Samstag, 6. Oktober 2012
wild awake

... link


Mittwoch, 3. Oktober 2012
die nacht der deutschen einheit
subtitle: zeichen und wunder

nachdem ich gestern sehr ausgeglichen und happy meinen tag im büro abgesessen habe, mache ich mich schick für party. ich bin noch einmal mit der krankenschwester und außerdem mit mr. shyguy verabredet.

ziemlich spät mache ich mich auf den weg. das auto von mr. shyguy steht schon vor dem club, ich bin mal wieder die letzte. der nette garderobenmann ruft mir wie immer zu "jeder später der abend, desto hübscher die gäste" und winkt mit der gästeliste.

vor der zweiten tür steht das objekt-fahrrad. so ein mist. eigentlich ist es mir egal, ich ignoriere das objekt einfach und es macht mir eigentlich nicht viel aus. doof ist nur, dass sich unser freundeskreis im club stark überschneidet und ich weiß, dass ich wieder kaum ein wort mit mr. shyguy wecheln werde, wenn das objekt die aufmerksamkeit abzieht.

zum glück ist die krankenschwester gleich um mich rum. wir setzen uns an die bar und trinken ein bier. gegenüber sitzen mr. shyguy und das objekt. mr. shyguy kommt rüber und herzt mich, das objekt bleibt sitzen und starrt an die wand. es ist sehr blass und hat tiefe augenringe.

"der sieht aber mies aus", sage ich zu mr. shyguy.
"dem gehts, glaub ich, nicht gut."
"was ist denn schon wieder?"
"keine ahnung, er sagt, er will nicht drüber reden. frag du ihn doch. oder sprecht ihr immer noch nicht wieder miteinander?"
"du, ich bin durch mit dem. kein bock mehr auf monologe."
"du bist echt hart."
"reiner selbstschutz."
"ich versteh das schon, aber schade ist es trotzdem."

wir tanzen viel. das objekt und ich nutzen die entgegengesetzten seiten der tanzfläche, daher gibt es kaum unangenehme aufeinandertreffen. ich merke, dass es mich des öfteren ansieht.
ich kann es handeln. ich kann heute alles handeln. ich fühle mich beschwingt, bin unalkoholisiert und ganz da. mit den richtigen leuten sind solche abende wunderbar. ich verbringe einige zeit beim dj und lasse mich in neue musikalische entwicklungen einweisen, dann lehne ich zufrieden in meiner ecke und gucke den menschen zu.

das objekt hängt auf einem barhocker und hat das gesicht in die hände vergraben. dann sieht es wieder zu mir her. ich stehe auf und wechsle den raum. das geglotze wird mir langsam zu viel. ich will aber auch noch nicht nach hause gehen. ich habe noch nie ein revier geräumt, damit fange ich heute, am tag der deutschen einheit, bestimmt nicht an. außerdem bin ich schadenfroh, dass das objekt mit der situation offenbar doch nicht so eiskalt umgehen kann wie es gerne den anschein geben würde. doch meine neu erworbene bedürfnislosigkeit schützt mich vor herzerweichung.

mr. shyguy hat ein mädchen kennengelernt. das freut mich über die maßen.
"die hat aber einen fetten arsch", mault mr. shyguy.
"dafür hat sie im gegensatz zu den ganzen dürren mädels hier ein hübsches gesicht... und einen fabelhaften humor."
darüber hinaus hat sie auch gute ideen und überredet mr. shyguy und mich, am übernächsten wochenende auf eine andere party zu gehen, auf der ich schon zwei jahre nicht mehr war - eigentlich ohne grund oder allein aus bequemlichkeit, weil der stammclub als zweites wohnzimmer einfach verlockender war.
mr. shyguy zweifelt noch, aber als ich ihm gut zurede, sagt er zu. ich merke, wie sich das mädchen freut, und das ist wichtig. mr. shyguy besitzt nämlich eine unheilvolle vorliebe für arschloch-weiber, die in der regel sehr hübsch sind, sich aber nur im auto rumfahren und getränke bezahlen lassen, sonst aber komplett hohl und herzlos sind. dieses mädchen ist anders, das spüre ich, und seit der lederjacke weiß ich wieder, dass gefühle manchmal überraschend kommen. vielleicht kann mr. shyguy darüber hinwegsehen, dass sie keine 90-60-90-puppenproportionen hat.

