Freitag, 26. Dezember 2014
mit dem ersten schnee
da sitzt man auf dem sofa und es kriecht die traurigkeit aus den sofaritzen, die augen laufen über, und alles scheint unmöglich, ein neues jahr zu beginnen, ein altes jahr abzuschließen, nach hause zurückkehren, hier vor ort sein, atmen, essen, schlafen.
party war der plan des abends, aber es ist unvorstellbar, das haus zu verlassen, zu groß die scham, ja nicht einmal unter die dusche wird man es heute schaffen. vielleicht noch ins bett, das wäre gut, und sich nicht dort schlaflos herumwälzen müssen oder aus alpträumen aufschrecken.

alles, worauf man hofft, ist, dass es nicht zum vollständigen nervenzusammenbruch kommt, nicht hier unter den augen der eltern. vermutlich wäre genau dies der zeitpunkt, sich in die notaufnahme zu begeben, oder zumindest jemanden anzurufen und hemmungslos in den hörer zu schluchzen.

in solchen momenten bin ich auch objektschwach, mir fallen die zahllosen umarmungen wieder ein, ich träume nachts davon und wache selig auf, bevor ich realisiere, dass alles vorbei ist. lange zeit war das objekt mein zuhause, meine zuflucht, und manchmal ist mir, als wäre dieser mensch gestorben. alles was mir von ihm bleibt, ist diese große, unstillbare sehnsucht. das schwarze loch mitten in meiner seele.

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Donnerstag, 25. Dezember 2014
christmas-camp
ich tröste mich damit, dass in weniger als 48 der ganze scheinheilige zinnober wieder vorbei ist.
die verwandtschaft labt sich derweil an kalorienbomben und einem fernsehprogramm, das als verstoß gegen das betäubungsmittelgesetz durchgehen dürfte. ich versuche, stark zu bleiben und meine gehirnzellen durch lesen des feuilletons der schwarzbraunen tageszeitung am leben zu erhalten.

ich wünsch ihnen was. und immer dran denken: bald flachen konsumwut und verlogenheit für 363 tage wieder auf einen etwas erträglicheren pegel ab.

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Dienstag, 23. Dezember 2014
seit ich beim fernsehen arbeite
meine nachbarn schleppen tüten, christbäume und allerlei kladderadatsch ins haus. alles sehen abgehetzt und genervt aus. die nachbarskinder streiten sich, der kleinere fängt irgendwann zu heulen an.
ich lehne am fenster, rauche eine und trinke tee.
"na, schon alles fertig für morgen?" ruft die blockwartin, die ihren milchsemmeligen mann hinter sich herschleift, im offizierston.
"nö, ich mach nix", sage ich salopp. "ich arbeite durch."

meine nachbarn sind der meinung, ich arbeite für das fernsehen. ich weiß nicht, wann sie sich das zurechtgesponnen haben, aber das gerücht hält sich hartnäckig. so findet man mich zwar seltsam und einzelgängerisch, verzeiht mir diese absonderlichkeit aber, weil ich ja beim fernsehen und damit vermutlich irgendwie wichtig bin. deshalb werde ich - anders als mein lieblingsnachbar - auch nicht mehr drauf angesprochen, wenn ich das licht in der nacht brennen habe (arbeitet vermutlich an einer eiligen reportage).

auch meine häufige abwesenheit und meine rückkehr in frühen morgenstunden wird zwar registriert, aber nur noch gelegentlich kommentiert. leute, die fürs fernsehen arbeiten, sind in den augen meiner nachbarn wahrscheinlich ständig irgendwo undercover unterwegs, um brandheiße storys aufzudecken. ich sag nur: is, pegida und udo jürgens. deshalb kann ich auch schamlos sonntagnachmittags augenberingt und bleichgesichtig durchs treppenhaus schlunzen und jetlagig statt verkatert tun.

manchmal frage ich mich, was meine nachbarn denken, wenn so viele männer bei mir ein- und ausgehen, die auch häufig kein zweites mal wiederkommen. sollte ich eines tages mal gefragt werden, werde ich vielleicht antworten, das sind alles castingkandidaten für dsds und bauer-sucht-frau. möglicherweise werden das einige von denen ja sogar mal.

ich arbeite solange mal weiter an meinem eigenen format "pornografisches quartett". sendungen, die deutschland dringend braucht.

