Montag, 29. Juli 2013
urlaub vorbei
viel in die heiße luft geguckt.

geknutscht. mit hafenblick. ohne verliebt zu sein. aber das haben wir ja erwartet.

zweimal das objekt getroffen. sehr freundlich empfangen worden mit dem angebot einer aussprache. sogar umarmt worden. keine emotionen meinerseits.

pläne für august:

1. die gf überzeugen, mich zu kündigen.

2. den neuen mann ein bisschen lieben lernen.

3. schreiben, schreiben, schreiben.

vielleicht besucht mich die werte lady m. dann wird der august sowieso fantastisch.

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Dienstag, 23. Juli 2013
surreales pärchendasein im anfangsstadium
er ist der einzige wirklich attraktive und interessante mann, denke ich mir, als ich (mich) mal wieder auf einer party (lang)weile. groß, gepierct, tatöwiert. ein böser junge mit einem warmherzigen lächeln, irgendwo zwischen punk und raver. nur erwachsener, drüber hinaus.

er hat eine blonde frau an seiner seite, die ihm das ohr abquatscht. ich gucke hin und gucke weg und WEIß plötzlich, da wird was passieren. 10 minuten später steht er an meiner seite, gibt vor, mich zu kennen, um dann scheinbar überrascht festzustellen, dass ich ihm gänzlich fremd bin - ui, eine verwechslung, wie blöde, wie überraschend.

ich grinse in mich hinein, erkenne den versuch der anmache und bin gespannt, wie er sich weiter macht. doch er macht sich gut, meine langweile ist angenehm spannungsreich durchbrochen.
"hat deine frau nichts dagegen, wenn du dich solange mit mir unterhälst?" frage ich zwischendurch und piekse auf den vermeintlich wunden punkt.
"das ist nicht meine frau", sagt der fremde mann mit blick zur seite auf die blonde. "die hängt mir schon den ganzen abend am rockzipfel."

ich bekomme nicht mehr viel mit, weil ich irgendwo auf einem pillen-alk-high dahinfliege, schaffe es aber noch, ihm die telefonnummer abzuquatschen.
"ich steh auf verbindlichkeit", säusle ich, "wenn du nur so ein ficker bist, kannste dir das meinetwegen auch gleich sparen, dass du jetzt nach deinem handy suchst."
ich bin arrogant für zehn mann, denke ich dann, aber das ist okay. ich will das premium-filetsteak, darunter habe ich es viel zu lange gemacht.

zuhause stelle ich fest, dass ich mich weder an seinen namen noch an seinen beruf erinnern kann noch daran, woher er kommt. doch schon am nächsten tag meldet er sich. es folgen smsen, die schon fast als briefe durchgehen. er mag meinen humor. das ist schon mal etwas, finde ich.

wir wollen uns wiedersehen und verabreden uns für ein nächtliches strandpicknick. zwischen cocktails und leckereien kommen wir irgendwann auf das thema liebe zu sprechen. der mann hat eine 10-jährige beziehung hinter sich: "wir hatten ein haus zusammen vor den toren hamburgs... ein großes grundstück mit viel garten...", erzählt er, und ich denke schon, spießer, kannst gleich gehen, das passt nicht, bis er plötzlich lacht und sagt: "der nackte alptraum. ich habe gelebt als wäre ich 50, bin fett und faul geworden, habe meine freizeit vor dem fernseher verbracht und nicht gemerkt, wie kreuzunglücklich ich eigentlich war."

"kenn ich, das gefühl", kann ich einsteigen und berichte aus meinen letzten beziehungsversuchen zwischen kifferhöhle und bürgerlicher pseudoidylle. dabei beobachte ich, wie sein arm unauffällig näherrückt, checkt, wie viel geht, dann lasse ich mich unvermittelt hineinsinken und küsse drauf los.

er findet mich strange und schön und mag es, wie ich küsse. ich fühle mich derweil unwirklich und absurd. wann habe ich das letzte mal mit einem mann so kennenlerngeknutscht? das musste vor zwei jahren mit k. so gewesen sein. aber es ist gut, irgendwie, auch wenn ich neben mir stehe und die situation ungläubig bis misstrauisch beobachte.

gegen halb sechs uhr morgens stehen wir in eppendorf herum und wollen uns noch immer nicht recht trennen.
"oh mann, in zwei stunden muss ich wieder aufstehen und in die agentur", seufzt der mann.
"du arbeitest in einer agentur?"
holla die waldfee. da habe ich mir einen quasikollegen geangelt.
"ich muss jetzt auch nach hause, die dicke katze wartet auf mich", sage ich pflichtbewusst.
"cool, ich hatte auch mal eine katze. war ne tolle zeit", erinnert sich der mann.
"ja dann", sage ich und winde mich aus der umarmung.
"ja dann", sagt der mann, und: "ich frage dich jetzt mal lieber nicht, ob du mit zu mir kommst."
"das wäre eine schlechte idee", sage ich. "ficker hatte ich genug."

zuhause liegt die pupsi vor dem ventilator, alle viere von sich gestreckt. ich gebe ein bisschen geknutschtwordensein weiter und die pupsi klettert mit mir ins bett. ich schlafe ein, zu positive vibrations mit lautem hintergrundschnurren. noch einmal plingt das handy. der mann schreibt: "scheiße, ich fühle mich total surreal, das war so alles überhaupt nicht geplant", und ich grinse mich in den schlaf.

mal sehen, was da noch kommt.

