Dienstag, 18. November 2014
träume mit mir

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Montag, 17. November 2014
o2 can do (evil)
ich habe meinen festnetzanschluss bei o2 formerly known as alice. zum festnetzanschluss gehören eine telefonflat ins deutsche festnetz (wegen mama und papa) und eine dsl-6000-flat. der spaß kostet mich 29,90 € monatlich und ist monatlich kündbar. soweit, so gut.

vor wenigen wochen erhielt ich einen anruf von o2 - oder vielmehr einem callcenter, das von o2 beauftragt worden war, den neusten scheiß zu verkloppen. am hörer hatte ich einen fürchterlich gelangweilt und genervt klingenden jungen mann, der mir ohne luft zu holen in wenigen sekunden erklärte, dass ich ab sofort nur noch 21,90 € für meinen anschluss bezahlen müsse, wenn ich mit einer 24-monatigen vertragslaufzeit einverstanden sei.
"aber ich ziehe vielleicht bald weg", wagte ich einzuwerfen.
"sie können den anschluss doch mitnehmen", sagte der junge mann pampig.
"und wenn ich die nummer ändern will."
"das geht auch", erwiderte der callcentermensch im tonfall eines lehrers kurz vorm burnout.

"na gut", sagte ich, wenig überzeugt. "sie können mir ja mal informationen schicken, dann schau ich mir das mal an."
"ich schicke ihnen dann auch noch eine sim-karte für den mobilfunk mit, die ist kostenlos."
"brauche ich nicht, ich habe schon einen vertrag."
"aber damit können sie KOSTENLOS telefonieren und SMS schicken! und sie haben eine 1 gb flat fürs internet."
das klang interessant, hatte ich doch einen vertrag, der mich 10 euro monatlich kostet und der lediglich eine 250 mb-flat beinhaltete.
"hm" sagte ich.
"ist alles kostenlos für sie", wiederholte der junge atemlos und mechanisch wie ein roboter.
"also gut, ich fasse zusammen: meine monatlichen fixkosten für festnetz und internet reduzieren sich um acht euro auf 21,90 €, dafür akzeptiere ich eine 24-monatige vertragslaufzeit und bekomme zusätzlich eine sim-karte, mit der ich kostenlos telefonieren und smsen und 1 gb lang im netz surfen kann?"
"genau", sagte der junge mann genervt.
"das klingt ja fast zu gut um wahr zu sein. und wenn ich das dann doch nicht will?"
"sie haben die möglichkeit, die sim-karte innerhalb von zwei wochen zurückzuschicken und damit den vertrag zu widerrufen. tun sie nichts, aktiviert sich der vertrag automatisch nach zwei wochen."
"das heißt, ich habe mit diesem gespräch schon einen vertrag abgeschlossen, den ich dann nur noch widerrufen kann? ist das nicht illegal?!"
"wir machen nichts illegales", sagte der junge mann beleidigt und böse. vermutlich hätte er gern noch hinzugefügt "du dumme alte schlampe", aber dann hätte er sein ziel verfehlt.

ich überlegte. die 1 gb flat lockte mich. und wenn man den vertrag widerrufen konnte, war ja nichts schlimmes bei, fand ich.
"na gut", sagte ich überrumpelt. "dann schicken sie mal."
der junge mann leierte die vertragsbedingungen für eine gesprächsaufzeichnung herunter und verabschiedete sich dann so ruppig, wie er mich begrüßt hatte.

drei tage später kam die sim-card an. im beipackzettel stand, wenn ich diese durch eingabe des pin-codes aktivierte, würde der vertrag gültig. mir kam das komisch vor, denn warum sollte ich eine sim-card aktivieren, um einen bereits geschlossenen vertrag zu schließen? ich las mir die beiliegenden schreiben durch und versuchte herauszufinden, welchen vertrag ich nun eigentlich hatte. clever wie o2 war, stand das nirgendwo bei.

