Montag, 19. Mai 2014
akt in zwei halbzeiten
nach dem clubabend bin ich gegen sieben uhr morgens im bett und beschließe auszuschlafen. doch daraus wird nichts. denn kurz vor 14 uhr klingelt das handy und das objekt ist dran.

"hab ich dich geweckt", fragt es bestürzt, als ich mich mit einem verschlafenen "jawasisdenn" melde.
"nee, überhaupt nicht, ich warte schon seit stunden auf deinen anruf", sage ich sarkastisch.
"tut mir leid", sagt das objekt.
"tut dir gar nicht leid", sage ich. "lass mich raten... es ist kurz vor 14 uhr, die gespielin hat spätschicht und vor einer viertelstunde das haus verlassen und dir ist langweilig."
"nee! gar nicht! ich will nachher fußball gucken", entrüstet sich das objekt.
"und du rufst an, um mir das mitzuteilen?!"
"hast ja recht", schmunzelt das objekt. "ich bin gerade total uninspiriert und nachdem wir uns gestern gesehen hatten... und du so hübsch ausgesehen hast... und deine worte so in mir nachgeklungen haben..."
"tut mir leid, wenn ich derzeit etwa euphorisch bin."
"nein, nein, ich fand das total liebenswert! so offen bist du ja nicht immer."
ich denke kurz nach.
"okay, pass auf, ich steh jetzt auf, trink nen kaffee und bin dann so in einer bis anderthalb stunden bei dir."
das objekt freut sich.
"das ist toll", sagt es, hält dann inne, überlegt und beginnt zu stammeln:
"aber eine frage noch... würde es dich stören, wenn ich ein bisschen fußball gucken würde? beziehungsweise magst du mitgucken? also wenn du nicht willst, muss ich das auch nicht haben..."
ich hole tief luft:
"wer spielt denn?"
"fürth gegen den hsv."
"krass! alte heimat gegen neue heimat!"
"und es geht um den abstieg für den hsv!"
"spannend."
"heißt das, du würdest mitgucken?"
"was weißt du über mich und fußball?"
das objekt kramt in seinem gedächtnis und gibt dann meine worte wieder:
"du bist ein fußballaffines wesen."
"exakt."
"dann freu ich mich noch viel mehr jetzt."
"fein. und bitte mach mir schon mal einen cappucchino, ich seh gerade, mein kaffee ist alle."
"ich koch uns was, was hälst du davon?"
"auch gut."
"bis gleich!"

ich ziehe mich an, schwinge mich aufs rad und fahre rüber zum objekt.
an der tür empfängt mich mein sexy gastgeber zerwuschelt und in schlafklamotten:
"sorry, ich bin noch nicht mal zum baden gekommen, ich war die ganze zeit am kochen und aufräumen."
"alles für mich?"
"du, ich häng das tatsächlich immer sehr hoch auf, wenn du zu mir kommst", sagt das objekt sehr ernst.
"das ehrt mich ja."
weil das objekt in stimmung ist, nimmt es mich mit ins bad.
"ich finde das total sexy, dass du hier bist", sagt es, steigt aus den klamotten und pellt mich dann aus meinen.

wir sitzen in der wanne und rauchen und unterhalten uns. das objekt packt seinen rasierer aus:
"willst du übernehmen?"
das objekt ist der erste mann, der mir seine intimrasur anvertraut.
"das ist so schön, ich kenn ja recht viele typen, die sich gar nicht rasieren", sage ich beiläufig.
"dann haste ja haare im mund, wenn du denen die eier leckst."
der objektschwanz wächst mir in die hand.
"weißt du, an was ich gerade denke?" fragt das objekt. "ich möchte so gern mal einen vierer machen. du und ich und ein anderes paar. fällt dir da eines ein?"
"ich bin nicht so pärchenaffin, bislang. also ich könnte dir sowohl männer als auch frauen nennen, die da wohl mitmachen würden, aber ein paar... schwierig."
"schade. aber sag bescheid, wenn sich was auftut."
"klar, gerne."
das objekt erhebt sich, um sich abzubrausen. dann steigen wir aus der wanne.

