt, merke ich an der körperlichen müdigkeit, die mich dann überkommt. fast überfallsartig. heute musste ich nach zweieinhalb stunden abbrechen, weil ich nicht mehr klar zwischen wahrnehmung und gedanken trennen konnte und wieder anfing, ihr verhalten zu bewerten und auf mich zu beziehen. nun bin ich zuhause, alleine, in der kehle sitzt das große heulen, weil ich sie jetzt schon wieder vermisse und weil alles immer so kompliziert ist.

ich wünsche mir so sehr eine schwester oder einen bruder, den ich nach einem solchen tag anrufen könnte. und die oder der mir dann sagen würde: "du weißt doch, sie sind halt so, aber wir haben uns doch lieb."

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Donnerstag, 5. März 2015
nach dem fressen
der dr.-ing. hat sich vergangene woche überraschend zurückgezogen. wegen gewissensbissen seiner frau gegenüber. doch gestern steht er weder auf der matte, prinzipien hin oder her.

"hach, muss liebe schön sein", sage ich sarkastisch am telefon, als er mir gesteht, dass es doch ein bisschen zu toll war, um die sache aufzugeben.
"dir macht das spaß, in wunden zu bohren, was", will er wissen.
"nö. ich freue mich nur, wenn ich recht behalte."
"du hast ein furchtbar schlechtes männerbild."
"es ist aber realistisch."
der dr.-ing. seufzt:
"da mag ich dir jetzt noch nicht mal widersprechen."
"glaub bloß nicht, dass ich dir wegen dieses satzes jetzt die absolution erteile."
der dr.-ing. lacht. ein bisschen gequält. dann will er wissen, wann er vorbeikommen darf.
"um acht?"
"gut."
"und bring was mit, ja. nen wein oder so."
"ey, ich muss noch autofahren!"
"ey, ich trink den auch alleine!"
der dr.-ing. ist nicht eingeschnappt, sondern kichert. er mag offentsichtlich meinen humor.
"dann bis später."
"bis später."
"halt warte mal! ich hab noch eine idee..."
"was denn?"
"könntest du mich bitte nackt empfangen?"

kann ich.
"wahnsinn, du bist echt verrückt", strahlt der dr.-ing., als er mich zur begrüßung umarmt.
"was ist verrückt daran, einen wunsch zu erfüllen?"
"nein, du hast recht. es ist cool. und du bist so schön", sagt der dr.-ing. und spielt mit meiner linken brustwarze.
dann zieht er sich hastig aus, beugt mich über den schreibtisch und beginnt, mich von hinten zu ficken. wie beim letzten mal kommt er so schnell wie ein überhitzter teenager.
"orrrrrr... was machst du mich auch so an", stöhnt der dr.-ing.
"wir können ja noch mal", sage ich. "allerdings würde ich diesmal das bett bevorzugen, ich hab nämlich total kalte füße."

wir krabbeln in mein bett und der dr.-ing. schlingt meine decken um mich. fürsorglich. und ich muss kurz ans objekt denken. männer unter oxytocin-einfluss scheinen ähnliche verhaltensweisen an den tag zu legen.

unter der decke angle ich nach seinem schwanz. ganz klein hängt er in seiner hülle, aber erigiert erreicht er eine beachtliche größe. eine angenehme größe.
der dr.-ing. beginnt, schnell zu atmen und dann anzudocken. missionarsstellung, klassisch. zärtlich, langsam. wir kommen ziemlich zeitgleich.

der dr.-ing. zieht mich in den arm.
"weißt du, was mal ein typ zu mir sagte", erzähle ich. "der sagte, als ich nach dem sex die hand ausstreckte, um ihn zu streicheln, doch tatsächlich: du willst doch nicht etwa kuscheln?! total entsetzt."
der dr.-ing. lacht sich schlapp.
"du kennst ja komische leute."
"manchmal frage ich mich auch... da ist man offiziell gestört, aber die richtig kranken sachen ziehen eigentlich andere ab."
"warum offiziell gestört?"
schwupp, so verplappert man sich. der dr.-ing. weiß ja noch gar nichts von seinem glück, mit einer irren zu vögeln.
"ach, ich nehm tabletten, weißt du, mir gehts manchmal nicht so gut."
der dr.-ing. schaut mich aufmerksam an.
"hat das was damit zu tun", fragt er und streicht über die narben an meinen armen.
"ähm", sage ich und muss dann erstmal wegschauen. das ganze wird mir jetzt etwas zu intim.
"musste nicht erzählen", sagt der dr.-ing. "es würde mich nur freuen, wenn du gerade keine so schlimmen sorgen hast."
das klingt lieb und warmherzig, aber ich mag nicht antworten. offenbarungen führen immer nur dazu, dass die leute abhauen. im menschen verscheuchen bin ich weltmeister.
also sage ich nichts, sondern kuschle mich nur ein, lächle und genieße die wärme, die feuchtigkeit zwischen meinen schenkeln und die zarten berührungen an meinen brüsten.

