Dienstag, 20. August 2013
_*^*_*^*_*^*_
das neue medikament: ein tiefschlag. wie nach einem schlag in die fresse fällst du in tiefschlaf.

mattscheibe. du guckst durch zuckerwatte, den ganzen tag. im hinterkopf nebel und nacht, vorn blendet die sonne.

die ganze welt ein kaputter schein-werfer: nur schein statt sein.

der ohrwurm singt: alle vöglein sind schon da.
du sagst: kamikaze, du wurm!

und lachst.
tränen.

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Sonntag, 18. August 2013
zweidimensional
an manchen tagen schrumpfe ich wieder auf das etwas zwischen laken und decke und warte darauf, in der leere zu verpfuffen.

dennoch warte ich noch auf etwas anderes. darauf, dass jemand diese isolation durchbricht. jemand, der das zauberwort kennt.

ich warte darauf, dass die angst vor der welt, den menschen, dem draußen nachlässt.

ich warte darauf, dass das warten aufhört und das handeln beginnt. das sinnvolle, das zielgerichtete, das erfolgversprechende.

die hoffnung ist noch immer nicht tot. manchmal wünsche ich mir, sie wäre es. weil sie so verdammt wehtun kann.

das katzenklo sauber machen. das wäre vielleicht ein erster schritt. ein ganz kleiner.

aber ein richtiger.

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Freitag, 16. August 2013
entertain us
in der u-bahn auf dem weg ins büro labert mich ein typ an, ob ich tätowiert sei. ich frage ihn, wie er da drauf kommt. er deutet auf die tribals auf meinem pulli. ich ziehe nur die augenbrauen hoch. intelligent geht anders. überhaupt ist der typ eklig: klein, alt, schlecht gepflegte zähne, komisches altkleider-outfit, komischer geruch.

aber er ist hartnäckig. er will unbedingt mit mir kaffee trinken gehen. als ich aussteige, steigt er mit aus, obwohl er ganz woanders hin wollte.
"ich muss jetzt arbeiten", sage ich, um ihn loszuwerden.
"wir könnten doch einen kaffee trinken gehen!" schlägt der typ vor.
"ich muss JETZT arbeiten!" betone ich.
"dann warte ich einfach."
ich glotze wie eine kuh wenn´s donnert. der typ zeigt, dass er das ganz wörtlich meint. er setzt sich auf den parkplatz vor der agentur. offenbar hat er nix besseres zu tun.
ich schüttle den kopf, gehe rein und sage nur noch kurz "tschüß". hoffentlich sitzt er nachher nicht mehr da.

zwei stunden später klingelt es. ich schicke den azubi vor, nicht, dass da der typ draußen steht. aber ich habe glück, denn es hat inzwischen angefangen zu regnen, was den typ wohl offenbar doch dazu bewegt hat, die belagerung abzubrechen. stattdessen finde ich zwei freundlich lächelnde ältere damen unter der tür, die mich fragen, ob ich hier wohne.
"gott bewahre", sage ich - obwohl es ja agenturen gibt, die ihren mitarbeitern luftmatratzen schenken, damit die arbeit durch schlaf vor ort ökonomischer wird - und gebe damit schon gleich die richtige gesprächsvorlage. denn die beiden mädels sind zeuginnen jehovas und drücken mir ihren wachtturm in die hände.

es geht um die schädlichkeit von pornografie. die tanten labern. ich nicke freundlich, obwohl ich überzeugte pornoguckerin bin, sehr gerne auch in gesellschaft eines erigierten schwanzes, damit frau an den schlüpfrigen stellen was zum festhalten hat. oder zum dran knabbern, wahlweise.

die beiden tanten fragen mich, ob noch jemand anderes im haus wohnt.
"ja, das sind alles schlimme schmuddelfilm-gucker hier", sage ich und zeige auf die nachbarwohnungen, denn da leben nur unfreundliche menschen, die uns ständig anschnauzen, weil wir die papiertonne zu voll machen oder im garten rauchen. diesen miesepeters und miese-uschis wünsche ich den wachtturm an den hals.
"sie sollten da unbedingt mal vorbeischauen... man könnte direkt sagen, hier wohnt die unzucht in person!", hole ich noch etwas weiter aus.
die beiden jehovas bedanken sich ganz herzlich und ziehen vondannen.
wieder wen glücklich gemacht.

zwei smsen. eine von der lederjacke, die unser wochenend-date absagen möchte. als ich ankündige, dass ich schnaps mitbringen könnte, will sie noch mal überlegen. so einfach kann man männer bestechen.