das objekt rennt splitterfasernackt in die küche, um das kaltgewordene essen noch mal zu erwärmen. ich krabble derweil ins bett, schmeiße den fernseher an, suche die fußballübertragung und drehe einen neuen joint. dann kommt das objekt dazu, dampfende nudelteller in der einen, wodka in der anderen hand.
"oh! es hat ja schon angefangen."
"jupp. und für wen bist du?"
"hamburg. auch, wenn ich als st.-pauli-fan den hsv eigentlich scheiße finde."
"ich bin für fürth", sage ich patriotisch.
"wetten wir?"
"okay. was krieg ich, wenn der hsv verliert?"
das objekt überlegt:
"eine massage?"
"auja. und du?"
"ich will einen blowjob. bis zum süßen ende."
wir schlagen ein, dann schießt der hsv sein erstes tor.
"sieht schlecht aus für dich", sagt das objekt mit genugtuung und zieht meine hand in seinen schoß.

als die pause eingeläutet wird, fällt das objekt über mich her. nach einigen minuten wilden fickens schaltet es jedoch einen gang runter. ich liege an das objekt gepresst, schwanz in muschi, und das objekt streichelt mich ganz zart über rücken und po. ich fühle mich plötzlich ultra gechillt.
"das hat was meditatives", sage ich.
"der dritte würde jetzt sagen: ich will nicht, dass es geil ist, ich will, dass es schön ist", bringt es das objekt auf den punkt.

zweite halbzeit. revanche für mich.
"das hätte ich ja nicht gedacht", sagt das objekt.
ich haue es auf den sack.
"wie redest du von meiner heimat?! außerdem spielen die saugut."
"hast ja recht. die spielen wie erstligisten."
"na also. und wenn die den dämlichen hsv wegputzen, tanze ich singend durch die straßen."
das objekt starrt mich belustigt an:
"du bist ja richtig emotional, das muss ich mir merken. wenn du mal wieder verschlossen in deinem tief hängst, gucken wir fußball. das lockt dich aus der reserve."
ich küsse es auf die nase.

das spiel endet unentschieden, der heimvorteil wird zu heimnachteil und die fürther weinen.
"so eine scheiße", fluche ich.
"hm, wenn der hsv abgestiegen wäre, hätten die die komplette mannschaft mal ausgetauscht, das hätte denen vielleicht gut getan", grübelt das objekt. "jetzt ruhen sie sich wieder auf einem sieg aus, der reines glück war."
"dein glück", sage ich grinsend. das objekt grinst zurück und positioniert sich dann blowjobtechnisch günstig.

anschließend steht es auf und geht ins bad. als es das zimmer wieder betritt, hat es massageöl in der hand.
"auch wenn du verloren hast, ich bin grad so schön in berührungslaune."
das objekt arrangiert mich auf dem bett und beginnt, schultern, rücken und po zu massieren.
"herrje, sag mal, hast du keine schmerzen?" fragt es.
"doch, immer, aber ich bin dran gewöhnt."
"unglaublich", findet das objekt. "weißt du, wie verspannt du um die brustwirbelsäule bist?"
da das objekt einige semester studiert und sehr gute anatomische kenntnisse hat, ist es in sachen massagen und muskuläre probleme äußerst qualifiziert. nach der massage bin ich gelöst und schläfrig und mag gar nicht aufstehen. doch es ist zeit, da die gespielin in einer dreiviertelstunde nachhause kommt.

"ich hau ab", sage ich zum objekt, das nackt quer über das bett gebeugt eine weitere tüte baut.
"ach maus", sagt das objekt, dreht sich um und breitet die arme aus. ich lasse mich hineinfallen, kuschle mich an, sauge den duft in mich auf und flüstere:
"ich hab dich lieb."
das objekt grinst schüchtern, kann mich nicht anschauen und drückt mich dann umso fester an sich.
"achja, bevor ichs vergesse", sagt es dann. "du warst doch mal in prag."
"ja und?"
"ich dachte mir, wenn du lust hast, könnten wir da im urlaub mal an einem tag hinfahren. ich war nur mal ein paar stunden da auf durchreise."
"unbedingt!"
"also wir müssen mal schauen wie die zeit ist... aber grundsätzlich... vielleicht bleiben wir sogar eine nacht und gehen schön in einen swingerclub oder so?"
"das können wir auch in berlin."
"ja, schauen wir mal. müssen nur sehen, wie wir das mit dem kleinen machen."
ich küsse das objekt ein letztes mal.
"bis bald."
"war sehr schön", betont das objekt.
"ciao", sage ich und nehme die treppe.

