Montag, 1. April 2013
einfach nur schön
am donnerstag bin ich schon morgens in der arbeit fast am heulen und überlege die ganze zeit, ob ich wieder in die psychiatrie gehen soll. aber mich mit pillen vollstopfen lassen ist nicht das, was mir vorschwebt, also lasse ich es. irgendwie überlebe ich bis samstag, dann setze ich mich in den zug und fahre einfach weg. zu einem freund.

der freund holt mich am bahnhof ab. er findet, dass ich gut aussehe und so, als hätte ich keine probleme. ich lächle angestrengt, bis wir zuhause sind und gegessen haben.
"dann erzähl mal", sagt der freund.
und ich fange an zu blubbern. von den zwischenmenschlichen katastrophen der letzten wochen. von der großen erschöpfung und meinem ständigen kreiseln um weiterleben oder lieber nicht weiterleben wollen sowie dem unerklärlich überzeugendem gefühl, bald sterben zu werden.

der freund hört zu und schaut mich dann ein bisschen erschüttert an.
"du bist ziemlich am ende, hm?"
ich nicke und mir steigen die tränen in den augen.
"und du klingst so, als ob dir der gedanke an den tod überhaupt nichts ausmacht. das würde auch erklären, dass du dein leben und deine gesundheit so aufs spiel setzt."
ich nicke wieder und die erste träne tropft aus meinem linken auge. ich wische sie energisch weg.
"weißt du, was dein problem ist?" fragt er. "du hast lauter menschen um dich herum, die dir deine energie wegfressen."
die tränen beginnen, mir über die wangen zu laufen.
"nicht heulen, bitte, ich kann doch keine frauen weinen sehen", schmunzelt der freund. da muss ich lachen und dann doch leider weinen, und der freund lässt mich einfach, streichelt meine haare und gibt mir irgendwann ein taschentuch und einen aufmunternden blick, der mir sagt, putz dir die nase und schau auf die schöne seite des lebens.

der freund ist in der glücklichen situation, glücklich zu sein. er hat seine frau und seinen alten dunstkreis verlassen und hat sich eigene, neue freunde gefunden. er hat mit sport angefangen und überhaupt sein ganzes leben neu aufgestellt.

wir gehen aus und ich lerne seine clique kennen. ich lerne seine kinder kennen, zwei wunderbare menschen, die nur ein paar jahre jünger sind als ich. der freund kocht mir mein lieblingsessen und lässt mich in seinem bett schlafen und in seinem pool baden. bei allem, was er tut, strahlt er so viel ruhe und zuversicht aus, dass mir ganz warm ums herz wird.

als ich am zweiten abend auf dem sofa lümmle und den kopf auf seine brust lege, weiß ich, dass der freund ein freund ist. und dass es mir vielleicht irgendwann auch wieder gut gehen wird. so wie ihm.

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Montag, 25. März 2013
unentspannt chillen
nach einem kurzen, aber heftigen streit mit dem objekt (standardthema absolut mangelhafte zuverlässigkeit seinerseits) habe ich von allem die schnauze voll, packe meine sachen und fahre schwimmen in meine lieblingstherme, in die keine kinder reindürfen und die sonntagspäterabends auch meist angenehm leer ist.

am ziel angekommen trocke ich die letzten wuttränen, pfeffere meine sachen in ein schließfach und springe in die fluten. als ich wieder auftauche, traue ich meinen augen kaum: um mich herum nur kleine, dicke, bärtig-haarige männer - soweit das auge blickt. macht da eine moschee gerade erlebniswochen mit äußerer reinigung? ich bin neben einem uralten verhutzelten opa tatsächlich die einzige hellhäutige person im bad, und vor allem: die allereinzige frau. das habe ich bislang noch nie erlebt.

das schwimmen gestaltet sich ungemütlich, muss ich kurz daraufhin feststellen. denn sämtliche der bärtigen typen blockieren den beckenrand. immer, wenn ich das ende einer bahn erreiche, werde anzüglich angestarrt, angegrinst oder mit mir unverständlichen wortfetzen empfangen, die zusammen mit dem anzüglichen grinsen und dem unverhohlenen anstarren maximales unbehagen auslösen. das würdet ihr nicht machen, wenn eure aische dabei wäre, denke ich mir, da hängt euer schwanz nämlich ganz klein in den viel zu großen bermudas.