die zweite ist vom neuen mann. er geht heute auf party und fragt nach meiner tanzfreudigkeit. ich bin noch immer sehr glücklich, dass wir nicht den gleichen musikgeschmack haben, denn das erspart es mir, den neuen mann mit auf meine parties nehmen und ihn in mein exliebeskuddelmuddel einweihen zu müssen. anderseits macht mir die musikalische anspruchslosigkeit des neuen mannes schwer zu schaffen. ihm genügt es, wenn es fröhlich zugeht. ich brauche die richtige musik, die richtigen leute und das schwierigste: die richtige stimmung. ich schreibe ihm also zurück, ich müsse das spontan entscheiden. vielleicht gelingt es mir ja, mich zu feierabend mithilfe der letzten kräuterlieferung zu entspannen und auf einen sozialkompatiblen modus herunterzufahren.

der neue mann ist nicht sauer. er lässt mich einfach, obwohl ich den eindruck habe, dass er das meiste nicht versteht. aber er schnallt, dass er dann besser die klappe hält. das finde ich im prinzip positiv.

updates folgen.

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Montag, 12. August 2013
vertraut
mit dem neuen mann durch die schanze gezogen. kaffee getrunken, gegessen, geknutscht. arm in arm spazieren gegangen. stino-glückseligkeit.

und ja, es war schön. mein innerer widerstand schrumpfte mit jeder geste ein wenig. einfach, weil der mann sich inzwischen weniger... fremd anfühlt. keine wilden schmetterlinge, noch immer nicht. aber ein zartes gefühl von dankbarkeit. heute hat der mann gepunktet. mehrfach.

und das nach der letzten nacht. schwofen gegangen, objekt getroffen. ich hatte es zuvor angefunkt, ob es zufällig ein paar küchenkräuter übrig habe, um meiner schlaflosigkeit abzuhelfen. kaum hatte ich den arsch in der tür zum club, kam das objekt schon von der tanzfläche gestürmt und verkündete:
"papa hat medizin dabei!"
es schleifte mich zur garderobe, ließ sich seine jacke geben und kramte in den taschen. dann zog es ein kleines tütchen hervor. es fühlte sich warm und ganz weich an.
"riech mal dran! ganz frische ernte. da ist noch seeluft drin! das solltest du am besten noch ein wenig trocknen lassen."
aus dem päckchen strömte der bekannte duft.
"danke", strahlte ich. damit hätte ich ja im traum nicht gerechnet.
"wie viel schulde ich dir?"
"zwofünfundneunzig."
"hä?!"
"mann! lass die kohle stecken und komm!"

das objekt schob mich richtung bar und bestellte ein paar kurze.
wir stießen an.
"du bist doch schon besoffen", analysierte ich misstrauisch.
"genau der richtige pegel!"
der alkohol verursachte mir schon wieder sodbrennen.
"na komm, einer noch. was magst du haben?"
"hör mal, ich soll doch nicht so viel saufen mit den medikamenten!"
"warte mal!"

das objekt kam mit zwei schnapsgläsern mit brauner flüssigkeit wieder. ich ahnte fürchterliches, jägermeister oder so einen kram.
"hier!"
"ich trinke keinen jägermeister, das ist abartig."
"sollst du doch auch gar nicht. und jetzt runter damit!"
"nee du, echt nich, ich mag nicht mehr."
das objekt legte den kopf in den nacken und kippte sich den schnaps in den hals.
"jetzt riech doch wenigstens mal dran!"
ich schnupperte vorsichtig an der dunklen flüssigkeit, die kein bisschen nach jägermeister roch.
"das ist cola!" rief ich.
das objekt lachte sich halb tot, um dann wieder ernst zu werden und festzustellen:
"du hast kein bisschen vertrauen. du denkst, ich, der ich dich so gut kenne, würde dich zu etwas zwingen oder dir schaden wollen."
"du hast dir ja auch einiges verspielt", sage ich anklagend.
das objekt schlang den arm um meine taille, legte seine wange auf meine und lallte:
"na und? hab ich etwa angst vor dem schlägertrupp, den du mir auf den hals hetzen könntest, um deine sachen wiederzubekommen?"
"du hast sehr wohl die hosen voll, viel öfter als du zugibst. obwohl ich dir keinen schlägertrupp auf den hals hetzen würde, weil ich nicht sicher wäre, wie das für den schlägertrupp ausgeht."

das objekt lachte geschmeichelt, um dann zu säuseln:
"hey. denk nicht immer so schlecht von mir. ich bin auf deiner seite. du darfst auch papa zu mir sagen, wenn dir danach ist."
ich boxte das objekt in die seite.
"hör auf, dich darüber lustig zu machen. das war ein verdammt intimes geständnis."
"hey. ich weiß. und ich fand das mutig und schön. weil es ja auch bedeutet, dass du denkst, dass ich ein halbwegs guter vater bin."
ich musste lächeln.
"ja, bist du. du bist chaotisch, aber ich kenne niemanden, der seinem kind so viel vertrauen schenkt, es überall teilhaben lässt und es die welt so ohne angst entdecken lässt. und der kleine liebt dich nicht umsonst dafür."
das objekt umschlang mich und drückte mich wortlos.