... link


i´m not there
clubbing.
ich komme sehr spät in einen proppenvollen club, aber es sind nur komische leute anwesend. zwei flüchtige bekannte, dann stolpert mir die gespielin vor die füße. ich bin völlig perplex, da die gespielin nicht mehr ausgeht, seit sie das objekt okkupiert. ich sage schnell hallo, ich will nicht unhöflich sein, und die gespielin lächelt mich gequält an.

dann stehe ich im raucherraum, und plötzlich taucht das objekt auf.
"mensch, ich hab dich gar nicht gesehen", sage ich und drücke es, nachdem ich mich vergewissert habe, dass die gespielin außer sichtweite ist.
"hm, ich war aufm klo", sagt das objekt. "ich wollte dir von da ne sms schreiben. aber nun biste ja doch da."
"ja, ich kam ganz spät. was haste denn solange auf klo gemacht?"
"die gespielin wollte unbedingt hierher und dass ich mitkomme. aber ich... ich bin heute eigentlich gar nicht da."

ich verstehe sofort und das objekt weiß, dass es verstanden ist. es kommt ganz nah, so nah es unverfänglich kommen kann. im grunde kriechen wir ineinander.
"hast den kopf voll, hm", sage ich.
das objekt nickt.
"aber ich habe heute auch an dich gedacht."
ich grinse stolz und spüre die wärme, die das objekt auf mich abstrahlt.
"ich will auch gleich wieder gehen", sagt das objekt.
"ja, die musik ist kacke."
"nee, nicht deswegen, aber weißte, so bringt mir das nichts."

ich verstehe. meist ist das objekt ohne gespielin unterwegs, heute kann es sich so wieder nicht frei bewegen.
ich nehme es in die arme und atme seinen duft.
"ich freue mich so, wenn wir uns mal wieder haben", sage ich.
das objekt lächelt und strahlt und sagt:
"ich auch."

dann ruft es ein taxi und die gespielin und geht.

... link


Samstag, 17. Mai 2014
die sache mit den inneren und äußeren werten
ich behaupte gerne von mir, dass mich äußerlichkeiten nicht beeindrucken. tatsächlich gehen mir markenklamotten, schicke smartphones oder dicke autos am allerwertesten vorbei. auch habe ich nicht das leiseste bedürfnis, mich als künstler oder ähnliches auszugeben. im gegenteil, ich würde mich manchmal freuen, als etwas weniger extravagant und exzentrisch wahrgenommen zu werden.

dennoch können mich äußerlichkeiten manchmal ganz schön aus der bahn werfen - positiv wie negativ. wenn es zum beispiel um die partnerwahl geht, wo doch eigentlich genauso die inneren werte zählen sollten.

diese woche hatte ich ein blind date mit einem buchhalter. ich war zunächst skeptisch, denn buchhalter waren bei mir bis dato mit einem extrem langweiligen image verknüpft. dann telefonierten wir und es stellte sich heraus, dass der gute gerne metropolen bereist, drei sprachen fließend beherrscht, über 1,90 m groß ist, krafttraining macht und auf weiße hemden zum anzug steht. er habe dunkle haare und trage einen bart, sagte er mir, woraufhin ich an den wallenden objektbart dachte, das ganze in dunkel, und schon präventiv unterleibskontraktionen bekam.

wir verabredeten uns zum essen in einem schicken restaurant in harvestehude. ich wählte mit bedacht meine kleidung und versuchte stundenlang, die haare zu bändigen und eine hübsche stino-frisur hinzukriegen - erwartete ich doch einen großen anzugtragenden, muckibuden-gestählten testosteronbrocken mit ausgeprägter gesichtsbehaarung. wer so aussah, hatte bestimmt auch hohe ansprüche und gab sich nicht mit jeder zufrieden. das hatte er auch beim telefonat durchblicken lassen, als er von früheren blinddates berichtete, die er allesamt als uninteressant beschrieb. ich zweifelte zwar stark, dass ich sein interesse wecken könnte, beschloss aber, versuchsweise mein bestes zu geben.

punkt 20 uhr wartete ich vor dem restaurant, nervös, aber auch vorfreudig. zwei nach acht tauchte ein typ auf, der in die beschreibung passte, allerdings hatte er keinen bart. aber halt, da auf der straßenseite gegenüber eilte ein gutaussender anzugträger heran. ach nein, er stieg zu einer blonden ische in den porsche.