einer von ihnen ist richtig unangenehm. er ist identisch klein, dick und behaart wie alle anderen, scheint sich aber für schön zu halten. ich taufe ihn den pfau. der pfau schwimmt neben mir, vor mir, wartet am beckenrand auf mich oder taucht unter mir durch. wenn er dich berührt, haust du ihm eine rein, beschwöre ich mich selbst.

der zweite nervende mitschwimmer ist ein koloss von einem kerl, der eine wasserumwälzanlage ersetzen könnte. jedesmal, wenn wir aneinander vorbeischwimmen, gehe ich in einer art tsumaniwelle unter. irgendwann quatscht er mich an und will wissen, ob ich trainiere, weil ich so ausdauernd schwimme. ich verneine. seinem akzent nach ordne ich ihn in richtung russland ein und habe prompt recht. aus minsk kommt er. dafür, dass er wie ein rücksichtsloses walross schwimmt, ist er ganz nett. vor allem aber hält sich der pfau fern, solange er um mich herum ist. trotzdem hätte ich gerne mal meine ruhe. als mich das walross fragt, ob es mir ein getränk ausgeben darf, erwidere ich, dass ich einen sehr eifersüchtigen ehemann habe, der schon ein paar mal jemanden krankenhausreif geschlagen hat. iwan den schrecklichen beeindruckt das wenig: er lässt seine muckis unter den tätowierungen spielen und versichert mir, er könne sich sehr gut zur wehr setzen. als er mal kurz pipi muss, wittere ich meine chance und flüchte ins aromabad.

dort bin ich einen herrlichen augenblick lange alleine. stille um mich herum, nebel und gedämpftes blaues licht. wunderbar. doch dann wird die tür aufgerissen und herein kommt ein kleiner, dicker mann. im unterschied zum rest im becken da draußen ist er sehr hellhäutig. er lässt sich auf den sitz plumpsen. dann fällt ihm ein, dass man den ja vielleicht erstmal abbrausen sollte. also steht er wieder auf und spritzt mit kaltem wasser um sich, sodass auch ich eine ladung abbekomme. er entschuldigt sich wenigstens. dann lässt er sich wieder auf den arsch plumpsen.

es folgen zehn sekunden ruhe, in denen ich staunend die enormen männerbrüste meines bleichen gegenübers begutachte. ab sekunde elf beginnt der typ mit den füßen zu scharren. dann räuspert er sich mehrmals. es folgt erneutes füßescharren, beine übereinanderschlagen, beine wieder entwirren, füßescharren. mein puls springt auf 150. dann beginnt der typ zu husten. und zwar so richtig - bis der bronchialschleim rasselt. igitt.

ich stehe auf und gehe nach nebenan. da ist ja noch ein dampfbad. dort ist es ein wenig kühler und es riecht auch nicht so gut, aber besser so als weiter mit dem huster da rumzusitzen und nächste woche selber krank zu sein. leider dauert es kein minute, dann wird die tür erneut aufgerissen und der huster tappt herein. ich bin kurz vorm rumpelstilzchenartigen explodieren.

ich würde gerne die tropendusche benutzen, allerdings wird diese von einem pärchen okkupiert, das offenbar gerade angekommen ist (kreischendes lachen = mangelnde entspanntheit). ich ziehe mich auf meine liege zurück. iwan der schreckliche hängt am beckenwand und schickt mir lange blicke aus traurigen augen. eigentlich sind die schön, denke ich mir, huskyblaue augen, aber der ganze kerl ist mir ein bisschen suspekt.

der pfau dreht derweil seine runden und schlägt sein nichtvorhandenes rad. ich schließe die augen und versuche, das widerliche bild vom teigig-bleichen huster aus meinem kopf zu verbannen. weil die liegen so unglaublich bequem sind und ich mich direkt neben einer heizung befinde, falle ich irgendwann in eine art halbschlaf. endlich entspannung!