böses misstrauen befiel mich. also durchsuchte ich die homepage von o2 nach einem vertragspaket, das meinen bedingungen ähnelte. nach längerem suchen wurde ich fündig: kostenreduktion von 29,90 auf 21,90, 24 monate laufzeit - und eine für 12 monate kostenlose sim-card.

moment mal, dachte ich, bei 24 monaten laufzeit bedeutet 12 monate kostenlos doch, dass danach noch 12 kostenpflichtige monate folgen würden. ich war verwirrt und rief im schurkenstaat von o2 an.

der erste berater konnte mir meine frage, was ich denn nun eigentlich als vertrag hätte, nicht beantworten und wollte mich gerne abwürgen.
"hören sie mal, ICH WURDE VERMUTLICH VON IHREM MITARBEITER BETROGEN", wurde ich nun sauer.
"das sind irgendwelche callcenter, damit haben wir nichts zu tun", sagte der o2-mitarbeiter. "das kann schon sein, dass sie falsche informationen erhalten haben, die bekommen provisionen und tun folglich alles, um ein produkt zu verkaufen."
"das heißt, ich muss bei ihnen damit rechnen, dass ich jederzeit unter angabe falscher informationen zum kauf von nutzlosem, teuren mist überredet werde?" sagte ich stinksauer.
"äh, äh, ich verbinde sie mal weiter, ja", haspelte der mitarbeiter schnell und drückte mich weg.

mitarbeiter nummer zwei war ein freundlicher älterer herr mit bayrischem akzent.
"dann schaumermal, was wir für sie tun können", sagte er, als ich das problem schilderte.
"jaja, die callcenter... das ist so bei denen", bestätigte er mir, was ich schon von mitarbeiter nummer eins wusste.
"also, nach 12 monaten bezahlen sie für den moilfunkvertrag 26,90 €", klärte er mich weiter auf.
"na toll. das wurde mir verschwiegen!"
"das tut mir leid."
"soll ich ihnen dann die sim-card zurückschicken?" wollte ich wissen.
"ach, machen sie sich keine umstände. ich storniere ihnen das jetzt gleich online."
herrlich unkompliziert und nett.
"trotzdem muss ich noch mal sagen, das geht gar nicht, kunden so hinters licht zu führen", wiederholte ich. "ich hätte nicht übel lust, mir einen neuen telefonanbieter zu suchen. wenn ich nicht schon wüsste, dass die anderen auch nur scheiße zu gold machen, dann wäre das jetzt keine zweite überlegung wert."
der berater bedauerte dies erneut sehr und wünschte mir dann noch einen schönen abend.

ende dieses monats wird sich nun herausstellen, ob meine bemühungen zur stornierung des vertrages wirksam waren. wenn nicht, verkaufe ich meine story an die blöd-zeitung und schicke o2 einmal durch die hölle.

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Montag, 10. November 2014
objektiv bleiben
kliniktermin, der x-te, heute: beziehungsdiskussionen.

"seit meiner letzten längeren beziehung bin ich emotional behindert", berichte ich. "jetzt habe ich wieder jemanden kennen gelernt, den ich zunächst an sich supertoll fand. nun vergehen zwei wochen und ich bin total desillusioniert. und denke stattdessen an meinen ex-lover und daran, ihn erneut abzuschleppen und endlich wieder richtig guten sex zu haben."
"das sollten sie lieber nicht tun", sagt meine psychiaterin. "das wäre selbstverletztendes verhalten. weil sie von dem doch nicht das bekommen, was sie wollen."
"wann bekommt man das schon mal?" frage ich zurück. "und um zu merken, was man nicht bekommt, dafür müsste man doch erst mal wissen, was man überhaupt will."
"wissen sie das denn nicht?"
ich grüble.
"seit meiner letzten beziehung bin ich mir sicherer denn je zuvor, dass ich keine klassische beziehung will. also so mit treue und dauernd aufeinander hängen und dann vielleicht noch gemeinsam fernsehen oder so was geisttötendes."
"sie möchten eine beziehung ohne alltag."
"jein. also eine beziehung, in der man den alltag für sich allein hat. ich möchte nicht mitkriegen, welche frequenz der stuhlgang des anderen hat. ich möchte auch nicht jede nacht in die arme des anderen eingeklemmt liegen und mir sein geschnarche anhören. vielleicht ein, zweimal im monat, aber nicht öfter."

