Dienstag, 2. Juli 2013
ach leben,
ich strecke und recke mich.

und du streckst und reckst mir immer nur den mittelfinger entgegen.

immer, wenn ich einen funken vertrauen auf das glück setzte.

du bist nur mit sehr viel chemie zu ertragen.

du bist nur zu ertragen, weil ich weiß, dass du ein ende hast.

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Montag, 1. Juli 2013
breakfast ente shenzuan
just als ich vollkornspaghetti aufgesetzt habe und mich ein komisches gefühl befällt, weil vollkornspaghetti ein typisches objektessen sind, klingelt das telefon und die lederjacke ist dran.
"magst du mit n eis essen kommen?"
"nee. ich koche gerade."
"oh! was gibt´s denn?"
"vollkornspaghetti."
"und weiter?"
"meersalz und butter."
"wahnsinnig nahrhaft. komm doch rum, dann gehen wir essen."

um 17 uhr treffen wir uns an einer großen kreuzung in eppendorf.
"und? magst du ein eis haben?" fragt mich die lederjacke.
"ey, ich muss erstmal was frühstücken."
"ich meinte ja davor."
"willst du, dass ich noch fetter werde?"
die lederjacke rollt die augen.
"hör auf die augen zu rollen! du bist derjenige, der sich nicht ins schwimmbad traut, wenn er nicht mindestens viermal die woche trainieren rennt!"
"scheiße, du kennst mich zu gut."

"guck mal, da ist der neue asiate!" stupst mich die lederjacke kurz darauf an.
"dann lass uns da rein gehen."
die lederjacke grinst und hält mir die tür auf:
"hereinspaziert."

am tresen guckt uns eine asiatin verschlafen entgegen. die lederjacke macht ein großes bohei, nimmt mir die jacke ab und rückt mir den stuhl zurecht. dann sitzen wir da und grinsen uns an.
"sie schon wieder", sage ich.
"jaja, er nu wieder", entgegnet die lederjacke.
die speisekarte kommt angeflattert.
wir bestellen alle vorspeisen und dazu ente shenzuan. die bedienung guckt verwirrt, vor allem, als die lederjacke sie auffordert, alles gleichzeitig zu bringen.

dann sitzen wir da und mümmeln. das licht ist schummrig und wir schauen uns in die gesichter. da stutze ich:
"sag mal, hat dir mal wer die nase gebrochen?"
die lederjacke verschluckt sich an ihrer erdnuss-soße und erwidert perplex:
"nee, wie kommste denn da drauf?"
"das da sieht aus wie ein längsbruch. so leicht schräg."
ich deute die linie am nasenbein an.
der lederjacke scheint ein licht aufzugehen:
"ach, das meinst du." und sie fährt mit dem finger die einkerbung auf ihrer nase entlang.
"ja, genau!"
"das war ne messerattacke."
die lederjacke sagt das so ruhig, als würde sie die auslage in einem schaufenster kommentieren, während mir fast das essen aus dem mund fällt.
"jetzt guck nicht so, das hab ich dir doch bestimmt schon erzählt", sagt die lederjacke so lapidar, als diskutierten wir über unsere lieblingsfarben.
"nee! das hör ich zum ersten mal."

die lederjacke nimmt die haare, die ihr in die stirn fallen, zur seite.
"fällt dir was auf?"
ich gucke genauer und stelle fest, dass die feine einkerbung auf der nase weiter über die gesamte stirn bis zum haaransatz verläuft.
"alter!" rufe ich entsetzt.
"jetzt krieg dich mal wieder ein."
"jetzt erzähl doch mal, wie ist das denn passiert?"

die lederjacke berichtet von ihrem bruder, der zwei mädels abgeschleppt hatte, die sich wohl in festen händen befanden. die festen hände gehörten zwei schwarzafrikanern, die zusammen mit drei weiteren kumpels unterwegs waren.
"die wollen sich dann die mädels mit gewalt zurückholen."
die lederjacke und ihr bruder nahmen sich je zwei von den typen vor und schlugen sie nieder. dann packte allerdings der fünfte ein messer aus.
"ich hab das gar nicht richtig gemerkt... ich hab einfach nur nichts mehr gesehen. das kam vom blut, das mir in die augen lief. erst in der notaufnahme hab ich mir dann mal an den kopf gefasst und bin total erschrocken, weil ich den knochen berühren konnte."

der wahre horror kam allerdings erst im nachgang. der messerstecher war polizeibekannt und vor allem: hiv-positiv. die lederjacke musste einen aidstest machen, der aber glücklicherweise negativ war.
"ich hatte echt wahnsinniges glück. ich hatte nämlich einen ganz dicken pulli an diesem abend an... und zuhause habe ich dann gesehen, dass der lauter löcher hatte... da hatte der typ versucht, mich abzustechen, ist aber nicht richtig durchgekommen."