"hallo? hallo?"
und schon wieder muss mich jemand stören. ich komme mühsam wieder zu mir, richte die imaginäre schrotflinte auf den fragenden und öffne die augen. vor mir steht ein großer, braungebrannter adonis mit waschbrettbauch und blonden strubbelhaaren. schätzungsweise 20. schätzungsweise unterwäschemodel. was willerwillerwillerdenn von mir? gespannt richte ich mich auf.
"kannst du mir sagen, wo hier die toiletten sind?"
okay, vermutlich hat er gedacht, er fragt man besser die mutti am rande des nervenzusammenbruchs als iwan den schrecklichen oder mohammed den pfau. die kann sicher deutsch und haut ihm auch nicht gleich auf die fresse.

allerdings finde ich es verdammt unhöflich, mich aufzuwecken, nur weil er zu faul ist, seine chlorwasserblauen äugleins aufzusperren und nach dem schild "wc" zu gucken. oder alternativ den bademeister zu fragen. dann habe ich eine idee. ich lächle lieblich und sage:
"hier gibt es leider keine klos. du musst rüber in die sauna gehen. dafür musst du aber saunaeintritt bezahlt haben. hast du das schon gemacht?"
"äh, nee", sagt der adonis verunsichert.
"dann geh mal an die kasse und kauf dir ein saunaticket. kostet 15,90 €. und dann gehst du rüber in die sauna und fragst da noch mal."
"danke", sagt der adonis und zieht vondannen. ich lache mich innerlich scheckig. wenn man schon sonst keine freude hat, dann wenigstens schadenfreude, finde ich.

weil schon fast sperrstunde ist, hüpfe ich schnell unter die dusche. dort stelle ich fest, dass ich mein duschgel vergessen habe. zum glück kommt nach einer weile eine frau herein (und es gibt sie doch!), die duschgel dabei hat.
"entschuldigung, darf ich mir ein bisschen duschgel von ihnen schnorren?" frage ich.
die frau schaut mich erschrocken an, gerade so, als hätte ich sie gefragt, ob ich ihr mal die muschi lecken darf. dann streckt sie mir vorsichtig die flasche mit dem duschgel entgegen. ich sage höflich danke und beginne mich einzuseifen. die frau starrt mich an. ich wundere und wundere mich, bis ich bemerke, dass sie mir zwischen die beine starrt. dort befindet sich - im gegensatz zu ihrer muschi - eben nun mal kein busch, in dem sich theoretisch ein reh verstecken könnte. was für mich einfach ein wir-leben-eben-nicht-mehr-in-der-steinzeit-lifestyle-dingens ist, ist für sie offensichtlich der sichere hinweis, dass ihr die inkarnierte sünde gegenüber steht.

ich bin froh, als ich trocken und warm in meinen kleidern stecke und nur noch föhnen muss. an den haartrockern treffe ich iwan den schrecklichen wieder, der mich mit einem letzten traurigen husky-blick bedenkt und dann vondannen zieht.
ich selber schleppe mich durch den arktischen sturm richtung bushaltestelle. im bus bin ich richtig geladen und schreibe dem objekt noch eine bitterböse sms. dann fühle ich mich deutlich entspannter, fast so, als hätte ich gerade wunderbar gevögelt.

note to myself: jeden tag eine schlechte tat. mindestens. es gibt nichts besseres gegen richtig miese laune.

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Donnerstag, 21. März 2013
erogene zonen
jeder mann und jede frau hat unterschiedliche erogene zonen, wobei es gewisse gemeinsamkeiten gibt, wie ich immer wieder feststelle. als ich kürzlich wieder mal das vergnügen mit dem tabulosesten mir bekannten männlichen wesen hatte, diskutierten wir über erogene zonen und stellten fest:

erogene zonen sind bei vielen gleichzeitig tabuzonen, was die sexuellen freuden deutlich schmälert.

berühmtestes beispiel: die stimulation der männlichen prostata. da ich das sehr faszinierend finde, habe ich schon viele lover gefragt, ob man ihnen eigentlich den finger in den po stecken darf. die reaktion auf den vorschlag war in der regel sehr einstimmig ein entsetztes quieken wie bei ferkeln, die gerade kastriert werden. nein, um gottes willen, man sei doch nicht schwul, lautete das standardargument. das wunderte mich ein wenig, waren doch sehr viele männer scharf auf analverkehr, solange es MEIN arsch war, der gefickt wurde.

das objekt war mein allererster mann, der das schon immer praktizierte – sowohl aktiv als auch passiv – und mich ganz offen aufforderte, es zu tun. vor allem in verbindung mit einem blowjob, lernte ich, konnte frau auf diese weise geradezu explodierende lust hervorrufen.