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Montag, 22. Dezember 2014
more wilderness & beauty
zu meinen guten vorsätzen für das neue jahr gehört der plan, nach estland zu reisen. mit einem kumpel im kleinbus, gemütlich mit zwischenstopp in kaliningrad, die küste abfahren, wälder und seen bestaunen, tallin besichtigen und vor allem eins: polarlichter gucken.

ich weiß noch nicht, wie ich es anstellen werde, aber ich bin zum ersten mal seit langem überzeugt, dass das genau mein ding wäre.

(falls jemand estland-tipps hat... immer her damit.)

auch sonst habe ich tatsächlich mal konkrete ziele:

- an oberster stelle steht der neue job, am liebsten in verbindung mit einem ortswechsel
- vollkommene gleichgültigkeit dem objekt gegenüber entwickeln oder noch besser: das objekt nie mehr sehen müssen (ortswechsel)
- in eine partei eintreten (welche weiß ich schon)und gucken, ob das wirklich alles nur leeres gequatasche da ist oder ob die dankbar sind, wenn jemand mal frischen wind reinbringt
- die nächste katze ins haus holen
- meinem chef so richtig die meinung geigen (spätestens, wenn ich die kündigung auf den tisch lege)
- mir einen bestimmten mantel kaufen (fährt jemand von ihnen zufällig in nächster zeit nach london und hat noch platz im koffer?)

ich blicke nicht zuversichtlich ins neue jahr. ich werde einfach mal weitermachen. und vielleicht schaffe ich es ja, mir mit meinen ganz kleinen mitteln doch den ein oder anderen traum zu erfüllen. das wäre ein wenig selbstliebe, die ich endlich mal zulassen lernen muss.

und bitte bitte liebes 2015, notiere dir bevor du kommst, dass ich mal KEINE neuen krankheiten bekommen möchte. echt nicht. weder seelische noch körperliche. was ich heute habe, reicht für die nächsten 30 jahre. vor allem das knie darf nicht schlimmer werden, sonst kann ich nicht durch die wälder in estland springen.

danke.

und sie so?

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Sonntag, 21. Dezember 2014
kollision ohne kollateralschäden
clubbing mit objekt.
als mir mein bekannter am eingang erzählt, dass das objekt heute nach ganz langer zeit auch mal wieder da sei, wird mir zunächst richtig schlecht. meine knie zittern und ich habe das bedürfnis, mich zu verstecken, um eventuellen ausrastern zu entkommen. also kralle ich mir den bekannten, schleppe ihn zur bar und verziehe mich mit ihm in den hintersten winkel.

irgendwann kommt das objekt in den raum, mit einer blonden frau an der seite, sieht mich - und schaut weg. es unterhält sich weiter mit der blonden, als wäre nichts.
'vielleicht hat es ja vor, dich wieder zu ignorieren', denke ich hoffnungsvoll, 'mutig ist es ja nicht gerade.'

trotzdem achte ich in den nächsten stunden darauf, nie alleine rumzustehen. mein bekannter wundert sich über die enorme zuwendung, die ihm zuteil wird, und fragt mich irgendwann, ob was ist. ich fasse die objektgeschichte in drei sätzen zusammen, und mein bekannter zuckt lediglich die achseln, sagt "weiberkram" und dass das objekt halt schon ein spezieller fall sei. dann schickt er mich tanzen, damit ich mein prinzip "niemals das revier räumen" mit leben fülle.

auf der tanzfläche mit einem abstand von weniger als fünf metern fühlt es sich zunächst sehr merkwürdig an. doch dann entspanne ich mich. ich merke, wie meine muskeln warm werden und die anspannung sich legt.

der rest des abends wird ganz gut. die musik ist vielseitig und tanzbar, ich bekomme ein paar kurze vom barkeeper spendiert und mein bekannter hält mir loyal die stange, obwohl die story ja nur weiberkram in seinen augen ist.

als ich am ende des abends an der garderobe stehe, fällt mir auf, wie cool ich bin. welche reaktion hätte ich mir denn nun eigentlich gewünscht, frage ich mich. auf jeden fall hatte ich angst vor handgreiflichkeiten und anfeindungen, das steht schon mal fest. aber was wäre gewesen, wenn mich das objekt einfach zur rede gestellt hätte oder sonst irgendwie das gespräch gesucht hätte? ich fühle in mir nach und komme dann langsam aber sicher zu dem schluss, dass ich kein gespräch gewollt hätte.

es ist gut so, wie es ist.
und wieder ist ein schritt in sachen "abschied vom objekt" genommen.

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