Sonntag, 15. Februar 2015
samstagsmaler
seit gestern erstrahlen küche, bad und flur in neuem weiß - der lederjacke sei dank.

ich habe die lederjacke schon lange nicht mehr gesehen. als sie zur tür hereinkommt und die jacke ablegt, sehe ich, dass sich ihr oberarmvolumen schätzungsweise verdoppelt hat.
"boah, hast du arme!" sage ich anerkennend und die lederjacke grinst sehr geschmeichelt:
"deshalb mach ich auch wieder die decken, ja? ich brauch das, ich kann ja heute nicht mehr trainieren gehen."

die lederjacke pellt sich bis auf den calvin-klein-schlüpper aus den klamotten und steigt in einen blaumann. ich grinse, und die lederjacke weiß, dass sie mit dem feuer spielt. dann greifen wir zu pinsel und rolle.
"wie gehts dir denn so, alles stabil bei dir?" will die lederjacke wissen.
"ja, so lala", sage ich. "nachdem ich jetzt vom objekt weg bin, gehts mir im schnitt ganz gut. und dir?"
"ich hab ein promotionsangebot!" platzt die lederjacke stolz wie bolle raus.
"neeeeeeiiiiinn... wie cool ist das denn?!"

wie immer ist das glück eine frage von beziehungen. über die kollegin einer kollegin hat die lederjacke zugang zu einem forschungsprojekt an der uni bekommen.
"wenn das klappt, krieg ich ein stipendium und vielleicht sogar ne halbe stelle!"
"das heißt, es ist dann schluss mit arbeiten beim amt?"
"ja. vorbei, endgültig. ich hab das so satt, da die armut unserer antisozialen stadt zu verwalten... weißte, den leuten kommt ja keine echte hilfe zu. ich hab 80 fälle oder so, das sind nur nummern, die du durchpeitschen musst und bei denen du hoffst, dass es keine komplikationen gibt, weil das alles sonst zu viel zeit kosten würde. das fucking amt baut ja nur stellen ab, alle mitarbeiter sind total überlastet, deswegen sind auch ständig welche krank... ganz ganz üble mühle, sag ich dir. mit sozialstaat hat das überhaupt nichts mehr zu tun. lieber obdachlos als abhängig von uns, das würde ich jedem raten."

die lederjacke ist immer noch systemkritisch und engagiert, das mag ich so an ihr. als wir mit dem anstrich durch sind, sitzen wir im wohnzimmer, quarzen und trinken meine wodka-vorräte.
"geht heute eigentlich irgendwo was? wollen wir noch in den club?" fragt die lederjacke.
"der club ist tot", sage ich.
"achja, stimmt, habe ich gelesen. warst du auf der abschluss-fete?"
"ja. saucooler abend. scooter war auch da."
"yeah", sagt die lederjacke, schmeißt rebel yell in die playlist und dreht die boxen bis zum anschlag auf.

"wir können aber noch woanders hingehen", sagte ich dann, "heute ist auch noch ne andere party."
"auja", ist die lederjacke schnell entschlossen, weil sie den richtigen pegel hat und in fahrt kommt.
"ich muss aber noch mal nachhause, ich hab nix anzuziehen mit."
"tust du mir einen gefallen", sage ich.
"wasn?"
"zieh deine lederjacke an."
die lederjacke grinst und macht sich dann auf.
"wir sehen uns in einer stunde da!"
"bis dann. und tüdel nicht rum."

als ich eine stunde später von der u-bahn hochlaufe, kommt mir die lederjacke aus der richtung zob entgegen. perfektes timing.
"du hast echt deine lederjacke an", stelle ich fest.
"na, wenn du dir das wünschst."
wir stehen in der garderobenschlange.
"mann, ist hier viel los!", findet die lederjacke.
"ist eine der größten partys dieser sorte."
"wahnsinn. und wow, kann das sein, das da vorne der sänger von project pitchfork läuft?"
ich zucke die achseln:
"der ist öfter mal da."
"wie cool."

