Donnerstag, 22. Januar 2015
[fan-content]
dass dieses blog aktuell täglich zwischen 200 und 400 leser aus aller welt hat, ist mir eine ehre. dass sich aber mehrere leser aus ein und demselben krankenhaus darunter befinden, war mir neu.

schwerkranken leuten bei der therapie die zeit zu vertreiben finde ich aber prinzipiell sehr schön. wenn mich ein depressiver anfall überkommt, lese ich auch gern blogs oder, wenn alles zu anstrengend wird, twitter. ablenkung ist toll, gerade wenn es sonst eher einsam, elend und kalt um einen ist.

ich kann nicht heilen (das wär mal schön, dann hätte ich auch nen haufen probleme weniger), ja, ich darf noch nicht mal stammzellen spenden, weil ich so medikamentenverseucht bin. (mein blut kann töten, harhar!) ich gebe auch keine doofen ratschläge, bin ja nicht eure mutti, und wir wissen ja alle: das gegenteil von gut ist nicht böse, sondern gut gemeint. aber ich kann euch was erzählen.

ganz besondere grüße
von der verkorksten alten, die so gut über psychokram, alk, ficken und drogen schreiben kann

<3

p.s.: wer helfen will, sollte mal hier gucken, ob er als spender infrage kommt.

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Dienstag, 20. Januar 2015
sortierungsarbeiten: je ne suis pas allemagne
deutschland ist aufgeregt. endlich gibt es pegida. endlich gibt es wieder einen grund, sich auf die straße zu stellen, sich wichtig zu fühlen und dabei auf so drollig-harmlose weise rein gar nichts zu bewirken. mit plakaten wedeln, rumgröhlen, vielleicht mal einen leeren kaffeebecher schmeißen.

deutschland sortiert sich. auf einmal wird den menschen wieder bewusst, wie nett es ist, auf der richtigen seite zu stehen. in diesem fall ist es besonders einfach, denn die geschichte hats ja schon vorgemacht: böse nazis! pfui!

deutschland ist das volk. auf der straße entsteht ein wir-gefühl, wie es noch nicht mal bei der wm vorherrschte. wir, die guten! wir, die richtigen! wir sagen einer truppe, die sich durch ihre blödheit in kürze wahrscheinlich selbst erledigt, den erbitterten kampf an. weil wir uns dabei so gut fühlen, ist es uns sogar egal, dass wir dem feind damit nur noch mehr aufmerksamkeit bescheren. egal. es glühen die überzeugungen und emotionen, wer denkt da noch an demokratie und die offenheit, die demokratie eigentlich erfordert, die freiheit, die vielfalt, die extreme per se unschädlich macht, den one-world-geist, wenn wir endlich mal deutschland sein können, recht haben können, wenn wir, das volk, denen, die behaupten, das volk zu sein, so richtig einheizen. denn nur wir sind das volk, völkischer, wir sind am völkischsten.

wir sind diejenigen, die hormongedopte tiere aus massenhaltung fressen, die wegsehen, wenn einem freund leid widerfährt, denen flüchtlinge erst dann bewusst werden, wenn sie tot sind, wenn die asylantenheime brennen. wir sind diejenigen, die an obdachlosen vorbeirennen, weil wir uns ekeln, weil wir doch keiner von "denen" sind, wir sind diejenigen, die um alles, was anders ist, was fremd ist, was verrückt oder ein bisschen zu bunt erscheint, einen weiten bogen machen, und abends nach mit deutscher gründlichkeit verrichteter arbeit in unser ikea-nest schlüpfen, den fernseher andrehen und uns einen scheiß darum scheren, wie es unseren nächsten nachbarn geht.

wir sind deutschland, ein haufen selbstgerechter antidemokraten. wir brauchen dafür keine gratulanten, wir gratulieren uns selbst.

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Sonntag, 18. Januar 2015
clubklokunst


found@fundbureau

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islam und westlicher götzendienst
wir haben uns erfolgreich vom kirchlich-christlichen gott emanzipiert. der alte mann mit dem rauschebart, der für nächstenliebe und verzicht steht, ist out. das abnabeln von diesem etwas strengen und altbackenen gott bedeutet jedoch noch lange ist, dass wir auf unseren glauben verzichten können. denn ohne einen glauben sind die meisten menschen hilflos und nicht lebensfähig.

how come?

beim modernen glauben handelt es sich nicht um das anbeten einer gestalt, die für althergebrachte werte und eine etwas seltsame weltanschauung steht. angebetet werden stattdessen die götzen des kapitalismus.
anstatt in die kirche zu gehen, rennen die menschen samstags in die kaufhäuser und bedecken ihre schmächtigen, hässlichen seelen mit konsumgütern. wer früher durch tugendhaftigkeit und reinheit punkten konnte, muss heute mit markenklamotten und teuren autos protzen. anstatt dienste an armen und kranken zu tun, schuften die menschen im job bis zur selbstaufgabe, um ihre existenz durch das anheben des kontostands rechtfertigen zu können. wenn sie orientierung und erbauung suchen, hören sie sich an, was dieter bohlen, helene fischer und andere hohlbratzen von sich geben. und statt beim abendmahl oblaten zu mümmeln, gehen die leute zum plastischen chirurgen und lassen sich die falten wegspritzen und die nasen plätten, damit sie in die götzengemeinde der ewig jungen, schönen, reichen und leistungsbereiten passen und - um götzenwillen - bloß nicht irgendwie auffallen.