ich bin eine entdeckerin. ich beobachte gerne, wie sich lust und erregung bei meinem partner steigern. es ist macht - und diese macht macht mich an. nachdem ich etwas vertrauen gefasst habe, erkunde ich den männlichen oder weiblichen körper quadratzentimeter für quadratzentimeter und checke dabei unter anderem folgende stellen:

brustwarzen
sehr unterschiedlich. einige männer reagieren sehr gut auf berührung und lecken, einige forderten mich sogar auf, sie in die brustwarzen zu beißen. das funktioniert, solange ich dabei nicht kichern muss. ich bilde mir ein, dass die erregbarkeit der männlichen brustwarzen auch vom grundsätzlichen augenblicklichen grad der allgemeinen erregung abhängig ist. das ist bei frauen ähnlich.

steiß-/kreuzbeinbereich
die haut in dieser zone ist sowohl bei vielen männern als auch bei vielen frauen sehr sensibel und reagiert insbesondere auf zarte steicheleinheiten.

schwanzspitze
die untere seite der schwanzspitze am penisbändchen ist bei vielen männern bei einer vollen erektion sehr gut punktuell stimulierbar. am besten mit der zunge.

schaftansatz
bei einer vollen erektion befindet sich bei manchen männern an den seiten links und rechts eine erogene zone. eine weitere liegt etwas verborgen hinter dem hodensack knapp vor dem damm. diese zone ist häufig auch schon vor entwicklung einer erektion empfänglich für berührungen – sowohl zart als auch hart.

hoden
fast alle meine lover stehen total drauf, dass man ihnen die eier leckt. das hat sicherlich - ähnlich wie beim blowjob - etwas mit macht zu tun.
einige forderten mich aber auch auf, ihren hoden in die hand zu nehmen und ihn langsam und sanft, aber sehr fest zu drücken. der lustgewinn dieser praktik ist mir ein rätsel, aber es scheint zu funktionieren. offenbar tut es nicht weh.

anus
bei männern als auch bei frauen laufen hier sehr viele nervenenden zusammen. eine zarte stimulation ist bei vielen möglich, auch wenn diese nicht auf finger im po stehen.

klitoris
einen klitoralen orgasmus kriegt doch jeder irgendwie hin, denken viele männer. da wird dann fleißig mit dem finger drauf rumgeschrubbt wie auf einem hartnäckigen fleck im pulli und das schmerzvolle stöhnen der frau mit lust verwechselt. allzu zaghafte berührung kann hingegen effektlos sein, da die kleine erbse unterschiedlich tief versteckt liegt. also erst mal die lage checken, dann streicheln und noch besser: lecken. mit der zungespitze, nicht mit der ganzen zunge.

scheideneingang
die andeutung von tatsachen kann unheimlich sexy sein. eine finger oder ein penis, der nicht eindringt, sondern erstmal anklopft, kann mich ziemlich in rage bringen. das objekt weckt mich gerne auf diese weise, bevor es nachts über mich herfällt.
auch nett: mit der zunge ein paar millimeter eindringen. haut mich mehr von den socken als klassisches muschilecken. machen aber nicht so viele männer.

g-punkt
der sagenumwobene g-punkt ist bei jeder frau unterschiedlich ausgeprägt. heißt, er liegt unterschiedlich tief und umfasst unterschiedlich viele nervenenden. auch wenn man(n) ihn erreicht, heißt es noch nicht, dass so furchtbar viel passiert. technik ist also gefragt. bei mir funktioniert es ganz gut, wenn ich von hinten genommen werde. ist der schwanz eher klein und die scheide groß, kann man(n) den weg verkürzen. das geht z.b. so: frau liegt auf dem rücken und zieht die beine, entweder in froschstellung oder so, dass sie die füße gegen die schulter des mannes stemmen kann. dadurch kommt man(n) ziemlich tief. nachteil: ein bisschen unbequem nach einer weile.

und? wie sind ihre erfahrungen so?

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Montag, 18. März 2013
fsk 18-schwimmen
justamente, als ich ein bisschen zittrig die wohnungstür aufschließe - ein bisschen zittrig weil lange gefeiert und dann bei k. geschlafen, der entsetzlich schnarchte - klingelt das telefon: das objekt ist aus der versenkung zurückgekehrt.

