Dienstag, 8. Januar 2013
zusammen ist man weniger alleine
objektanruf.
"warum gings dir am samstag so mies?" will das objekt wissen.
"ich suche immer noch erfolgslos neue jobs."
"absage gekriegt?"
"nee, die blöden wichser machen sich nicht mal die mühe, auf meine nachfragen zu antworten. wahrscheinlich müsste ich mich da mit pumpgun vor deren schreibtischen positionieren und brüllen: UND? WAS IS NU? MACHS MAUL AUF ODER ICH PUSTE DEINEN SCHEIßMAC VOM TISCH, DU ARROGANTER MEDIENWICHSER!"
das objekt kichert.
"gleichzeitig hab ich versucht, mit meiner chefin zu reden und ihr zu sagen, dass ich so unstrukturiert nicht mehr arbeiten kann. es werden ja ständig mehr aufgaben. sie hat überhaupt nicht zugehört und wollte nur wissen, ob ich alle projekte erfolgreich am laufen habe."
das objekt kichert nicht mehr.
"scheiße."
"ja, voll scheiße!"

dann schweigen wir beide eine weile, bis ich frage, wie es dem objekt eigentlich gerade geht.
"nunja, ich arbeite viel und habe oft den kleinen. und suche immer noch eine wohnung."
"das wird in dem leben nix mehr", sage ich schroff, realistin, die ich bin.
"danke für die motivation", ist das objekt ein wenig angefressen. "ich weiß schon, dass ich höchstens in einer wg noch eine chance habe."
"dann zieh doch mit deiner sogenannten freundin zusammen. oder willste nicht, weil du dann noch unfreier bist?"
"nee, aber... ich weiß nicht. eher nicht."
"aber dein zimmerlein ist doch nicht so übel."
"nein, nein, das ist es auch nicht. aber dann bin ich bei dir und du wohnst hier so schön und friedlich... so nah am stadtpark... und im sommer, sagst du immer, gehst du in der alster nebenan schwimmen... das finde ich toll."
"kannst ja hier einziehen", sage ich spöttisch. "kurzer arbeitsweg, kinderfreundliche umgebung, gute verkehrsanbindung und internet ist auch schon da."

das objekt druckst ein wenig herum und meint dann:
"ich könnte mir das mit dir sogar vorstellen."
mir klappt der mund auf und wieder zu. als ich mich ein wenig gesammelt habe, frage ich:
"wie meinst du das denn nun?"
"naja, ich hab da halt mal drüber nachgedacht. so übergangsweise könnte man hier doch gut zusammenwohnen. du hast mich außerdem mal gefragt, wenn du die stadt verlassen würdest, ob ich dann deine wohnung will. und das angebot würde ich nicht ausschlagen."
"ich werde die stadt voraussichtlich nicht so schnell verlassen, da musst du dich schon noch ein wenig gedulden", blaffe ich.
"na los, zieh aus", neckt mich das objekt.
"opportunistenschwein", erwidere ich.

erneutes schweigen, dann setzt das objekt wieder an:
"mal ehrlich, morphine. eigentlich täte dir das doch auch gut, wenn du nicht immer so allein wärst."
"dir ist das tatsächlich ernst", frage ich.
"ja klar, warum denn nicht? wenn ich so drüber nachdenke, fällt mir nicht wirklich was ein, was ernsthaft dagegen spricht."
"für drei leute ist die wohnung zu klein", denke ich an den objektsohnemann.
"das könnte man schon irgendwie regeln. dann ist er halt mal eine zeitlang nur zwei tage die woche bei mir."
"du bist unordentlich und unzuverlässig."
"ich würde mir aber ganz viel mühe geben!"

bevor das objekt anbieten kann, dass es mir jeden abend die muschi lecken würde, sage ich schnell:
"naja, also probeweise könnte man das mal versuchen. für zwei wochen oder so. aber dann müssten wir uns eine größere wohnung zusammen nehmen. ich hab schon mal auf zwei zimmern gewohnt mit jemanden, das war schrecklich. obwohl du mir wahrscheinlich nicht so auf die nerven fällst."
"ja, drei zimmer müssten das auf jeden fall sein. oder vier, dann hätte der kleine sein reich und du dein büro."
"ist halt eine kostenfrage. also die einlage bei meiner genossenschaft würde ich natürlich übernehmen, ist ja auch eine super kapitalanlage. aber deinen mietanteil müsstest du voll bestreiten, da bin ich echt keine mutter theresa."
"ich kann so viel zahlen wie du", rechnet das objekt. "das wären also so 650 euro kalt, vielleicht 700."
"drei zimmer", sage ich, "mehr werden das nicht. warm würde ich gerne unter 850 bleiben."
"du, für mich wäre das ein lichtblick, so wie jetzt oder in einer größeren wohnung. und wir mögen uns doch!"
"vor allem, wenn du dann deinen weiberbesuch anschleppst."
"ach morphine, jetzt tu mal nicht so, als würdest du wie eine nonne leben!"
"na gut. lass uns das mal besprechen, wenn es akut wird."
"ja. aber nicht unter den teppich kehren!"
"dafür sorgst du schon, ich kenn dich."
"dann hab einen wundervollen, friedlichen abend, liebste morphine."
"tschüß du schleimer."

was sagt man dazu? ich finde die idee ganz fürchterlich. mein alter ego ist allerdings gerade dabei, sich ein wenig darin zu verlieben. das leben, ein traum.