die menschen im westlichen kapitalismus leben damit in einer welt, die heute mehr denn je von angst und aberglauben regiert wird und lichtjahre von freiheit, aufgeklärtheit und gemeinsinn entfernt ist. obwohl jeder damit prahlt, keinen gott zu brauchen, sind alle versklavt und verkauft, ohne es zu merken.

in diesem kontext über eine religion wie den islam richten zu wollen, ist obszön. man kann dem islam ankreiden, dass er sich mangels exegese einer immanenten kritik verschließt. aber genau das tut auch die westliche welt, die sich den götzen des kapitalismus unterjocht.

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Mittwoch, 14. Januar 2015
geburt
ich habe nicht gemerkt, dass ich schwanger bin. erst als meine mutter mich auf den bauch aufmerksam macht, verstehe ich. dabei ist der bauch nicht gerade groß.
"ich will aber kein kind", schreie ich und schlage den bauch gegen die wand.

kurz darauf ist es dann schon soweit. ich liege keuchend in den wehen. ich habe schmerzen und auch wieder nicht. jemand hat eine bettdecke über mich gebreitet, ich kann nur erahnen, was sich da unten abspielt. irgendwann ist es geschafft. außer unmengen von blut und koageln ist da aber kein baby. sondern ein kleiner hund. der sofort aufspringt und mit mir spielt.

obwohl ich eigentlich in die schule müsste - durch die geburt bin ich sowieso schon viel zu spät dran - gehe ich mit dem kleinen hund an den strand. der kleine hund steht total drauf, wenn ich ihn in den sand einbuddle, bis nur noch der kopf herausschaut.

ich bin happy und lache viel.

dann klingelt der wecker.

das ist nun schon der dritte traum über eine schwangerschaft/geburt in kurzer zeit. irgendwas will mir mein unbewusstes sagen...

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Sonntag, 11. Januar 2015
bad girls
gestern abend habe ich die irre auswahl zwischen drei partys. wie so manches mal bin ich davon völlig überfordert. doch das wetter nimmt mir die entscheidung ab: party nummer eins ist sturmbedingt wegen ausfallender s-bahnen für mich unerreichbar. daraufhin überlege ich, wie hoch die wahrscheinlichkeit ist, dass das objekt auf party nummer zwei aufkreuzt. ich rechne nach und komme auf mindestens 50 prozent. ich funke meinen bekannten v., der bereits dort ist, an:
'kannst du mir sagen, ob das objekt heute auch da ist?' schreibe ich. 'ich bin heute so gut drauf, das will ich mir nicht durch seinen anblick versauen.'
v. schreibt zurück, dass das objekt nicht da, die party selbst jedoch leider schlecht besucht und bislang auch noch nicht so pralle sei.

trotzdem mache ich mich auf, in der hoffnung, dass es noch besser wird, bis ich da bin.
als ich schon in der bahn sitze, überfällt mich ein spontaner impuls. an der nächsten station steige ich aus, nehme den bus und fahre in den club. dort ist es warm und viel gemütlicher, garantiert objektfrei, obendrein gibt fröhlichere musik und gratis-drinks vom lieblingsbarkeeper - und genau danach ist mir heute.

die spontan-umentscheidung stellt sich als goldrichtig heraus: die stimmung ist gut, die musik tanzbar, und auch meine freundin b., die vor einem monat die große offenbarung gegenüber der objektgespielin geleistet hatte, ist da. wir umärmeln uns und wünschen uns erstmal noch ein gutes neues jahr.

"wie war dein silvester", will ich von b. wissen, die den jahreswechsel in hamburg auf einer einschlägigen party verbracht hatte.
"ging so. die party war komisch."
"ich hätte da auch überhaupt keinen bock drauf gehabt. war da jetzt drei jahre hintereinander. das war jedesmal nur deshalb gut, weil ich mit netten leuten unterwegs war."
"das objekt war übrigens auch da", informiert mich b.
mir fällt die kinnlade auf die brust.
"echt?"
"ja."
"mit seiner ische?"
"nee, ganz alleine."
ich stutze:
"aber silvester verbringt es normalerweise immer bei seinen eltern. letztes jahr war auch die gespielin mit dabei."
"nee, der war da allein."
"krass! hat er was gesagt?"
"der ist mich total angegangen!"
"neeeeiiin.... erzähl!"
"er kam her und meinte, dass er das total scheiße von mir fand."
"hat er dich bedroht?"
"nein, aber er hat sich total aufgeführt und mir alles mögliche schlechte an den hals gewünscht."
"aber die gespielin hatte dir doch versprochen, dass sie ihm nicht sagt, von wem sie es weiß?"
b. zuckt mit den achseln.
"diese falsche fotze", sage ich.
"mir isses eigentlich egal, ich bin ja weder mit ihr noch mit ihm irgendwie befreundet", sagt b. cool. "sie schuldet mir daher auch keine loyalität. ich hab damit gerechnet, dass sies ihm sagt."
ich nehme b. in den arm:
"maaaaaaaaaann... das tut mir leid, dass du für mich den kopf hinhalten musstest!"

