Samstag, 22. November 2014
kinderzimmer-gebete
immer, wenn ich in meinem alten kinderzimmer liege, sage ich heimlich nachts ganz leise gen decke, bittebitte lieber gott, mach, dass ich meine eltern noch ganz lange habe.

und ich traus mir kaum wünschen, weil meine wünsche so oft im gegenteil enden.

aber ich sage "bitte". ganz ausdrücklich. vielleicht erhörts ja jemand.

... link


Mittwoch, 19. November 2014
pool-billard ohne einlochen
in den fluten der badeanstalt. ich will einfach nur durchschwimmen und adrenalin abbauen. aber wie immer in phasen, in denen die männer plötzlich reihenweise an mir kletten, dauert es keine zehn minuten, bis mich einer anmacht. auf die ganz klassisch-unkreative. er macht mir komplimente für meine beine und meine augen. ich brauche zwei sekunden, dann weiß ich, das ist ein verheirateter familienpapi.

ich beschließe, mich unbeeindruckt zu zeigen und mein schwimmpensum konsequent und ohne den typ eines weiteren blickes zu würdigen abzureißen. der typ verpisst sich erstmal. nach einer halben stunde allerdings habe ich schrumpelfinger und genug vom rumpaddeln. was nun? ich versuche, mich ins dampfbad zu schleichen, aber der typ hat alle sensoren auf mich ausgerichtet und sitzt fünf sekunden später an meiner seite.
"darf ich dich küssen?"
ich schüttle den kopf.
schwupp, habe ich seine hand am busen.
"hey!" sage ich und die anderen badegäste glotzen.
"entschuldigung", sagt der typ. "aber du bist so sexy, du bist irgendwie... wie heidi klum... nicht so n hungergestell und trotzdem..."
"hör auf", sage ich. "ich weiß, was du willst."
der typ ist baff:
"was will ich denn?"
"du bist verheiratet, hast zwei kinder und bist gelangweilt."
dem typ bleibt der mund offenstehen.
"woher weißt du das? kennen wir uns?"
"nee", sage ich, "erfahrungswerte."
"naja", gibt der typ zu, "ich bin ein bisschen ausgehungert."
"das merkt man. und ich bin satt", sage ich.
der typ macht hundeaugen und beginnt zu sabbern:
"ich würde dich so gerne jetzt nackt haben... dich spüren..."
"wünschen ist ja erlaubt", sage ich böse lächelnd.

irgendwann stehe ich auf und tappe nach draußen. der typ folgt mir wie ein schatten.
"hör mal, ich werde jetzt nach hause gehen", sage ich.
"gehen wir noch in ein hotel?"
ich breche in gelächter aus.
"nein. wirklich nicht."
"wir könnten aber doch auch hier auf dem klo sex haben", schlägt der typ kackendreist vor.
"ey, pass mal auf, das ist echt nicht mein style", schwindle ich und muss an das objekt denken, wie es mir damals im club auf toilette gefolgt war, meine muschi geküsst und mich aufgefordert hatte, in seiner anwesenheit zu pinkeln. ein schauer der geilheit durchzuckt mich. allerdings ist der typ null und nada mein fall.

"sehen wir uns wieder", will der typ wissen, als ich mich in richtung umkleide aufmache.
"ich bin nicht von hier", lüge ich.
"ach! woher kommt du denn?"
"aus n."
"und wie lange bist du noch hier?"
"morgen früh fahre ich nach hause."
"das ist ja doof."
"tja, so spielt das leben."
"kann ich dich anrufen?"
"nein. mein freund ist sehr eifersüchtig und hat sich nicht besonders gut im griff."
"achso."

das ende der langen leitung scheint erreicht. endlich, endlich trollt sich der schleimer. als ich fünf minuten später aus der dusche komme, sitzt er im whirlpool und gräbt zwei andere mädels an.
"tschüß, schatz", rufe ich, dann mache ich, dass ich wegkomme.

... link


Dienstag, 18. November 2014
träume mit mir

... link


Montag, 17. November 2014
o2 can do (evil)
ich habe meinen festnetzanschluss bei o2 formerly known as alice. zum festnetzanschluss gehören eine telefonflat ins deutsche festnetz (wegen mama und papa) und eine dsl-6000-flat. der spaß kostet mich 29,90 € monatlich und ist monatlich kündbar. soweit, so gut.

vor wenigen wochen erhielt ich einen anruf von o2 - oder vielmehr einem callcenter, das von o2 beauftragt worden war, den neusten scheiß zu verkloppen. am hörer hatte ich einen fürchterlich gelangweilt und genervt klingenden jungen mann, der mir ohne luft zu holen in wenigen sekunden erklärte, dass ich ab sofort nur noch 21,90 € für meinen anschluss bezahlen müsse, wenn ich mit einer 24-monatigen vertragslaufzeit einverstanden sei.
"aber ich ziehe vielleicht bald weg", wagte ich einzuwerfen.
"sie können den anschluss doch mitnehmen", sagte der junge mann pampig.
"und wenn ich die nummer ändern will."
"das geht auch", erwiderte der callcentermensch im tonfall eines lehrers kurz vorm burnout.