als wir so sitzen, kommt das objekt in den raum. es ist kurz nach fünf und das objekt offenbar am aufbrechen. es trägt seine motorradjacke und kämpft mit seinem schal.
"tschüß", sagt es zu mr. shyguy und dem mädchen, mit dem es sich vorhin auch unterhalten hat.
ich überlege kurz, ob ich schnell aufstehen und aus dem raum gehen soll. aber das objekt steht direkt vor mir und ich komme nicht mehr weg.

dann erlebe ich die überraschung des jahrhunderts. das objekt sucht meinen blick und sagt dann:
"tschüß, morphine..."
"tschüß", antworte ich vollkommen perplex.
das objekt geht nicht. es bleibt vor mir stehen und sieht mich sehr traurig an. dann stupst es mich mit dem fuß an und macht eine verzweifelte geste. ich bleibe stumm sitzen und weiß nicht, was ich tun oder sagen soll.
dann sagt das objekt ein zweites mal "tschüß, morphine" und verlässt langsam den raum.

mr. shyguy und ich starren uns an.
"wwwwas war denn das?" findet mr. shyguy als erster die sprache wieder.
ich zucke die achseln und gucke groß.
"mann, das war eine entschuldigung!" mr. shyguy ist ganz aufgeregt. "wahnsinn!"
"ja, ne?" berapple ich mich.
mr. shyguy rüttelt mich an den schultern.
"der will wieder mit dir reden! der will wieder freunde sein mit dir! das ist der anfang vom neuen anfang..."
ich bin wie betäubt und weiß noch nicht, was ich von der situation halten soll. in einer ecke meines herzens steigt freude auf. in der anderen angst.

ich erzähle der krankenschwester davon.
"ihr könnt doch sowieso nicht ohne einander", meint sie.
"ich kann sehr gut ohne ihn. die letzten wochen waren sehr okay so."
die krankenschwester sieht mich nachdenklich an.
"er hat mal mit mir über dich gesprochen... ich habe ihn gefragt, warum ihr nicht zusammen seid, denn dass ihr euch liebt, sieht ein blinder mit krückstock. er meinte dann, das sei für ihn wie im ehegarten... er wisse, dass ihr zueinander gehört, aber da seien immer wieder frauen, die er dann manchmal mehr liebt oder begehrt. und er könne diese geraden weg nicht gehen, er müsse all die verschlungenen pfade absuchen."
"verstehst du jetzt, warum ich nicht mehr kann? was soll ich mit jemandem, der abwesend ist? oder phasenweise so intensiv da ist, dass es einem das herz aus dem leib fetzt, wenn er dann wieder woanders ist? ich verlange ja nicht viel. ich brauche keine monogamie und ich brauche nicht viel zeit mit jemandem, weil ich selber viel zeit für mich will. aber ich brauche meine anknüpfungspunkte. oder die sicherheit, dass jemand anruft, auch wenn ihm mal nicht danach ist, einfach weil ich ihm wichtig bin, so wichtig, dass er es schafft, über seinen schatten zu springen."
"na, eben isser doch über seinen schatten gesprungen. du hast mir doch erzählt, dass er sich niemals entschuldigt und so."
"ja."
"na dann. sei doch mal zufrieden. du kannst nicht alle an deinen maßstäben messen. für seine verhältnisse war das wahrscheinlich eine anstrengung ohne gleichen. die hat ihm mut gekostet."
"hmhm."
die krankenschwester schubst mich:
"du kannst mir nicht erzählen, dass du dich gar nicht freust."
"doch doch, irgendwie schon."

gegen sechs uhr morgens lassen wir uns aus dem club kehren. als ich auf dem fahrrad sitze, weide ich mich an dem gedanken, dass sich das objekt auf mich zugewagt und den versuch einer entschuldigung gemacht hat. ich beschließe, das als meine persönliche nacht der deutschen einheit zu werten - und denke dann doch lieber weiter an die lederjacke.