als ich nach hause radelte, war es nach sechs uhr morgens, ich war happy, müde, hatte objektduft an mir und konnte mir nicht vorstellen, in einigen stunden mit einem anderen mann zu knutschen.

und tat es dann trotzdem.

manchmal lohnt sich das vertrauen in den kopf, dass er innerhalb von sechs stunden das herzgezeter wieder zu relativieren vermag.

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Samstag, 10. August 2013
wir sind ja nich so
beim klavierspiel gehört es zu den grundvoraussetzungen, linke und rechte hand möglichst unabhängig voneinander bewegen zu können. allerdings kenne ich niemanden, der dies derart perfektioniert hat wie behörden. das führte unter anderem dazu, dass mir jetzt knapp 600 euro fehlen, was bedeutet, dass mir für den rest des monats 21 tacken bleiben. wer mag, kann mir was spenden. ich sitz dann mal vorm rewe. sie erkennen mich am totenkopf-shirt, meinem grauen second-hand-mini und dem schild "hilfe, vom finanzamt abgezockt!".

aber eigentlich wollte ich ja ganz was anderes erzählen.

gestern ereilt mich nämlich die nachricht meines derzeitigen, ja, nennen wirs mal freund. sein vater liegt mit krebs im krankenhaus. mir rutscht das herz in die hose, ich denke, wie furchtbar für den armen vater, wie furchtbar für meinen freund. also rufe ich angesichts dieses notfalls stante pede an, maximal bewegt, maximal besorgt, und höre ein relativ cooles "is nicht so schlimm, kann man ja gut operieren" durch den hörer. und mir klappt die kinnlade runter.
medizinische möglichkeiten gut und schön. aber schnallt der eigentlich, dass sowas ein potenzielles todesurteil ist? dass der vater hier knallhart mit der endlichkeit menschlichen seins konfrontiert ist?
mein puls ist bei 180, vor mitleid und kurz darauf wegen so viel ignoranz.

eigentlich hatte ich ja beschlossen, mich einfach mal einzulassen. ist ja auch in ordnung, dass da jemand ist, der bei minimalreizen nicht gleich so an die decke geht wie ich. aber krebs ist krebs und vater ist vater, und selbst wenn ich meinen vater hassen würde, würde mich so etwas doch IRGENDWO betroffen machen.

bei unserem letzten date habe ich meinem freund auch endlich gestanden, dass ich nicht ganz so normal ticke. dass ich mit medikamenten lebe, die mich über den tag und vor selbstmord retten. für den kommentar "naja, so ein gehirn ist ja auch in der lage, sich selbst zu regenerieren" hätte ich ihn an die wand klatschen können. er hält meine depression für eine art kleinen, vorübergehenden seelenschnupfen. dass ich mich nicht ficken lassen wollte, hat ihn dann wesentlich härter getroffen. tja, mein freund. sex mit depressiven ist eine traurige angelegenheit, beziehungen aber auch.

um seine belastungsfähigkeit zu testen, war ich die letzte woche einfach mal ich selbst. eines miesen morgens, als ich im größten serotoninloch der letzten wochen erwachte, schrieb ich eine dramatische, suizidale sms, die ich normalerweise dem objekt geschickt hätte, das mir daraufhin umgehend den kopf zurecht gerückt hätte, notfalls mit gewalt. der neue mann ließ sich 12 stunden zeit, bis eine sms ankam mit den worten: "klingt ja nicht so schön, dann schlaf mal gut."

nunja. der mann ist normal. ein stino, der sich für das gegenteil hält. ein romantiker, der glaubt, romantik sei sexy. it´s killing me. ich bin auf 180. und gleichzeitig so angetan. dass er so verliebt in mich ist. dass er in einer so runden, komplikationsfreien welt lebt. dass er sich um morgen, ja noch nicht mal um heute gedanken macht. während ich mich jede minute frage, ob es sich eigentlich noch lohnt, den löffel in der hand zu halten und ihn nicht an der pforte zur hölle abzugeben.

ich möchte treten und um mich schlagen. ich möchte zärtlich sein. aber alles, was ich schaffe, ist den kopf an die wand zu knallen, bis ein teufelhorn durch die stirn wächst.

zumindest in sachen job scheint sich was zu tun. mein potenzieller neuer chef wird mich an diesem wochenende noch anrufen. wow.

ich halte sie auf dem laufenden.
thanks for listening.

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