"ich will schwimmen gehen und dachte, vielleicht magst du mitkommen?" fragt das objekt.
"wahnsinn, und das, nachdem wir erst seit fast drei jahren planen, mal gemeinsam schwimmen zu gehen", sage ich sarkastisch, "wie in aller welt kommst du da ausgerechnet jetzt drauf?"
"naja... ich wollte erst einfach nur so schwimmen gehen, und dann bist du mir eingefallen... und plötzlich merk ich, dass mich der gedanke, mit dir schwimmen und dann vielleicht noch schön in die gemischte sauna zu gehen, unheimlich anmacht", berichtet das objekt frank und frei.
"wenn du ficken willst, musst das von mir aus nicht mit einem event verknüpfen", sage ich trocken.
"es geht aber nichts ums ficken. ich will den event. mit dir", betont das objekt.
"hm, ich weiß nicht. eigentlich bin ich müde", lasse ich mir zeit.
das objekt-hirn rattert im hintergrund und ich warte, was es als nächstes in den jackpot werfen wird.
"okay, also pass auf... wenn du richtig richtig schlimm müde bist, machen wir das nicht. aber wenn du nur so ein bisschen müde bist... dann lass ich dir ein taxi vorbeikommen, das dich dahin bringt und dann treffen wir uns dort... und du bist den ganzen abend lang eingeladen."

mein erster gedanke ist, dem objekt seine maßlosigkeit und mittellosigkeit an den kopf zu knallen und das event damit abzubiegen. anderseits, wenn es sich so sehr dafür ins zeug legen möchte - bitte, gerne. hat frau ja nicht alle tage, schon gar nicht beim objekt.
"okay", sage ich.
"dann kommst du aber auch mit in die sauna", beharrt das objekt.
"da krieg ich kreislauf."
"quatsch, du gehst doch auch ins dampfbad."
"da krieg ich auch manchmal kreislauf."
"mann. das mit der sauna ist meine einzige bedingung. du musst auch nicht lange. du kannst da doch jederzeit wieder raus."
"na gut", lasse ich mich breitschlagen.
"wann bist du fertig? dann bestelle ich dir das taxi."
"halbe stunde."
das objekt sagt, dass es sich wahnsinnig freut und endlich, endlich flackert auch ein bisschen vorfreude in mir auf, vorfreude, von der ich weiß, dass sie mich in kürze komplett entflammen wird.

um kurz nach sieben steht das taxi vor meiner haustür. das objekt sitzt auch schon drin.
"madame", sagt es augenzwinkernd, nimmt dann meine hand, küsst sie und zieht mich auf den sitz neben ihm. dann geht es los.
während der fahrt strahlt das objekt und plappert in einem fort.
"du hast aber ordentlich was geraucht, oder", stelle ich fest.
"oh ja", sagt das objekt. "aber ich musste mich ja ein bisschen beruhigen. ich kann da ja nicht dauernd mit gehisster flagge rumlaufen", grinst es und zeigt in den schritt.
"das ehrt mich ja", erwidere ich.
das objekt lächelt weiter und nimmt wieder meine hand, um sie zart zu streicheln.
"das ist aber nicht alles, wirklich nicht. ich finde es einfach toll, dass wir das jetzt zusammen machen... dass du so spontan und offen bist."

als wir ankommen, löhnt das objekt tatsächlich eine horrende summe für das taxi und zahlt dann ohne mit der wimper zu zucken einen doppelten eintritt.
"ich habe ja ein bisschen ein schlechtes gewissen", sage ich.
"hör auf", mahnt mich das objekt. "keine politik. du sollst das annehmen und genießen."

dann geht es los.
"erst schwimmen", bitte ich.
"da oder da oder da", fragt das objekt und zeigt auf mehrere becken.
"nicht so ein planschbecken! ich will jetzt gleich erstmal eine halbe stunde durchziehen."
das objekt schaut mich amüsiert an:
"du kannst nie was machen, ohne erstmal zu arbeiten, oder?"
bevor ich mich empören kann, packt es mich und schmeißt mich in die fluten. ein paar badegäste flüchten.
"fein, jetzt haben wir mehr platz", sagt das objekt dreist und beginnt zu kraulen. flink, elegant und ohne spritzer zieht es seine bahnen.
irgendwann bemerkt es, dass ich ihm zugucke.
"was ist?"
"du schwimmst echt toll."
"das ist mein zuhause."
"sieht man."
"aber für einen profi bin ich viel zu inkonsequent. ich probiere so gerne dinge aus..."
es zeigt mir ein paar schwimmstile, die es erfunden hat. danach macht es unterwasser-salti und anderen quatsch.
irgendwann hat es genug und zieht mich aus dem wasser.
"jetzt aber mal raus aus den klamotten und rein ins warme!"