"man sieht aber kaum noch was von der verletzung", finde ich.
"das hat aber mal schlimm ausgesehen. das hat wochen gedauert, bis ich wieder unter leute konnte."
ich gucke und gucke und die lederjacke lacht.
"du müsstest dich mal sehen!"
ich schüttle den kopf:
"ich kenne einige männer, die sich manchmal prügeln... aber ne messerstecherei hatte noch keiner von denen!"

dann fällt mir das objekt ein, das auch schon mal mit einem messer angegriffen worden war, die attacke jedoch noch hatte abwenden wenden, indem es den täter kurzerhand bewusstlos schlug. schnell schiebe ich den gedanken beiseite, schlechter gedanke, wenn man hier mit einem entzückenden mann wie der lederjacke zusammensitzt, und überhaupt, die vollkornspaghetti würde ich nachher auch gleich entsorgen.

"jedenfalls bin ich total froh, dass die narbe heute kaum mehr auffällt... nur die einkerbung, die du gesehen hast, das ist eben der knorpel, der wächst nicht mehr zusammen."
ich starre die lederjacke noch immer an, kaue auf einem stück ente herum und fühle mutterinstinkte in mir aufsteigen, bis die lederjacke energisch sagt:
"so, themawechsel. möchtest du noch was haben? krabben oder wantans?"
ich schüttle den kopf.
"nee. ich will nur eins.
"was denn?"
"dass du verdammt noch mal auf dich aufpasst. ich brauch dich nämlich noch ein bisschen als freund."
die lederjacke lacht, aber ich merke, dass sie ein bisschen gerührt ist, eine gefühlsregung, die bei der lederjacke nüchtern absolut selten ist und die einiger lederjackenkenntnis bedarf, um sie überhaupt festzustellen.

dann zahlt die lederjacke, gentleman, der sie eben ist, und schleift mich zur nächsten eisdiele, wo sie nach pekingsalat, suppe süßsauer, wantans, frittierten krabben, ente und nudeln noch einen eisbecher verdrückt und mir dabei vorrechnet, wie viele situps und liegestütze das nun wieder werden. ich sitze dabei, rauche eine zigarette, schaue in den blauorangefarbenen abendhimmel und die regenwolken, die drüben über den hochhäusern, wo das objekt wohnt, schon wieder heraufziehen, und fühle mich sehr satt und wohl.

kurz darauf trennen wir uns nach einer knappen umarmung, in der ich die verunsicherung der lederjacke spüre, wie immer, wenn es etwas emotional wird. ich hab dich gern, sage ich leise in den fahrtwind, der mir die ersten nieseltropfen ins gesicht peitscht, und hoffe, dass ich die lederjacke noch lange, lange kennen darf.

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Samstag, 29. Juni 2013
einatmen, ausatmen. atem anhalten.
freitag. arbeiten, putzen, auf einen geburtstag eilen. um mitternacht bin ich allerdings schon wieder zuhause, unschlüssig, verloren, mit einem expansiven, gefährlichen warsdasjetzt-gefühl in der brust.

dann der anruf der lederjacke.
"na, schon besoffen", frage ich.
"boah, samma, wie redsndu mit mir?"
"du lallst."
"jaaa... sorry. hab einen im tee."
"is ja freitag, also normalzustand."
"ja verdammt. ich warte doch die ganze woche nur drauf, mir einnnn... zu brenn."
"wo bist du denn?"
"suhause."
"ah."
"du?"
"ja?"
"komm doch vorbei."
"komm du doch."
"nee, kann nich mehr... raddfaahn."
"okay. aber dann iss mal was und trink langsamer. sonst findest du den türöffner nicht mehr und ich muss bei deiner nachbarin klingeln."
"okee."