jetzt muss meine psychiaterin schmunzeln.
"ich habe nichts dagegen, etwas mit jemandem zu unternehmen. ich liebe inspiration. kunst, kultur, kino. schwimmen gehen. oder in den swingerclub."
"warum möchten sie in den swingerclub gehen?"
"weil ich sexy finde, wenn mein mann jemand anderes vögelt. und ich mich dabei auch sexy fühle. ich mag auch frauen."
meine psychiaterin schluckt.
"das sind natürlich sehr liberale vorstellungen."
"ja, und verdammt, das sind dinge, die ich JETZT tun möchte. nicht in fünf oder zehn jahren, wenn ich fett und faltig bin."

meine psychiaterin seufzt. unsere halbe stunde ist gleich um.
"vielleicht sollten sie sich doch noch mal in therapie begeben."
"ich halte das für zeitverschwendung."
"sie brauchen nur den richtigen therapeuten, da bin ich sicher."
"in den ich mich dann wahrscheinlich verliebe", kichere ich.
"dann suchen sie sich eine therapeutin."
"ich ficke auch frauen."
"dann eben einen, der alt und hässlich ist", lacht meine therapeutin.

nach der therapie bleibe ich noch in der klinik. blut- und routineuntersuchungen. zwischen den einzelnen untersuchungen gehe ich einmal um den block, rauche eine und komme dann an dem gebäude vorbei, in dem das objekt arbeitet. sein fahrrad steht nicht vor der tür, also hat es wahrscheinlich frei oder spätschicht.

ich nehme es als wink des schicksals, mache kehrt und melde mich wieder bei der schwester zum ekg. die schwester kennt mich schon, ich mag sie. meine werte sind unauffällig, also kann ich nach hause gehen.

später fahre ich durch den regen nachhause und fühle mich gleichzeitig deprimiert und erleichtert. manchmal hat es ja doch was, wenn man mit jemand vernünftiges quatschen kann. also sollte ich mir möglicherweise doch noch mal einen therapeuten suchen.

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Dienstag, 4. November 2014
weil ich der chef bin
ich habe einen chef, der das mit der mitarbeitermotivation total gut drauf hat: einfach aus dem leuten rauspressen, was geht. bei meinen kollegen hat er das super geschafft. die sind so eingeschüchtert, die rühren ihm sogar den kaffee um, wenn er die tasse hinhält.

heute hatte ich das arschloch am telefon und er funkte mir schon wieder in die pressearbeit. längerer diskurs, dann ausraster cheffe:
"lassen sie sich doch mal was von mir sagen, ich habe 30 jahre mehr berufserfahrung als sie!"
"aber ich habe sechs jahre mehr erfahrung in der pressearbeit", wagte ich einzuwenden. "wenn ich das so mache, hat das schon einen grund."
"sie machen das so, wie ich es sage, weil ich bin der chef!"

da fehlten mir die worte. also die widerworte. denn eigentlich hätte ich auch losbrüllen müssen: "sie können mich mal am arsch lecken, wenn das ihre argumente sind!"

nun überlege ich, ob ich ihm eine e-mail schreiben soll. zum thema mitarbeitermotivation. und ihn mal daran erinnere, dass ich eine als sekretärin bezahlte pr-beraterin bin. und ich auch dienst nach arbeitsvertrag machen kann, heißt ablage und buchhaltung. dann kann er sich wieder seine 7000-euro-pr-kraft einstellen, die er sich mit mir spart.

mein rückgrat sagt, ich muss, weil ich kein weiteren verkrümmungen und bandscheibenvorfälle mehr ertragen würde.

mein kalkül sagt, bringt nix, weil arschloch bleibt arschloch und dass ich da lieber weg sollte.

was würden sie tun? sagen sie doch mal. vielleicht haben sie ja auch schon ähnliche konkrete erfahrungen gemacht.