fünf nach acht tippte mir jemand auf die schulter. ich drehte mich um. da stand ein langer, dünner typ mit sehr schütterem haar und ebenso spärlichem bartwuchs, der mich durch eine brille für sehr kurzsichtige menschen aufmerksam betrachtete und mich freundlich mit hasenzähnchen angrinste. er trug einen grünen anzug, dem ihm vermutlich seine mutter ausgesucht hatte und der ihm deutlich zu kurz war.
"hallo", sagte der mann.
"hallo", sagte ich und hoffte auf eine verwechslung.
"du bist bestimmt morphine", zerschmetterte mir mr. hasenzahn meine illusion.
"äh, ja", stammelte ich und hätte mich gleich darauf ohrfeigen können, aber der optische schock hatte mein rationales denken gelähmt.

mr. hasenzahn hielt mir die tür auf, half mir aus der jacke und rückte meinen stuhl zurecht. eins-a-manieren, das gab einen dicken pluspunkt. dann setzten wir uns und die unterhaltung begann zu fließen. mr. hasenzahn entpuppte sich als äußerst angenehmer gesprächpartner mit einem wunderbaren sinn für humor. dafür, dass er vollkommen unbefleckt wirkte und so, als wohne er noch bei mutti, hatte er bereits erstaunlich viel von der welt gesehen und sich eine sehr eigene meinung zu allem gebildet. ich meine eine erzählte ein wenig von mir, meinem anstrengenden brotlosen job, meinem fiesen chef und was ich sonst so machte und mochte. mr. hasenzahn hörte mir sehr aufmerksam zu. auch das fand ich toll, wann hat man schon mal gesprächspartner, die wirklich interessiert waren. ich begann, mich vom optischen schock ein wenig zu erholen und den abend zu genießen.

ich betrachtete mein gegenüber noch mal näher. wenn man nur das gesicht für sich nahm, war er eigentlich gar nicht mal so übel. er strahlte etwas warmherziges und intelligentes aus. der spärliche haar- und bartwuchs verlieh ihm etwas linkisches. er lächelte viel und manchmal auch so, dass man seine hasenzähne gar nicht sah. und die brille, nunja, es gab ja auch kontaktlinsen oder wenigstens schönere brillen.

dann wanderte mein blick wieder weiter und ich registrierte die dürren ärmchen, die sich unter den für seine statur viel zu üppigen schulterpolstern abzeichneten. trainiert sah anders aus. ich fragte also ganz unverbindlich nach, ob er außer krafttraining gerne noch anderen sport mache. er gab daraufhin zu, dass er schon sehr lange nicht mehr trainiert hatte. andere sportarten mache er nicht so gerne, allerdings ginge er manchmal in die therme zwecks wellness.
"ohja, schwimmen ist toll", sagte ich und dachte an meine letztes lustiges wettschwimmen mit dem objekt.
nein, meinte mr. hasenzahn, schwimmen sei nicht so seins.
ich nickte. alle andere hätte mich überrascht. ich schätzte den kerl bei 1,90 m auf maximal 65 kg. trotz seiner hagerkeit hatte er einen bauchansatz. keine guten voraussetzungen für kraftvollen wasserwiderstand.

dann begannen die dinge kompliziert zu werden. nach dem hauptgang servierte der kellner, den ich unter anderen umständen vermutlich angeflirtet hätte, frischen wein. als ich nach meinem glas greifen wollte, nahm mr. hasenzahn unvermittelt meine hand und versuchte, sie zu küssen - und ich erlitt den zweiten schock des abends. die möglichkeit, dass mich mr. hasenzahn interessant finden könnte, hatte ich vollkommen ausgeblendet. jetzt musste ich mir etwas einfallen lassen. das tat mir mächtig leid, weil ich merkte, dass hinter dieser wenig attraktiven fassade ein wundervoller mensch steckte.

bei der frage "gehst du gerne mal aus?" wittere ich meine chance. ich begann, von meinen nächtlichen exkursionen durch düstere tanztempel zu berichten und dass so etwas ein unbedingtes muss für mich war, mindestens zweimal pro wochenende, nicht zuletzt, um freunde zu treffen, sich zu besaufen und sich mal auch mal eine nase zu ziehen. leider wirkte mr. hasenzahn kein bisschen schockiert, sondern fragte sogar interessiert nach der musikrichtung und zeigte sich grundsätzlich bereit, mich auch mal zu begleiten.