... link


Montag, 1. Oktober 2012
into your arms
gestern abend treffe ich mich mit der krankenschwester, um nach einem abstinenten wochenende noch mal so richtig abzustürzen. die krankenschwester ist schwer frustriert wegen ihrem bescheuerten sohn, ihrem bescheuerten freund und ihrer bescheuerten arbeit. nach zwei wodka energy und zwei caipis entspannt sie sich allerdings zusehends und kriecht dann in meine arme.
"ich bin so erschöpft. ich bin einfach müde, ich möchte mich hinlegen und nie wieder aufstehen."
"klingt ja fast wie bei mir und meiner depression."
"mir sagt nie einer, dass ich gut bin, verstehst du? mein sohn hält mich für eine miese mutter, mein chef nörgelt an jeder kleinigkeit und mein freund macht mich die ganze zeit runter, um sein kleines ego aufzubessern. genau so wie früher mein vater. bei meinem vater hab ich auch immer umsonst um liebe gekämpft."
ich halte die krankenschwester im arm und streichle sie ein wenig.
"ich hab einen heidenrespekt vor dir und dem, was du tust. ich hab dir ja schon mal gesagt, ich hätte dauernd angst, dass ich jemanden aus versehen umbringe."
die krankenschwester lächelt dankbar und meint dann:
"das war eine verdammt gute idee, dich heute zu treffen. ich hab manchmal das gefühl, es versteht einfach keiner, dass es mir manchmal echt schlecht geht."

kurz nach zwei werden wir aus der bar gekehrt. die krankenschwester torkelt zur s-bahn, ich setze mich schwankend auf mein fahrrad. spontan schreibe ich der lederjacke eine sms: "bin voll und in der schanze."
drei sekunden später klingelt mein handy und die lederjacke ist dran:
"willst du vielleicht vorbeikommen und bei mir schlafen?"
ich fackle nicht lange und sage zu.
"du musst aber noch was zu trinken mitbringen", sagt die lederjacke. "das ist die eintrittskarte."
"okay!"

gesagt, getan. in eimsbüttel finde ich eine shell-tankstelle. als ich ankomme, kippt mir zweimal mein fahrrad um und der tankwart grinst. dann lalle ich meine bestellung durch die scheibe. beim bezahlen fällt mir zweimal der geldbeutel runter, das geld rollt davon. ein autofahrer, der gerade tankt, hilft mir beim aufsammeln und fragt dann, unter meinen minirock linsend, ob ich nicht mitkommen möchte. ich starre ihn böse an und stapfe empört mit meiner tüte voller bier und whiskey davon.

ich radle mit klirrender tüte richtung lederjacke und freue mich an jeder kreuzung wie ein kind, dass ich noch nicht auf die fresse gefallen bin. ich schaffe es tatsächlich heil bis zur lederjacke, die mir schon im treppenhaus grinsend entgegenkommt, um mir die tüte abzunehmen und mich beim gehen zu stützen.

dann sitzen wir bei bier und schnaps auf dem boden herum und hören musik und lachen sehr viel. gegen halb fünf uhr morgens klingelt es an der tür. die lederjacke kriecht auf allen vieren durch den flur und öffnet. draußen steht eine unheimlich dicke alte frau und mosert über die lautstärke. die lederjacke beteuert, sie würde gleich den bass rausdrehen. dann kommt sie wieder ins zimmer zurückgekrabbelt und schaut mich lächelnd an.
"so eine blöde hässliche alte fotze. die beschwert sich auch immer, wenn ich nach 22 uhr die waschmaschine laufen lasse."

ich sehe der lederjacke in die schönen kalten blauen augen. dann strecke ich die hand aus und berühre die sehnen am hals, die sich zu den muskulösen, sommersprossigen schultern hinunterziehen. die lederjacke hält ganz still und sagt nichts mehr.
während unsere blicke einander jagen und fangen, packt mich die lederjacke und zieht mich sanft an den haaren an ihre lippen. wir küssen und küssen uns, dann hebt mich die lederjacke hoch und trägt mich zum bett.

wir wälzen uns nackt durch die laken. ich bin elektrisiert, aber unentspannt. die lederjacke merkt das, nimmt mich ein weilchen in die arme, bis ich weniger zittere.
"alles gut?"
ich nicke.
doch als die lederjacke in mich eindringt, verliere ich mich endgültig rettungslos im labyrinth meiner düsteren tiefen. die alkoholisierte seligkeit ist mit einem schlag weg. ich falle und falle, bis ich merke, dass mir eine träne über das gesicht rinnt. reiß dich mal zusammen, befehle ich mir noch, doch die lederjacke hält schon irritiert inne.
"was ist denn mit dir?"
anstatt einer antwort schluchze ich los. die lederjacke ist sehr erschrocken.
"hab ich dir weh getan?"
ich schüttle den kopf und heule weiter. die lederjacke nimmt mich vorsichtig in den arm, aber ich spüre das große fragezeichen.
"es hat nichts mit dir zu tun", sage ich, als ich wieder sprechen kann.
"ach schade", sagt die lederjacke, "ich wollte mich schon freuen, dass mal eine frau nach meiner performance vor dankbarkeit weint."
ich muss kichern, werde aber gleich wieder ernst.
"entschuldige, das ist mir wirklich verdammt unangenehm."
die lederjacke sieht mich vorsichtig an:
"willst du drüber reden?"
ich schüttle den kopf.