ich renne unter die dusche, ziehe mich hastig an und radle zur lederjacke. als sie den summer drückt, sage ich energisch:
"kriminalpolizei. wir hätten da ein paar fragen an sie."
oben steht die lederjacke im flur, eine halb leere flasche rum in der hand, aber schon wieder relativ nüchtern wirkend.
"ey, hör bloß auf. das vergnügen mit den bullen hatte ich erst letzte woche."
"warum das denn schon wieder?"
die lederjacke erzählt aufgedreht sein abenteuer vom letzten wochenende:
"ich war bei meinen eltern, und abends war ich mit meinen brüdern in ner dorfdisse. da wars irgendwie total eng und voll, und da bin ich wohl dem dj ein bisschen nahe gekommen."
"wie, nahe gekommen?"
"irgendwie hab ich den wohl geschubst."
"ja und?"
"dann wollte der arsch mich rausschmeißen. das fand ich total überzogen und dann ist das ganze halt ein bisschen eskaliert."
"wie, eskaliert?"
"ach, ich weiß auch nicht. jedenfalls haben die dann die bullen gerufen und die haben mich mitgenommen."
"wohin?"
"erst dachte ich, kacke, ausnüchterungszelle und anzeige und der ganze stress. aber dann wollten die einfach nur meinen ausweis. den hatte ich aber nicht, den hat ja wahrscheinlich noch der taxifahrer."
"ach ja, ich erinnere mich. dem du noch 50 tacken schuldest und der dir jetzt nach dem leben trachtet."
"genau. naja, und irgendwie war dann alles viel cooler als befürchtet. ich mein, is ja auch nix passiert. hab ja keinem wehgetan und auch nix kaputtgemacht. war ja nur ne meinungsverschiedenheit."
"ich dachte, du hast den typ geschubst."
"ach, ich weiß doch auch nicht. jedenfalls gabs keine toten... und die bullen waren dann auch echt chilled und meinten, es gäbe wohl keine anzeige."
"gottseidank."
"ja, pass auf, wird noch viel geiler! ich sag dann so, scheiße, ich hab kein geld mehr fürs taxi. sagt der oberbulle, kein problem, wir fahren dich nachhause."
"is nich wahr!"
"ich glaub, das war das erste mal in meinem leben, dass ich den bullen dankbar war. die haben mich echt zu meinen eltern nachhause gebracht."
"und die haben nix gemerkt?"
"doch, leider, meine mutter."
"auweiha."
"die kennt das schon von meinen brüdern... die meinte nur so, krass, ich guck ins treppenhaus und denke, du hast irgendwelche kumpels mit... und dann les ich da auf der jacke polizei!"
"und, hast du gebeichtet? dass du den dj geschubst hast?"
"nee, meine mutter findet bullen grundsätzlich scheiße und sagt immer, sowas hat bei uns zuhause nix verloren."
"hahaha!"
"ja, echt. da muss man sich keine sorgen machen bei der, und mit fünf söhnen ist die sowieso einiges gewohnt."
"hauptsache, du hast nicht schon wieder ne anzeige an der backe. wird ja langsam teuer bei dir."
"nee, dafür hab ich nen gerichtsprozess am hals."
ich reiße die augen auf.
"wiebitte?"
"das sozialamt meint, ich hätte es letztes jahr verarscht."
"warum das denn?"
"du erinnerst dich noch an meinen letzten job? wo ich so wenig verdient hab? da gabs mal eine gehaltsanpassung. vor der gehaltsanpassung hatte ich anspruch auf grundsicherung. und die sind jetzt der meinung, ich hätte denen die anhebung absichtlich drei monate zu spät mitgeteilt."
"stimmt das denn?"
"ach quatsch."
"und nun?"
"hab ich mir einen anwalt genommen."
"cool."
"ja, nix, kostet wieder 600 tacken und das sind nur die vorprozesskosten."
"krass. aber wenn du das nicht zu spät gemeldet hast, hast du doch nichts zu befürchten?"
die lederjacke lacht:
"hey, ich arbeite bei der stadt hamburg! die, die mich da angezeigt haben, sind quasi meine kollegen! ich weiß, wie da gearbeitet wird! wenn die dich drankriegen wollen, kriegen die dich auch dran. das ist ein ganz unfassbarer verein da."

