Mittwoch, 29. Oktober 2014
come around
heute auf arbeit klopft es gegen elf an der bürotür. es ist der mann mit hund von gegenüber, der fragen will, ob ich mit ihm rauchen gehe. ich grinse ein wenig peinlich berührt, da ich sonst während der arbeitszeiten so gut wie nie rauche, komme dann aber doch mit, als mein vorgesetzter mir das zeichen zu verschwinden gibt.

meine kollegen haben die sache mit dem büroübergreifendem flirt inzwischen durchschaut und sind sehr neugierig.
"ich habe ein bisschen angst", sagt die projektleiterin heute.
"warum", will ich wissen.
"du hast doch mal erzählst, dass du in der regel schluss machst. und ich will nicht, dass du ihm das herz brichst und der dann hier tagelang vor der tür lungert und weint", schmunzelt sie.
"und ich will keine post-its mit herzchen und ich-liebe-dich hier irgendwo kleben sehen", fügt mein vorgesetzter mit gespielt strenger miene hinzu.
ich lache. ich habe so lustige und liebe kollegen, das mag ich an meinem job am meisten.

"wie alt ist der überhaupt", will die projektleiterin dann neugierig wissen.
"keine ahnung."
"anfang-mitte vierzig?" schätzt sie.
"er könnte auch ende vierzig sein", mutmaße ich.
"dann ist der doch viel zu alt für dich!"
"aber er hat noch sehr volles und schönes haar", wirft mein vorgesetzter ein.
"auf glatze stehe ich auch nicht", sage ich.

"wann trefft ihr euch denn nun?" fragt die projektleiterin.
"morgen", sage ich und kann ein breites grinsen nicht verbergen.
"und was macht ihr?"
"also eigentlich wollten wir ein bier trinken gehen. aber er meinte vorhin, wir könnten doch auch essen gehen."
"ooooohhhh", seufzt die projektleiterin, "das ist doch eine gute idee. das ist viel romantischer als bier trinken."

als ich arbeit aus habe, treffe ich den mann mit hund noch einmal, als er gerade von den toiletten kommt. wir bleiben kurz stehen und lächeln uns an wie die bekloppten. die schmetterlinge in meiner magengrube flattern aufgeregt umher.

hoffentlich stürzen sie morgen nicht gleich wieder ab. drücken sie mir die daumen.

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heulschrecken-special
was mir gerade das herz wärmt und ich allen an selbiges lege.

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Montag, 27. Oktober 2014
referrer-knaller
"große fik mit kleine frauen zverge"

ich bin groß und kann orthografie, ich bin nicht deine zielgruppe!

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Sonntag, 26. Oktober 2014
an sich halten
wenn einer die nähe nicht ertragen kann.
und der andere nicht die distanz.

ich musste so stark sein heute.
ich habe es ausgehalten.
ich bin stolz auf mich.

ich weiß, du wartest. du wartest genau wie ich, dass ich auf dich zugehe. aber ich bin fortgegangen. und ich komme nicht mehr zurück.

vielleicht begegnet man sich noch einmal. in zehn oder 20 jahren. vielleicht bist du dann verheiratet und noch einmal vater. vielleicht hast du dann deine prüfung gemacht, die du gerne machen würdest. ich sage dir noch einmal: verkack es nicht wieder. genauso, wie ich es dir riet, als es um uns, um mich ging. das hast du verkackt, und vielleicht lernst du draus.

ich muss jetzt alleine weiter.

tschüß.

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Samstag, 25. Oktober 2014
mann mit hund
seit ich im vergangenen jahr meinen aktuellen job angenommen habe, arbeite ich in einem riesigen bürokomplex, der ein wenig ähnlichkeit mit einem alten krankenhaus hat: endlos verzweigte flure, grüner 70er-jahre-linoleum-fußboden, wände in vergilbtem weiß und ein merkwürdiger geruch, den man nie ganz aus den räumen kriegt.
man kann sich in diesem gebäude regelrecht verirren. auf jedem flur befinden sich zwischen drei und zwölf büros unterschiedlicher firmen, dazwischen verlaufen gänge, die in den komplex nebenan führen.

schräg gegenüber von unserem büro befindet sich ein kleines unternehmen, das auf datentransfer spezialisiert ist. der geschäftsführer dort ist der mann mit hund. der mann mit hund ist ein bär, groß, bärtig und kräftig.

wir begegneten uns des öfteren im flur, wenn er vom rauchen oder gassigehen kam und ich auf toilette ging oder auf dem weg zur post war. sein hund flippte jedesmal aus und kläffte mich an, während der mann grinste, grüßte, und dann "komm entchen" zu seinem hund sagte, worauf der hund das bellen einstellte und sich zusammen mit herrchen ins zimmer trollte.

heute, nach über einem jahr des grüßens, geschah das kleine wunder. ich war alleine im büro, die kollegin im urlaub, mein vorgesetzter auf dienstreise, alle anderen im seminar, als es klopfte. draußen stand der mann mit hund ohne hund mit kippe im mundwinkel und fragte nach feuer. da ich sozusagen sturmfrei hatte, stellten wir uns einfach ans fenster und schmökten, statt nach unten in den hof zu gehen, wo es sogar extra einen aschenbecher und eine ungemütliche raucher-sitzecke gibt.