die lederjacke streichelt mein gesicht und meine haare, bis ich ruhiger werde.
"was denkst du?" fragt sie mich.
ich gehe in mich und erhasche den ersten gedanken in meiner bewussteinsebene.
"ich mag dich sehr gerne."
die lederjacke grinst stolz und geschmeichelt und küsst mich zärtlich.
"es tut mir leid, dass ich so bin", entschuldige ich mich abermals. "das liegt an den depressionen."
"schon gut."
ich bin unendlich erleichtert, dass die lederjacke trotz ihres jungen alters so einfühlsam und geduldig mit mir ist. ich krieche näher an sie heran und schnuppere den zarten duft ihres parfums. die lederjacke lässt mich nicht los, sondern dreht sich mit mir auf die seite, umschlingt mich mit armen und beinen und nimmt meine hände in die ihren.
"schlaf jetzt, wenn du kannst."

ich döse weg und erwache dann wieder so, wie ich eingeschlafen bin: auf der seite, vollkommen umschlungen. die sonne scheint durch die jalousie, und ich merke, meine schulter tut weh. als ich mich umdrehe, wecke ich die lederjacke. sie blinzelt mich schlaftrunken an und zieht mich an sich. ich liege auf ihrer brust und höre dem herzen zu, das fest und regelmäßig schlägt. die lederjacke duftet immer noch gut, obwohl wir zu zweit vier bier und eine flasche whiskey sowie mehrere schachteln zigaretten gekillt haben. meine leber müsste theoretisch kapitulieren, aber ich habe wieder mal keinen kater.

die lederjacke streichelt meinen rücken und meinen po. obwohl ich noch verängstigt bin von letzter nacht, entspanne ich mich nach einer weile. die lederjacke ist ganz sanft. sie küsst meinen hals, meine schultern und meine brüste. ich kann es genießen und spüre vertrauen wachsen wie eine kleine, zarte pflanze.
"katze", sagt die lederjacke, genau wie das objekt.
"mau", sage ich.
die lederjacke beobachtet mich einige zeit, bevor sie vorsichtig fragt:
"willst du mit mir schlafen?"
ich überlege nicht lange und nicke.

diesmal klappt es besser. ich kann erwidern, was mir die lederjacke gibt. wir küssen uns die ganze zeit über und ich fühle mich sehr teenagerhaft, will am liebsten verschmelzen und mich auflösen. als die lederjacke kommt, sehen wir uns in die augen und ich spüre, wie mir das herz in die nicht mehr vorhandene hose rutscht.

verknallt.
doch, irgendwie schon.
so ein bisschen wenigstens.

... link


Sonntag, 30. September 2012
objektives ende
wenn sie in letzter zeit wenig vom objekt gelesen haben, so liegt dies daran, dass ich mich mal wieder verabschiedet habe. im unterschied zum letzten winter benötigte ich dafür aber nicht die lügengeschichten der k.-ex (der ich ebenfalls die freundschaft aufgekündigt habe), sondern kam mal ausnahmsweise ganz von alleine auf den trichter.

nachdem sich das objekt in meiner akuten depressiven phase so rührend um mich gekümmert hatte, wurde der kontakt mit zunehmender stabilisierung weniger und blieb so gegen mitte august dann ganz aus. irgendwann machte ich mir sogar sorgen, da das objekt ja auch zu ausgesprochen düsteren phasen und substanzmissbrauch neigt und man nie ganz sicher sein konnte, dass es nicht mal tot in der wohnung lag. nachdem es sich auf zahlreiche sms nicht meldete, drohte ich mit spontanem aufkreuzen. soweit musste es aber nicht kommen, weil ich das objekt dann doch mal wieder im club traf.

