Dienstag, 3. April 2012
31
ich habe tolle freunde. wirklich.
allein, dass sie heute bis eben ungeachtet beruflicher verpflichtungen mit mir meinen geburtstag feierten, macht sie zu etwas sehr besonderem.

ich bin angekommen. es passt noch längst nicht alles. aber die menschen um mich herum stimmen. ich liebe sie von ganzem herzen.

das prinzip lautet nach wie vor: let me never be content.
sehnsucht ist (m)ein motor.
doch es gibt einen puffer zwischen verzehrendem traum und harter realität. es sind diese menschen.

ich bin dunkelblau. ich falle jetzt in mein bett. und bin sehr, sehr satt.

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Mittwoch, 28. März 2012
well(en)stress im whirlpool
im büro herrscht urlaubssperre. nächster möglicher zeitpunkt für freimachen ist ende mai. da wir maximal unter stress stehen, sind wir alle kurz vorm durchdrehen. für meine eine heißt das mal wieder: gnadenlose schmerzen. da ich aber nicht komplett krank werden kann, da mich der verdienstausfall ruinieren könnte, muss ich künstlich fit halten. heißt zu deutsch: wir machen wellness!

wellness ist eine neuzeitliche erfindung, um menschen davon abzuhalten, burnout zu entwickeln. das funktioniert bedingt, da man a) genug geld und b) genug zeit für den wellness-quatsch haben muss. hat man a) und b) ist man wiederum theoretisch nicht allzu burnoutgefährdet. womit sich die maus in den schwanz beißt.

mangels a) und b) machte ich heute also c), das heißt eine ausnahme und begab mich in die geheiligten schwimmhallen, die sich da therme nennen. dort war ich früher des öfteren, als ich mich noch nicht mit sozialversagern rumtrieb und mich von behinderten schwängern ließ.

ich schwamm erst 1000 meter, um mich ein bisschen zu entspannen, dann legte ich mich in den beleuchteten blubber in der seitenbucht des beckens, auch genannt whirlpool. dort lehnte ein junger typ und glotzte mich erschreckt an. als ich auf klo ging, verstand ich auch warum: meine wimperntusche - ich kam direkt aus dem büro - war sehr offensichtlich nicht wasserfest. ich sah aus wie ein böser clown. also ordentlich geschrubbt, dann ging es einigermaßen.

weil mir ständig kalt ist, seitdem ich den potenziellen mikro-morphine-mensch in mir trage, begab ich mich sodann ins römische dampfbad. in der therme gibt es zwei davon. in einem riecht es nach minze, in dem anderen nach kamille und anderen beruhigenden heilpflanzen. ich nahm zuerst kamille für die entzündeten nerven, dann minze für die verstopfte nase. ich war die ganze zeit alleine, bis wieder der junge typ aus dem whirlpool aufkreuzte. er setzte sich neben mich und guckte wieder. dann nahm er ein schälchen mit salz und begann, sich damit abzuschrubben. jetzt war ich es, die glotzte. frau sieht ja nicht alle tage einen muskulösen, gebräunten, fettfreien jungs-körper, auf dem weißes salz glitzert. entgegen sonstiger präferenzen für graue schläfen und graue eminenzen war der optische reiz in diesem fall vermutlich ein unbedingter.

"willst du?" fragte der junge schließlich und streckte mir das salz entgegen.
tapfer nahm ich zwei fingerspitzen davon - salz auf unserer haut, was können da bekanntlich nicht für wilde romanzen daraus erwachsen - und verteilte das zeug auf armen, beinen und dekolleté. ich wartete artig. es brannte wie hulle und ich musste an die schlachtung von aalen denken, die ja bekanntlich solange gesalzen werden, bis sie sterben, nämlich mehrere tage lang. (sie dachten vermutlich, das zu-tode-kochen von hummern sei inhuman, aber die sache mit den aalen toppt das um ein vielfaches, glauben sie mir. sehen sie einmal zu, sie essen nie wieder aal.) durch die vorstellung sterbender aale wurde mir etwas schlecht und ich floh würgend auf die toilette.

als es wieder ging, zog ich noch ein paar runden durchs wasser und nahm dann wieder meinen posten im whirlpool ein. schwupps, saß der typ erneut neben mir. ich fasste mir ein herz und lächelte ihn an. er lächelte zurück und stellte sich dann vor. 26, bwl-student, aus einem fischerdorf in swh. niedlich und sehr wohlerzogen.

es wurde ein nettes gespräch. irgendwann schnappten wir uns die umhertreibenden schaumstoffwürste und bauten daraus eine art boot, mit dem wir durch das thermenbecken schipperten. der bademeister beobachtete uns grinsend. möglicherweise hielt er uns für ein frischverliebtes paar, schlimmstenfalls für mutter und sohn.

