Sonntag, 30. März 2014
tageslicht
am dienstag ruft der banker an und bittet um ein treffen. da der mann ebenso naturverrückt ist wie ich, verlegen wir das erste date an meinen lieblingsplatz: das moor.

perfekt zum kennenlernen hat eine weitere erkältung meine stimme in kehliges krächzen verwandelt und den hauptteil der kommunikation auf nicken, kopfschütteln und gestikulieren verlagert. trotzdem erzähle ich dem banker kaum zwei stunden später schon fleißig aus meinem verkorksten leben, inklusive der eskapaden in die psychiatrie und meiner unter dauermedikamentenbeschuss stehenden seele. der banker, der eigentlich gar kein banker ist, sondern tatsächlich hauptberuflich künstler, schaut mich interessiert, aber keineswegs schockiert von der seite an.
"wo bist du denn in behandlung?"
ich verrate es ihm.
"krass, da war ich auch mal. also was heißt mal, ist erst ein paar wochen her."

glasklar, dass ein interessanter mensch wie der banker auch eine klatsche hat. sein leiden ist noch weniger klar als das meinige zu fassen. er nimmt allerdings keine medikamente, sondern verarbeitet seine krisen in seinen bildern. sehr löblich und proaktiv-produktiv soweit.
wir erzählen einander ein wenig von unseren eltern. der banker beweist dabei eine messerscharfe wahrnehmung und wagt ein paar thesen über meine geknickte wenigkeit, die für die kürze des kennenlernens enorm sind. ich merke, wie ich innerlich ruhiger werde, obwohl der banker ähnlich wie ich ständig am wahrnehmen und zeigen und erzählen ist, also nicht wie das objekt den ruhepol bildet, auf dem ich mein gedankenschweres haupt ablegen darf. der banker versteht mich. er ist mir ähnlich. ein lebensmutiger mensch, der ebenfalls gerne und lange in die abgründe der menschlichen seele schaut.

wir gehen essen und beschließen dann nachher, noch einen wein bei mir zu trinken.
"ich hoffe, du magst katzen", sage ich, als ich die tür aufschließe.
ich gehe auf toilette und ziehe meine jacke aus. unterdessen begrüßen die superpuschis den banker. besonders der große hat ihn gleich ins herz geschlossen und wälzt sich begeistert auf dem teppich vor ihm.
später, als der banker kurz auf toilette ist, frage ich den großen leise:
"und, was meinste, kann man dem vertrauen?"
der kater schaut mich aus großen klugen augen und mauzt sanft, wie er es immer tut, wenn er sich wohlfühlt.

ich bin glücklich, dass mich der banker weder küsst noch anfasst. denn im selben maße, wie meine zuneigung wächst, wabern auch ängste und abwehr empor. was ist gut für mich? will ich das? und was wird das überhaupt? was um himmels willen hab ich da angerichtet?

es wird spät. eigentlich will ich den banker loswerden, um noch in den club zu ziehen. nachgucken, ob das objekt da ist. die bereitschaft, mich ficken zu lassen, ist hoch. doch dann nippe ich an meinem wein und fühle noch mal nach. bleibe sitzen. entlocke meinen entzündeten stimmbändern noch ein paar laute. lasse mich unter die lupe nehmen von diesem wachen blick. versuche, die ruhe in mir zu spüren und zu würdigen. das ist wertvoller als party mit potenziellem objektkontakt, sage ich mir. und ein teil in mir glaubt mir. also werfe ich den banker erst raus, als ich wirklich müde bin und die halsschmerzen zu stark werden, um weiterzureden.

ich bekomme zum abschied eine lange umarmung. ein moment panik, dass der banker mich jetzt küssen wollen könnte. doch dann wendet er sich der treppe zu.

wir werden uns wiedersehen, das steht fest.

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Freitag, 28. März 2014
3000 - decrease of an empire
just another jubilee.

keine ahnung, ob es noch jemanden gibt, der dieses blog von anfang an kennt. das spielt auch keine rolle. die ersten monate sind sowieso inzwischen offline.

seit ich blogge, kommt mir mein leben vor wie eine einzige durststrecke von falschen jobs und falschen männern und miesen, fiesen erkrankungen. das alles landet irgendwie hier, gefiltert, verpackt, für mich ertragbar gemacht. vielleicht auch für sie, liebe leser.

ich verspreche, mein buch wird lustiger.