... link


Samstag, 5. Januar 2013
antibiotikum
der objektsohnemann stromert durch meine wohnung, während ich mit seinem papi auf der homepage des arbeitsamts stöbere. ab und an scheppert was, da der sohnemann ähnlich wie der papa zum unabsichtlichen zerstören neigt. dann kommt er wieder ins wohnzimmer, schmiegt sich an mich und fragt ganz schüchtern:
"duhuuu... warum hast du antibiotikum in der küche liegen?"
ich stutze, da bei mir kein antibiotikum in der küche herumfliegt, weil ich keines nehme und ich medikamente normalerweise vor kinderhänden gut verstecke, um den lütten davor zu bewahren, sich meine psycho-smarties reinzuziehen. weiterhin bin ich ganz perplex, dass der kleine weiß, was ein antibiotikum ist.

"das kann nicht sein", erwidere ich erstmal.
"dohoch! ein halbes!"
der objektsohnemann flitzt in die küche und bringt dann tatsächlich eine halbe weiße tablette herein.
das objekt schaut mich fragend an und ich vermute, dass es auf irgendwelche drogen tippt und im sichergestellten material den beweis sieht, dass ich - wie es ab und an mutmaßt - doch nicht auf die kleinen chemischen freuden verzichte.

ich glotze auf die tablette und gerate selbst erstmal in erklärungsnot, zumal das ding tatsächlich aussieht wie ein halbes antibiotikum.
"wo hast du das denn gefunden?" frage ich den lütten.
"hinter der kaffeemaschine."
ich wundere mich noch einmal, denke scharf nach, dann endlich fällt es mir wie schuppen von den augen:
"das ist eine halbe mineralstofftablette! das ist kein antibiotikum, sondern ein ganz normales nahrungsergänzungsmittel!"

das objekt sieht eindeutig erleichtert aus, während der objektsohnemann von neuem fasziniert ist:
"und was kann man damit machen? wofür ist das gut?"
"da sind kalium und magnesium drin. das sind zwei ganz wichtige mineralstoffe, die gut sind für herz, nerven und muskeln."
"und warum brauchst du das?"
"brauchen kann man nicht sagen. es ist ein zusatz. beispielsweise wenn man einen wadenkrampf hat - das kennst du vielleicht auch..."
und der sohnemann nickt:
"das tut fies weh!"
"also sowas kann mit magnesiummangel zusammenhängen. wenn man dann so eine tablette nimmt, kommt der krampf so schnell nicht wieder."

der objektsohnemann guckt interessiert und fragt dann:
"kann ich die haben?"
"die lag offen rum, dann würde ich sie lieber wegschmeißen. außerdem brauchst du das nicht, du hast ja keine krämpfe. und wenn du vorbeugen willst, dann mach ich dir jetzt lieber eine apfelsaftschorle, da sind auch viele mineralstoffe drin."
"auja!"

der objektsohnemann springt begeistert auf, begleitet mich in die küche und das antibiotikum ist vergessen.
dann schnappt er sich mein handy und spielt friedlich ein spiel, während das objekt und ich den objektlebenslauf tunen und die unterlagen fürs arbeitsamt fertigmachen.

das objekt lächelt mich mehrmals von der seite an, drückt meine hand unter dem tisch und ich fühle mich für einen moment ganz zauberhaft familiär. dann fängt der objektsohnemann an, uns unter lautstarken "guck mal, guck mal"-rufen seine neuen hiphop-moves vorzuführen und bringt meine zimmerpflanze dabei zu fall. während der papa schimpft und den kleinen losschickt, um schaufel und besen zu holen, bin ich dann doch wieder sehr glücklich, dass der familienmoment kein lebenslänglicher ist.