als wir um kurz nach 22 uhr aus dem becken krochen, erschöpft vom vielen lachen und blödsinn machen, spürte ich eine warme hand am unteren teil meines rückens.
"ich hab schon wen", platzte ich heraus.
"oh", sagte der typ.
"tut mir leid", erwiderte ich.
"macht nichts", sagte der junge.
"ich geh mich jetzt umziehen", meinte ich dann verlegen.
"treffen wir uns am ausgang?" fragte der junge typ.
"okay."

als ich trocken und warm nach unten schlenderte, stand noch niemand am ausgang. da gedachte ich des menschen und des potenziellen mikro-morphine-menschen und flüchtete schnell in die späte nacht.
schließlich musste ich morgen wieder tausend prozent leistung erbringen. und überhaupt, das geht ja nicht so. das alles.

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Sonntag, 25. März 2012
search request: "meine mutter guckt in meine tasche, das verletzt mich"
liebe(r) unbekannte(r)!

(tipp gilt für beide geschlechter)

wenn deine mom in deiner tasche schnüffelt, hat das womöglich folgende gründe:

- du kommst mindestes einmal pro woche jenseits der zurechnungsfähigkeit nach hause und riechst dabei streng nach kiffe und alkohol und hast enorm pupille.

- du hast in jüngster vergangenheit einmal deinen freund/deine freundin mit nach hause gebracht, der/die jenseits der zurechnungsfähigkeit war, streng nach kiffe und alkohol roch und enorm pupille hatte.

- du kommst mehrmals die woche mit einem anderen kerl/einer anderen tussi nach hause und warst schon mit 14 das erste mal schwanger/vater.

- du klaust deiner mom regelmäßig kohle und stellst dich dabei etwas ungeschickt an (z.b. ganzes portemonnaie leerräumen und das geld dann direkt in deine tasche transferrieren).

- du wurdest mehrmals beim ladendiebstahl erwischt.

in den genannten fällen ist der potenzielle gegenstand der suche:

- drogen
- großpackung kondome/das fehlen jeglicher kondome
- größere summen geld, bei denen es sich unmöglich um dein taschengeld handeln kann
- gegenstände, die du mit deinem taschengeld zu kaufen nicht in der lage wärst.

all dies sind mögliche, aber nicht sehr wahrscheinliche erklärungen. denn die plausibelste erklärung für mütterliches schnüfflertum ist noch immer:

NEUGIER.

möglichkeiten, deiner mutter das schnüffeln auszutreiben:

sollte es sich bei den potenziellen gründen um einen der zuerst genannten handeln, solltest du folgendes tun:

- deinen rausch bei deiner besten freundin ausschlafen

- deine(n) freund/in wechseln oder ihn von deinen eltern fernhalten. ggf. alibi-freund(in) zulegen, am besten typ streber/in/nerd (pullunder/bluse, turnschuhe, brille, zahnspange, gute noten in der schule).

- dein geld woanders klauen, geschickter klauen oder dir einen job besorgen (nicht beim eskortservice, wenn möglich, das fällt deiner mutter ebenfalls auf, wenn du mehrere hundert euro in deiner tasche hast, die NICHT aus ihrem portemonnaie stammen).

- ladendiebstahl möglichst unterlassen. taschengelderhöhung beantragen/job suchen.

handelt es sich hingegen um die reine neugier deiner mutter, treibe ihr ihr missverhalten aus wie folgt:

- lege einen zettel in deine tasche, auf dem steht: wenn du das liest, wirst du sterben.

- packe folgendes in deine tasche: ein kilo mehl in einer klarsichttüte, eine knarre sowie die buchungsbestätigung einer fluggesellschaft für die reise in ein arabisches land. dazu einen zettel: wenn du noch mal in meine tasche guckst, bin ich weg.

- schnüffle in ihrer tasche. lass dich dabei von deinem vater erwischen. druckse ein wenig herum und sage dann, dass es dir auffällt, dass die mutti desöfteren nach alkohol riecht, wenn du aus der schule nach hause kommst und dass du nur gucken wolltest, wo sie ihre flachmänner versteckt.

- alternativ kannst du deinem paps sagen, dass es dir auffällt, dass die mutti in letzter zeit öfter ohne zielangabe das haus verlässt und du in der stadt neulich eine schicke, äußerst wohlriechende frau getroffen hast, die aussah wie mutti und die arm in arm mit einem geilen typen unterwegs war. in der tasche hättest du eben nach hinweisen gesucht wie einer telefonnummer, blümchen, klunkern, kondomen, hotelrechnungen etc.

wenn du dazu keinen mumm hast, kannst du auch einfach versuchen, deine mom auf frischer tat zu ertappen und ihr mit deiner tasche eins in die fresse hauen (konditionierungseffekt nach pawlow: meiden der situation, in der man negative verstärkung erfahren hat).

ich wünsche dir viel glück. wenn das alles nicht fruchtet, musst du leider ausziehen.