"na gut", sagte ich, wenig überzeugt. "sie können mir ja mal informationen schicken, dann schau ich mir das mal an."
"ich schicke ihnen dann auch noch eine sim-karte für den mobilfunk mit, die ist kostenlos."
"brauche ich nicht, ich habe schon einen vertrag."
"aber damit können sie KOSTENLOS telefonieren und SMS schicken! und sie haben eine 1 gb flat fürs internet."
das klang interessant, hatte ich doch einen vertrag, der mich 10 euro monatlich kostet und der lediglich eine 250 mb-flat beinhaltete.
"hm" sagte ich.
"ist alles kostenlos für sie", wiederholte der junge atemlos und mechanisch wie ein roboter.
"also gut, ich fasse zusammen: meine monatlichen fixkosten für festnetz und internet reduzieren sich um acht euro auf 21,90 €, dafür akzeptiere ich eine 24-monatige vertragslaufzeit und bekomme zusätzlich eine sim-karte, mit der ich kostenlos telefonieren und smsen und 1 gb lang im netz surfen kann?"
"genau", sagte der junge mann genervt.
"das klingt ja fast zu gut um wahr zu sein. und wenn ich das dann doch nicht will?"
"sie haben die möglichkeit, die sim-karte innerhalb von zwei wochen zurückzuschicken und damit den vertrag zu widerrufen. tun sie nichts, aktiviert sich der vertrag automatisch nach zwei wochen."
"das heißt, ich habe mit diesem gespräch schon einen vertrag abgeschlossen, den ich dann nur noch widerrufen kann? ist das nicht illegal?!"
"wir machen nichts illegales", sagte der junge mann beleidigt und böse. vermutlich hätte er gern noch hinzugefügt "du dumme alte schlampe", aber dann hätte er sein ziel verfehlt.

ich überlegte. die 1 gb flat lockte mich. und wenn man den vertrag widerrufen konnte, war ja nichts schlimmes bei, fand ich.
"na gut", sagte ich überrumpelt. "dann schicken sie mal."
der junge mann leierte die vertragsbedingungen für eine gesprächsaufzeichnung herunter und verabschiedete sich dann so ruppig, wie er mich begrüßt hatte.

drei tage später kam die sim-card an. im beipackzettel stand, wenn ich diese durch eingabe des pin-codes aktivierte, würde der vertrag gültig. mir kam das komisch vor, denn warum sollte ich eine sim-card aktivieren, um einen bereits geschlossenen vertrag zu schließen? ich las mir die beiliegenden schreiben durch und versuchte herauszufinden, welchen vertrag ich nun eigentlich hatte. clever wie o2 war, stand das nirgendwo bei.

böses misstrauen befiel mich. also durchsuchte ich die homepage von o2 nach einem vertragspaket, das meinen bedingungen ähnelte. nach längerem suchen wurde ich fündig: kostenreduktion von 29,90 auf 21,90, 24 monate laufzeit - und eine für 12 monate kostenlose sim-card.

moment mal, dachte ich, bei 24 monaten laufzeit bedeutet 12 monate kostenlos doch, dass danach noch 12 kostenpflichtige monate folgen würden. ich war verwirrt und rief im schurkenstaat von o2 an.

der erste berater konnte mir meine frage, was ich denn nun eigentlich als vertrag hätte, nicht beantworten und wollte mich gerne abwürgen.
"hören sie mal, ICH WURDE VERMUTLICH VON IHREM MITARBEITER BETROGEN", wurde ich nun sauer.
"das sind irgendwelche callcenter, damit haben wir nichts zu tun", sagte der o2-mitarbeiter. "das kann schon sein, dass sie falsche informationen erhalten haben, die bekommen provisionen und tun folglich alles, um ein produkt zu verkaufen."
"das heißt, ich muss bei ihnen damit rechnen, dass ich jederzeit unter angabe falscher informationen zum kauf von nutzlosem, teuren mist überredet werde?" sagte ich stinksauer.
"äh, äh, ich verbinde sie mal weiter, ja", haspelte der mitarbeiter schnell und drückte mich weg.