in der sauna sitzen noch fünf oder sechs andere männer.
"schwanzvergleich!" flüstert mir das objekt fröhlich zu und sucht uns ein plätzchen, von dem aus man die anderen gut im blick hat.
"und, welcher gefällt dir am besten?"
"das kann man doch so nicht sagen, wenn die alle schrumpelig in ihrer pelle hängen!"
dann kommt ein wahnsinnig fetter alter mann herein und setzt sich uns gegenüber. ich gucke ein bisschen zu auffällig, einfach, weil ich so viel bauchfett noch nie gesehen habe. der fette scheint das als kompliment aufzufassen und starrt mir lüstern zwischen die beine.
ich tippe das objekt an:
"der glotzt mir auf die muschi!"
"lass ihn doch", wispert das objekt zurück. "hast eben ne schicke muschi."
dann beugt es sich zu mir und küsst mich einmal so tief, dass sämtliche zugehörigkeiten geklärt sind.

nach einer weile reicht es mir mit der wärme und ich sehne mich nach wasser und abkühlung.
"komm, wir gehen raus!" zieht mich das objekt in richtung dachterrasse.
während ich noch unter der tür stehe und bibbere, rennt das objekt schon splitterfasernackt durch den schnee.
"los, komm!"
ich mache vorsichtig zwei schritte auf dem eis, ein wenig glatt ist es und so kalt, dass die füße sofort taub werden. die anderen saunagäste sitzen unter der veranda, haben bademäntel und schlappen an.
"einmal bis ans ende da!" zeigt das objekt auf den weg, der bis zur anderen tür führt, wo es wieder nach drinnen geht. also hopsen wir durch den schnee, während das objekt versucht, mit schneebällen meine brüste zu treffen.
"und noch mal zurück", ruft es, als wir die tür erreicht haben.

anschließend gibt es eine whirlpool-session, ebenfalls unter freiem himmel.
"ich glaube, ich war noch nie nackt in nem whirlpool", sage ich zum objekt und gucke nach oben in die sterne.
das objekt lächelt nur und zieht mich dann in seinen schoß.
"wir kriegen das wasser hier schon noch zum kochen", sagt es mit rauer sexy stimme.
"wir dürfen es bloß nicht übertreiben, weil sonst komm ich hier die nächste halbe stunde nicht mehr raus."
"das wäre mir total egal, außerdem sind wir ganz alleine hier draußen."
wir halten uns umschlungen und küssen uns, bis ein anderes pärchen den whirlpool betritt.
"schade", sagt das objekt.
"magst du keine öffentlichkeit?"
"bedingt. heute nicht. heute bin ich mit dir."
das pärchen beginnt sehr einladend und offenherzig zu knutschen. wir gucken eine weile zu, dann packe ich den sexy objekthintern und ziehe ihn zu mir heran.
"oooooh, das gibt es böses ende, ich warne dich", raunt das objekt.
"du solltest keiner frau drohen, die deinen schwanz in der hand hat."
"weißt du, was ich mit frechen fräuleins im schwimmbad mache?" kontert das objekt und greift mich spielerisch am hals. "die dürfen mir mal beweisen, wie lange sie unter wasser die luft anhalten können. ich zähle von 100 rückwärts... und ich zähle sehr langsam!"

ich spüre, wie mir das blut zwischen den beinen pocht. ich muss schleunigst an was anderes denken und vor allem was anderes machen.
"lass uns noch rüber ins dampfbad gehen", dränge ich das objekt.
mit latte auf halbmast steigt das objekt aus dem wasser und tippelt dann hinter mir her. wir haben glück: im dampfbad ist nur eine alte frau, die entspannt auf den kacheln liegt und die augen geschlossen hat.
das objekt hält mich zärtlich umschlungen und zeichnet mit den fingern die wege der tropfen nach, die über meine haut rinnen.
"ich glaube, ich hab dich noch nie so entspannt gesehen", flüstert mir das objekt ins ohr.
"ich BIN auch entspannt... ultra entspannt und gleichzeitig ultra geil."
"oh gott, ich auch. mein ganzer körper ist schwer, aber im grunde genommen möchte ich dich auf der stelle ficken."
ich muss lächeln.
"sollen wir gehen?"
"lass uns doch noch ein bisschen abwarten."
"du möchtest gern, dass ich noch ein bisschen in meinem eigenen saft sitze?"
"ohja."

