Samstag, 29. September 2012
ich sehe was, was du nicht siehst
in meinen träumen.




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Mittwoch, 26. September 2012
everything will be alright
nicht nachdenken. manchmal einfach nicht nachdenken. über mein leben und das, was ich noch alles machen will. denn ich will einfach zu viel. zu durcheinander.

dann sitze ich in meiner agentur und erfreue mich an den witzen des ex-azubis, der nun doch übernommen wurde. daran, dass sich der neukunde für die herzlichkeit, die ihm hier entgegenschwappt, bedankt. oder einfach daran, dass das eichhörnchen im blumenkübel im garten wuselt, obwohl es wie aus kübeln schifft.

die seligkeit der prokrastination. mich nicht bewerten und mich schon gar nicht bewerten lassen durch das sollte hätte müsste. einfach mal den gefühlen trauen.

das gefühl sagt, dass es gut ist, weil auch die agentur mit ihrem typisch rauen agenturklima immer noch eine ausnahme unter ihresgleichen ist. die berühmte nische. ich werde nie eine von denen werden, die sich in den orkan stellen, mit 40 reich sind und dann mit 42 an einem herzinfarkt sterben. ich werde nicht viel werden, denn ich muss auf mich achten. aber vielleicht ist nicht viel auch gerade richtig für mich.
"ich spüre bei ihnen das bedürfnis nach sicherheiten", sagt der therapeut, "aber gleichzeitig halten sie das nicht durch, weil sicherheit sie einengt. sie wollen frei sein, mit aller macht. obwohl sie das ebenso wenig aushalten wie die sicherheit."
ein hin und ein her. wer bin ich? wohin gehe ich? und ist das alles richtig so? gefühl, wo bist du, ich will mich spüren!

diese woche geht es mir schlecht. unruhe, schlaflosigkeit, wilde träume. extreme niedergeschlagenheit und lebensangst. wohin gehöre ich? wer mag mich wirklich? kann man mit jemandem wie mir einen blumentopf gewinnen?

es wird werden. wenn nichts mehr geht, muss mir wildcat als beweis herhalten. warum sollte sie kuscheln kommen, BEVOR ich fressifressi gebe? um fressifressi zu erpressen oder weil sie mich mag? warum kommt sie auch nachher noch und quatscht mich mauzend voll, obwohl sie doch hatte, was sie wollte? warum sitzt sie den ganzen abend zu meinen füßen und folgt mir bis aufs klo? nein, sage ich mir, das ist mehr als bloßer opportunismus. das ist family.

ich spreche mit der lederjacke darüber. "ich traue manchmal niemanden", sage ich. "manchmal denke ich, dass sich andere nur mit mir abgeben, weil sie was von mir brauchen, oder weil sie bestenfalls noch mitleid haben, aber nicht, weil sie mich mögen."
die lederjacke ist ein bisschen schockiert über den gedankengang und versucht sich im gegenbeweis.
"das ist keine frage, wie andere zu mir stehen", bremse ich die lederjacke bei ihrem q.e.d., "das ist eine frage, wie ich zu mir selbst stehe."
die lederjacke macht sich sorgen, weil ich traurig bin, weil ich misstrauisch bin und angst habe. sie sagt viele schlaue und richtige sachen, und wieder bin ich erstaunt, wie ich jemals von der lederjacke gelangweilt hatte sein können. so ein kluger kopf, so ein warmes herz, und das alles in so einem schönen und jungen körper.

heute traue ich mich. heute sage ich der lederjacke "danke, dass du hartnäckig geblieben bist, dass du immer wieder den kontakt zu mir gesucht hast." die lederjacke ist gerührt und ein bisschen gebauchpinselt, haspelt etwas von selbstverständlichkeit und weiß doch genau wie ich, dass verbindlichkeit nicht selbstverständlich ist, dass alles ein prozess ist und menschen so leicht zu entzweien sind. ich bin so dankbar, dass mir die tränen in den augen stehen, als ich auflege, und in meiner traurigkeit boxt sich mit aller macht ein stück nicht niederzuringende lebensfreude empor.

ich weiß nicht, wohin die reise geht. aber ich bin noch immer mit dem herzen dabei. ich wünsche mir nur eine hand. eine einzige, dann und wann.