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Freitag, 19. Juli 2013
pr-agenturen: best of bewerbungsgespräche
manchmal frage ich mich, wie pr-agenturen mit solchen aussagen noch mitarbeiter rekrutieren können...

1. arbeitszeiten

"wir haben flexible arbeitszeiten. das heißt, sie können dann einfach schauen, wie sie mit der zeit hinkommen, ob sie dann um 20 uhr gehen oder tatsächlich auch schon mal um 18 uhr den stift fallen lassen."

ohne worte.

"sie können pünktlich gehen, es sei denn, wir haben ein konzept vorzubereiten. oder eine messe oder ein event. oder ein meeting mit einem kunden oder sonst etwas wichtiges."

oder wenn dem chef ein furz querliegt.

2. gehalt

"wir sind gerade in einer wichtigen entwicklungsphase und haben sehr viele kundenanfragen. darum suchen wir leute, die zusammen mit uns so richtig gas geben und die dann auch mal ein faires gehalt verdienen wollen."

jep, in 20 jahren oder so.

"das wichtigste ist ja schließlich, dass die arbeit spaß macht, nicht wahr?"

spaß ersetzt lohn, schon klar. darum verdienen beispielsweise volontäre in unserer branche nur 700 bis 1000 euro brutto.

3. geschäftsmodelle

"wir haben keine großen kunden, wir arbeiten lieber mit vielen kleinen zusammen, weil das persönlicher ist."

übersetze: wir können keine richtigen konzepte, deshalb arbeiten wir lieber mehr für weniger geld. was dann auch erklärt, warum wir konzeptionierer nicht anständig bezahlen können.

"wir freuen uns natürlich, wenn sie einen kunden mitbringen."

übersetze: wir sind total klamm und das wäre die bedingung, dass sie diese stelle bekommen.

an alle künftigen praktikanten und volontäre: merkt euch: lieber arbeitslos als bei solchen arschgeigen schuften!

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Freitag, 19. Juli 2013
search request
"erogene zonen"

ich fürchte, hier sind sie richtig. für jede form der erregung.

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Mittwoch, 17. Juli 2013
spaß mit airberlin
flughafen hamburg. ein spätabendsflug. ich sitze mit businessonkels und shortstragenden urlaubern mit semilustigen strohhüten an meinem gate und will bloß schnell weg. mit airberlin.

wir sind 15 minuten zu spät dran. dann endlich boarding, ab in den bus und hinaus aufs rollfeld. als wir aussteigen, traue ich meinen augen kaum: da steht eine winzige altweiße propellermaschine, scheinbar direkt aus den 70er jahren, ohne erkennbares fluggesellschaften-logo. ein erster möglicher eindruck: hierbei handelt es sich um eine inoffizielle maschine, die, sobald wir in der luft sind, vom flugradar verschwindet, um uns nach afghanistan zu verschleppen, bevor unsere familien eine woche später fiese erpresserschreiben erhalten.

an der tür stehen allerdings zwei süße blonde, große jungs, nicht älter als 20. es sind dänen. zum ersten mal in meinem leben fliege ich mit stewards und nicht mit stewardessen. sie sagen höflich "good evening", was mich irritiert. bin ich hier überhaupt richtig? ist dies wirklich ein innerdeutscher flug?

wir kriechen in den flugzeugkörper, denn aufrechtes gehen ist nur denjenigen möglich, die kleiner als 1,65m sind. drinnen gibt es noch mehr schäbiges weißes plastik, vergilbte sitzbezüge und einen konsequenten mangel an jeglichem komfort. ich bete, dass ich nicht auf klo muss.

die sitzreihen sind so eng, dass ich meinem vordermann theoretisch die knie über die ohren hängen müsste. ich brauche eine weile, meine beine maximal kompakt zu verknoten, ohne dass der blutfluss dabei unterbrochen wird. mein sitznachbar lächelt mich schmierig an. schmierig ist übrigens auch genau das attibut, das auf die fenster zutrifft: die scheiben wirken, als hätte jemand mit einem mayonnaise-sandwich drauf rumgerubbelt. obwohl ich gerne beim fliegen aus dem fenster schaue, werde ich diesmal jegliche berührung mit der scheibe peinlichst vermeiden.