die lederjacke ist ganz aufgeregt und braucht erstmal ein bier, und dann gleich noch eins:
"cool, ist das cool hier, ich muss tanzen gehen!"
"ja, aber warte mal, ich zeig dir erstmal die verschiedenen floors hier. und wo wir uns treffen können, wenn wir uns nicht mehr finden sollten."
"wie viele stockwerke sind das?"
"nur zwei. und dann gibts noch eine area, die ist im hintergebäude ausgelagert, aber die hat heute zu."
"schweinerei!"
"tröste dich, die mucke wäre dir eh zu hart."
die lederjacke schaut mich empört an und schubst mich.
"na gut, dann nehm ich dich jetzt mit in die elektro-hölle oben", sage ich.

wider erwarten findet die lederjacke auch diese area cool, tanzt und singt "hyper hyper" gegen den krach ab, während ich mich totlache.
"wen hast du denn heute dabei?", spricht mich die barfrau aus dem club, die heute auch da ist, an.
"das ist nur ein kumpel, wir haben vorhin zusammen meine wohung gestrichen."
"mit dem würde ich auch gern wohnungen streichen", kichert die barfrau.
"soll ich euch mal vorstellen?"
doch nicht nötig, die lederjacke kommt angeschossen und stellt sich selbst vor.

wir gehen in den raucherraum. die lederjacke ist immer noch voll auf dem scooter-trip und singt singt und rappt abwechselnd. der mann der barfrau kommt hinzu, guckt sich die szene kurz an, rollt bedeutungsvoll die augen und geht dann wieder.
"schatzi, jetzt sei mal nicht so, hol uns lieber was zu trinken", ruft ihm seine frau nach.

nach einer weiteren whiskey cola beginnt meine welt sich zu drehen. die lederjacke unterhält sich eifrig mit der barfrau und ihrem mann. mein freund v. schaut auch kurz vorbei. im gegensatz zu mir ist er frisch verknallt.
"geh weg, ich kann heute keine verliebten menschen sehen", sage ich.
aber v. lacht nur und drückt mich. das ist das charmante an verliebten: diese realitätsresistenz.

da ich um acht uhr morgens aufgestanden bin, meine wohnung ausgeräumt und anschließend mit streichen beschäftigt war, bin ich gegen drei ziemlich müde.
"meine füße tun weh", sage ich zur lederjacke.
"ich bin auch schon recht angetrunken", meinte die lederjacke. "vielleicht sollten wir nach hause."
ich sehe die lederjacke an, die normalerweise ab einem gewissen pegel kein ende findet.
"du willst nach hause, bist du krank?"
"ich hab ein paar sachen umgestellt in den letzten monaten", sagt die lederjacke ernsthaft. "ich habe wieder angefangen, mehr zu boxen. dafür will ich fitter werden und auch noch ein paar kilos abnehmen."
das erklärt auch die zusätzliche muckimasse.
"dann lass uns doch aufbrechen."

an der bahn nimmt mich die lederjacke in den arm:
"das war ne richtig gute idee, ist die party öfter?"
"alle vier wochen."
"ich will da wieder hin!"
"gerne."
"dann komm mal gut heim", drückt mich die lederjacke ganz fest, "und schick mir ne nachricht, wenn du angekommen bist, dann bin ich beruhigter."
"dito."

dann zieht jeder seines weges. erst in der bahn fällt mir ein, dass ich ja mal hätte fragen können. anderseits bin ich auch zu müde zum vögeln. also beschließe ich, mich an der tatsache zu erfreuen, dass die lederjacke immer noch mein freund sein will - und dass ich nun wieder eine halbswegs ordentliche wohnung habe.

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Samstag, 14. Februar 2015
auseinandersetzung
gestern abend stehe ich, liebeskummergeflasht, vor der wahl: auf die als gemeinschaftliches ausgehevent geplante kulturveranstaltung gehen oder nicht? theoretisch bin ich noch erschöpfter als die tage zuvor und kann mir nicht vorstellen, bahn zu fahren. anderseits bedeutet kultur auch energie. etwas erleben, sich bewegen lassen. und das ganz jenseits der gefährlichen party-zone.

manchmal weiß ich nicht, woher ich die kraft nehme, um mir den impuls zu vermitteln, mich aufzuraffen. aber eine stunde nach der niederschmetternden nachricht stehe ich im bad und schminke mich. ich profitiere vom schock, der bewirkt, dass alles noch zu unwirklich ist, um darüber zu flennen. also keine heulfresse, sondern ein von der anspannung der informationsverarbeitung wunderbar glattgezogenes gesicht. eine hübsche maske, die anzumalen beinahe spaß macht.