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Dienstag, 25. September 2012
die katze fällt nicht weit vom kratzbaum
in einer sache muss ich zustimmen: je teurer das katzenfutter, desto weniger stinkt es. also kaufe ich nicht mehr discounter-ware wie die vorbesitzer, sondern bin inzwischen im höherpreisigen supermarktsegment angekommen.

mademoiselle hasenfuß macht keine zicken und frisst alles mit begeisterung bis zum letzten krümel. am liebsten mag sie derzeit eiersoufflé mit lachs, was auch nur ganz wenig stinkt und von mir daher bevorzugt als frühstück gefüttert wird, da es mir danach noch möglich ist, einen kaffee zu mir zu nehmen, ohne vorher eine halbe stunde lüften zu müssen.

aber es geht natürlich immer noch teurer und besser. weil ich ja inzwischen fast soviel verdiene wie ein altenpfleger, studierte ich kürzlich das qualitätsfutterangebot im biosegment. ich persönlich scheiße bei meiner ernährung auf bio, da ich bio überwiegend für etikettenschwindel halte, auf den viele konsumenten reinfallen, weil die hersteller einfach ein paar wohlschmeckende zutaten weglassen, um allen lebensmitteln damit den gleichen muffig-faden geschmack zu verleihen, den der ottonormalkonsument mit bio assoziiert. aber da mir für die katz nichts zu teuer ist, bestellte ich probehalber einen sixpack biofutter mit truthahn. (thunfisch oder rind gibt es bei mir nicht mehr, das riecht in allen preisklassen ekelerregend.)

das paket kam heute abend an. mademoiselle stinkepups umkreiste es im erwartungsfreudigen delirium, zumal pakete auch immer so herrlich rascheln und zum reinhüpfen einladen. ich entnahm
ein töpfchen und öffnete es. der inhalt glitt mit einem feuchten "plopp" in den napf, was ich schon mal gut fand, da ich es hasse, den stinkenden fleischabfallmatsch mit der gabel herausstochern zu müssen. das zweite, was mir positiv auffiel, war, dass der inhalt fast geruchslos war. er verströmte lediglich den schalen biomuff, den auch bio-menschenessen so an sich hat. ergo war der teuer-fraß auch todsicher bio bzw. das, was man dafür verkaufte, und damit garantiert sein geld wert.

ich übergoss das ganze wie immer mit heißem wasser, weil katzen es ja körperwarm mögen und weil ich mir stets sorgen mache, dass wildcat nicht genug flüssigkeit zu sich nimmt. dann versuchte ich, das fressifressi und das wasser irgendwie zu vermengen. ich scheiterte. der truthahn entpuppte sich als echter gummigeier und flutschte unwillig im napf hin und her. schließlich nahm ich ein messer zuhilfe.

minuten später servierte ich den zerschredderten gummiadler meiner wildcat, die mir inzwischen schon ungeduldig auf den füßen herumtappte.
ein kurzes schnuppern, ein lecken. dann der erste bissen. ich sah wildcat fragend an. wildcat zögerte, schnupperte dann noch einmal und schleckte ein bisschen gummiadler-soße. dann guckte sie wieder zu mir hoch - und ja, wir waren uns definitiv einig: bio ist einfach scheiße. zum trost gab es dann billig-sheba mit extra schlimm stinkender forelle.

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Montag, 24. September 2012
herbst
regen.
drinnen und draußen.



im kopf ein paradies.
ein kontrapunkt.
mit kontrabass.

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Samstag, 22. September 2012
silence
arbeiten, arbeiten, arbeiten. künftig noch mehr. für weniger geld. der herbst, eigentlich auftragstechnisch eine hochphase, ist viel zur ruhig.

der lederjacke geht es ebenso mies. neben der promotion jobbt sie in der sozialhilfe. auch hier wird zusammengestrichen, was zusammengestrichen werden kann. nur noch unqualifiziertes hilfspersonal. "das kann so keiner mehr schaffen", sagt die lederjacke. nach drei mehr als zehnstündigen nachtschichten ist sie krank geworden, darf aber nicht zuhause bleiben. mit schwerer grippe schleppt sie sich dieses wochenende durch die spätschichten. stationärer dienst, besonders anstrengend. mit menschen, die nicht einmal alleine aufs klo finden.

wie ungerecht in diesem land entlohnt wird. man möchte schreien und toben, aber man fällt nur übermüdet ins bett. ins bett, wo mademoiselle hasenfuß wartet und sich an einen schmiegt. das einzige highlight in einer harten zeit.

montags die sitzungen mit meinem therapeuten, dem ich sage, dass mich mein selbstmitleid ankotzt.
"wenn sie aber doch grund dazu haben", meint er, "dann ist es doch legitim. und wen haben sie denn schon sonst, der mitleid mit ihnen hätte? ihr chef etwa? der fährt seine dicke karre auch, wenn sie von wasser und knäckebrot leben."
eine klare ansage, die meine immer wieder aufpoppende illusion, dass es menschlichkeit auch im job geben müsse, wie ein seifenblase platzen lässt.

wir verhandeln auch über die dosierung meiner medikamente. seit es kitty gibt, geht es mir theoretisch besser, auch wenn auf arbeit desaster herrscht.
"sie haben was zum liebhaben gefunden", sagt der therapeut. "ich bin stolz auf sie. vielleicht finden sie ja auch irgendwann einmal einen menschen, der diese rolle bei ihnen einnehmen kann."

da ist niemand. noch immer nicht. auch die lederjacke ist es nicht. obwohl ich diesen menschen sehr gerne habe.

aber vielleicht wird da doch mal noch wer sein. auch wenn ich darauf noch warten muss. bis dahin hat meine liebe vier beine.

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