... link


Freitag, 4. Januar 2013
preis der demokratie
17.98 € monatlich.



demokratieabgabe. für das grundrecht der pressefreiheit? für freie meinungsäußerung? oder doch bloß für den hohen lebensstandart? mein lebensstandart ist verdammt niedrig, wer zahlt dann meine gebühren?

fuck you. ihr wollt uns nicht nur abzocken, ihr wollt uns auch noch verarschen. in der satire liegt ein bitteres stück wahrheit:



mit verbotener liebe oder rosamunde-pilcher-filmen fühle ich mich auch total gut informiert. und vor allem so unabhängig.

hier haben wir schon über 29.000 unterschriften gegen die gez-zwangsgebühr. helfen sie mit! geben sie sich selbst eine stimme!

onlinepetition

... link


Dienstag, 1. Januar 2013
hallo 2013!
der erste eindruck war ja schon mal positiv. du hast gut angefangen. so viele umarmungen wie gestern habe ich gefühlt in ganz 2012 nicht bekommen - und in den vier jahren zuvor erst recht nicht. damit hast du hohe erwartungen gesteckt, aber auch dankbarkeit spürbar gemacht.

schön, dass ich so viele nette menschen kenne und dass diese mich kennen mögen. und es waren noch längst nicht alle dabei, die ich gerne in meinen armen gehalten hätte. und dabei verwechsle ich nicht qualität und quantität. denn ich bin nicht everybody´s darling. ich suche mir meine darlings verdammt noch mal ganz genau aus.

"das wird dein jahr", haben gestern vier leute gesagt, leute, die meinen psychischen absturz zumindest in auszügen miterlebt haben und mir trotzdem die stange halten. "du bist im besten alter, du bist intelligent, und du hast einiges an erfahrung, dass muss doch mal irgendeiner anerkennen." ich hoffe noch immer das beste und versuche den problemberg weiterhin als spielerische herausforderung zu sehen.

um mitternacht hab ich ein tränchen verdrückt und mich reich geschätzt. ich befand mich auf einer tollen party und stand mit k., t. und h. auf dem balkon der wahnsinnigen eigentumswohnung des gastgebers. der gastgeber war, obwohl schwerreich, irgendwie ganz normal geblieben und hatte für jeden ein freundliches wort, obwohl er die meisten gar nicht kannte - die eigendynamik, wenn ein ganzes haus zusammen feiert.

gegen halb zwei war ich mit dem gastgeber in der küche und futterte mich durch die verbliebenen köstlichkeiten, während k. und t. schon im flur standen, da wir noch weiterziehen wollten. der gastgeber erzählte gerade, dass er ein kind habe und sehr glücklich geschieden sei, als k. hereindrängte und verkündete, dass taxi sei da.
"jetzt haben wir uns gar nicht richtig kennengelernt", sagte der gastgeber bedauernd zu mir. also nahm ich meinen ganzen mut zusammen und fragte ihn nach seiner telefonnummer. "ja, aber nur, wenn du sie auch benutzt!" lautete die antwort. das fand ich fein. hübsche, glücklich geschiedene männer mit eigentumswohnungen sollte man sich nämlich warmhalten.

warmhalten und wertschätzen ist überhaupt das stichwort. die meisten geschenke, die das leben macht, sind nämlich einmalig. so etwas ähnliches sagt mir auch der glückskeks, den ich heute beim japaner bekommen habe:



insofern: danke auch an alle leser! ihnen ein fantastisches 2013!

... link


Sonntag, 30. Dezember 2012
vorsätze 2013
1. alles ein bisschen vorsätzlicher angehen. die vorsätzlichkeit eines vorgehens gewissenfrei eingestehen und genießen.

2. "hallo unternehmen und verlage! ich bin eure marketing-königin / redaktionsgöttin." jeden tag dreimal laut aufsagen. gedanken schaffen realität, sagt die objektexfreundin immer. vielleicht steht ja in der u-bahn mal zufällig ein geschäftsführer-typ in hörweite.

3. ein neues festes subjekt etablieren, um ein gegengewicht zum objekt zu schaffen. gleichzeitig das objektverhältnis stabilisieren und platonisieren. alternativ das objekt knebeln, in ketten legen und die nächsten 20 jahre dauervergewaltigen, zuvor die gespielin mit stein am fuß in die elbe schubsen. (ich bin nicht eifersüchtig, nein, ich hab nur was gegen schlechten geschmack.)

4. öfter mal "schwimmen" gehen.

5. reich werden: ich mache es den zeitungen nach und erhebe bloglese-gebühren von 10 euro pro klick. bei den derzeitigen leserzahlen wären das dann mindestens 2.000 bis 5.000 euro pro tag. das ist eine solide basis. kommentare kosten extra. kommen sie, einen fuffi sollte ihnen das recht der freien meinungsäußerung hier schon wert sein!
ab 1.000 euro können sie außerdem ein vierwöchiges bloggerpraktikum bei mir machen. ein echtes schnäppchen!

6. weniger traurig sein. dafür gibt es noch keine konkrete lösung, wir gucken mal, ob die erfüllung von 1.-5. eventuell dazu führt, dass ich weniger psychopharmaka benötige.

ich wünsche schon mal eine (be)rauschende silvesternacht. vergessen sie die ohrenstöpsel nicht!

... link