gut, wir mussten eine nummer härter werden. also signalisierte ich freude ob seines begleitangebots und erwähnte dann einen stadtbekannten s/m-club. dorthin, log ich, ginge ich regelmäßig auf die extra harten parties, um mich in großer runde auspeitschen und anwichsen zu lassen. es funktionierte. mr. hasenzahn klappte die kinnlade herunter und er betrachtete mich mit offensichtlicher fassungslosigkeit. ich setzte also noch einen drauf und gestand ihm, dass mich auch natursektspiele unheimlich anmachten. all das, fasste ich zusammen, würde ich mir natürlich auch von meinem partner wünschen.

mr. hasenzahn saß noch immer mit offenem mund da. erleichterung auf meiner seite, egal für wie abartig er mich nun halten mochte.
"ich bin gerade ein wenig sprachlos", gestand mir mr. hasenzahn.
"ja, sorry, ist mir schon klar, dass ich ziemlich extrem bin. aber eine funktionierende sexualität ist mir sehr wichtig."
und jetzt kam es.
"nein, nein", sagte mr. hasenzahn, "ich hätte es niemals für möglich gehalten, dass ich über eine ganz normale partnerbörse eine so tolle frau treffe, die genauso tickt wie ich. und ja, ich will das alles mit dir erleben!"
der dritte schock des abend.
mr. hasenzahn sah mich erwartungsvoll-begeistert an.
"schön", würgte ich kraftlos aus meiner kehle und musste dann erstmal auf toilette, um zu hyperventilieren.

nach einer weiteren halben stunde, in der mir mr. hasenzahn seine spanking- und fesselspielchen-fantasien erzählte, signalisierte ich große müdigkeit und den wunsch, den abend abzubrechen. mr. hasenzahn zahlte, dann standen wir draußen.
"tschüß", sagte ich und wollte eine vorsichtige umarmung wagen. mr. hasenzahn hingegen zog mich an sich und versuchte, mich zu küssen. ich drehte das gesicht weg und strampelte mich frei.
"aber..." sagte mr. hasenzahn.
"ich steh nicht so auf küssen", log ich.
"ach."
"ja dann machs mal gut", sagte ich.
mr. hasenzahn sah mich an:
"wollen wir nicht noch ein wenig zu mir?"
brechreiz setzte ein.
"ähm, ich muss morgen früh raus", brachte ich den klassiker.
"ja... dann..." schenkte ir mr. hasenzahn einen weitere langen blick.
"bis dann", sagte ich unverbindlich und eilte vondannnen.

zuhause telefonierte ich mit meinem vater, der mal wieder ein pc-problem hatte. ich erzählte ihm die geschichte in der kurzfassung, als er wissen wollte, was es bei mir neues in der männerwelt gab.
"man kann auch mal jemanden liebgewinnen", meinte er, als ich fertig war.
"es gibt aber auch minimalstkriterien, die einer erfüllen muss."
"du bist halt verwöhnt", fand mein vater. "das muss dir mal klar werden, dass nicht jeder aussehen kann wie ein ddr-olympia-sieger."
ein böser seitenhieb aufs objekt.
"das muss er ja auch gar nicht. aber ich muss doch irgendwas an dem finden können! sonst kann ich mit dem keinen sex haben."
bei dem thema stieg mein vater aus und ich legte auf.

sagen sie mal. haben sie es schon mal geschafft, jemanden scharf zu finden, der zwar menschlich, aber optisch so gar nicht ihr fall war?

... link


Mittwoch, 14. Mai 2014
vorgeschmack
wenn ich mich sehr auf etwas freue, habe ich alpträume. ängste, dass etwas passiert, was mir das schöne, herbeigesehnte vermasselt.

letzte nacht stand ich auf einem parkplatz mitten im walde und wartete auf objekt und objektsohnemann, damit wir gemeinsam in den urlaub fahren konnten. trotz immenser beidseitiger bemühungen haben wir uns auf geheimnisvolle weise verpasst.

in der zweiten traumsequenz klappte zwar das abholen, allerdings musste ich im auto feststellen, dass ich kein gepäck dabei hatte.