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Montag, 3. November 2014
mit angehaltenem atem
das erste date war ein volltreffer. es begann genauso, wie ich es unbewusst am liebsten mag: ich war pünktlich und der mann mit hund kam lässig zu spät. die folge davon ist, dass ich mich nicht fühle, als hätte ich schon gewonnen, sondern mich noch mal ins zeug lege.

den abend bei sehr angenehmer konversation verbracht. der mann mit hund ist genauso linksradikal wie ich und war lange zeit sogar parteimitglied. das imponiert mir, bin ich ja schon längst am überlegen, mich ebenfalls parteipolitisch zu engagieren. später stehen wir auf der terrasse des restaurants, rauchen und starren uns an, bis ich in einem anfall von mut die arme ausbreite und der mann hineinkriecht, mich fest an sich zieht und küsst.
"schüchtern bist du gar nicht", findet der mann mit hund.
"ich bin sogar sehr schüchtern", erwidere ich. "aber ich überwinde meine schüchternheit."
"ich finde das faszinierend. du hast mich ja quasi aufgerissen und auch jetzt hast den ersten schritt gemacht."
"man braucht immer ein herausforderndes projekt im leben", sage ich. dass es mir danach meist immer ebenso rasch wieder langweilig wird, verschweige ich.

gegen eins kehrt uns die restaurantbesitzerin sanft, aber bestimmt aus dem laden. ich überlege für einen moment, ob ich lust zu ficken habe, doch in sechs stunden klingelt der wecker wieder, und außerdem soll man es ja nicht überstürzen.
"wollen wir am wochenende was zusammen machen?" fragt mich der mann mit hund zum abschied.
ja, ich will. sehr sogar.

am freitag werde ich im büro mit breitem grinsen empfangen. ich hülle mich zunächst in interessesteigerndes schweigen, bis mein vorgesetzter herausplatzt: "und? jetzt sag schon!"
"bingo", sage ich.
großes hallo und applaus.

am abend bin ich mit dem dritten und der drittenfreundin verabredet, halloweenparty. eigentlich habe ich keine lust, schleppe mich dann aber trotzdem hin, denn versprochen ist versprochen.
am ort des geschehens ist zunächst keiner da. ich ärgere mich maßlos. als ich schon schlechtgelaunt wieder abziehen will, kommen dritter, drittefreundin, objekt und gespielin plötzlich die treppe runter. ich bin restlos begeistert. ich muss zu allen hallo sagen, auch zum objekt, dass mich betrunken an sich zieht und mir frecherweise "dich fick als letztes" ins ohr sagt. ich entwinde mich seinem griff, dann kralle ich mir die drittefreundin.
"warum kommt ihr so spät und was soll das überhaupt, seit wann hast du was mit der gespielin zu tun?"
"das objekt hatte uns zum vorglühen eingeladen", erklärt mir die drittefreundin, "und der dritte war natürlich nicht zu halten.
"und jetzt redest du mit der?" bin ich verwundert, da die drittefreundin bislang eiserne gespielinnenfeindin war.
"naja, wir saßen halt zusammen, was hätte ich denn machen sollen?"
"zu mir kommen vielleicht?"
der drittefreundin ist die sache total unangenehm. sie faselt was von nächstes mal und dass sie ganz bestimmt nicht die neue freundin der gespielin wird.
"hör mal, wenn du die nett findest, halte ich dich nicht auf. aber weißte, erst so einen aufriss starten und sich mit mir verabreden und dann nicht auftauchen... und sich auch nicht melden... und hinterher erfahre ich sowas, das ist einfach nicht schön."