man sieht mir nichts an. auch wenn ich mit einer 50er-packung tramal in der tasche auf einer parkbank sitze, sieht man mir nicht an, dass es mir irgendwie schlecht ginge und der gedanke, sich das leben zu nehmen, bedrohlich nahe ist.

als ich mit meiner geschminkten maske richtung bahn gehe, vernehme ich geschrei. normalerweise gehe ich nie ohne mp3-player außer haus, da ich mich von der realität abschirmen muss, aber gestern habe ich bewussst darauf verzichtet. musik macht nur sentimental.

ich nehme gerade die rolltreppe zum bahnsteig, als ich wieder geschrei höre. irgendwelche besoffenen, denke ich, ist ja freitag. dann aber stürmt ein blondes mädchen die rolltreppe hinter mir hoch, dreht sich um und sieht mich an. sie macht einen verängstigten eindruck, hat tränen im gesicht und eine schmutzige jacke. ich schätze sie auf 12 oder 13 jahre.

"haben sie... haben sie ein mädchen laufen sehen... wo ist sie hin...", stammelt die kleine verwirrt. ich gucke genauer hin. das mädchen wirkt geistig behindert auf mich.
"du bist die einzige, die ich hier laufen sehen", sage ich freundlich.
"da sin so.... da sin so... jungens... die sagen, weil du behindert bist... weil du behindert bist."
"weil du behindert bist, was?"
"aber da kann ich doch nicht für!"
"natürlich kannst du da nichts für."
"die hammich so... festgehalten... und getreten!"
jetzt bleibt mir der mund offenstehen.
"die haben WAS?"
"und nur, weil ich behindert bin!"
das mädchen hat schon wieder frische tränen im gesicht und impulsiv lege ich den arm um sie. sie klammert sich an meinen mantel.
"sind die denn noch da?" frage ich.
"nee... die sind weggerannt. aber das kann man doch nicht machen, nur weil ich behindert bin!"
"die welt ist leider voller arschlöcher", sage ich. "als ich so alt war wie du, haben mich auch immer jungs verprügelt."
die kleine guckt mich mit ihren großen blauen augen an:
"aber warum denn?"
"ich war gut in der schule. das provoziert neid. und ich war obendrein noch nett. das suchen solche typen, die dich fertigmachen wollen."
"aber sie sinn... nicht behindert!"
"nein", sage ich.

die kleine beruhigt sich langsam, lässt aber meinen mantel nicht los.
"musst du jetzt auch mit der bahn fahren?" will ich wissen.
die kleine schüttelt energisch den kopf.
"ich muss nach hause!"
"dann mach mal deine jacke zu, es ist viel zu kalt."
"die is schmutzig, jetzt."
"trotzdem kann man die zumachen."
ich knie mich vor das mädchen und zippe ihr den reißverschluss zu.

die bahn fährt ein.
"ich muss", sage ich und streiche dem mädchen die haare aus dem gesicht.
"kommst du klar?"
die kleine nickt.
"pass auf dich auf. und wenn noch mal was ist, dann gehst du da unten in den dönerladen. die sind sehr nett da, die helfen dir bestimmt."

in der bahn bin aufgewühlt und unzufrieden mit der situation. hätte ich die eltern anrufen müssen? oder die polizei?

und dann: immer auf die schwachen und wehrlosen. ich merke, wie mir wuttränen in die augen steigen, die zugleich auch traurigkeitstränen sind. die kleine hatte mich sehr an mich erinnert. und ich habe sie nicht geschützt. weil ich bis heute nicht weiß, wie man kinder vor mobbing und prügeleien schützt.

mit meinem psychologen hatte ich das einmal durchgesprochen.
"ihr eltern hätten sie schützen müssen", hatte er gesagt, als ich von den jahrelangen prügel-attacken in der grundschule erzählt hatte.
"was hätten die denn machen sollen? der einzige effekt wäre gewesen, dass die täter gewusst hätten, dass ich ein weinerliches mamikind und eine petze bin."
"sie hätten mit der klassleiterin sprechen können."
"haben sie ja. die sagte, sowas müssen kinder unter sich ausmachen."
mein psychologe hatte mich nur groß angeschaut.
"was hätten sie denn machen sollen?", hatte ich noch mal gefragt.
da saß er wieder und zuckte mit den schultern, wie so oft.

27 jahre später und immer noch opfer. ohne eine idee, ohne einen impuls.