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Samstag, 24. März 2012
menschenskind
"ich würde dir nicht raten, von mir schwanger zu werden", sagt der mensch am telefon. "die wahrscheinlichkeit, dass das kind später auch mal schwerst sehbehindert wird, ist recht hoch."
"alles klar", sage ich. "außerdem würde es ja auch sehr intelligent werden, rückenkrank und zugleich völlig neurotisch und depressiv. alle faktoren zusammengenommen wäre es dann nur eine frage der zeit, bis es selbstmord begeht."
der mensch lacht, aber ich weiß, dass seine verzweiflung ob seiner existenziellen situation auch manchmal sehr groß ist.
"du bist für mich trotzdem kein x-beliebiger one-night-stand mit wiederholungsfaktor", sage ich dann sehr bestimmt und liebevoll.
"nein, so fühlt es sich auch nicht an", antwortet der mensch mit warmer stimme. "du bist mir auch nicht gerade egal."

das alles ändert nichts an der tatsache, dass ich die tage auf die tage warte und mir einige was-wäre-wenn-szenarien durch den kopf spuken.
"das kommt aber bestimmt vom stress", sage ich ins schweigen hinein. "außerdem, ich würde es ja eh nicht bekommen. wovon soll ich das denn durchfüttern?!"
"wenn du dir damit sicher bist, dann mach doch den test", rät der mensch ganz pragmatisch und vernünftig, so, wie der mensch eben ist.
"nächste woche mach ich einen."
der mensch durchschaut mich sofort:
"morphine, seit wann steckst du den kopf in den sand?"

vielleicht möchte ich mich noch ein paar tage an dem gedanken ergötzen, dass der mensch, das menschenskind und ich mal eine ziemlich verrückte, vom schicksal und der permanenten finanziellen und gesundheitlichen bedrohung gebeutelte, nichtsdestoweniger aber glückliche familie sein könnten. nur solange, bis wir dann ohnehin den tatsachen ins auge schauen müssen. dass es dem menschen immer schlechter gehen wird und es eines tages für immer nacht um ihn sein wird. dass unternehmen lieber abgaben zahlen als behinderte einzustellen. dass auch ich niemals an den punkt geraten werde, an dem ich für drei menschen sorgen könnte. dass auch meine gesundheitlichen probleme sicherlich nicht weniger werden. dass das alles die denkbar schlechtesten voraussetzungen für das menschenskind wären.

und weil man dem menschen eigentlich alles zumuten kann, sage ich ihm das so.
er schweigt sehr lange und meint dann zögerlich: "also eigentlich... so im grunde meines herzens... habe ich mir immer gesagt: wenn es passiert, dann passiert es eben. und wenn man dann trotz aller faktoren, die dagegen sprechen, zu dem schluss kommt, dass es irgendwie schlichtweg richtig ist... warum denn nicht?"

ich sitze auf dem parkettboden in der sonne, den hörer still an mein ohr gespresst, und lasse diese worte von der ohrmuschel bis zu den zehenspitzen durch mich hindurchrieseln. und obwohl gerade alles vollkommen durcheinander und viel zu viel ist, spüre ich, dass ich wieder ein stück mehr in meinem leben ankomme. weil der mensch und ich dieselbe sprache sprechen.

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Donnerstag, 22. März 2012
mittendrin
verpeilte vorgesetzte und faule untergebene sind die effektivste kombination zum burnout. habe heute an einem tag ein halbfertiges projekt zu ende gebracht, an dem die anderen seit dreieinhalb wochen basteln. war anstrengend. aber das ergebnis stimmt. das wird zwar keiner bemerken oder honorieren. aber ich weiß: ich bin gut. ich kann sogar struktur (woher die plötzlich kommt, dürfen sie mich nicht fragen). und es kommt am ende genau das heraus, was herauskommen soll.

ich bin stolz auf mich.

wie zur bestätigung habe ich heute auf die 57. bewerbung dieses jahres eine rückmeldung bekommen. was denn meine gehaltsvorstellung sei. seither versuche ich verzweifelt den etat des unternehmens abzuschätzen und ab welchem betrag man als günstig, aber nicht als billig durchgeht.

nicht, dass ich noch an irgendetwas oder irgendjemanden glauben würde. aber ich versuche es immer wieder. vielleicht bricht ja mal eine speiche aus diesem total maroden hamsterrad.

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