tja. mein unbewusstes kennt uns gut. sowohl das objekt als auch ich nehmen wahr, wenn 50 meter enfernt ein marienkäfer durch die luft schwirrt. dafür bekommen wir nicht mit, was direkt vor unserer nase passiert, so sehr wir uns auch zu konzentrieren versuchen.

ebenso tief sitzt meine angst, gepäck zu vergessen. einst fuhr ich mit einem exfreund ohne unterwäsche in den urlaub. sie mögen sagen, das erscheint nicht weiter schrecklich. doch für meinen mitreisenden war es sehr wohl schlimm, da ich drei minuten vor abfahrt unseres zuges noch in die bahnhofsdrogerie stürmte, um slips zu kaufen. wie sie sehen können: last minute bekommt mit reisenden wie mir eine ganz neue, intensive bedeutung.

ein andermal war ich auf geschäftsreise wegen eines filmdrehs und stellte im flieger fest, dass ich meine zahnbürste vergessen hatte. ich fand das nicht weiter tragisch und beschloss, einfach eine zahnbürste vor ort zu kaufen. was ich nicht wusste: mein reiseziel war derart provinziell, dass bei meiner ankunft bereits alle läden geschlossen hatten. nur ein getränkemarkt war noch geöffnet. dort besorgte ich mir eine flasche hochprozentiges, die mir letztlich die zahnhygiene retten sollte: denn verzweifelt, aber schon reichlich angeheitert ging ich spätabends noch zur bar, wo ich unter anderem einen moderator kennen lernte. aus der seinerseits erhofften gemeinsamen leidenschaftlichen nacht im bett wurde dann lediglich ein fünfminütiger gemeinsamer morgen im bad, da ich mir seine zahnbürste leihen musste. ich muss nicht hinzufügen, dass wir uns nie wiedersahen.

wie auch immer, ich bin gespannt auf meine sommerexkusion (nur noch sieben wochen!! nur noch sieben wochen!!), so sie denn wirklich-wirklich stattfinden sollte. es wird auf jeden fall eine ungeheuer aufregende geschichte dazu geben.

... link


Samstag, 10. Mai 2014
wie ein schöner traum
ein nachmittag mit objekt bei mir, endlich mal wieder.
es gibt kuchen und kakao mit frischen gewürzen. das objekt kommt direkt aus der arbeit, steht noch total unter feuer und gibt erstmal die neusten geschichten von station zum besten. unter anderem hatte es der neuen praktikantin im scherz körperliche gewalt angedroht, was die praktikantin aber offenbar sehr ernst genommen hatte. dies führte zu einer beschwerde bei der stationsleitung und einem peinlichen sechs-augen-gespräch.
"das ist so eine blöde kuh, null belastbar, zeitweise völlig desinteressiert, hält vorschriften nicht ein, und dann rennt sie wegen so einer pillepalle-geschichte zur stationsleitung, anstatt zu mir zu kommen und zu sagen, hey, hab ich das richtig verstanden, du willst mir in die fresse hauen, was soll das denn?!"

das objekt redet sich in rage, kommt dann aber langsam runter und schlürft bedächtig seinen kakao. ich versuche die sache noch ein wenig zu relativieren, weise das objekt unter anderem auf sein erscheinungsbild - wildgewordener krieger - hin und erkläre, dass das einem körperlich unterlegenen menschen, der in der hierarchie deutlich drunter steht, schon mal angst machen kann.
am ende knirscht das objekt mit den zähnen, gibt zu, dass die aktion nicht so furchtbar schlau war und kuschelt sich dann entspannt in den sessel.

"was machen deine auswanderungspläne?" frage ich, "haste mal mit deinen eltern geredet?"
"hm", sagt das objekt und guckt traurig. "die können mir nicht so wirklich helfen."
"inwiefern, als geldgeber?"
"ja."
"haben die nicht ein grundstück?"
"jaja, aber das ist ja nichts wert. das brauchste nicht verkaufen, das musste nutzen. da müsste auch einiges gemacht werden, bevor man da wieder was bewohnbares drauf stellen kann."
wir schweigen beide.
"also zu zweit..." grübelt das objekt. "zu zweit könnte man da vielleicht was draus machen."
ich halte den atem an und frage dann:
"was sagt denn die gespielin dazu? haste sie mal gefragt?"
"ja. die ist aber im moment eher skeptisch."
"naja, sie ist halt ein bisschen jung."
"ja, aber verstehst du, ich muss mir da schon heute gedanken drum machen."
"klar, unbedingt."