den rest des abends verbringe ich mit möglichst großem abstand zu den vier menschen und fühle mich ganz schrecklich, bis ich beschließe, nach hause zu gehen. morgen, sage ich mir, hast du was besseres vor.

samstag erwache ich, weil der mann mit hund anruft. um zehn uhr morgens.
"ich schlafe noch", sage ich medikamentenbenommen.
"aber es ist doch so schönes wetter", sagt der mann mit hund. "entchen hat mich ganz früh geweckt und jetzt waren wir schon draußen und einkaufen."
"wo wohnst du nochmal?"
der mann mit hund sagt mir eine adresse, und weil es mr. murphy so will, ist sie nur zwei straßen vom objekt entfernt. fuck. das heißt, ich darf nun jedesmal am objekthaus vorbeifahren, wenn ich den mann mit hund besuchen will.

wir verabreden uns für später in der schanze. der mann mit hund kommt ohne hund, aber wieder zu spät. scheint so eine marotte zu sein. da ich selber auch meist später dran bin, finde ich das aber ganz entspannt.

der mann mit hund trägt einen eleganten mantel, und ich bin hocherfreut. ältere, bärtige männer in mänteln finde ich super.
dann knutschen wir und reden und knutschen, ab und an beäugen uns ein paar teenager misstrauisch. vermutlich wären wir ihnen peinlich, wenn wir ihre eltern wären.
irgendwann ist es halb eins. in mir latente unruhe, weil partytime. aber den mann mit hund kann ich nicht in eine düsterlocation mitnehmen. zum einen, weil er sich zu alt zum ausgehen fühlt, zum anderen, weil er meine musik ziemlich schrecklich findet.

"wir könnten ja noch zu dir gehen", sage ich todesmutig. "das wäre wenigstens nicht so weit."
"das ist mir jetzt aber unangenehm", sagt der mann mit hund, "bei mir ist gerade nicht aufgeräumt."
"du, ich hab schon viel gesehen in meinem leben, und grundsätzlich mag es ich es lieber gemütlich als steril", sage ich und denke an die lederjacke, die immer alles mit sagrotan desinfizieren muss, damit sie sich wohlfühlen kann.
"na gut", sagt der mann mit hund. "so rein wegtechnisch bietet sich das ja nun auch an."

wir laufen los.
"guck mal, das ist mein penny, da geh ich meistens einkaufen", sagt der mann mit hund und zeigt auf den objekt-penny. mir dreht sich der magen um.
"und hier, die tanke, da kaufe ich manchmal zigaretten."
es ist die objekttanke, wo ich - gewissermaßen interkoital - schon gefühlte hundertmal wodka und papers geholt habe, um dann weiterzuficken.
wir kommen dann tatsächlich am objekt-haus vorbei. nicht gucken, sage ich mir, aber dann schaue ich doch kurz hinauf zum schlafzimmer des objekts. es brennt licht und die roten gardinen sind vorgezogen. entweder bekifft es sich restlos, oder aber es zieht sich gerade für party um, überlege ich. dann ärgere ich mich tödlich, weil ich mir immer noch solche gedanken mache. aber die begegnung an abend zuvor hatte mich wieder traurig gestimmt.