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Freitag, 13. Februar 2015
freitag der 13.
auf den inneren kompass ist verlass. meine zweifel waren nicht unberechtigt.

manchmal verliebt man sich. und der andere nicht.

keiner kann da was für. weh tut es trotzdem.

er hat sich anständig verabschiedet. das muss man ihm lassen.

die guten werden nicht mein. das nächste arschloch wartet sicherlich schon.

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Donnerstag, 12. Februar 2015
shadows
nachdem mich am dienstag plötzlich und unerwartet die schwarze welle erwischt, ist mein selbstwertgefühl mal wieder auf staubkorngröße geschrumpft. das alleine ist schon schwer zu ertragen. was mich nun aber komplett um den verstand bringt, sind meine frisch erblühten zweifel in bezug auf den k.-ex-ex.

da ich diesen mann so mir nichts dir nichts ziemlich fest ins herz geschlossen habe, quälen mich massive ängste, dass er mich doch nicht wollen könnte. ich habe das dauerbedürfnis, ihn anzurufen und mich zu erklären und ihn für dies und jenes um verständnis oder gleich auch schon mal prophylaktisch um verzeihung zu bitten. bevor ich in versuchung komme, solchen quatsch zu verzapfen, habe ich eine strenge kontaktsperre verhängt.

bis er heute anruft, da wir für morgen verabredet sind. zunächst sind wir sachlich und zurren das date fest, an das ich schon fast nicht mehr geglaubt hätte, einfach, weil ich mir verboten habe, daran zu glauben. die erleichterung bleibt dennoch aus. was, wenn er das bloß aus höflichkeit macht, weil die verabredung schon letztes wochenende im raum stand? so kann keinerlei vorfreude aufkommen.

am telefon bin ich einsilbig, zum einen, weil ich ungeheuer erschöpft bin, zum anderen, damit ich ihn nicht dämlich fragen muss, ob er so viel an mich denkt wie ich an ihn. wir schweigen uns eine weile an. der k.-ex-ex lässt sich nicht anmerken, ob er genervt ist. er ist so ruhig und entspannt wie immer. undurchschaubar. das erinnert mich ein bisschen an das objekt. es war eine seite, die ich am objekt sehr gemocht hatte, weil es wahnsinnig angenehm ist, wenn jemand deinem wabernden termitenhaufen von kopf eine solche ruhige sicherheit entgegensetzt. gleichzeitig bietet diese relaxtheit wieder nährboden für neuen zweifel. was ist echt, was ist maske? reagiere ich über und meine eine maske zu sehen, wo keine ist? oder bin ich gerade wieder so plump-vertrauselig dabei, mich volles rohr in den fettnapf deluxe zu setzen?

ich analysiere so angestrengt vor mich hin, dass ich gar nicht höre, was der k.-ex-ex zu sagen hat. ich beschränke mich auf hoffentlich freundliches lachen und ein paar allgemeinplätze, während ich vor lauter scham am liebsten im boden versinken möchte.

als wir aufgelegt haben, bin ich in tränen aufgelöst. weil er mir so am herzen liegt, und weil die angst einfach so verdammt stark ist.

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Sonntag, 8. Februar 2015
springen
nach dem letzten messetag steht ein date mit dem k.-ex-ex an. wir wollen essen gehen. wie immer eine schwierige angelegenheit für mich, denn ich selbst praktiziere "essen gehen" nur als "was vom asiamann bestellen". zugleich sind die wenigen restaurants, die ich kenne und für gut befinde, wahnsinnig teuer, da mich hierhin nur geschäftspartner ausführen, um mir zu imponieren und mich hinterher im preis zu drücken (probate technik übrigens, funktioniert bestimmt bei vielen weiblichen dienstleistern).

schließlich wähle ich ein restaurant, das zum einen in laufweite liegt (der k.-ex-ex ist autofahrer und möchte ja vielleicht was trinken), gediegen und gemütlich gleichermaßen ist (da ich den k.-ex-ex noch nicht einschätzen kann und ich ihn nicht mit einem abend in einer veganen punkerkneipe verschrecken will) und darüber hinaus gerichte auf der speisekarte hat, mit denen ich mich als heikle esserin gut anfreunden kann. ein weiterer pluspunkt des restaurants ist eine umfangreiche weinkarte mit einer gewissen anzahl an roséweinen, die ich mag und auch trocken trinken kann, falls der k.-ex-ex nicht auf halbtrocken steht.