"warum heißt dein hund eigentlich entchen", wollte ich wissen.
"weil sie so watschelt", sagte der mann mit hund.
ich kicherte.
der mann mit hund erzählte ein wenig von seinen aktuellen projekten und dies und das.
dann waren unsere zigaretten weggeraucht und wir schauten einander verlegen an.

"wir können ja auch mal was zusammen machen", rutschte mir da heraus.
gleich darauf war mir das furchtbar peinlich.
"also nur wenn du magst... und falls du zeit hast", stotterte ich.
der mann mit hund sah mich an und lächelte:
"ich würde mich sogar sehr freuen."
mir fiel eine tonne steine vom herzen.
"dann überleg dir mal, wann."
"nächste woche?"
"gerne."

der mann mit hund schrieb mir seine nummer auf und dazu seinen namen.
"jetzt weißt du auch endlich mal, wie ich heiße."
er grinste wieder und sein gesicht legte sich in wunderbar markante falten. keine schönheit, dachte ich mir, wirklich keine klassische schönheit, und auch schon verdammt alt. aber interessant. beileibe sehr interessant.

und plötzlich kann es für mich gar nicht schnell genug wieder montag werden.

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Mittwoch, 22. Oktober 2014
traum.atisiert
es ist sommer. das objekt und ich liegen auf einer wiese in der sonne. doch es kommt schnell eine schattenfront und immer wieder muss ich mein handtuch nehmen und weiterziehen. dadurch bin ich mal näher beim objekt, mal weiter weg. aber nie berührt es mich, nie bin ich ihm hautnah.

"wo wollen wir denn heute nacht pennen?" frage ich, denn mit den herannahenden schatten wird es schnell kühler, und mir ist nach bett und kuscheln und ficken.
"mal sehen", sagt das objekt, "ich würde auch irgendwo außerhalb der stadtmauern schlafen."
klar, das objekt ist ja naturverbunden.

wir packen unsere sachen ein und fahren eine weile mit dem auto. im auto ist noch eine weitere frau, die offenbar schon öfter mit dem objekt unterwegs war und mir sagt, wie schön das alles wird.

wir schlafen doch nicht draußen, sondern kommen bei einem alten holzhaus an. auf der veranda steht eine junge blonde frau, die uns offenbar schon erwartet. die tür öffnet uns schließlich der azubi aus meiner alten agentur.

hui. so viele menschen hatte ich nicht erwartet. aber das objekt kennt gott und die welt, man hat es selten alleine. und meist sind die objektfreunde auch sehr okay.

ich gehe erstmal aufs klo. neben dem klo steht eine badewanne. da könnte ich ja später mit dem objekt feuchtfröhlich spielen, denke ich mir. doch als ich das wohnzimmer wieder betrete, steht da schon eine badewanne mit füßen, in die gerade wasser fließt.
"ach, du badest auch?" frage ich die frau, die mit uns im auto war.
"ja klar."
"wo ist denn das objekt?"
die frau zeigt auf eine zimmerecke, in der ein bett steht. dort liegt das objekt und schlummert. ganz alleine.

ich könnte mich ja dazu legen, denke ich, zögere aber. wenn das objekt ruhe braucht, ist es gerne alleine. ich will es nicht überrumpeln oder stören. doch als die badewanne voll ist, kommt die blonde frau wieder, zieht das objekt aus dem bett und steigt mit ihm in die wanne. vor unseren augen. haha, der igel war schon da und der hase schaut dumm aus der wäsche.

ich bin verletzt. weniger wegen der blonden ische, sondern weil mich das objekt überhaupt nicht mehr beachtet. ich gehe wieder aufs klo, weil da die zweite badewanne steht, in der ich baden könnte. alleine. ich überlege. ich habe keine lust, alleine zu baden. ich will nachhause. sofort.

also platze ich wieder in den raum, in dem sich die beiden mädels mit dem objekt amüsieren.
"wann fährt in diesem kaff der letzte zug?" will ich wissen.
das objekt schaut mich erstaunt an.
"willst du weg?"
"ich will sofort nachhause, mich kotzt das hier alles an."
"drei vor neun", sagt das objekt seelenruhig und ohne mich aufhalten zu wollen.
"dann hau ich jetzt ab."
"mach mal langsam", sagt das objekt und streichelt den schaum vom bein der blonden, "du brauchst nur eine minute zum bahnhof."

ich packe hastig meine sachen zusammen. ich verliere die hälfte, aber es ist mir egal. leute, die ich nicht kenne, nehmen mich mit dem auto mit zum bahnhof. der ist viel weiter als eine minute entfernt, das hatte ich mir ja gleich gedacht. auf objektaussagen ist eben kein verlass.

als ich nachhause komme - wohlgemerkt zu meinen eltern - bin ich verzweifelt und enttäuscht und voller wut. meine mutter will wissen, was los ist. ich brülle und schreie und tobe und weine, dass ich das nicht mehr aushalte, wie sehr ich das objekt hasse und wie weh es mir die ganze zeit tut.

meine mutter sieht mich nur an, und ich begreife, dass ich das alles nicht ihr, sondern dem objekt vor die füße spucken müsste. ich habe die konfrontation gemieden. ich habe versagt. ich bin gegangen wie ein totaler loser.

als ich aufwache, ist das entsetzen noch nicht gewichen, und ich kann die verzweiflung aus diesem ungeheuer aussagekräftigen traum noch immer wie einen schweren zweiten körper auf mir lasten fühlen.
weil ich eben diesen einen menschen viel zu lange im herzen getragen habe.

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