dann höre ich das vertraute "boarding completed" und die tür wird geschlossen. steward nummer eins hängt sich an einen altweißen, schäbigen hörer. die lautsprecher beginnen bedrohlich zu rauschen. zwischen lautem rascheln und knacken verstehe ich einige englische wortfetzen. vorne stülpt sich steward nummer zwei die schwimmweste über. ich höre "pull" und noch ein paar verben. aha, die sicherheitsinstruktionen. ich sehe mich kurz vor meinem geistigen auge, wie ich durch eine afghanische felsenformationen krabbele und mit "wolle schwimmweste" versuche, den einheimischen ein wenig nahrung abzuverhandeln. der schwimmwesten-steward grinst derweil belustigt. er weiß vermutlich, dass uns die schwimmwesten in afghanistan auch nichts helfen werden.

die propellermaschine gewinnt mühsam an höhe. der ganze flugzeugkörper vibriert und wackelt, es ist ein höllenlärm. alles, was man hin und wieder noch hört, ist das überlaute "pling", mit dem die raucher-blinksymbole über uns scheinbar unkontrolliert an- und ausgehen. ich kriege ohrendruck und augenflimmern, und auch mein schmieriger sitznachbar krallt sich angespannt in seine oberschenkel.

die getränke werden aufgefahren. weil ein herkömmlicher servierwagen nicht durch den gang passen würde, muss steward nummer eins vorweggehen und die snacks verteilen. er hält mir "sweet or salty" vor die nase und ich muss kichern, weil ich einen moment an "süßes oder saures" denken muss, dann entscheide ich mich für die chips - hab ich wenigstens gleich ein geiles souvenier für die püppirella. steward nummer zwei eiert mit den getränken hinterher. um die wünsche der fluggäste verstehen zu könne, muss er sich tief in die sitzenreihen hineinbeugen und den gästen das ohr vor den mund halten. dann kommt er zu mir. ich schreie, so laut ich kann, "tomatoe juice" in das mir dargebotete ohr. oh wunder, der steward versteht sofort und reicht mir einen becher mit lauwarmem tomatensaft, dazu salz und pfeffer.

obwohl mein schmieriger sitznachbar ein eher kleinwüchsiges männlein ist, hat er beim herunterklappen des tischchens dasselbe problem wie ich: der 90-grad-winkel ist nahezu unerreichbar. immerzu sind die knie im weg. schließlich speizt er die beine um das tischchen herum und erreicht so eine halbwegs gerade fläche, während ich entnervt aufgebe, den becher zwischen meine knie klemme und meinen saft mit salz und pfeffer vermische. mein sitznachbar grinst ein wenig, aber das grinsen vergeht ihm mit dem nächsten luftloch, als das tischchen sich selbst kurz einklappt und meinen sitznachbar in bier badet. weil ich aber so ein nettes wesen bin, reiche ich dem schmierigen typ ein taschentuch, schließlich kann man nie wissen, ob solidarität gemäß dem do-ut-des-prinzip später im entführercamp nicht doch eine lebensrettende rolle spielen wird.

nach gut einer stunde stelle ich fest, dass wir über einer stadt kreisen. ich vermute, dass es sich um mein reiseziel handelt, kann es jedoch nicht mit sicherheit sagen. ich halte nach den bekannten hohen punkten wie businesstower und fernsehturm ausschau, kann aber durch die mayonnaise-fenster nichts erkennen. dennoch komme ich zu dem schluss, dass wir uns definitiv in der zivilisierten welt aufhalten, da es da unten autobahnen und lichter gibt.

alles wird gut. wir landen unerwartet sanft. ich entknote meine beine und schlängle mich mit den anderen passagieren aus dem flugzeug. aufatmen. wir werden dann subito mit dem bus richtung flughafen geshuttelt und eilen lemmingherdenartig in richtung baggage claim.

am gepäckband stehe ich mit einer immensen horde kurzhosiger, sonnenbebrillter schlappenträger und kreischenden kindern. die waren mir im flieger irgendwie gar nicht aufgefallen. auf dem gepäckband türmen sich hartschalenkoffer und surfbretter. interessant, denke ich, wusste ich doch nicht, dass man in hamburg surfen gehen kann.

mein koffer kommt nicht. auch nach 20 minuten, als die meisten schlappenträger schon durch den ausgang gewatschelt sind, warte ich noch. kurz bevor ich mich beschweren gehen will, klärt ein blick nach oben das missverständnis auf: ich warte am gepäckband "korfu". ein blick weiter nach hinten in die halle offenbart ein vollkommen verlassenes gepäckband mit der aufschrift "hamburg", auf dem einsam mein koffer seine runden dreht. offenbar haben das geschüttel und der krach im flieger irgendwelche hirnfunktionen bei mir durcheinandergerüttelt und meine aufmerksamkeit zerstört. danke, airberlin.

dann stehe ich endlich draußen. ruhe. kühle, frische nachtluft. und meine lieben, die mir vom parkplatz zuwinken.

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