nachdem wir den rest rum plattgemacht haben, diskutieren wir weiter über den staat, die stadt hamburg, staatsverschuldung und globalisierung und schwuppdiwupp ist es drei uhr nachts.
ich gähne laut.
"langweilst du dich?" fragt die lederjacke bestürzt.
"kein bisschen. ich mag diese tiefschürfenden diskussionen. und du kannst gut reden."
"wie meinst du das?"
"man hört dir gerne zu, weil das, was du so von dir gibst, durchdacht ist... und weil du wie ich diesen vollkommen unrealistischen wahrheitsanspruch hast."
die lederjacke kichert.
"findeste, dass ich unrealistisch bin?"
"nicht mit deinen thesen und forderungen, aber mit deiner art zu denken. die kannst du nämlich bei 99 prozent der menschheit nicht voraussetzen."
"deshalb rede ich ja so gerne mit dir", lächelt mich die lederjacke warmherzig an.

wir verharren im blick, starren ein bisschen zu lange, bis mich ein schauer packt und ich fröstelnd "hu!" sage.
"ist dir kalt?" beobachtet mich die lederjacke aufmerksam.
"ein bisschen."
"wollen wir ins bett gehen?"
ich nicke begeistert.
"dass ich das noch erleben darf."
"wie meinst du?"
"du bist doch sonst der mann, der nie vor mittags schlafen geht."
"findest du das schlimm?"
"naja, du kennst halt kein maß. so grundsätzlich."
"doch schlimm, oder?"
"nee. aber mit dem wachbleiben überforderst du sogar eine nachteule wie mich."
"dann lass uns jetzt schnell rübergehen!"

wir krabbeln angezogen unter die decke. dann liegen wir da und gucken uns an. ich kann den blick der lederjacke nicht deuten. dann fragt sie mich:
"was denkst du?"
ich muss lachen.
"das ist eine scheißfrage. ich enthalte mich."
die lederjacke schließt die augen.
ich betrachte ihr schönes gesicht, die gleichmäßigen,langen blonden wimpern, das haar, das ihr in die stirn fällt, die kleinen lachfältchen um die augen und die strengen nasolabialfalten, die für das lederjacken-alter viel zu tief, aber nichtsdestoweniger schön sind und dem gesicht zusammen mit dem scharf definierten kinn eine gewisse kantigkeit verleihen.

"du guckst mich an", sagt die lederjacke.
"ja."
"warum?"
"nur so halt. ist besser als fernsehen."
jetzt muss die lederjacke lachen. dann legt sie den arm um meine taille und zieht mich über die matratze zu sich heran. wir liegen wange auf wange, die beine ineinandergelungen und atmen einfach nur. ein und aus und wieder ein. wieder einmal fällt mir auf, wie gut ich die lederjacke riechen kann, obwohl sie ganz anders als beispielsweise das objekt duftet.
die lederjacke lässt die hand meine wirbelsäule entlang aufwärts wandern. ich halte den atem an und sterbe in kleinen schauern vor mich hin.
"gehts dir gut", will die lederjacke wissen.
"im moment schon. ich fühl mich wohl."
"aber sonst nicht so, oder?"
"sonst nicht so, ja, das ist leider so. aber jetzt gerade ist alles gut. ich bin ganz geborgen."
die lederjacke lächelt glücklich und lässt die finger weiter wandern, immer zwischen meinen schulterblättern hin und her. ich merke, wie ich mich entspanne, obwohl ich auch angesext bin.

dann schlafe ich kurz ein und wache wieder auf, weil ich merke, dass die lederjacke nicht schläft.
"kannst du nicht einschlafen?"
"du weißt doch, dass ich nicht pennen kann."
"hm. ja schade, ich hoffe, das ist okay so, wenn ich weiter schlafe?"
"klar."
die lederjacke nimmt meine hände in seine.
"du bist ganz kalt, du hast vorhin richtig lang gefroren, oder? und hast nix gesagt, weil ich so viel gelabert habe?"
"quatsch. vielleicht habe ich gefroren und es nicht gemerkt."
die lederjacke lächelt, dann schließt sie endlich die augen und langsam, langsam wird ihr atem gleichmäßiger und ruhiger.
ich selbst liege noch eine weile wach, schnuppere den wohlgeruch der lederjacke und hoffe, dass ich den duft irgendwie zerebral bis zum nächsten mal speichern kann, weil ich mir so sehr etwas wünsche, das mich über die die tage und die woche und überhaupt rettet.