nach dem dampfbad gehen wir noch mal eine runde schwimmen, bis ich nur noch die muskeln in meinen armen vibrieren fühle, dann packen wir unsere handtücher und steuern auf die duschen zu.
"lass dir zeit", sagt das objekt. "aber nicht zu viel. ich warte am ausgang auf dich."
ich küsse es noch einmal, dann verabschiede ich mich für ein weilchen.

als ich frisch geduscht und angezogen richtung ausgang gehe, kommt das objekt zeitgleich von der männerseite.
"du bist echt schnell für eine frau", wundert es sich.
"naja, ich muss mich ja nicht für den club aufbrezeln gehen, oder?"
"och menno. ich dachte, du würdest dich für mich aufbrezeln."
"hab ich doch. ich hab mein bestes höschen unter der jeans."

untergeärmelt gehen wir die straße lang.
"da ist eine bushaltestelle", sage ich, aber das objekt schüttelt den kopf und winkt ein taxi heran.
"du hast echt ne meise", wende ich ein.
das objekt schüttelt wieder den kopf und und meint:
"ich will nicht ewig warten, bis ich dich endlich aus deiner jeans habe."
"was hast du denn gegen meine jeans?"
"da kriegt man so schlecht die hand rein", grinst das objekt.

kaum, dass ich das objektzimmerlein betreten habe, werden mir auch schon tasche und handtücher abgenommen und zum trocknen ausgebreitet. dann schält mich das objekt aus den klamotten und beginnt, mich von kopf bis fuß zu liebkosen. ich fühle mich durchsichtig bis ins innerste und habe den eindruck, gleich zerspringen zu müssen wie glas unter enormer hitze.
"wow, dein puls", flüstert das objekt und legt die lippen auf meine halsschlagader.
dann dringt es in mich, millimeter für millimeter, unter schwerem lüsternen keuchen. wir krallen die finger ineinander und halten uns fest, während wir uns ununterbrochen in die augen schauen. ich weide an mich an diesem objektiven gesichtsausdruck der lust, den geöffneten weichen, vollen lippen, den halb geschlossenen lidern, unter denen mich diese unglaublich grünen augen anfunkeln und fixieren, während sich die nasenlöcher aggressiv blähen und die offenen haare wild fliegen. für einen augenblick gibt es nur noch einen willen in unserer welt: ich will dich und du willst mich.
der orgasmus zerlegt uns in unsere atome, dann finden wir uns wieder, nass, verschwitzt, atemlos und am ende unserer kräfte.
"wow", flüstert das objekt.
ich sage nichts und drücke mein gesicht ins kissen, um nicht debil grinsen zu müssen.
"you have the license to fuck, baby", spricht das objekt das wort zum sonntag.

nachdem sich unser herzschlag etwas beruhigt hat, stolpere ich ins bad, zähne putzen. als ich wiederkomme, liegt das objekt schon auf seiner schlafseite. doch als ich mich ankuscheln will, sehe ich, dass seine augen noch offen sind und mich fragend ansehen.
"was ist?"
das objekt denkt nach und sagt dann:
"ich dachte immer, es gibt so eine situation, in der kann man einfach nicht mehr, obwohl man noch mal möchte. also der punkt, an dem der körper dem willen einen strich durch die rechnung macht. nachdem ich ja nun ruhiger lebe als noch vor ein paar jahren, stehe ich nicht mehr so oft vor dieser problematik."
"na und?"
"heute aber schon."
"ich nehme das jetzt mal als kompliment."
"kannst du, aber nicht nur, bitte."
das objekt sieht mich glücklich-erschöpft an und fragt dann:
"wie steht es um deine kräfte? meinst du, du kriegst den noch mal hoch?"

beim zweiten mal sind wir ruhiger, konzentierter, weniger tiere. nachdem wir gekommen sind, schlafen wir auf der stelle ein, schräg übereinander liegend. mein körper brennt noch immer von innen durch die haut, während die glückshormone ein feuerwerk in den synapsen veranstalten. meine nase in der wirren, duftenden objektmähne vergraben, schlummere ich ein, wie immer mit dem gefühl, dass dieses geschenk eine schuhnummer zu groß für mein emotionales fassungsvermögen ist.