als der k.-ex-ex in meiner wohnung steht, sind wir beide verlegen und müssen uns zu einer umarmung durchringen, da wir beide uns nicht in alkoholisierter und/oder übermütiger partylaune befinden. außerdem schäme ich mich ein wenig, als der k.-ex-ex durch meine kleine butze spaziert und meint, ich hätte es ja recht spartanisch. ich befürchte sofort, dass es sich um einen euphemismus für "schäbig" handelt, winde mich und entschuldige mich schließlich, dass erst nächste woche die lederjacke zum streichen vorbeikommt und ich nunmal grundsätzlich nicht so auf überladene wohnungen stehe. der k.-ex-ex bemerkt meine verlegenheit, versucht die lage durch beschwichtigende bemerkungen zu entspannen und nimmt mich dann doch noch mal spontan und herzlich in den arm. ich merke, dass ich vor angst ganz verspannt bin - angst, nicht zu genügen, angst, wie eine sozialversagerin oder hartzerin rüberzukommen, obwohl ich doch arbeite wie ein tier.

erst als wir im restaurant sitzen, taut die panik weg wie eine eisscholle bei krassen plusgraden. ich werde mutig und strecke meine hand aus, und der k.-ex-ex lächelt erleichtert und nimmt sie. so sitzen wir, bis der kellner mit dem wein kommt.
"ich muss mich erst an die situation gewöhnen", sagt der k.-ex-ex verlegen, strahlt mich aber an.
"die situation?"
"naja, an dich. ich kenn dich ja nicht."
der k.-ex-ex ist vorsichtig, vor allem nach seinen letzten erfahrungen mit der k.-ex. dass ich mal mit der k.-ex befreundet war, ist immer noch schwierig für ihn. trotzdem lässt er meine hand nicht los, bis das essen kommt und wir zu gabel und messer greifen müssen.

nach zwei glas wein und mit vollem bauch werde ich ganz ruhig. ich merke, dass ich strahle. außerdem sieht der k.-ex-ex noch mal viel besser aus als ich ihn in erinnerung hatte. ich mag sogar die kleinmädchen-geste, mit der er sich die schulterlangen haare hinter die ohren schiebt, wenn sie ihm ins gesicht fallen.
"soll ich dir ein haargummi leihen?" frage ich irgendwann.
"nee, ich muss die einfach mal wieder ein stück kürzen lassen."
"bloß nicht", sage ich, "ich stehe doch so auf lange haare."
"ich bin aber nicht so der zopf-typ", entgegnet der k.-ex-ex. "wenn sie anfangen, offen scheiße auszusehen, kommen sie ab."
"die sehen aber gut aus."
"na, meinetwegen, dann schneide ich sie nicht ab."
beinahe wäre mir herausgerutscht, dass ich froh bin, dass der k.-ex-ex keinen pferdeschwanz trägt, weil dies eine zu große ähnlichkeit mit dem objekt bedeutet hätte. das objekt möchte ich unerwähnt lassen, soweit es nur irgendwie geht.

nach dem essen spazieren wir an der alster entlang, bevor wir dann wieder vor meinem haus stehen. der k.-ex-ex kommt ganz selbstverständlich mit hoch.
"ich hab aber nur ein kleines bett", sage ich. "ich bin überzeugte einzelschläferin."
"wenn man sich im arm hält, braucht man nicht so viel platz", entscheidet der k.-ex-ex ganz pragmatisch.
dann beginnt er, mich aus den klamotten zu pellen.

ich merke, dass der k.-ex-ex mich körperlich anmacht. er riecht gut, er fühlt sich gut an und sieht auch nackt sehr gut aus, obwohl er nicht das leistungssportler-objektformat hat. der schwanz allerdings geht ungelogen als imposant und respekteinflößend durch. ich spüre, wie mein unterleib zu kochen beginnt. als mir der k.-ex-ex den finger in die muschi schiebt, bin ich schon tropfnass.

der k.-ex-ex fickt mich bestimmt und dominant - genau so, wie ich es mag. da er dabei merklich darauf achtet, mir nicht wehzutun, fällt der sex weniger animalisch-selbstvergessen-objektiv aus, wofür ich aber dankbar bin. alles, was mich an das objekt erinnern würde, ist schlecht für mich. außerdem entgehe ich so der gefahr wochenlang haltbarer blauer flecken und quetschungen.