im gegensatz zur letzten begegnung wurde ich nicht geherzt und betüddelt, sondern eiskalt ignoriert. ich war zunächst verunsichert, machte aber dann ein paar energische schritte auf das objekt zu und kriegte es an der bar zu fassen.
"na, schaffst du es, mich in den arm zu nehmen?" fragte ich.
daraufhin bekam ich eine umarmung, die im ersten moment ein schmerzhaftes klammern, dann ein wegschieben war.
"wie geht es dir?" wollte ich wissen.
"darüber will ich jetzt lieber nicht sprechen", erwiderte das objekt.
"bitte keine politik, ja?!"
ich starrte das objekt verletzt an. also wenn, dann wäre ja eigentlich die frage gewesen, wie es MIR geht, fand ich. schließlich hatte sich das objekt fast zwei monate lang zu meinem persönlichen betreuer aufgeschwungen.
wir schwiegen uns unangenehm an, dann meinte das objekt kurz angebunden:
"ich geh tanzen."

es ging allerdings nicht auf die tanzfläche, sondern verschwand in der masse. kurze zeit später stand es schäkernd mit k. zusammen.
"hast du schon mit dem objekt geredet?" fragte mich mr. shyguy, der neben mir stand.
"ja, mehr oder minder."
"hat der wieder probleme?"
ich sah mr. shyguy an:
"der hat ein problem. und zwar, dass er ein riesengroßes arschloch ist."
mr. shyguy grinste:
"du wählst aber harte worte!"
"wenn sie nun mal zutreffen."

den rest des abends rettete mich die lederjacke, die irgendwann schon mittelblau aufkreuzte und ihre lederjacke trug, die ihr so gut stand. wir landeten an der bar, wo die lederjacke weitertrank und auch mich zu ein oder anderen drink überredete, bevor wir dann gegen sechs weiterzogen und nach einer odyssee durch altona in einer türkischen kneipe einlass fanden, wo wir weitere stunden in gesellschaft mehrerer exzellenter exotischer spirituosen und musik zubrachten. anschließend fuhren wir zu mir nach hause, wo das kater-drama dann seine fortsetzung fand.

dem objekt schrieb ich am tag darauf, während die lederjacke noch schlummerte, eine böse sms, in der ich ihm arroganz und unfreundlichkeit vorwarf und mit den worten schloss, dass es meines erachtens mal ordentlich eine geschallert braucht.
ich wusste, dass sich mit dieser sms unser kontakt voraussichtlich erübrigt haben würde und wartete gespannt auf darauf, welche gefühle sich in den nächsten tagen bei mir einstellen würden.

dank lederjacke, mademoiselle hasenfuß und jeder menge psychopharmaka fühlte ich mir allerdings überraschend ausgeglichen. auch, als ich dem objekt am nächsten wochenende erneut begegnete, war ich cool für zehn mann. ich wartete auf das übliche nicht niederzuringende bedürfnis, mit dem objekt zu sprechen und eine umarmung abzustauben. doch nichts regte sich in mir. vielmehr fiel mir gar nichts ein, was ich hätte sagen wollen. ich blieb stumm. das objekt sah mich einige male fragend an, aber ich guckte weg oder ging ihm aus dem weg.

am tag darauf verfasste ich eine weitere sms, in der ich erklärte, dass mir die kraft für einen endlos-monolog fehlt und dass sich unsere wege an dieser stelle trennen. ich empfand nichts dabei. die tränen ließen einige tage auf sich warten, kamen aber dann mit voller wucht zusammen mit denen wegen der job-misere.

die reihe der abschiede ist noch längst nicht zu ende. ich habe den eindruck, mich weiterhin zu zerteilen, mich zu atomisieren, mir täglich das herz aus dem leib fressen zu lassen, vom objekt und von vielen anderen menschen.

aber ich kann nicht mehr anders. sogar einsamkeit ist besser als all das. meinem therapeuten erzähle ich, dass mir zwar die kraft für selbstmord fehle, dass ich aber im prinzip nichts dagegen hätte, wenn mich ein auto überfahren würde. mein therapeut meint daraufhin arschcool, passive selbsttötungsgedanken seien bei einer depression ein ganz normales symptom.
schön. ich bin also normal für das ausmaß meines wahnsinns. das ist doch schon mal ein anfang.

... link


Samstag, 29. September 2012
ich sehe was, was du nicht siehst
in meinen träumen.




... link