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short note
die lederjacke liegt neben mir und duftet so gut... und ich denk, du, ich hab dich einfach lieb. vielleicht traeumt er's ja.

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Donnerstag, 27. Juni 2013
obsession
dass mit macke immer alles zur obsession werden muss. trinken, rauchen, drogen.
sex. menschen. arbeiten. essen.

alles zu viel. und dann von allem wieder viel zu wenig oder noch besser: gar nichts.

schwelgen und askese. party und kater. freud und leid.

psychopharmaka helfen nicht, die regulationsmechanismen zu erlernen. vielleicht gibt es für sowas auch ein zeitfenster. so eine art anale phase. wer die nicht gut absolviert, bleibt ein leben lang ein hosenscheißer. kennen wa ja, sind wir ja jeden tag von betroffen, von hosenscheißern und reviermarkierern und verbalinkontinenzlern.

fragenfragenfragen.

hätt ich einen draht zum lieben gott, ich würde den den ganzen tag löchern. du sag mal. was haste dir dabei eigentlich gedacht?

eine frage, die ich meiner mutter gerne mal stellen würde: warum haste mich eigentlich nicht abgetrieben? haste nie gemerkt, dass die welt nix für mich ist?
jetzt haste ein kind mit vollmeise. ist doch peinlich vor den nachbarn. und überhaupt.

einen hund aus dem tierheim willste auch nicht, sagst du. weil die sind ja alle gestört. die wurden ja ausgesetzt und haben wasweißich für traumata. wie hast du ein kind großziehen und nie merken können, was das für ein wesen ist? so eines, das die eigene seele irgendwo ausgesetzt hat und sie nicht wiederfindet?

ich frag lieber nicht.
es gibt sowieso keine antworten.
wenn doch, sind sie nicht wahr.
und wenn sie wahr wären, wer garantiert mir, dass ich sie ertrage?

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Mittwoch, 26. Juni 2013
negative energie
"mein team ist faul und nichtsnutzig und tanzt mir auf der nase herum", brüllt die gf ins telefon. am anderen ende der leitung ist aber nicht ihr lover, die beste freundin oder die mama. sondern ein redakteur einer nicht ganz unbedeutenden tageszeitung vom axelschweiß-verlag.

fremdschämen deluxe. ich überlege, die kündigung, die ich für den nächsten monat erwäge, vorzuverlegen. aber das bedeutet unsicherheit. zumal die beiden potenziellen arbeitgeber sich mit vertrag und konkreten zahlen noch bedeckt halten. intelligenz bedeutet, die unsicherheit ertragen zu können, sagte meine lieblingsprofessorin einst. für die derzeitige unsicherheit brauche ich allerdings einen iq von mindestens 200. und hellsehen können müsste ich auch.

während sich die gedanken so überschlagen, verknoten sich fröhlich mein nacken und meine schulter. ich bin mies gelaunt, zumal meine nachbarn wieder mal die nacht zum tag machen und ständig bis fünf uhr morgens singen. für eine offizielle beschwerde brauche ich einen zeugen, sagt die verwaltung. haha, antwortete ich, meine katze hat die auch gehört. die ist so nervös, dass die inzwischen wieder die vorhänge hochgeht. das zählt nicht, findet die verwaltung. ich gebe genervt zu protokoll, dass ich alleine lebe und normalerweise keinen zeugen nachts in meinem schlafzimmer wohnen, da beischläfer beischläfer und keine nachtschläfer bei mir sind. der verwaltung ist das wurscht. ich glühe innerlich wie ein haufen ungekühlter brennstäbe und befinde mich kurz vor dem supergau.

die püppilotta spürt meine stimmung und fährt ein paar beschwichtigungsstrategien. um die beine streichen, schnurren. schnurren beruhigt. auch mich. ohne püppirella würde ich durchdrehen. mit ihr drehe ich zwar auch durch, aber anders. eher äußerlich und schandtatenbezogen. wegen angefressener schuhe, abgefetzter vorhänge und ihrer neuen lieblingsbeschäftigung: meinen schrank öffnen und sich in den winterpullis wälzen. sie ist nervigste und entzückendste wesen in meinem kleinen universum. danke dafür, püppilotta.

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