erst als der k.-ex-ex kommt, fällt mir auf, dass wir das kondom vergessen haben. zum glück kann ich den k.-ex-ex noch so dirigieren, dass er nicht in mir abspritzt.
"nimmst du denn keine pille", fragt er verdutzt, als wir verschwitzt nebeneinander liegen.
"das würde dir auch nichts nutzen, wenn ich aids hätte", sage ich brutal.
"davon gehe ich mal nicht aus."
"weißt dus? ich weiß es nicht. ich habe viereinhalb jahre lang das objekt gefickt, jahrelang ohne verhütung, allein das wäre für mich an deiner stelle schon ein grund, mich nur im strahlenschutzanzug zu vögeln."
der k.-ex-ex schweigt betroffen.

das tut dem verlangen allerdings keinen abbruch. wir vögeln noch viermal in dieser nacht, und als wir morgens gegen halb acht endlich soweit sind, dass wir theoretisch schlafen könnten, ist der k.-ex-ex hellwach und möchte gerne frühstücken.
"so wie ich dich einschätze, hast du bestimmt nix vernünftiges zu essen im haus", zieht er mich auf.
"nein. außerdem muss ich jetzt echt mal ein stündchen mullern. ich hatte zwei tage messe, es ist ein wunder, dass wir überhaupt noch sex hatten."
"okay."
"möchtest du solange einen kaffee? oder duschen? oder was lesen?"
"also...", der k.-ex-ex räuspert sich, "also am liebsten würde ich ja jetzt ein bisschen daddeln."
ich gucke groß.
der k.-ex-ex gesteht mir, dass er derzeit ein computerspiel zockt, und das sogar ziemlich leidenschaftlich.
"willst du an meinen laptop?", frage ich nur.
"äh... nee, muss ich gar nicht, das kann ich auch aufm ipad spielen. aber das mach ich nicht, wenn du schlafen willst."
"warum denn nicht? wenn dir danach ist, tu es einfach."
"ich würde aber schon gerne noch ein bisschen hier neben dir liegen, wenn du nicht aufstehst."
ich reiche dem k.-ex-ex kurzerhand kopfhörer.
"so, jetzt spiel du mal schön und ich penne noch ein bisschen. und falls du dich langweilst, weckst du mich, und falls du mich störst, hau ich dich. deal?"
der k.-ex-ex grinst glücklich.

als ich gegen halb elf wieder aufwache, liege ich im k.-ex-ex-arm und spüre seine morgenlatte am bein. ich bin schon wieder angesext und beschließe kurzerhand, zum blowjob überzugehen. dafür legt er sogar sein ipad aus der hand. sex ist dann also doch wichtiger als gamen, stelle ich beruhigt fest. in diesem fall darf mann dann auch bei mir daddeln.

danach ziehen wir uns an und gehen frühstücken. während wir in einem kleinen café sitzen und ich meinen milchkaffee schlürfe, betrachtet mich der k.-ex-ex sehr nachdenklich.
"gehts dir gut?" will ich wissen.
"jaja", sagt der k.-ex-ex. "ist bloß alles so ungewohnt. und unerwartet."
"bin ich so schlimm", frage ich.
"neeeinn. aber weißt du... ich muss dich erst kennen lernen. du bist ja auch psychisch krank, sagst du. das ist alles... verwirrend für mich. und manchmal bin ich halt auch ein bisschen naiv... dann rutsche ich in so geschichten wie mit der k.-ex rein."
"hör mal... ich verspreche dir, ich werde dich da nicht reinziehen. ich kann dir nicht garantieren, dass du nicht mitbekommst, wenn es mir mal schlecht geht, aber ich merke, wenn es für die anderen anstrengend wird und ich werde versuchen, dich zu schützen, falls du es nicht selbst tust."
der k.-ex-ex nickt.
"das ist gut."

später gehen wir noch ein wenig in der sonne spazieren. meine hand steckt in der hand in der jackentasche des k.-ex-ex, und mein glück ist so groß wie meine angst. mindestens. also beschließe ich für mich, die sache zu genießen, auf die gefahr hin, dass der k.-ex-ex mich vielleicht doch nicht ertragen kann. im augenblick ist es allerdings eine große chance. und diese werde ich mir nicht entgehen lassen.

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