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Freitag, 15. März 2013
quatschnudeln
"allerhöchstens gemeinsam kommen wir auf die gleiche tägliche wortzahl wie die volontärin", sagt meine neue praktikantin heute, als sie bei mir im chefzimmer vorbeischneit, um mir einen text zur freigabe zu überreichen.
"ich konnte kaum diesen text schreiben, weil sie ununterbrochen gequasselt hat... ich meine, versteh mich nicht falsch, sie ist super, ich mag sie total, aber es ist manchmal einfach..."
"anstrengend", beende ich den satz.
die praktikantin grinst.
"sei froh, dass du hier sitzt und nicht drüben im großraumbüro."
"dafür kriege ich das geballt ab", sage ich. "neulich stand sie hier 40 minuten unter der tür und erzählte von einem streit mit einer freundin... danach hatte ich noch 20 minunten restmittagspause, das reichte nicht mal, um zu aldi zu gehen."
"hast du mal was gesagt?"
"na, ich hab schon öfter gesagt, so, liebe volontärin, jetzt wollen wir aber mal wieder weiterarbeiten!"
"und?"
"das macht sie schon. ich bin ja die chefin. aber es bedarf immer einer aufforderung."

"noch zwei stunden, dann haben wir das geschafft für heute", meint die praktikantin dann.
"hör mir bloß auf. zuhause geht das gequassel ja weiter."
"warum, wohnst du mit wem zusammen?"
"nein, aber ich habe dünne wände und türkische nachbarn."
"oha!" sagt die praktikantin.
"die sind eigentlich gar nicht mal soooo laut", erkläre ich. "die haben keine kinder, also noch nicht, und sie hören jetzt auch nicht viel musik. aber die alte, die labert ohne unterbrechung. ehrlich. dass der nicht mal die zunge vertrocknet oder die stimmbänder versagen, das ist mir ein rätsel!"
die praktikantin lacht:
"und bestimmt hat sie auch so eine typische türkenmutti-stimme."
"ja, so rauh und einfach... naturally born loud. meine altbauwände haben da keine chance."

"dann kann dir ja ihr mann leidtun", sagt die praktikantin.
"ja, aber nur, solange der nicht singt."
"oh, er SINGT?" zieht die praktikantin die augenbrauen hoch.
"ohja! und zwar traditionelles muselmanisches liedgut! nachts um einse! da wache ich immer von auf."
"das ist doch ruhestörung, sag da doch mal was."
"ja, toll, dann bin ich wieder die nazitante. das hab ich schon mal gemacht, mich mit türken anlegen, das war vor zehn jahren, das ging total übel aus."
"singt er denn wenigstens schön?"
"ich glaube, so ne lieder KANN man nicht schön singen."

"apropos nazi, hast du vorhin das telefonat mitbekommen, als unser azubi die neue buchhalterin anrief?"
"nee."
"naja, er rief an und meinte zuerst, äääähhh... also, ähm, ich ruf an, weil ich sie anrufen muss..."
ich kichere.
"... aber das beste kam dann noch, da sollte er nämlich seinen namen buchstabieren und da meinte er eiskalt, mit h wie hitler in der mitte!"
ich kringle mich vor lachen:
"spitze... b wie braun, g wie göbbels... r wie rommel..."
"pschschscht!" sagt da die praktikatin.

denn es kommt der azubi auf dem weg zur küche vorbei, macht lange ohren und meint dann streng:
"das klingt hier aber nicht nach arbeit!"
"doch, doch, das ist eine teambesprechung", sagt die praktikantin augenzwinkernd.
"ihr seid quatschnudeln", mault der azubi. "ihr seid faul und quasselt nur."
"morphine, du musst jetzt sagen, liebe praktikantin, jetzt müssen wir aber mal weiterarbeiten", stupst mich die praktikantin an.
"nee", sage ich, lehne mich zurück und näsle vornehm:
"du bleibst. du sollst mich unterhalten und amüsieren. los. ich bin schließlich deine chefin."

da kommt die volontärin vorbei.
"na, was macht ihr denn alle bei morphine im zimmer?"
"teambesprechung", sagt der azubi trocken und die praktikantin prustet schon wieder los.
"los, raus jetzt alle", rufe ich da. "ihr seid doch alles quatschnudeln."

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