stille.
ich drehe eine zigarette, das objekt schaut in seine tasse.
"ich finde das ja einen sehr schönen gedanken", sage ich. "autark leben mit tieren, das hat was."
"ja, aber so richtig. wasser aus dem brunnen, eigene bio-kläranlage, vielleicht auch selber strom erzeugen."
"und während in 20 jahren in den städten der bürgerkrieg zwischen arm und reich tobt, haste da deine safe place."
"ja, aber es ist nur ein traum", sagt das objekt. "vermutlich wird das sowieso nix und ich sollte mal langsam von der idee abschied nehmen."
ich nehme allen mut zusammen.
"und mit mir? könntest du dir das nicht mit mir vorstellen?"
das objekt schaut mich erstaunt an.
"das ist also wirklich dein ernst?"
ich nicke kaum sichtbar.
schweigen.
"doch", sagt das objekt dann langsam und nachdenklich, "ich könnte mir das mit dir vorstellen."
ich schaue es prüfend an, irgendwelche anzeichen, dass es nur so dahingesagt sein könnte?
"wirklich?" hake ich nach. "also so rein zwischenmenschlich meine ich jetzt, unabhängig vom ficken?"
"ja", sagt das objekt. "sexualität verändert sich sowieso."

ich muss wieder an die theorie denken, dass liebe nichts anderes ist als selbstverwirklichung auf kosten eines anderen. wie viel würde es mich kosten? reichte die gemeinsame idee, weg aus der großstadt zu gehen, als fundament? und würde ich jemals gegen die gespielin anstinken können? leider war die gespielin nicht dumm und ich traute es ihr zu, dass sie es auf irgendeine weise zu verhindern wüsste, dass das objekt sein ding durchzieht - notfalls mit einer schwangerschaft oder ähnlichem, wohl wissend, dass sich die objektiven menschenfreundlichen prinzipien immer durchsetzen würden.

ich spüre, wie mir im sitzen die beine zittern. es ist mir mehr als bewusst, dass das momentane objektverhältnis mindestens so fragil wie schön ist und dass es dies unter anderem deshalb ist, weil wir es weder definieren noch infrage noch in konkurrenz zur objekt-gespielinnen-beziehung stellen. ich kann nicht einschätzen, wie das objekt nun reagieren wird. ich befürchte, dass es gleich aufstehen und gehen wird.
doch dann fragt es:
"darf ich mal dein internet benutzen?"
es darf. es zeigt mir ein paar grundstücke und grundrisse und malt mir seine ideen auf, wohnzimmer, küche, schlafzimmer, begehbarer kleiderschrank, badewanne, veranda.
"jau", sagt es am ende. "so will ich das."
"kannst du sowas bauen?"
"nicht komplett. aber vieles davon könnte ich selber machen."
"ich kann sowas aber nicht."
"das ist ja egal, reicht, wenn ich das kann."
ich schüttle den kopf.
"du bringst mir was bei, wenn."
das objekt schmunzelt.
"wenn ich dich so anschaue... wenn ich dir hier 20 liegestütze abverlangen würde, könnest du doch eine woche lang keine zahnbürste mehr halten."
ich schaue empört drein:
"das kann man trainieren! außerdem bin ich die bessere läuferin von uns beiden, trotz kaputtem knie!"
das objekt streichelt mir übers haar.
"mir reicht es, wenn du mir abends dann einen bläst."
"chauvinisten-drecksau."
das objekt zieht mich am hosenbund zu sich heran:
"übernimm dich nicht. du weißt, ich verprügle auch kleine praktikantinnen."

dann ruft der objektsohnemann an und das objekt muss los. wir umärmeln uns fest.
"wie sieht deine woche aus?" will ich wissen.
"ich arbeite jetzt den sechsten tag und hab noch vier vor mir, dann ist wieder frei."
"wir können ja mal wieder schwimmen gehen, wenn du zeit hast."
"wir können auch mal wieder ficken."
"theoretisch."
"praktisch auch."
"bis bald."
"bis dann!"

... link


Freitag, 9. Mai 2014
guckbefehl
weil wir alle punks mit kleinen hunden sind.



fantastischer soundtrack btw.

... link