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Donnerstag, 27. März 2014
house of the rising grannys
wenn ich die werte lady marmalade am hörer hab, spinnen wir manchmal ein bisschen die zukunft. nachdem wir nun wissen, dass wir uns in sachen intimrasur einig sind, beim kacken eine japanische diskretionsaura benötigen und außerdem später mal einen puff haben wollen, steht dem zusammenleben nicht mehr viel im wege.

find ich ja gut. dann muss ich in 20 jahren nicht im rollstuhl sitzen, den ganzen tag aus dem fenster starren und den nachbarn die pest an die hals wünschen.

nur noch reich heiraten müssten wir jetzt. einen entmündigten psyhiatriepatienten oder so. damit wir die 100qm-wohnung mit dem diskretionsklo mieten können.

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Mittwoch, 26. März 2014
ich bin ein alpha-tier, holt mich hier raus!
irgendwie kann ich mit geschäftsführern schlecht. das ist ganz merkwürdig, komme ich doch auch in teams prima klar, in denen ich nicht die erste geige spiele.

aber mit cheffe knallt es. eigentlich permanent. ich habe den rat meines therapeuten befolgt, cheffe nicht mehr jede kleinigkeit um die ohren zu hauen beziehungsweise immer hübsch abzuwägen, ob die sache wirklich ein elefant oder eben doch nur eine mücke ist und es sich somit nicht lohnt, kopf und kragen dafür zu riskieren.

also ärgere ich mich jetzt stumm. mit der folge, dass ich schon pickel kriege, wenn ich nur sehe, dass er mir eine e-mail geschickt hat. was er übrigens nur selten tut, weil marketing in seinen augen unwichtig ist und ich damit ebenfalls. gleichzeitig erwartet er natürlich, dass ich hübsch männchen bzw. frauchen mache, wenn er pfeift. neuerdings lasse ich mir damit eher zeit, was wiederum ihn reizt. aber ich vergelte respektlosigkeit mit respektlosigkeit, wenn ich schon nicht mehr maulen darf.

ich finde diese entwicklung schade. immerhin ist cheffe der zweite chef in meinem leben, vor dessen fachkompetenz ich achtung habe. was natürlich nicht viel nutzt, da er nicht viel vor meiner hat.

da mein job zwar spaß macht, aber gering bezahlt und ohne jegliche perspektive ist, habe ich mich nun entschlossen, doch wieder weiterzuschauen. immerhin hat mir neulich mein asiamann, bei dem ich gerne essen bestelle, "eine gluck" zu meinem curry mit hereingereicht. in meiner "gluck" stand, ich sei ein guter chef. vermutlich stimmt das.

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Sonntag, 23. März 2014
hochspannungsclubbing
nachdem ich den freitag so gut überstanden hatte, war ich gestern noch mutiger und beschloss, alleine auszugehen. zunächst ein abstecher in den stammclub, der fast leer war. keine bekannten gesichter, interessante neue schon gar nicht. ich erinnerte mich, dass einige straßen weiter eine konkurrenz-veranstaltung lief. also schwang ich mich aufs rad und fuhr weiter.

auf der konkurrenzveranstaltung war es dann angenehm voll. ich entdeckte zunächst t., danach einen weiteren bekannten, der mir einen drink ausgab. dann drehte ich mich um und sichtete die objektgespielin und das objekt. offenbar hatte das objekt heute ausgeh-erlaubnis in begleitung von mutti bekommen.

mit genugtuung betrachtete ich den arsch der gespielin, der schon wieder breiter geworden war. da sie über ein nahezu grenzenlos großes selbstbewusstsein verfügte, hatte sie sich in enge röhrenjeans gequetscht und dazu auch noch flache schuhe gewählt. im profil sah sie aus wie schwanger.

das objekt registrierte mich und kam zu mir herüber. es nahm mich sehr kurz in den arm und wartete dann, bis einige leute der gespielin die sicht versperrten, um mir auf den hintern zu hauen.
"na, wo kommst du her?"
"aus dem club."
"hast du dich nicht amüsiert?"
"nee, da ist heute keiner."
das objekt betrachtete mich prüfend, aber ich hatte ja so gute laune und innerlich genau die richtige objektdistanz. also beschloss ich, ein wenig zu sticheln. ich machte ein ernstes gesicht und fragte liebreizend:
"sag mal, du... hand aufs herz: kann das sein, dass du noch mal vater wirst?"
das objekt starrte mich schockiert an.
"nein, wieso?"
ich lenkte den blick durch die massen und fixierte die gespielin.
"also ich hätte schwören können..."
die miene des objekts versteinerte.
"nein, die gespielin will keine kinder. und ich ja auch nicht, der eine reicht mir."
ich lächelte hinterlistig.
"ach das weiß ich doch... trotzdem wäre ich mir sicher, wenn es einfach passieren würde... das wäre ja ein kind von dem mann, den sie über alles liebt... und glaub mir, das überlegt sich eine frau sehr gut. und ihr passt ja auch so wunderbar zusammen! ich sähe da kein hindernis, wenn es so wäre."
das objekt trat von einem fuß auf den anderen.
"morphine, die gespielin ist nicht schwanger."
ich tätschelte die objektwange.
"verzeih, das war dann wohl eine optische täuschung."