der mann mit hund wohnt luftlinie 50 meter vom objekt entfernt. mir ist schlecht, als wir die treppen hinaufgehen. in der wohnung springt mir zum glück gleich entchen entgegen, was mir die befangenheit nimmt und mich ablenkt.
"du darfst dich hier echt nicht so genau umschauen", sagt der mann mit hund. "es ist mir auch echt peinlich, dass das jetzt hier so aussieht."
die wohnung entpuppt sich als winzige hardcore-männerbutze. obwohl die räume schön geschnitten sind, stehen sie voller viel zu wuchtiger, geschmackloser möbel, die einem die luft zu atmen nehmen. dazwischen müll, hundespielzeug und ein merkwürdiger geruch. ich schnuppere genauer nach, dann frage ich direkt:
"kiffst du?"
der mann mit hund guckt ertappt:
"findest du das schlimm?"
"nee, überhaupt nicht. ich rauche selber ab und zu mal was."
"cool", findet der mann mit hund, "bislang hatte ich nur freundinnen, die da radikal dagegen waren."
"wenn mans nicht übertreibt, sind drogen okay", sage ich. "ich hatte mal was mit jemanden, der raucht zehn joints am tag, da ist das nicht mehr lustig."
"ich hatte früher ein echtes koksproblem", gesteht mir der mann mit hund.
"und jetzt?"
"nehm ich nur noch selten was."
mich befällt ein mulmiges gefühl.
"dann ist ja gut", sage ich vage.

als ich mich aufs bett setzen will, falle ich in den rahmen.
"was ist denn das?!"
"das ist nur noch ein halbes bett. von meiner letzten trennung übriggeblieben."
ich rette mich auf die verbliebene klumpige matratze.
"da musst du aber mal was machen! die matratze hier ist auch ganz durchgelegen, da kannst du doch auf dauer nicht drauf schlafen."
"ja, ich weiß, aber ich konnte mich bislang noch nicht motivieren."
"du kriegst gesundheitliche probleme von so was!"
"ich weiß. aber jetzt bist du da, das ist doch mal ein guter grund, sich ein neues bett zu kaufen."

ich bekomme angst. was ist das für eine haltung, wenn einer nicht aus eigenem antrieb dafür sorgt, dass er ein anständiges bett hat? und überhaupt, wenn er sich jetzt wegen mir ein bett kauft, dann kann er nie wieder drin schlafen, falls ich demnächst schluss mache.

ich muss auf toilette. der mann mit hund zeigt mir, wohin ich muss. und dann trifft mich beinahe der schlag. denn das kleine bad ist völlig verdreckt.
"sorry, wenns hier so aussieht, aber ich habe entchen heute geduscht", entschuldigt sich der mann mit hund.
ich pinkle, wasche mir dann die hände. es gibt keine seife und die handtücher sind auch schmutzig. das kenne ich nicht einmal vom objekt in seinen schlimmsten zeiten.

als ich wieder ins wohn- und schlafzimmer zurückkehre, bin ich noch immer fassungslos. wie kann so eine elegante erscheinung wie der mann mit hund bloß in so einer butze hausen? an geld sollte es ihm doch eigentlich nicht mangeln.

wir kuscheln uns in das halbe bett, das glück glück gut und sauber riecht. der mann mit hund hat einen joint gedreht, der mit den schädel weghaut.
"wasn das fürn zeug", fasle ich.
"da vorne in dem hochhaus kriegst du echt gutes zeug. da kaufe ich auch manchmal mein koks."
"ich dachte, du nimmst das nicht mehr."
"ab und zu mal."
"kauf dir lieber ein bett, du."
"jaja. ist nur alles teuer. wenn du so lebst wie ich, geht ja viel geld drauf."
für koks und kiffe wahrscheinlich, mutmaße ich still.

gegen morgen breche ich auf, weil das bett so furchtbar unbequem ist und der mann mit hund schnarcht. er nimmt meine entscheidung mit gelassenheit, was ich unheimlich entspannt finde.

als ich auf der straße stehe, bin ich mir mit allem schon wieder schrecklich unsicher. wohnungen sind mir wichtig, denn die wohnung ist der spiegel der seele. spontan schätze ich die selbstachtung des mann mit hund noch geringer ein als meine.

anderseits hält mich das gefühl. die chemie ist wesentlich stimmiger als bei vielen vorangegangenen beziehungsversuchen.

einfach mal bleiben, beschließe ich. die sache genau anschauen und vertrauen üben. gehen kann ich immer noch.

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