"wie verhält er sich eigentlich dir gegenüber?" will b. dann wissen.
"wir ignorieren uns. vollkommen. ich hatte zunächst die sorge, dass es mir wie dir ergeht - oder schlimmer, weil ich dem objekt seiner meinung nach vermutlich die stange halten müsste. ich hatte ehrlich gesagt sogar ein bisschen angst, dass es handgreiflich wird."
"aber das kann es nicht erwarten, es hat dich so schlecht behandelt!"
"ich glaube nicht, dass es das so sieht."
"tut mir leid, wenn du wegen mir schwierigkeiten hast."
ich sehe b. an:
"du, noch mal: es war richtig so. ich bin jetzt an einem punkt, an dem ich schon lange hätte sein wollen. ich bin immer wieder auf das objekt zugegangen, hab ihm immer wieder verziehen... jetzt kann ich das nicht mehr, selbst wenn ich wollte."

b. nimmt schweigend einen schluck aus ihrem glas und fragt mich dann:
"und wie gehts dir damit?"
"also, wenn ich ganz ehrlich bin..." ich muss kichern: "die tatsache, dass es silvester alleine in hamburg verbracht hat, erfüllt mich so ein bisschen mit schadenfreude. das objekt hat mir ja immer groß erklärt, das alles karma sei. jetzt kann es mal sehen, was mit seinem passiert ist."
"meinst du, die haben sich getrennt?"
"nee, das glaub ich nicht. er ist ein großer manipulator und sie ist wachs in seinen händen. aber vermutlich war weihnachten nicht ganz so eidideiditrallala wie er sich das vorgestellt hatte."
b. grinst.
"gott, wir sind schlimm."
"ein bisschen schon. aber es ist menschlich, oder?"

mein abend ist gerettet, aber sowas von. ich merke, wie ich fröhlich durch die gegend grinse. auf der tanzfläche ist tatsächlich mal ein hübscher mann, der sich obendrein auch noch gut bewegt. leider hat er eine freundin, wie ich kurz daraufhin feststelle.

später liege ich mit b. auf dem sofa und quarze. da kommt ein blonder typ, der mich schon länger beobachtet, auf mich zu und quatscht mich an. nach ein paar minuten smalltalk will er wissen:
"bist du allein da?"
"nee, mit meiner freundin."
ich stupse b. an, die schläfrig die augen öffnet. dann gebe ich ihr einen kuss. b grinst, kuschelt sich an mich und schielt frech zu dem typen rüber. der guckt wie eine kuh wenns donnert.
"ähm..."
"ja ähm", sage ich provokant.
"würdest du trotzdem mal mit mir kaffeetrinken gehen?" berappelt sich der typ dann.
"kommt drauf an, was du unter kaffeetrinken verstehst."
b. prustet neben mir los und kriegt sich nicht mehr ein.
"na, kaffeetrinken halt."
"nicht ficken?"
der typ schaut überrascht:
"naja... nein... also ich meine... klar, wenn du willst, sehr gerne!"
ich kichere und gucke dann zu b.:
"sorry, ich ficke nur frauen."
"deine freundin kann auch mitkommen", grinst der typ.
nun richtet sich b. auf und sagt schroff:
"kein interesse, und jetzt schieb ab."

als der typ weg ist, schaut mich b. streng an:
"gott, morphine, du bist einfach viel zu nett. sag ihm doch, dass er sich verpissen soll."
"sorry, erziehungsfehler."
"quatsch erziehungsfehler... dann haste gleich wieder son objekt an der backe!"
"du bist so straight, das mag ich so an dir", muss ich schmunzeln.

die party will kein ende nehmen. um sieben uhr morgens ist der laden immer noch halbvoll und die bars schenken freigetränke aus. ich kann nicht mehr stehen, so sehr schmerzen meine füße vom tanzen, und ich kann nicht mehr trinken. b. schläft auf dem sofa, ich sitze währenddessen an der bar zwischen bekannten.
"das leben kann echt schön sein", säusle ich selig und der barkeeper beugt sich über den tresen, um mich in den arm zu nehmen.
"sag ich doch auch immer."

gegen acht schlurfe ich mit b. zum bahnhof. es graupelt, aber der sturm hat ein bisschen nachgelassen.
"boah, wenn ich zuhause bin, dann schmeiß ich mir schön ein paar schlaftabletten rein und dann kriege ich keinen kater, sondern penne gleich bis morgen abend durch", sagt b.
"aber du hast zu viel getrunken, da kannst du doch jetzt keine tabletten nehmen", mahne ich.
"sagt die frau auf psychopharmaka", lacht b.
ich schubse b., dann umarmen wir uns und jede steigt in ihre bahn.

als ich zuhause bin, umfängt mich eine leichte, süße melancholie, ich lege mich schlafen und träume einen wunderschönen traum, in dem ich zum jupiter und zurück reise.

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