wir standen noch ein wenig stumm nebeneinander, dann bemerkten wir, dass uns die gespielin säuerlich anstarrte. das objekt lächelte verzweifelt und zuckte die schultern:
"ich muss dann mal wieder..."
als es sich umdrehte, stand die gespielin schon hinter ihm und war ihm begriff, ihn am arm zu packen und wegzuzerren.
"ich komm ja schon", sagte das objekt.
die gespielin schnatterte etwas beleidigtes. ihr doppelkinn wackelte dabei. das objekt rollte genervt die augen. ich grinste, winkte nonchalant und flötete in gespielinnen-hörweite:
"bye-bye, bis bald!"

obwohl ich mein karma mit dieser fiesen aktion sicherlich empfindlich angeditscht hatte, landete ich minuten später einen volltreffer. schon kurz nach meiner ankunft war mir ein typ aufgefallen. weißes hemd, stoffhose, blitzeblanke lederschuhe, strenge banker-frisur. er strahlte allerdings nicht das selbstbewusstsein eines managers aus, sondern eine sehr sympathische unsicherheit.
ich stellte mich nebendran und wagte einen blick. ganz vorsichtig, schließlich war ich letzte woche abgeblitzt bei einem typen, der wesentlich weniger hübsch war.

der banker verzog zunächst keine miene. verklemmt, schüchtern oder desinteresiert? da ich ja so gut drauf war, beugte ich mich irgendwann todesmutig zu ihm rüber und sagte:
"du bist der einzige interessante mensch hier in dem ganzen laden."
und wow, da ging ein lächeln über sein gesicht, so wie auch ich lächle, wenn ich mich für meinen geschmack ein wenig zu sehr freue, es aber nicht verbergen kann.
"ähm, oh, danke... ich glaube, ich falle heute aber auch ein bisschen auf", sagte er und deutete auf sein outfit.
wir lächelten uns an.
mir fiel auf, dass er nichts zu trinken hatte.
"du sitzt ja auf dem trockenen."
"ja, ich wollte eigentlich gerade gehen."
"aber es ist doch erst vier!"
"das ist ja auch schon spät."
"achwas. was willst du trinken?" fragte ich und hoffte, dass er keine teueren sachen mochte, denn ich hatte nur noch fünf euro im portemonnaie.
"ein bier", sagte er zu meiner erleichterung.
ich lehnte mich über den tresen und bestellte.

dann stießen wir an.
"was trinkst du denn da eigentlich?"
"whiskey-cola."
"so ein rocker-getränk."
"naja, besser als tussen-schampus, oder?"
der banker lachte und nickte.
"was steht da denn auf deinem t-shirt?"
ich posierte mich vor ihm.
"kitty thinks you are an asshole... das ist ja mal eine harte ansage. ich werde mir mühe geben, dass sie das nicht von mir denkt."
doch das musste er gar nicht, denn wir verstanden uns sehr gut. auch das objekt registrierte, dass ich mich prächtig mit einem anderen mann amüsierte und guckte mehrmals finster zu mir. ich ignorierte es einfach.

gegen fünf drängte der banker zum aufbruch.
"ich bekomme morgen besuch und muss dann den ganzen tourischeiß mit denen machen."
"ja dann mal tschüß", sagte ich spröde.
der banker hielt inne.
"nächste woche ist ein konzert...", er drückte mir einen flyer in die hand, "vielleicht möchtest du mitkommen?"
ich nahm den flyer und betrachtete ihn.
"hui, das ist ja knallharte elektromucke. find ich aber gut. ich überlegs mir."
"ich würde mich freuen."
wir grinsten einander an.
"dann sollten wir vielleicht die telefonnummern...?" fragte der banker schüchtern.
"ja klar."
ich nahm ihm sein handy aus der hand und tippte meine nummer ein.
"bitte sehr."
"ja dann..."
"dann bis bald."
der banker streckte mir die hand entgegen. keine umarmung, das fand ich ja mal interessant. wo andere frisch erworbene bekanntschaften doch sonst keine gelegenheit ausließen, mich anzugrabbeln.
dann nahm der banker seinen biederen blouson und wandte sich richtung ausgang. und weg war er.
ob er mich anrufen würde? ich war mir merkwürdig sicher.

ich blieb noch, bis sich die veranstaltung gegen sechs auflöste, und weidete mich an den ereignissen des abends.
dann ging ich hinaus in die kälte und radelte der aufgehenden sonne entgegen.

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