irgendwann steht der dr.-ing. auf und schlüpft in seine sachen.
"komisch ist es ja schon", sagt er.
"was denn?"
"jetzt zu gehen."
"es wäre komisch zu bleiben, du hast doch ne frau."
"ja eben. irgendwie hab ich schon wieder ein schlechtes gewissen."
"das ist normal. nach dem fressen kommt die moral."
der dr.-ing. lacht.
"du bist ne knallharte, gelle? und auch wieder nicht... deine samtaugen sagen jedenfalls was anderes."
"schon möglich."

eine letzte umarmung, dann steht der dr.-ing. im treppenhaus.
"bis bald."
"aber nur, wenn du aufhörst, mir mit deinem schlechten gewissen in den ohren zu liegen."
"ich geb mir mühe."
"na dann."

wieder winke ich zum abschied. eine geste, die mir hilft, größtmöglichen abstand in die sache zu bringen.

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Montag, 2. März 2015
in concert
gestern waren die wunderbaren archive in der großen freiheit und ich war gewissermaßen unvorhergesehenermaßen dabei. leider kein eigener mitschnitt, weil ja heutzutage keiner mehr zuhören kann und ich mehr privatgespräche als musik auf meinen videos hatte.

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Samstag, 28. Februar 2015
parce que l´amour est toujours une décision


a partir de cette instant, la liberté sera quelque chose de vivant et de transparent, et sa demeure sera pour toujours, le coeur de l'homme.

il est décrété qu'a partir de maintenant,
la vérité est une valeur,
il est décrété qu'a partir de maintenant,
la vie est une valeur.

il est décrété qu'a partir de cette instant,
l'homme n'aura plus jamais besoin de douté de l'homme,
que l'homme aura confiance en l'homme,
comme le palmier se confie au vent.

il est décrété que la plus grande souffrance à toujours été et sera toujours, de ne pas pouvoir se donner d'amour à qui l'on aime.

il est décrété qu'il ne sera plus jamais nécessaire d'user de la cuirasse du silence, ni de l'armature des mots. l'homme s'assiéra à table avec un regard pure.

une seule chose reste interdite,
aimer sans amour.

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das herz ist eine phalanx
die kerze flackert grell wie ein stroboskop durch den sehnerv und brennt sich auf die netzhaut. zurücklehnen, durch die ein bisschen zu feuchte nase luft holen und beim atmen den tauben rachen wahrnehmen.

die stimme, die von gegenüber aus dem sessel quillt, ist nur noch ton ohne inhalt. dein lächeln steht auf automatik. das gesicht hält ein schild hoch, dessen aufschrift du nicht mehr kennst, du hoffst nur, sie passt zur szenerie.

last exit to i-don´t-know-where.

oder so.

das herz ist eine phalanx. hier kommt nichts rein, von keiner seite. nicht heute.

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Donnerstag, 26. Februar 2015
mach mal mathe
ich hab manchmal noch immer alpträume, in denen ich mein mathe-abi machen muss und erstaunt feststelle, dass ich schon seeeeeeeehhhhr lange aus der schule raus bin und von den dingen überhaupt keine ahnung mehr habe. wobei nicht gesagt sei, dass ich damals viel mehr ahnung gehabt hätte, denn ich hatte in mathe am ende nur noch klägliche drei punkte. ja, mies. und es kratzt mich noch heute, dass ich damals so den anschluss verloren habe, zugegeben auch, weil ich ihn rotzpubertär ganz bewusst verlieren wollte - frei nach dem motto mathe doof, lehrer doof, alles doof. zumal mathe echt spannend ist. das versteht man aber nur, wenn es einem jemand außerhalb der schule erklärt.

heute mache ich beruflich mal was ganz anderes, vertrete einen kollegen und lasse eine klausur schreiben. mit fiesen integralen und alles, wovor es mich als abiturientin so geschauert hat. es hat spaß gemacht, zusammenzusitzen und zu diskutieren, ob dies und jenes für unser publikum denn noch lösbar sei. dabei hab ich auch mal wieder mit dem stoff beschäftigt, der zwar uni-niveau hat, aber das ein oder andere ist in ansätzen wieder durchgeblitzt.

wenn ich ganz viel zeit hätte, würde ich das gerne alles noch mal richtig lernen wollen. so von der achten klasse aufwärts, sagen wir mal. denn mit mathe erklärt sich die welt.

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