mitarbeiter nummer zwei war ein freundlicher älterer herr mit bayrischem akzent.
"dann schaumermal, was wir für sie tun können", sagte er, als ich das problem schilderte.
"jaja, die callcenter... das ist so bei denen", bestätigte er mir, was ich schon von mitarbeiter nummer eins wusste.
"also, nach 12 monaten bezahlen sie für den moilfunkvertrag 26,90 €", klärte er mich weiter auf.
"na toll. das wurde mir verschwiegen!"
"das tut mir leid."
"soll ich ihnen dann die sim-card zurückschicken?" wollte ich wissen.
"ach, machen sie sich keine umstände. ich storniere ihnen das jetzt gleich online."
herrlich unkompliziert und nett.
"trotzdem muss ich noch mal sagen, das geht gar nicht, kunden so hinters licht zu führen", wiederholte ich. "ich hätte nicht übel lust, mir einen neuen telefonanbieter zu suchen. wenn ich nicht schon wüsste, dass die anderen auch nur scheiße zu gold machen, dann wäre das jetzt keine zweite überlegung wert."
der berater bedauerte dies erneut sehr und wünschte mir dann noch einen schönen abend.

ende dieses monats wird sich nun herausstellen, ob meine bemühungen zur stornierung des vertrages wirksam waren. wenn nicht, verkaufe ich meine story an die blöd-zeitung und schicke o2 einmal durch die hölle.

... link


Montag, 10. November 2014
objektiv bleiben
kliniktermin, der x-te, heute: beziehungsdiskussionen.

"seit meiner letzten längeren beziehung bin ich emotional behindert", berichte ich. "jetzt habe ich wieder jemanden kennen gelernt, den ich zunächst an sich supertoll fand. nun vergehen zwei wochen und ich bin total desillusioniert. und denke stattdessen an meinen ex-lover und daran, ihn erneut abzuschleppen und endlich wieder richtig guten sex zu haben."
"das sollten sie lieber nicht tun", sagt meine psychiaterin. "das wäre selbstverletztendes verhalten. weil sie von dem doch nicht das bekommen, was sie wollen."
"wann bekommt man das schon mal?" frage ich zurück. "und um zu merken, was man nicht bekommt, dafür müsste man doch erst mal wissen, was man überhaupt will."
"wissen sie das denn nicht?"
ich grüble.
"seit meiner letzten beziehung bin ich mir sicherer denn je zuvor, dass ich keine klassische beziehung will. also so mit treue und dauernd aufeinander hängen und dann vielleicht noch gemeinsam fernsehen oder so was geisttötendes."
"sie möchten eine beziehung ohne alltag."
"jein. also eine beziehung, in der man den alltag für sich allein hat. ich möchte nicht mitkriegen, welche frequenz der stuhlgang des anderen hat. ich möchte auch nicht jede nacht in die arme des anderen eingeklemmt liegen und mir sein geschnarche anhören. vielleicht ein, zweimal im monat, aber nicht öfter."

jetzt muss meine psychiaterin schmunzeln.
"ich habe nichts dagegen, etwas mit jemandem zu unternehmen. ich liebe inspiration. kunst, kultur, kino. schwimmen gehen. oder in den swingerclub."
"warum möchten sie in den swingerclub gehen?"
"weil ich sexy finde, wenn mein mann jemand anderes vögelt. und ich mich dabei auch sexy fühle. ich mag auch frauen."
meine psychiaterin schluckt.
"das sind natürlich sehr liberale vorstellungen."
"ja, und verdammt, das sind dinge, die ich JETZT tun möchte. nicht in fünf oder zehn jahren, wenn ich fett und faltig bin."

meine psychiaterin seufzt. unsere halbe stunde ist gleich um.
"vielleicht sollten sie sich doch noch mal in therapie begeben."
"ich halte das für zeitverschwendung."
"sie brauchen nur den richtigen therapeuten, da bin ich sicher."
"in den ich mich dann wahrscheinlich verliebe", kichere ich.
"dann suchen sie sich eine therapeutin."
"ich ficke auch frauen."
"dann eben einen, der alt und hässlich ist", lacht meine therapeutin.

nach der therapie bleibe ich noch in der klinik. blut- und routineuntersuchungen. zwischen den einzelnen untersuchungen gehe ich einmal um den block, rauche eine und komme dann an dem gebäude vorbei, in dem das objekt arbeitet. sein fahrrad steht nicht vor der tür, also hat es wahrscheinlich frei oder spätschicht.

ich nehme es als wink des schicksals, mache kehrt und melde mich wieder bei der schwester zum ekg. die schwester kennt mich schon, ich mag sie. meine werte sind unauffällig, also kann ich nach hause gehen.

später fahre ich durch den regen nachhause und fühle mich gleichzeitig deprimiert und erleichtert. manchmal hat es ja doch was, wenn man mit jemand vernünftiges quatschen kann. also sollte ich mir möglicherweise doch noch mal einen therapeuten suchen.

... link